{"id":7104,"date":"2020-03-04T00:00:00","date_gmt":"2020-03-03T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/eurythmie\/"},"modified":"2025-04-08T16:20:33","modified_gmt":"2025-04-08T14:20:33","slug":"eurythmie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/eurythmie\/","title":{"rendered":"Eurythmie"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Die Eurythmie ist eine Kunstform, die in der \u00d6ffentlichkeit kaum bekannt ist. In der Tat ist sie nur denjenigen bekannt, die die Waldorfschule besucht haben, wo sie ein Kunstfach war, das meistens nicht popul\u00e4r war und hier und dort noch immer nicht ist \u2013 und den Anthroposophen, die diese Kunstform mehr oder weniger zu Recht als eine spezifisch anthroposophische betrachten. Heute m\u00f6chte ich den Versuch unternehmen, in nicht allzu vielen Worten zu erkl\u00e4ren, worauf diese Kunstform beruht und wie man sich als Mensch dem Gebiet, aus dem die Eurythmie stammt, ann\u00e4hern kann.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/817912a5654a200c213327f8ab3bd8b9.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p id=\"mcetoc_1e2g0d7su0\">Die Eurythmie ist eine Kunstform, die in der \u00d6ffentlichkeit kaum bekannt ist. In der Tat ist sie nur denjenigen bekannt, die die Waldorfschule besucht haben, wo sie ein Kunstfach war, das meistens nicht popul\u00e4r war und hier und dort noch immer nicht ist \u2013 und den Anthroposophen, die diese Kunstform mehr oder weniger zu Recht als eine spezifisch anthroposophische betrachten. Heute m\u00f6chte ich den Versuch unternehmen, in nicht allzu vielen Worten zu erkl\u00e4ren, worauf diese Kunstform beruht und wie man sich als Mensch dem Gebiet, aus dem die Eurythmie stammt, ann\u00e4hern kann.<\/p>\n<p>Bei den bekannten Kunstformen ist dies f\u00fcr die Menschen offensichtlich. Wenn man \u00fcber Malerei spricht, wei\u00df jeder, dass es um die Bilderzeugung geht, und dass man das \u00c4u\u00dfere oder Innere, das Konkrete oder Abstrakte in eine f\u00fcr alle wahrnehmbare \u00e4u\u00dfere Form bringt. Auf diese Weise kann man alle Kunstformen als Ausdruck eines bestimmten Wahrnehmungsbereichs sehen. Wenn man das f\u00fcr die Eurythmie machen will, dann muss man einen Bereich \u00f6ffnen, der wie die Bilderzeugung auf ganz nat\u00fcrliche Weise f\u00fcr jeden Menschen wirksam ist, den man aber in diesem Fall meist nicht anschaut und nicht kennt.<\/p>\n<p>So hat jeder Mensch Zugang zu einem reinen sinnlichkeitsfreien Denken. Dieses sinnlichkeitsfreie Denken, das zur Verf\u00fcgung steht, entgeht jedoch fast vollst\u00e4ndig dem Bewusstsein, und das bedeutet, dass wir als Menschen zwar vollkommen davon Gebrauch machen, uns dessen aber dennoch nicht bewusst sind.<\/p>\n<p>Die Anthroposophie bringt dieses Bewusstsein n\u00e4her. Dann lernt man in sich selbst kennen, dass man, um denken und verstehen zu k\u00f6nnen die Anlage hat, Begriffskategorien und logische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten zu verwenden, durch die man sich in der Au\u00dfenwelt orientieren kann, und durch die man Wissenschaft betreiben kann. Der Mensch ist in der Lage, diese vollkommen zu handhaben. Es ist die Wahrheit an sich, und es spielt keine Rolle, ob man damit die Wahrheit findet oder die Unwahrheit behauptet.<\/p>\n<blockquote><p>In der Tat ist sie nur denjenigen bekannt, die die Waldorfschule besucht haben, wo sie ein Kunstfach war, das meistens nicht popul\u00e4r war und hier und dort noch immer nicht ist \u2013 und den Anthroposophen, die diese Kunstform mehr oder weniger zu Recht als eine spezifisch anthroposophische betrachten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist an sich schon ein interessantes Thema zum Nachdenken \u2013 wie es m\u00f6glich ist, dass man mit der Wahrheit auch Unwahrheiten denken kann. Wenn man das Problem in einen anderen Bereich verlagert, ist es weniger schwierig. Wenn man sagt, dass man gesunde Gliedma\u00dfen hat, mit denen man trotzdem Verbrechen begehen kann, ist das offensichtlich. Das ist etwas \u00c4hnliches, aber im inneren Prozess&#8230;<\/p>\n<p>Das Handbuch, um sich dieses reinen Denkens bewusst zu werden, ist Rudolf Steiners Philosophie der Freiheit, und es gibt eine Passage, in der es sehr klar wird, dass der Mensch das Denken vollkommen beherrschen kann, und dann doch nicht die richtigen Dinge mit diesem Denken wei\u00df:<\/p>\n<p>\u201eDer Grund, der es uns unm\u00f6glich macht, das Denken in seinem jeweilig gegenw\u00e4rtigen Verlauf zu beobachten, ist der gleiche wie der, der es uns unmittelbarer und intimer erkennen l\u00e4sst als jeden andern Proze\u00df der Welt. Eben weil wir es selbst hervorbringen, kennen wir das Charakteristische seines Verlaufs, die Art, wie sich das dabei in Betracht kommende Geschehen vollzieht. Was in den \u00fcbrigen Beobachtungssph\u00e4ren nur auf mittelbare Weise gefunden werden kann: der sachlich-entsprechende Zusammenhang und das Verh\u00e4ltnis der einzelnen Gegenst\u00e4nde, das wissen wir beim Denken auf ganz unmittelbare Weise. Warum f\u00fcr meine Beobachtung der Donner auf den Blitz folgt, wei\u00df ich nicht ohne weiteres; warum mein Denken den Begriff Donner mit dem des Blitzes verbindet, wei\u00df ich unmittelbar aus den Inhalten der beiden Begriffe. Es kommt nat\u00fcrlich gar nicht darauf an, ob ich die richtigen Begriffe von Blitz und Donner habe. Der Zusammenhang derer, die ich habe, ist mir klar, und zwar durch sie selbst.