{"id":7094,"date":"2015-06-03T00:00:00","date_gmt":"2015-06-02T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/soziale-kunst\/"},"modified":"2025-04-15T12:56:52","modified_gmt":"2025-04-15T10:56:52","slug":"soziale-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/soziale-kunst\/","title":{"rendered":"Soziale Kunst"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Im 20. Jahrhundert haben wir das Erwachen des sozialen Gef\u00fchls im  Menschen erlebt. Zuvor wird dies sicher in bestimmten Pers\u00f6nlichkeiten  anwesend gewesen sein, aber es wurde nie eine weltweite Bewegung. Das  soziale Gef\u00fchl entwickelte sich zum Kommunismus und Sozialismus.  Wenn  ich an die sechziger Jahre zur\u00fcckdenke \u2013 ich war damals in der  Mittelschule \u2013, erinnere ich mich daran, wie meine Klassenkameraden  gro\u00dfes Interesse an Politik hatten. Ich wuchs in Amsterdam auf, besuchte  ein Gymnasium, wo dieses wachsende soziale, politische \u201eBewegtsein\u201c  erste Pioniere fand. Die aufwachsenden jungen Menschen versuchten, sich  von der Autorit\u00e4t zu befreien. Es gab Studentenrevolten, man wollte  Mitsprache in der Ausbildung. Es gab die Arbeiter, die sich von der  Herrschaft des Kapitalismus befreien wollten. Sie griffen die  sozialistischen und kommunistischen Prinzipien aus der Zeit vor dem  Zweiten Weltkrieg wieder auf. Es war di<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/670c8498a3bf19e2a21990844bf7b16b.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nIm 20. Jahrhundert haben wir das Erwachen des sozialen Gef\u00fchls im Menschen erlebt. Zuvor wird dies sicher in bestimmten Pers\u00f6nlichkeiten anwesend gewesen sein, aber es wurde nie eine weltweite Bewegung. Das soziale Gef\u00fchl entwickelte sich zum Kommunismus und Sozialismus.<br \/>\nWenn ich an die sechziger Jahre zur\u00fcckdenke \u2013 ich war damals in der Mittelschule \u2013, erinnere ich mich daran, wie meine Klassenkameraden gro\u00dfes Interesse an Politik hatten. Ich wuchs in Amsterdam auf, besuchte ein Gymnasium, wo dieses wachsende soziale, politische \u201eBewegtsein\u201c erste Pioniere fand. Die aufwachsenden jungen Menschen versuchten, sich von der Autorit\u00e4t zu befreien. Es gab Studentenrevolten, man wollte Mitsprache in der Ausbildung. Es gab die Arbeiter, die sich von der Herrschaft des Kapitalismus befreien wollten. Sie griffen die sozialistischen und kommunistischen Prinzipien aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Es war die Zeit des Existentialismus von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Die Worte \u201eGott ist tot\u201c, und \u201eMake love, not war\u201d waren \u00fcberall zu sehen.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite f\u00fchlten wir eine wachsende Freiheit. Alle autorit\u00e4ren Grundprinzipien schienen \u00fcberwunden zu sein. Auf der anderen Seite wurde dennoch deutlich, dass es eine Verst\u00e4rkung des Materialismus war. Das Prinzip \u201eGott ist tot\u201c gab ein Gef\u00fchl von Freiheit, aber zugleich steckte es alle Gedanken \u00fcber den Geist in eine Schublade mit der Aufschrift \u201ealtmodischer Unsinn\u201c. Das Prinzip \u201eMake love, not war\u201c wurde auf eine rein physische Weise verwirklicht. Im Vondelpark konnte man mitten im Freien sehen, wie die Liebe betrieben wurde. Der Existentialismus blieb auf die irdische Existenz im physischen Leib beschr\u00e4nkt; der Kommunismus und der Sozialismus beruhten auf dem Prinzip der ehrlichen Verteilung von Geld und Macht, nicht auf den mehr spirituellen Aspekten des sozialen Lebens. Sozialismus und Kommunismus erwiesen sich als rein materialistische Sichtweisen.