{"id":7085,"date":"2015-09-02T00:00:00","date_gmt":"2015-09-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/liebe-zur-schoenheit\/"},"modified":"2025-04-15T12:41:44","modified_gmt":"2025-04-15T10:41:44","slug":"liebe-zur-schoenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/liebe-zur-schoenheit\/","title":{"rendered":"Liebe zur Sch\u00f6nheit"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>In Platons Symposium spicht Diotima \u00fcber die Liebe zur Sch\u00f6nheit.   So   weit nun, mein Sokrates, magst auch du in die Mysterien der Liebe   eingeweiht werden; ob du aber den h\u00f6chsten Grad der Weihe, um   dessentwillen auch das Bisherige ist, wenn man nur den rechten Weg dabei   einschl\u00e4gt, zu erreichen f\u00e4hig bist, wei\u00df ich nicht. Ich jedenfalls,   sprach sie, will es dir vortragen und an Bereitschaft nicht fehlen   lassen; versuche du mir zu folgen, wenn du es vermagst! Wer n\u00e4mlich auf   dem rechten Weg, fuhr sie fort, die Sache angeht, muss sich anf\u00e4nglich   in seiner Jugend den sch\u00f6nen K\u00f6rpern zuwenden, und zuerst, wenn ihn  sein  F\u00fchrer richtig leitet, einen K\u00f6rper lieben und hier sch\u00f6ne Worte   hervorbringen; dann aber muss er bemerken, dass die Sch\u00f6nheit jedes   beliebigen K\u00f6rpers, der eines jeden anderen K\u00f6rpers verschwistert ist,   und dass es, wenn er dem gestalthaft Sch\u00f6nen nachgeh<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/798e3d61af8868f19c9033b0afb9927c.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nIn Platons Symposium spicht Diotima \u00fcber die Liebe zur Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>So weit nun, mein Sokrates, magst auch du in die Mysterien der Liebe eingeweiht werden; ob du aber den h\u00f6chsten Grad der Weihe, um dessentwillen auch das Bisherige ist, wenn man nur den rechten Weg dabei einschl\u00e4gt, zu erreichen f\u00e4hig bist, wei\u00df ich nicht. Ich jedenfalls, sprach sie, will es dir vortragen und an Bereitschaft nicht fehlen lassen; versuche du mir zu folgen, wenn du es vermagst! Wer n\u00e4mlich auf dem rechten Weg, fuhr sie fort, die Sache angeht, muss sich anf\u00e4nglich in seiner Jugend den sch\u00f6nen K\u00f6rpern zuwenden, und zuerst, wenn ihn sein F\u00fchrer richtig leitet, einen K\u00f6rper lieben und hier sch\u00f6ne Worte hervorbringen; dann aber muss er bemerken, dass die Sch\u00f6nheit jedes beliebigen K\u00f6rpers, der eines jeden anderen K\u00f6rpers verschwistert ist, und dass es, wenn er dem gestalthaft Sch\u00f6nen nachgehen soll, sehr unvern\u00fcnftig w\u00e4re, die Sch\u00f6nheit aller K\u00f6rper nicht f\u00fcr ein und die selbe zu halten. Wenn er aber dies begriffen hat, muss er zum Liebhaber aller sch\u00f6nen K\u00f6rper werden und von seiner gewaltigen Glut f\u00fcr einen einzigen nachlassen, vielmehr sie geringsch\u00e4tzen und verachten.<\/p>\n<p>Danach aber muss er die seelische Sch\u00f6nheit f\u00fcr wertvoller erachten als die k\u00f6rperliche, so dass es ihm gen\u00fcgt, wenn einer nur eine liebensw\u00fcrdige Seele besitzt, mag sein k\u00f6rperlicher Reiz auch gering sein, dass er sie liebt und umhegt und solche Reden gebiert und sucht, die die J\u00fcnglinge besser machen, damit er andererseits dazu gezwungen wird, das Sch\u00f6ne in den Handlungen und Gesetzen zu beachten, und einzusehen, dass dies alles miteinander verwandt ist, um so das k\u00f6rperlich Sch\u00f6ne f\u00fcr ganz gering zu erachten.<\/p>\n<p>Nach den Handlungen aber muss man ihn zu den Wissenschaften f\u00fchren, damit er hier nun die Sch\u00f6nheit der Wissenschaften erkennt, und, indem er so bereits auf das Sch\u00f6ne in seiner F\u00fclle hinblickt, nicht mehr sklavisch der Sch\u00f6nheit im einzelnen, sei es in Liebe zu einem Knaben oder einm Menschen oder einer vereinzelten Handlung, diene und sich so als Wicht und Kleingeist erweise, sondern, indem er gleichsam auf die hohe See des Sch\u00f6nen hinaussteuert und es mit einem Blick \u00fcberschl\u00e4gt, in unersch\u00f6flichem Weisheitsstreben viele sch\u00f6ne und herrliche Reden und Gedanken geb\u00e4re, bis er, dadurch gekr\u00e4ftigt und bereichert, hier eine einzige derartige Erkenntnis zu erblicken vermag, die sich auf ein Sch\u00f6nes folgender Art richtet. Versuche du mir, so aufmerksam wie m\u00f6glich zuzuh\u00f6ren!