{"id":7067,"date":"2017-02-01T00:00:00","date_gmt":"2017-01-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/augustin-begegnet-faustus\/"},"modified":"2025-04-14T11:15:46","modified_gmt":"2025-04-14T09:15:46","slug":"augustin-begegnet-faustus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/augustin-begegnet-faustus\/","title":{"rendered":"Augustin begegnet Faustus"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>In diesen 'philosophischen Reflexionen' teile ich bestimmte Gedanken anderer, was nicht immer bedeuten soll, dass ich die Richtigkeit dieser Gedanken anerkenne. Ich zitiere jetzt aus 'Bekenntnisse' von Augustin, weil es ergreifend ist, an diesen Gedanken des gro\u00dfen Kirchenlehrers teilzuhaben.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/63f1801fe4bfc7dd366114340263934d.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>In diesen &#8218;philosophischen Reflexionen&#8216; teile ich bestimmte Gedanken anderer, was nicht immer bedeuten soll, dass ich die Richtigkeit dieser Gedanken anerkenne. Ich zitiere jetzt aus &#8218;Bekenntnisse&#8216; von Augustin, weil es ergreifend ist, an diesen Gedanken des gro\u00dfen Kirchenlehrers teilzuhaben.<\/p>\n<p>Augustin, Bekenntnisse, F\u00fcnftes Buch \u2013 Sechstes Kapitel<br \/>\n&#8218;Fast neun Jahre hindurch, in denen ich sie mit unstetem Geiste h\u00f6rte, erwartete ich mit zu lange hingehaltener Sehnsucht, da\u00df jener Faustus kommen sollte, auf den mich die anderen vertr\u00f6steten, so oft sie meinen Fragen nicht gewachsen waren, indem sie mir versicherten, im pers\u00f6nlichen Verkehr werde er mir das alles und noch viel h\u00f6here Fragen aufs beste entwickeln. Als er nun kam, fand ich in ihm einen liebensw\u00fcrdigen, artigen Mann, der die Lehren jener mir noch viel einnehmender vorschwatzte. Was aber fragte mein Durst nach pr\u00e4chtigen Bechern, was half mir der artigste Mundschenk? Von solchen Sachen waren meine Ohren schon ges\u00e4ttigt, auch schienen sie uns dadurch nicht besser zu werden, weil sie besser gesagt wurden und dadurch nicht an Wahrhaftigkeit zu gewinnen, weil sie in gewandter Weise aufgetischt wurden, noch schien mir ein Geist deshalb weise, weil sein Minenspiel entsprechend und seine Rede eine w\u00fcrdevolle war. Jene aber, welche mich auf ihn vertr\u00f6stet hatten, vermochten den Sachverhalt gar nicht zu beurteilen, und nur deshalb erschien er ihnen klug und weise, weil er sie durch seine Beredsamkeit erg\u00f6tzte. Ich lernte aber auch noch eine andere Art von Menschen kennen, welche die Wahrheit verd\u00e4chtigen und der Wahrheit nicht trauen wollten, sobald sie mit reichem Schmuck vorgetragen wurde. Mich aber hattest du, mein Gott, schon gelehrt auf wunderbare und verborgene Weise, und nur darum glaube ich es, weil du es mich gelehrt hast, denn aus diesem Grunde ist es wahr, und keinen andern Lehrer der Wahrheit gibt es denn dich, woher er auch kommen m\u00f6ge. Schon hatte ich von dir gelernt, nicht deshalb etwas f\u00fcr wahr zu halten, weil es beredt vorgetragen werde, und nicht deshalb etwas f\u00fcr falsch, weil die Sprache eine schwerf\u00e4llige sei, und wiederum nicht deshalb etwas f\u00fcr wahr, weil es kunstlos gesagt werde, noch deshalb f\u00fcr falsch, weil die Rede gl\u00e4nzend sei; sondern mit Wahrheit und Torheit verhalte es sich wie mit gesunden und ungesunden Speisen, die beide in geschm\u00fcckten und schmucklosen Worten wie in einfachen und feinen Gef\u00e4\u00dfen aufgetragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So ward meine Begierde, mit der ich jenen Mann so lange erwartet hatte, zwar gestillt durch das einnehmende und lebhafte Wesen und durch seine Gewandtheit im Ausdruck, der den Eindruck des v\u00f6llig Ungezwungenen machte. Viele unterst\u00fctzte ich in ihren Lobspr\u00fcchen; aber unangenehm war es mir, da\u00df ich in dem H\u00f6rerkreise nichts gegen ihn vorbringen und ihm meine dringenden Fragen nicht zur Beantwortung vorlegen durfte im vertraulichen Austausch der Gedanken. Als ich dies vermochte und sein Geh\u00f6r in Anspruch nehmen konnte mit meinen Freunden zu einer Zeit, da es nicht unschicklich war, mit ihm zu disputieren, und ich einiges vorbrachte, das mich am meisten bewegte, fand ich in ihm einen Mann, der in den freien K\u00fcnsten unbewandert war, die Grammatik ausgenommen, die er auch nicht \u00fcber das Ma\u00df des Gew\u00f6hnlichen verstand. Er hatte einige Reden Ciceros gelesen, sehr wenig Schriften von Seneca und einige Dichter und das, was in seiner Sekte in gut stilisiertem Latein geschrieben war, und weil er Gelegenheit hatte, t\u00e4glich Reden zu halten, so gewann er dadurch eine Redefertigkeit, die sich angenehm der Fassungskraft der H\u00f6rer einschmeichelte und eines gewissen Mutterwitzes nicht bar war. Ist es nicht so, mein Herr und mein Gott, der du Richter meines Bewu\u00dftseins? Offen liegt vor deinem Herz mein Herz und meines Herzens Erinnerung, der du schon damals mich mit der geheimnisvoll verborgenen Vorsehung leitetest und meine schmachvollen Irrt\u00fcmer mir vor die Augen brachtest, damit ich sie s\u00e4he und hassenswert f\u00e4nde.