{"id":7077,"date":"2017-11-01T00:00:00","date_gmt":"2017-10-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/besprechung-des-aufsatzes-von-einzig-moegliche-kritik-der-atomistischen-begriffe-von-rudolf-steiner-aus-1882\/"},"modified":"2025-04-11T12:38:22","modified_gmt":"2025-04-11T10:38:22","slug":"besprechung-des-aufsatzes-von-einzig-moegliche-kritik-der-atomistischen-begriffe-von-rudolf-steiner-aus-1882","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/besprechung-des-aufsatzes-von-einzig-moegliche-kritik-der-atomistischen-begriffe-von-rudolf-steiner-aus-1882\/","title":{"rendered":"Besprechung des Aufsatzes von &#8218;Einzig m\u00f6gliche Kritik der atomistischen Begriffe&#8216; von Rudolf Steiner aus 1882"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Das eine ist, einen Text zu lesen, etwas anderes aber ist, diesen auch zu verstehen. Was sagt der Autor genau?  Ein wichtiger Punkt in diesem Aufsatz, der mehrmals wieder auftaucht, ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Sinneswahrnehmung, die von au\u00dfen kommt, und Begriff, der von innen kommt. Die Naturwissenschaft hat den Standpunkt eingenommen, dass die Sinneswahrnehmung ein Bild von einem an sich unerkennbaren Objekt erzeugt (Kant, Ding an sich). Au\u00dfen gibt es die wahre Wirklichkeit, aber unsere Sinne zaubern in uns eine umgeformte Abbildung he<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/6bc490c5395838222d19cbf674303390.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nDas eine ist, einen Text zu lesen, etwas anderes aber ist, diesen auch zu verstehen. Was sagt der Autor genau?<\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt in diesem Aufsatz, der mehrmals wieder auftaucht, ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Sinneswahrnehmung, die von au\u00dfen kommt, und Begriff, der von innen kommt. Die Naturwissenschaft hat den Standpunkt eingenommen, dass die Sinneswahrnehmung ein Bild von einem an sich unerkennbaren Objekt erzeugt (Kant, Ding an sich). Au\u00dfen gibt es die wahre Wirklichkeit, aber unsere Sinne zaubern in uns eine umgeformte Abbildung hervor und unser Denken ist ein noch weiter umgeformte, abgeschattete Abbildung davon. Rudolf Steiner, hier 21 Jahre alt, weist darauf hin, dass dies eine falsche Annahme ist:<\/p>\n<p>&#8218;Auch ihr gilt die materielle Welt als das allein Reale, bei ihr sind Begriffe und Gesetze nur insofern berechtigt, als sie jene zum Inhalte haben und das Erkennen derselben vermitteln. \u00dcber dieses Reich hinausragende Begriffe betrachtet sie als unwirklich. Allgemeine Gedanken und Gesetze sind ihr blo\u00dfe Abstraktionen, abgeleitet von den bei einer Reihe von Beobachtungen erfahrenen Obereinstimmungen. Sie kennt blo\u00dfe subjektive Maximen, Generalisationen, keine ihre Geltung in sich selbst tragenden, konkreten Begriffe.&#8216;<\/p>\n<p>Steiner f\u00fchrt dann eine vollkommene Umkehrung der Verh\u00e4ltnisse vor. Er geht zur\u00fcck zu dem urspr\u00fcnglichen Wirklichkeitserlebnis der Begriffe, die er als eine Welt der auf sich selbst beruhenden, in sich selbst sich tragenden und auch einander tragenden Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten sieht, und er sieht in der Sinneswirklichkeit nur eine andere Form des Begriffs. In mir trage ich den Begriff &#8218;Baum&#8216;, zwar geweckt durch die Sinneswahrnehmung; Sehe ich wiederum einen Baum in der Wirklichkeit, dann zeigt mir dieser eine spezielle Wirklichkeitsform des allgemeinen Begriffs.<\/p>\n<p>Rudolf Steiner:<br \/>\n&#8218;Ein Objekt der Au\u00dfenwelt seinem Wesen nach erkennen, kann doch unm\u00f6glich hei\u00dfen, dasselbe mit den Sinnen wahrnehmen und so, wie es sich diesen darstellt, von demselben ein Konterfei entwerfen. Man wird niemals einsehen, wie von einem Sinnlichen eine korrespondierende begriffliche Photographie entstehen und welche Beziehung zwischen beiden sein k\u00f6nne. Eine Erkenntnistheorie, welche von diesem Standpunkte ausgeht, kann \u00fcber die Frage nach dem Zusammenhange von Begriff und Objekt nie ins Reine kommen. Wie sollte man die Notwendigkeit einsehen, \u00fcber das unmittelbar durch den Sinn