<\/p>\n<p>Wer n\u00e4mlich bis hierher in der Liebe geleitet ist, indem er in richtiger Folge und Art das viele Sch\u00f6ne betrachtet, der wird endlich an das Ziel dieses Weges gelangen und pl\u00f6tzlich ein Sch\u00f6nes von wunderbarer Natur erblicken; und dies ist gerade dasjenige, mein Sokrates, um dessentwillen alle fr\u00fcheren M\u00fchen erfolgten.<\/p>\n<p>Zuerst ist es ein best\u00e4ndig seiendes, das weder wird noch vergeht und weder zunimmt noch abnimmt; sodann ist es nicht einerseits schon, andererseits aber h\u00e4sslich, auch nicht manchmal sch\u00f6n, manchmal nicht, auch nicht in Bezug zu dem sch\u00f6n, zu jenem h\u00e4sslich, auch nicht hier sch\u00f6n, dort aber h\u00e4sslich, so dass es f\u00fcr die einen sch\u00f6n w\u00e4re, f\u00fcr die anderen aber h\u00e4sslich. Auch wird sich ihm das Sch\u00f6ne nicht darstellen wie ein Gesichtes oder H\u00e4nde oder sonst etwas, woran der K\u00f6rper beteiligt ist, noch auch als Rede oder Erkenntnis, noch \u00fcberhaupt als etwas, was an einem anderen ist, wie zum Beispiel an einem Einzelwesen oder am Himmel oder an sonst etwas, sondern es selbst an und f\u00fcr sich und ewig von gleicher Gestalt; w\u00e4hrend alles \u00fcbrige Sch\u00f6ne irgendwie in der Weise teilhat, dass das andere zwar wird und vergeht, jenes aber weder mehr noch weniger wird, noch etwas erleidet.<\/p>\n<p>Wenn also einer von der rechten Knabenliebe ausgegangen ist und jetzt jenes Sch\u00f6ne selbst zu erblicken beginnt, d\u00fcrfte er fast schon das Ziel ber\u00fchren. Denn dies eben hei\u00dft auf dem rechten Weg zur Liebe zu gelangen oder sich f\u00fchren zu lassen, dass man um jenes Sch\u00f6nen willen von diesem vielen Sch\u00f6nen hier wie auf Stufen immer weiter vorschreitet, von einem zu zweien und von zweien zu allen sch\u00f6nen K\u00f6rpern und von den sch\u00f6nen K\u00f6rpern zu den sch\u00f6nen Handlungen und von den sch\u00f6nen Handlungen zu den sch\u00f6nen Erkenntnissen und bei jener Erkenntnis endet, die von nichts anderem Erkenntnis ist als von jenem Sch\u00f6nen selbst, und so schlie\u00dflich f\u00fcr sich erkennt, was wesenhaft sch\u00f6n ist.<\/p>\n<p>(www.gutwein.de)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Diotima-gr-kl.jpg\" alt=\"Liebe zur Sch\u00f6nheit \" \/><br \/>\n<em><strong>Liebe zur Sch\u00f6nheit Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst ist es ein best\u00e4ndig seiendes, das weder wird noch vergeht und weder zunimmt noch abnimmt; sodann ist es nicht einerseits schon, andererseits aber h\u00e4sslich, auch nicht manchmal sch\u00f6n, manchmal nicht, auch nicht in Bezug zu dem sch\u00f6n, zu jenem h\u00e4sslich, auch nicht hier sch\u00f6n, dort aber h\u00e4sslich, so dass es f\u00fcr die einen sch\u00f6n w\u00e4re, f\u00fcr die anderen aber h\u00e4sslich. Auch wird sich ihm das Sch\u00f6ne nicht darstellen wie ein Gesichtes oder H\u00e4nde oder sonst etwas, woran der K\u00f6rper beteiligt ist, noch auch als Rede oder Erkenntnis, noch \u00fcberhaupt als etwas, was an einem anderen ist, wie zum Beispiel an einem Einzelwesen oder am Himmel oder an sonst etwas, sondern es selbst an und f\u00fcr sich und ewig von gleicher Gestalt; w\u00e4hrend alles \u00fcbrige Sch\u00f6ne irgendwie in der Weise teilhat, dass das andere zwar wird und vergeht, jenes aber weder mehr noch weniger wird, noch etwas erleidet.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4859,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7085"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8105,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7085\/revisions\/8105"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}