<\/p>\n<p>F\u00fcnftes Buch \u2013 Siebentes Kapitel<br \/>\nNachdem ich von seiner Unwissenheit in den freien K\u00fcnsten \u00fcberzeugt war, in denen ich ihn f\u00fcr ausgezeichnet gehalten hatte, verzweifelte ich daran, da\u00df jener mir dar\u00fcber Aufschlu\u00df zu geben imstande w\u00e4re, die qu\u00e4lenden Zweifel l\u00f6sen und auslegen k\u00f6nnte; und doch h\u00e4tte er, obwohl in solchen Dingen unwissend, sich an die Wahrheit der Fr\u00f6mmigkeit halten k\u00f6nnen, wenn er nur kein Manich\u00e4er gewesen w\u00e4re. Denn ihre B\u00fccher sind voll von lang ausgesponnenen Fabeln \u00fcber den Himmel und die Gestirne, \u00fcber Sonne und Mond, \u00fcber alles das konnte er mir in der gew\u00fcnschten Weise nicht genugsam Auskunft geben, ob die Vergleichung der Berechnungen, die ich anderswo gelesen hatte, dieselbe wie die der Manich\u00e4er sei, so da\u00df ich sie f\u00fcr wahr befunden h\u00e4tte. Als ich ihm dies zur Betrachtung und Besprechung vorlegte, war er doch bescheiden genug und wagte es nicht, sich einer solchen schweren Aufgabe zu unterziehen; denn er wu\u00dfte, da\u00df er nichts davon verstand, und sch\u00e4mte sich nicht, dies zu bekennen. Er war keiner von den Schw\u00e4tzern, deren ich so viel zu ertragen hatte, die mich zu belehren versuchten und im Grunde genommen gar nichts sagten. Jener aber hatte ein Herz; obwohl er nicht dir zugewandt war, hielt er doch nicht allzu vermessen an sich fest. Er war \u00fcberhaupt nicht unbekannt mit seiner Unkenntnis und wollte nicht durch dummdreiste Wortfechterei in eine Enge getrieben werden, von der aus weder irgendein Ausgang m\u00f6glich noch ein R\u00fcckweg leicht w\u00e4re; auch hierin gefiel er mir besser. Denn diese Bescheidenheit einer aufrichtigen Seele ist besser als das, was ich zu wissen w\u00fcnschte; und so ging es mir mit ihm bei allen schwierigen und verwickelten Fragen.<\/p>\n<p>Da mein Eifer, den ich auf die Schriften des Manich\u00e4ers gewandt hatte, gebrochen war und ich mehr und mehr auch an ihren \u00fcbrigen Lehren verzweifelte, da jener namhafte sich bei vielen Fragen, die mich bewegten, also bewies, so fing ich an, mich jenem Studium anzuschlie\u00dfen, mit ihm zu verkehren, weil er sich sehr auf die Wissenschaften warf, welche ich damals schon als Rhetor zu Karthago die J\u00fcnglinge lehrte, und mit ihm B\u00fccher zu lesen, die er nur vom H\u00f6rensagen her kannte und erkennen zu lernen w\u00fcnschte oder die ich einem solchen Geist f\u00fcr angemessen erachtete. Im \u00fcbrigen aber wurde mein Eifer, durch welchen ich es in der Sekte zu etwas zu bringen mir vorgenommen hatte, durch die Bekanntschaft mit jenem Manne v\u00f6llig untergraben; aber da ich noch nichts Besseres fand als das, worin ich mich jetzt gest\u00fcrzt hatte, so trennte ich mich nicht g\u00e4nzlich von ihnen, sondern gab mich vorl\u00e4ufig zufrieden, bis sich vielleicht etwas Besseres zur Auswahl darbieten w\u00fcrde. Und so begann Faustus, der so vielen eine Schlinge des Todes ward, die zu l\u00f6sen, in der ich gefangen lag, ohne sein Wollen und Wissen freilich; denn deine H\u00e4nde, o Gott, hatten nach der Tiefe deiner Vorsehung meine Seele nicht verlassen; meiner Mutter blutendes Herz brachte dir Tag und Nacht f\u00fcr mich Tr\u00e4nenopfer, und du hast mich auf wunderbare Weise geleitet. Du tatest jenes, mein Gott. Denn von dir werden der Menschen Schritte geleitet, auf da\u00df er Lust habe an deinen Wegen. Oder wo ist Heil als nur durch deine Hand, die erquickt, was du schufst?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog143.jpg\" alt=\"Augustin begegnet Faustus \" width=\"350\" \/><br \/>\nAugustin, Bekenntnisse, achtes Buch, 28 &#8211; 29.<em><strong>Augustin begegnet Faustus Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen &#8218;philosophischen Reflexionen&#8216; teile ich bestimmte Gedanken anderer, was nicht immer bedeuten soll, dass ich die Richtigkeit dieser Gedanken anerkenne. 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