{"id":5149,"date":"2025-03-04T15:48:57","date_gmt":"2025-03-04T13:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/?p=5149"},"modified":"2025-03-07T15:49:59","modified_gmt":"2025-03-07T13:49:59","slug":"bewusstsein-und-sinne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/bewusstsein-und-sinne\/","title":{"rendered":"Bewusstsein und Sinne"},"content":{"rendered":"<p>Das letzte Mal habe ich \u00fcber k\u00fcnstliche Intelligenz und Bewusstsein gesprochen, und danach dachte ich: Nat\u00fcrlich stellt sich die Frage: Was ist eigentlich Bewusstsein? Das ist in der Psychologie, in der Medizin, in der Hirnforschung bekannt, aber es wird klar sein, dass das immer \u00e4u\u00dfere Wahrnehmungen sind, die dann kombiniert werden zu der Schlussfolgerung, dass es Bewusstsein gibt. Und man kann sich vorstellen, dass man bestimmte Ph\u00e4nomene bei einem Lebewesen hat, wobei man eine Liste hat, die man durchgeht, um zu schauen: Sind die Ph\u00e4nomene so beschaffen, dass man von Bewusstsein sprechen kann oder nicht?<\/p>\n<p>Ich denke, dass man auf diese Weise, wenn man Bewusstsein auf diese Art charakterisiert, niemals wirklich zu einer wirklichen Durchdringung der Frage kommen kann: Hat die k\u00fcnstliche Intelligenz Bewusstsein, oder kann sie es bekommen, und was ist Bewusstsein eigentlich? Ich glaube, ich bin der Meinung, ich meine zu wissen, dass man das Ph\u00e4nomen Bewusstsein nur durch menschliche Selbsterkenntnis, durch Selbstuntersuchung kennenlernen kann. Aber das wird in der Wissenschaft nicht anerkannt, k\u00f6nnte man sagen. Im Gegenteil, alles, was der Mensch in sich selbst an Ph\u00e4nomenen findet und daraus Schlussfolgerungen zieht, das ist geradezu unwissenschaftlich, denn nat\u00fcrlich kann das pers\u00f6nliche Element immer eine derartige Rolle spielen, dass es dann vielleicht f\u00fcr diese Person gilt, aber nicht f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>Das ist das gro\u00dfe Problem mit der Selbsterkenntnis, und doch behaupte ich: Man kann das Bewusstsein nicht kennenlernen, wenn man es nicht in sich selbst entdeckt. Wie will man nun sagen, dass es ein allgemeines Bewusstsein gibt, dass beispielsweise ein allgemeines kosmisches Bewusstsein existiert? Was meint man eigentlich damit? Was soll man sich vorstellen, wenn man das Wort Bewusstsein benutzt?<\/p>\n<p>Wenn man in sich selbst sucht \u2013 und an sich ist das doch eine Methode, die schon sehr lange bekannt ist \u2013 wenn man in sich selbst sucht, dann findet man irgendwann \u2013 mit der Frage, was eigentlich Bewusstsein in mir ist \u2013 sich selbst mit dem Bewusstsein von Inhalt. Man lebt als Mensch in Umst\u00e4nden, man nimmt alle m\u00f6glichen Eindr\u00fccke in sich auf, man verarbeitet sie, man hat Gedanken dar\u00fcber, man hat Gef\u00fchle, man hat Intentionen. All diese Dinge sind nicht nur da, sondern man wei\u00df auch, dass sie da sind, und als Mensch kann man sogar noch einen Schritt weitergehen, n\u00e4mlich dass man nicht nur wei\u00df, was an Inhalt in einem vorhanden ist, sondern dass man auch wei\u00df, dass man es selbst ist, der diesen Inhalt bewusst erlebt.<\/p>\n<p>Es ist sehr schwierig, das in Worte zu fassen, denn man kann es eigentlich nur wahrnehmen, wenn man in die Meditation geht, in eine Betrachtung, und versucht, es in sich selbst zu finden. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich als Mensch, was Bewusstsein ist. Dazu brauche ich keinen Psychologen und keine Hirnforschung. Aber es wird nicht anerkannt, wenn ich das einfach als Mensch in Worte fasse. Es muss einen wissenschaftlichen Gehalt haben.