<\/p>\n<p>Wie w\u00fcrde ein soziales Zusammenleben, das auf spirituellen Einsichten basiert, aussehen? Es w\u00e4re eine soziale Kunst. Das Material, das diese Kunst verwendet, w\u00e4re die Begegnung. Das wahrhaftige Gespr\u00e4ch, aber auch die schweigende Begegnung. Dies ist ein spirituelles Medium, das zwischen Menschen wirkt. Es kann auf eine k\u00fcnstlerische Weise eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Im gew\u00f6hnlichen Leben ist es fast immer das Schicksal zwischen den Menschen, das die Begegnung beherrscht. Sartre sah nur zwei M\u00f6glichkeiten: Man gewinnt oder man verliert, es gibt nichts dazwischen. Der Sieger f\u00fchlt sich gut, der Verlierer leidet. Die spirituelle Seite dieser Art der Begegnung w\u00e4re dann, dass die Teilnehmer sich selbst dadurch entwickeln, dass sie gl\u00fccklich sind oder leiden. Es gibt nur eine passive Weise, das Zusammenkommen und Auseinandergehen zu erleben.<\/p>\n<p>Soziale Kunst w\u00e4re etwas v\u00f6llig anderes, etwas ganz Neues. Die Teilnehmer h\u00e4tten ein aktives Selbstbewusstsein, und sie w\u00fcrden aktiv die Begegnung besser, edler, freudvoller und originell gestalten wollen. Sie w\u00fcrden versuchen, eine ganz neue Atmosph\u00e4re der menschlichen Freundschaft zu schaffen. Man m\u00fcsste in einem optimalen, spirituellen selbstbewussten Zustand sein, bereit, nicht in den alten, bestehenden Mustern mitgeschleift zu werden. Man w\u00fcrde aktiv neue Muster von Freiheit und Freundschaft bilden.<\/p>\n<p>Danach wurde schon fr\u00fcher gestrebt. Vor der materialistischen Periode, die mit Feuerbach als Philosoph und Karl Marx als sozialem Reformer aufkam, gab es die Periode des Idealismus und der Romantik, die Zeit von Goethe, Schiller und Novalis. Die Gef\u00fchle dieser Zeit sind in unserer Zeit des Relativismus praktisch unm\u00f6glich geworden. Wir werden neue Formen daf\u00fcr finden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Schiller schrieb sein Gedicht \u201eOde an die Freude\u201c, und in diesen Versen k\u00f6nnen wir das hohe Gef\u00fchl des Idealismus gewahrwerden:<br \/>\nSchlie\u00dft den heilgen Zirkel dichter,<br \/>\nschw\u00f6rt bei diesem goldnen Wein:<br \/>\n<em>Dem Gel\u00fcbde treu zu sein,<\/em><br \/>\n<em>schw\u00f6rt es bei dem Sternenrichter!<\/em><br \/>\n<em>Rettung von Tyrannenketten,<\/em><br \/>\n<em>Gro\u00dfmut auch dem B\u00f6sewicht,<\/em><br \/>\n<em>Hoffnung auf den Sterbebetten,<\/em><br \/>\n<em>Gnade auf dem Hochgericht!<\/em><br \/>\n<em>Auch die Toten sollen leben!<\/em><br \/>\n<em>Br\u00fcder trinkt und stimmet ein,<\/em><br \/>\n<em>Allen S\u00fcndern soll vergeben,<\/em><br \/>\n<em>und die H\u00f6lle nicht mehr sein.<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog57.jpg\" alt=\"Soziale Kunst\" \/><br \/>\n<em>Wir sind, was wir wiederholt tun. Vortrefflichkeit ist daher keine Tat, sondern eine Gewohnheit.<\/em> (Aristoteles)<\/p>\n<p>Dieses aristotelische Vertrauen in die M\u00f6glichkeiten des Menschen, zu lernen, werden uns zu einer Kunst des sozialen Lebens f\u00fchren.<em><strong>Soziale Kunst Von Mieke Mosmulller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie w\u00fcrde ein soziales Zusammenleben, das auf spirituellen Einsichten basiert, aussehen? Es w\u00e4re eine soziale Kunst. Das Material, das diese Kunst verwendet, w\u00e4re die Begegnung. Das wahrhaftige Gespr\u00e4ch, aber auch die schweigende Begegnung. Dies ist ein spirituelles Medium, das zwischen Menschen wirkt. Es kann auf eine k\u00fcnstlerische Weise eingesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4451,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7094","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7094"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7094\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8116,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7094\/revisions\/8116"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4451"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}