Gegebene zum Begriffe zu gehen, wenn in dem ersteren bereits das Wesen eines Gegenstandes der sinnlichen Welt gegeben w\u00e4re? Wozu noch das Begreifen, wenn schon das Anschauen gen\u00fcgte? Es w\u00e4re wenigstens der Begriff, wenn nicht eine Verf\u00e4lschung, doch eine h\u00f6chst unn\u00f6tige Zugabe zu dem Objekte. Dazu mu\u00df man kommen, wenn man die Konkretheit der Begriffe und Gesetze leugnet. Gegen\u00fcber von solchen bildlichen Erkl\u00e4rungen, wie etwa auch die der Herbartschen Schule: der Begriff sei das geistige Korrelat eines au\u00dfer uns befindlichen Gegenstandes, und das Erkennen bestehe in der Erlangung eines solchen Bildes, wollen wir nun nach einer Realerkl\u00e4rung des Erkennens suchen. Wir wollen uns hier der Aufgabe gem\u00e4\u00df, die wir uns setzen, blo\u00df auf das Erkennen der Au\u00dfenwelt beschr\u00e4nken. Im Akte des Erkennens kommt in diesem Falle zweierlei in Betracht: Die Best\u00e4tigung des Denkens und die der Sinne. Das erstere hat es mit Begriffen und Gesetzen, die letzteren mit sinnlichen Qualit\u00e4ten und Prozessen zu tun. Der Begriff und das Gesetz sind immer etwas Allgemeines, das sinnliche Objekt etwas Besonderes; die ersteren k\u00f6nnen nur gedacht, das letztere nur angeschaut werden. Die Medien, durch welche das Allgemeine uns als Besonderes erscheint, sind Raum und Zeit. Jedes besondere Ding und jeder besondere Proze\u00df mu\u00df dem begrifflichen Inhalte der Welt eingef\u00fcgt werden k\u00f6nnen, denn was an ihm nicht gesetz- und begriffsm\u00e4\u00dfig w\u00e4re, kommt f\u00fcr unser Denken gar nicht in Betracht. Es kann daher erkennen eines Objektes nur hei\u00dfen: das, was unseren Sinnen im R\u00e4ume erscheint, in die Allgemeinheit des Begriffsinhaltes der Welt einreihen, ja ganz aufgehen lassen. Im Erkennen eines r\u00e4umlich-zeitlichen Objektes ist uns also nichts anderes als ein Begriff oder Gesetz auf sinnenf\u00e4llige Weise gegeben. (Hervorhebung MM)<\/p>\n<p>Nur durch eine solche Auffassung kommt man \u00fcber die vorhin erw\u00e4hnte Unklarheit hinaus. Man mu\u00df dem Begriffe seine Urspr\u00fcnglichkeit, seine eigene auf sich selbst gebaute Daseinsform lassen und ihn in dem sinnenf\u00e4lligen Gegenstande nur in anderer Form wiedererkennen. (Hervorhebung MM). So sind wir zu einer Realdefinition der Erfahrung gelangt. Die Philosophie der Induktion kann ihrer Natur nach nie zu einer solchen gelangen. Denn es m\u00fc\u00dfte gezeigt werden, in welcher Weise die Erfahrung Begriff und Gesetz vermittelt. Da aber jene diese beiden als etwas blo\u00df Subjektives ansieht, so ist ihr von vorneherein der Weg dazu abgeschnitten.&#8216;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog182.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" width=\"417\" height=\"235\" \/><br \/>\nWien um 1900 (Foto Library of Congress)<em><strong>Besprechung des Aufsatzes von &#8218;Einzig m\u00f6gliche Kritik der atomistischen Begriffe&#8216; von Rudolf Steiner aus 1882 Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steiner f\u00fchrt dann eine vollkommene Umkehrung der Verh\u00e4ltnisse vor. Er geht zur\u00fcck zu dem urspr\u00fcnglichen Wirklichkeitserlebnis der Begriffe, die er als eine Welt der auf sich selbst beruhenden, in sich selbst sich tragenden und auch einander tragenden Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten sieht, und er sieht in der Sinneswirklichkeit nur eine andere Form des Begriffs. In mir trage ich den Begriff &#8218;Baum&#8216;, zwar geweckt durch die Sinneswahrnehmung; Sehe ich wiederum einen Baum in der Wirklichkeit, dann zeigt mir dieser eine spezielle Wirklichkeitsform des allgemeinen Begriffs.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4647,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7077","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7077"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7077\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7950,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7077\/revisions\/7950"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4647"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}