<\/p>\n<p>Man kann das eigentlich in der Selbstuntersuchung nur durch eine Betrachtung und eine Selbstreflexion finden, aber dann kann man es eigentlich nicht ausdr\u00fccken. Ich m\u00f6chte es Ihnen gerne sagen, und in dem Moment, in dem ich es ausspreche, entgleitet es, weil es n\u00e4mlich etwas ist, das, sobald man dar\u00fcber spricht, sich gewisserma\u00dfen verliert. Nat\u00fcrlich verliert man sein Bewusstsein nicht, aber man geht mit seinem Bewusstsein ganz in das auf, was man an Gedanken hat und was man sagen will, und damit ist das, was man als Bewusstsein wahrnimmt, eigentlich verschwunden.<\/p>\n<p>Aber gut, ich versuche es trotzdem und wollte sagen, oder eigentlich aufrufen: Schlie\u00dfen Sie die Augen, schauen Sie \u2013 was ist eigentlich mein Bewusstsein? Dann werden Sie feststellen, dass es eine Art Licht ist, das auf das geworfen wird, was als innerer Inhalt in Ihnen lebt. In dem Moment, in dem Sie die Augen \u00f6ffnen, gibt es auch \u00e4u\u00dfere Inhalte, die in Ihnen leben. Aber es bleibt etwas, das sich in Ihnen selbst abspielt, Sie k\u00f6nnen Ihr Bewusstsein nicht au\u00dferhalb Ihrer selbst ausdehnen. Sie haben es als Eigenschaft, Sie haben es als pers\u00f6nliche M\u00f6glichkeit, und Sie sind so daran gew\u00f6hnt, dass, wenn jemand Sie fragt: Ja, was ist eigentlich Bewusstsein? Dann k\u00f6nnen Sie mit einer ganzen Reihe von Merkmalen kommen, aber Sie gehen dann an der Tatsache vorbei, dass Sie als Mensch das Bewusstsein in sich selbst tragen.\u00a0 Und wenn man als Mensch wirklich dazu kommt \u2013 und es ist \u00fcberhaupt nicht so schwer \u2013, dem Bewusstsein in sich selbst auf die Spur zu kommen, dann merkt man, dass es etwas ist, das sich eigentlich auf eine physikalisch-wissenschaftliche Weise \u00fcberhaupt nicht festhalten l\u00e4sst. Man merkt, dass man Sinneseindr\u00fccke hat, derer man sich bewusst wird, man merkt, dass man Gedanken hat, derer man sich bewusst wird, man ist voller Gef\u00fchle, derer man sich bewusst wird, man will allerlei Dinge, derer man sich bewusst wird. Und all das zusammen macht den Bewusstseinsinhalt aus.<\/p>\n<p>Man kann nicht sagen: Ja, das wird nat\u00fcrlich von der Wissenschaft gemacht oder zumindest versucht, das Bewusstsein mit der Gehirnfunktion zu verkn\u00fcpfen. Aber wenn man in sich selbst auf die Suche geht nach dem, was das Bewusstsein ist, dann kommt man allm\u00e4hlich zu der Erfahrung, dass dieses Bewusstsein etwas ist, das \u00fcberhaupt nicht aus den k\u00f6rperlichen Funktionen hervorgeht. Dann sagt man vielleicht: Warum sagst du das? Wieso, ich meine, man k\u00f6nnte genauso gut etwas anderes sagen\u2026<\/p>\n<p>Aber dann stellt man fest, dass Bewusstsein etwas ist, das viel mehr von au\u00dferhalb der K\u00f6rperlichkeit kommt als aus ihr. Es ist ein Licht, das auf den Inhalt der Sinneseindr\u00fccke, der Gedanken, der Gef\u00fchle und der Willensimpulse f\u00e4llt, das man also eigentlich st\u00e4ndig hat, wenn man wach ist. Man kann es auch ein wenig lenken, und man kann sagen: Ich will mir bewusster sein, was ich denke, und in anderen Momenten will ich mir bewusster sein, was ich f\u00fchle. Aber dieses Bewusstsein kann man nicht mit dem Sein der K\u00f6rperlichkeit in Verbindung bringen, und wenn man das immer mehr zu erleben beginnt, dann sp\u00fcrt man nat\u00fcrlich auch, dann erlebt man auch, wie gro\u00df das Wunder ist.<\/p>\n<p>Dass man nicht nur in einer Welt mit allerlei Eindr\u00fccken, Gedanken, Gef\u00fchlen und Willensimpulsen lebt, sondern dass man auch davon wei\u00df, dass man wirklich begreift, dass es so ist. Und man beginnt zu f\u00fchlen, dass im Menschen etwas vorhanden ist, das noch etwas anderes ist als die Intelligenz, das st\u00e4ndig Licht wirft auf alles, was die Seele, sage ich mal, an Eindr\u00fccken, Gedanken, Gef\u00fchlen, Willensimpulsen hat. Und je mehr man das in sich selbst wahrnimmt, desto deutlicher wird es, dass eine Maschine, ein Ger\u00e4t, ein solches Bewusstsein nicht haben kann.