Wahrheit

Wenn der Mensch nicht in der Lage wäre, die Wahrheit individuell zu erfahren, wenn alles Denken subjektiv wäre, wie uns Bacon mit seinen vier Idolengruppen im Gedankenleben lehren wollte, dann müsste es ein kommunikatives System geben, das es ermöglicht, zu Handlungsimpulsen zu gelangen, denen die Mehrheit zustimmen würde. Dann würde sich allmählich eine Kultur herausbilden, in der man sich von einem Konsens über die Denkinhalte leiten lässt und sich nicht mehr fragen muss, „ob das alles wahr ist“. Dann würde in einer Reihe von Schritten auch die Meinungsfreiheit verschwinden, denn sie würde den Konsens stören, während die Menschen tatsächlich bedacht hätten, woran sie sich halten wollen.

Die IDOLOGIE von Francis Bacon

Wir müssen die tatsächliche Bedeutung seiner vier Arten von Idolen sorgfältig verstehen! Es ist eine große Herausforderung für unser Differenzierungs- und Unterscheidungsvermögen, zu verstehen, was Bacon richtig sieht und wo er uns in die Verwirrung führt. Das Prinzip seiner Philosophie lautet: Akzeptiere keine Prinzipien. Folgt einfach den Daten der Wahrnehmung und legt keine Gedanken hinein. Bacon kämpft gegen das Denken an sich. Aber wenn der Mensch das Denken an sich verliert, wird er zum Sklaven der Dinge. Das sehen wir jetzt, vier Jahrhunderte später, langsam entstehen. Die Philosophie des Bacon „hat sich im Stillen den Weg in jene Köpfe gebahnt, die dafür geeignet sind“.

Verschwörungs-Denken 2

In alten Kulturen, in denen ein magisches oder mythisches Bewusstsein vorlag, wurde alles, was im Leben und in der Natur geschah, unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dass Gott oder die Götter dort intervenierten. Natur und Leben waren für Gott ein Ausdrucksmittel. Wenn man darauf Einfluss nehmen wollte, musste man ebenfalls in diesem Bereich aktiv werden, indem man Gebete sprach, bestimmte Rituale durchführte, Opfer brachte und so weiter. Die Rationalisierung hat dem ein Ende gesetzt. Der vernünftige Mensch kann immer noch gläubig sein, kann an einen Gott glauben, aber er wird nicht mehr in dem Bewusstsein leben, dass Gott jedes Blatt im Wind bewegt. Eine natürliche Realität und eine spirituelle Realität sind uns bewusst geworden. Die geistige Realität gehört zum Bereich des Glaubens, die natürliche Realität zum Bereich der Wissenschaft. Diese beiden Bereiche werden strikt voneinander getrennt, und so ist es für einen gläubigen Menschen möglich, ein Wissenschaftler zu sein, der nur noch am Sonntag in die Kirche geht.

Verschwörungs-Denken

Nach einer ausführlichen Reflexion über die moralische Intuition, die wir als menschliche Wesen empfangen und im Leben verwirklichen können, indem wir mit den Engeln in unserer Seele zusammenleben, möchte ich auf das Thema zurückkommen, das uns beschäftigt: die Corona-Krise. Die vierwöchige Reflexion über die Frage „Was tut der Engel in unserem Astralleib?“ war natürlich kein anderes Thema. Aber ich möchte nun eine andere Frage stellen, und zwar die Frage nach dem Phänomen des Verschwörungsdenkens oder der Verschwörungstheorie. Ich halte es für wichtig, dieses Wort näher zu betrachten.

Die technische Revolution

Diese Woche werde ich das – kurze – Zitat über den dritten Effekt geben, der auftreten wird, wenn wir den Aufruf der Engel und in der Seele nicht hören, dass wir zu einer Spiritualisierung des Denkens und einem Durchdringen zur Geisteswissenschaft kommen müssen. Wir finden in diesem Zitat eine Prophetie einer technischen Revolution – in die wir bereits ganz verwickelt sind, die aber immer noch revolutionärer werden kann… Zuerst das Zitat über die Mächte, die zu verhindern versuchen, dass wir die Engel ‚hören‘:

Schaue auf die Engel, die Bilder in unserer Seele weben!

In seiner Prophetie über die nahe Zukunft gibt Steiner drei Warnungen in Bezug auf das, was geschehen wird, wenn wir die Arbeit der Engel in unserer Seele verschlafen würden. Das Erste, was er beschrieb, waren die Veränderungen im Gebiet des Willens, wodurch keine Brüderlichkeit, sondern gerade ein Streit zwischen den Menschen aufkommen würde, der eine Mensch gegenüber dem anderen. Keine Liebe, sondern Hass würde dann das führende Prinzip werden.

Engel oder Teufel

Was wird geschehen, wenn wir nicht für diese Ideen erwachen wollen, wenn wir weiter schlafen würden und die Engel ihr Werk ohne unser Mitwissen tun lassen würden?

Was die Engel in unserer Seele tun

Die Menschen können sich sträuben, anzuerkennen, daß Engel in ihnen Zukunftsideale auslösen wollen, aber es ist doch so. Und zwar wirkt ein ganz bestimmter Grundsatz bei dieser Bilderformung der Angeloi. Es wirkt der Grundsatz, daß in der Zukunft kein Mensch Ruhe haben soll im Genusse von Glück, wenn andere neben ihm unglücklich sind. Es herrscht ein gewisser Impuls absolutester Brüderlichkeit, absolutester Vereinheitlichung des Menschengeschlechtes, richtig verstandener Brüderlichkeit mit Bezug auf die sozialen Zustände im physischen Leben. Das ist das eine, der eine Gesichtspunkt, nach dem wir sehen, daß die Angeloi die Bilder im menschlichen astralischen Leibe formen.

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten darf wohl einmal ein anderes Thema berührt werden als Corona, obwohl es dem Wort nach gut zu Pfingsten passt. In der Apokalypse heißt es im Brief an Philadelphia: „Siehe, ich komme bald;  halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!“ (Offenbarung 3, 11)

Ungeziefer?

Eines Tages (lange bevor ich gebeten wurde, eine Reihe von Seminaren zu diesem Thema in Brügge zu geben) beschloss ich, für jede der zwölf Weltanschauungen – so wie Rudolf Steiner sie in seinen Vorträgen in GA 151, Der menschliche und der kosmische Gedanke, beschrieben hat – einen Roman zu schreiben mit einer Hauptperson, die in einer bestimmten Weltanschauung feststeckt und Johannes in einem gewissen Moment begegnet. 1999 erschien das erste Buch De man in het Vondelpark (Der Mann im Vondelpark), das dem Materialismus gewidmet ist. Ich habe die Weltanschauungen als Solche nicht erwähnt, nur auf dem Einband durch Angabe des entsprechenden Tierkreiszeichens. Bis 2019 hatte ich sechs Romane geschrieben, das letzte Buch war Himmlische Rose im Jahr 2010. Damals begann meine Seminartätigkeit, und ich konnte keine Ruhe mehr finden zur Fortsetzung der Reihe.