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte m\u00f6glich sein, dass man mit der Definition von Bewusstsein \u2013 die ich nicht parat habe \u2013 zu dem Schluss kommen k\u00f6nnte, dass auch k\u00fcnstliche Intelligenz etwas von Bewusstsein hat. Aber das ist eine \u00e4u\u00dfere Feststellung. Wenn man es wirklich sicher wissen wollte, m\u00fcsste man in die Funktionen des Ger\u00e4ts eindringen und dann von innen heraus wahrnehmen k\u00f6nnen, was dort eigentlich genau geschieht.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnen wir nicht, aber wir k\u00f6nnen sehen und erleben, welche Prozesse in der k\u00fcnstlichen Intelligenz vorhanden sind. Man kann beeindruckt sein von der Tatsache, dass man zum Beispiel ChatGPT eine Aufgabe gibt, dass es diese Aufgabe ausf\u00fchrt und noch ein St\u00fcck weitergeht, als man eigentlich gefragt hat, und dass es dann auch noch dazu geh\u00f6rt, es ist dann kein Unsinn. Das k\u00f6nnte einem den Eindruck vermitteln, dass das Ding wei\u00df, was es tut. Denn das ist Bewusstsein, dass es wei\u00df, was es tut.<\/p>\n<p>Aber in anderen Momenten ist es ganz klar, dass das Ding \u00fcberhaupt nicht wei\u00df, was es tut. Und ich habe gedacht: Stell dir vor, du machst als Mensch eine wunderbare Reise entlang der Schl\u00f6sser an der Loire. Du hast gro\u00dfes Interesse an Geschichte, an diesen Schl\u00f6ssern, an ihrer Lage, an ihrer Einrichtung, an dem, was dort alles geschehen ist. Aber auch an der Natur, die sie umgibt, an dem Fluss, der dort flie\u00dft, vielleicht auch an den Weinbergen, die dort liegen, an den romantischen Hotels, die man besuchen kann, an den typisch franz\u00f6sischen Restaurants entlang der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Man macht eine solche Reise, und das Bewusstsein ist erf\u00fcllt von Gedanken, Gef\u00fchlen und Willensimpulsen, von der Gro\u00dfartigkeit dieses Ortes. Nun hat man auch noch ein Schreibtalent, kommt nach Hause und schreibt ein Buch \u00fcber das Reisen entlang der Loire und versucht, all das, was man dort erlebt hat, in diesem Buch zum Ausdruck zu bringen.\u00a0 Dieses Buch wird ver\u00f6ffentlicht, andere Leute kaufen dieses Buch und begeben sich aufgrund dessen, was darin steht, selbst auf eine Reise entlang der Loire, suchen diese Hotels, suchen diese Schl\u00f6sser, lesen \u00fcber die Geschichte. Dann haben sie nat\u00fcrlich ihr eigenes Bewusstsein dar\u00fcber, was eine solche Reise entlang der Loire ist. Eine solche Person hat auch wieder eine etwas andere Sichtweise, vielleicht weniger Interesse an Geschichte und mehr an den Weinbergen, vielleicht mehr Lust, Weinschl\u00f6sser zu besuchen als historische Schl\u00f6sser. Also schreibt sie ein etwas anderes Buch, und so kann man sich vorstellen, dass, sagen wir, 13 Menschen eine Reise entlang der Loire machen, alle au\u00dferordentlich begabt sind und ein Buch schreiben.\u00a0 Diese B\u00fccher erscheinen im Internet, vollst\u00e4ndig mit ihrem Inhalt, und man kann dann also irgendwann ChatGPT fragen:\u00a0 Kannst du mir diese 13 B\u00fccher zusammenfassen? Kannst du das Wichtigste daraus extrahieren, sodass ich aus all diesen Reisen das Beste ziehen kann und dann selbst auf Reisen gehen kann?<\/p>\n<p>Das kann es tun. Aber glaubst du nun, dass du dadurch etwas von der Erfahrung der Menschen bekommst, die diese Reisen gemacht und diese B\u00fccher geschrieben haben? Nat\u00fcrlich nicht.<\/p>\n<p>Diese Menschen haben beim Schreiben noch ihre ganze Seele hineingelegt. Aber nun wird es eine Synthese verschiedener Reisen, und nat\u00fcrlich kann es sein, dass das sehr n\u00fctzlich ist, wenn man selbst diese Reise machen will. Aber wenn man diese Reise nicht macht, dann hat man eigentlich nichts, denn das, was urspr\u00fcnglich in diesen B\u00fcchern enthalten war \u2013 weil diese Menschen sie mit ihrem ganzen Gem\u00fct und vollem Bewusstsein geschrieben haben \u2013 das f\u00e4llt weg.<\/p>\n<p>Und wenn man das nicht versteht \u2013 ja, dann k\u00f6nnte man sagen: \u201eAch, wir brauchen das eigentlich gar nicht mehr, all diese Menschen, die Synthesen schreiben und die so gut wissen, wie sie alles formulieren m\u00fcssen. Das brauchen wir gar nicht mehr, wir fragen einfach die Maschine, und die macht das f\u00fcr uns.\u201c<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich in der Wissenschaft genau dasselbe.<\/p>\n<p>Was ich aus all diesen Gedanken auch mitgenommen habe, ist die Frage: Wie kann es jemals eine Intelligenz geben, die nicht \u00fcber Sinne verf\u00fcgt? Denn wie will man behaupten, dass die Maschine jene lebendigen sinnlichen Erfahrungen hat, die diese Menschen gemacht haben, als sie ihre Reise entlang der Loire unternommen haben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie haben alles gesehen, gerochen, gef\u00fchlt, geschmeckt. Es war ihr Bewusstsein, das das erlebt hat. Diese Maschine hat diese M\u00f6glichkeit \u00fcberhaupt nicht, und ich habe dann genau diesen ChatGPT gefragt:\u00a0 Wie ist das mit einem Roboter? Er soll einem Menschen \u00e4hneln. Hat er dann auch Sinneseindr\u00fccke?<\/p>\n<p>Ja, nat\u00fcrlich kann ich nicht sagen, dass ich dann pl\u00f6tzlich diesem ChatGPT v\u00f6llig vertraue, aber gut, ich habe eine Antwort erhalten, und die war folgende:<\/p>\n<p>Nein, ein Roboter hat keine Sinne wie ein Mensch, aber er hat Sensoren. Fotokameras statt Augen, Mikrofone statt Ohren, Gassensoren statt Geruchsorgane, Drucksensoren statt Tastsinnorgane, und auf diese Weise m\u00fcssen diese Sensoren kombiniert werden, um zu Handlungen \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>Ja, was f\u00fcr ein armer Tropf ist so ein Roboter!<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns davon wieder l\u00f6sen, denn wir k\u00f6nnen sagen: Es ist einfach eine Maschine.\u00a0 Aber die Frage bleibt: Was machen wir Menschen eigentlich mit diesen Sch\u00f6pfungen, mit etwas, von dem wir sagen, dass es intelligent ist, w\u00e4hrend wir doch wissen, dass Intelligenz mit \u00e4u\u00dferer Wahrnehmung oder innerer Wahrnehmung und Denken zusammenh\u00e4ngt? Und was wird das f\u00fcr eine Intelligenz sein, wenn die gesamte sinnliche Existenz wegf\u00e4llt?<\/p>\n<p>Das waren meine Gedanken in der letzten Woche.<\/p>\n<p>Und ja, wenn ich all diese Informationen aufnehme \u2013 nicht allzu viel, aber einiges \u2013, in denen gesagt wird, dass dies die Menschheit 4.0 werden soll, dann frage ich mich schon:\u00a0 Habt ihr \u00fcberhaupt kein Bewusstsein davon, was ein Mensch eigentlich ist?\u00a0 Das kann doch gar nicht sein!\u00a0 Wir m\u00fcssen als Menschen \u2013 und das glaube ich wirklich \u2013 uns in die spezifisch menschliche Seite der Intelligenz vertiefen.<\/p>\n<p>Und heute war das f\u00fcr mich Bewusstsein und Sinne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das letzte Mal habe ich \u00fcber k\u00fcnstliche Intelligenz und Bewusstsein gesprochen, und danach dachte ich: Nat\u00fcrlich stellt sich die Frage: Was ist eigentlich Bewusstsein? 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