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Wir hoffen, auf dem urspr\u00fcnglichen Grund der Eurythmie eine Erneuerung zu finden \u2013 durch dieses Bewusstsein ihres Ursprungs.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn man sich bewusst in diesen Bereich des reinen sinnlichkeitsfreien Denkens begibt, dann beginnt man eine St\u00e4rkung des Denkens zu erfahren, die es immer weniger abh\u00e4ngig von Inhalten macht und es in ein bewegliches Vorw\u00e4rtsgehen in der Zeit verwandelt, das eigenst\u00e4ndig ist und erlebt werden kann. Dies wird zu einem neuen Instrument der Erkenntnis. Mit diesem Instrument, das die Grundlage des Denkens ist, denkt man nicht, sondern man schlie\u00dft sich dem zu erkennenden Objekt an. Dann entsteht eine &#8222;Wissensweite&#8220;, die Kunst ist.<\/p>\n<p>Wenn man dieses gestaltende Denken mit der Bildung von Lauten \u2013 Konsonanten und Vokalen \u2013 durch den Kehlkopf und die Sprechorgane wie Lippen, Zunge und Z\u00e4hne vereinigt, dann f\u00fcgt man ihm diesen Gedankengrund hinzu, der zu einem bewegenden Kraftmechanismus geworden ist und verfolgt man das Sprechen, wie es nicht in der Bedeutung der Worte flie\u00dft, sondern wie es gestaltend den Luftstrom durch den Kehlkopf und die Sprechorgane formt.<\/p>\n<p>Wenn man dieses Ganze, sich so mit dem Wesen der Sprache vereinigend erlebt, dann wird die Sprache selbst zu einem Ph\u00e4nomen, das sich auf au\u00dferordentlich k\u00fcnstlerische Weise formt, und wenn man sie erlebt, so wird dem Untersucher allm\u00e4hlich bewusst, dass der Mensch selbst das Wort ist, und dass man bei dieser Untersuchung der Sprache mit dem gestaltenden Denken etwas findet, das mit dem ganzen Menschen zu tun hat. Man m\u00f6chte dann, dass der ganze Mensch dies \u00e4u\u00dferlich in Erscheinung treten lassen kann, so dass auch derjenige, der nicht die F\u00e4higkeit hat, dieses gestaltende Denken zu erfahren, die \u00e4u\u00dfere Erscheinung sehen kann. Man kann sich vorstellen, dass der k\u00fcnstlerische Reichtum nur noch gr\u00f6\u00dfer wird, wenn man einmal beginnt, ihn auszuf\u00fchren. Es beschr\u00e4nkt sich nicht darauf, Vokale und Konsonanten sichtbar zu machen, sondern es k\u00f6nnen auch W\u00f6rter, Rhythmus, Klang, Stimmung, der Verlauf eines Textes einbezogen werden. Man erlebt, dass es nicht nur Gesten sind, sondern dass man diese auch in Bewegung sieht; in verschiedenen Farben, mit unterschiedlicher St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Als ich zum ersten Mal den Anfang in Novalis&#8216; Schrift &#8222;Die Lehrlinge zu Sais&#8220; las \u2013 ein B\u00fcchlein, das ich sp\u00e4ter ins Niederl\u00e4ndische \u00fcbersetzte \u2013 sah ich sofort: Hier werden die zu gehenden Formen der Eurythmie beschrieben, also ein jeder Mensch geht seine Wege eurythmisch!<\/p>\n<p>Novalis, Die Lehrlinge zu Sais:<br \/>\n\u201cMannigfache Wege gehen die Menschen. Wer sie verfolgt und vergleicht, wird wunderliche Figuren entstehen sehn; Figuren, die zu jener gro\u00dfen Chiffernschrift zu geh\u00f6ren scheinen, die man \u00fcberall, auf Fl\u00fcgeln, Eierschalen, in Wolken, im Schnee, in Kristallen und in Steinbildungen, auf gefrierenden Wassern, im Innern und \u00c4u\u00dfern der Gebirge, der Pflanzen, der Tiere, der Menschen, in den Lichtern des Himmels, auf ber\u00fchrten und gestrichenen Scheiben von Pech und Glas, in den Feilsp\u00e4nen um den Magnet her und sonderbaren Konjunkturen des Zufalls, erblickt. In ihnen ahndet man den Schl\u00fcssel dieser Wunderschrift, die Sprachlehre derselben; allein die Ahndung will sich selbst in keine feste Formen f\u00fcgen \u00a0und scheint kein h\u00f6herer Schl\u00fcssel werden zu wollen. Ein Alkahest scheint \u00fcber die Sinne der Menschen ausgegossen zu sein. Nur augenblicklich scheinen ihre W\u00fcnsche, ihre Gedanken sich zu verdichten. So entstehen ihre Ahndungen, aber nach kurzen Zeiten schwimmt alles wieder, wie vorher, vor ihren Blicken.\u201d<\/p>\n<p>Sicherlich kann man sich vorstellen, dass man mit dem bewegenden, kraftvollen Denkelement nicht nur inhaltlich denkt, dass man auch die Musik verfolgen und gestalten kann, und dass so eine Ton- und Musikeurythmie entstanden ist. Dar\u00fcber hinaus entsteht der Wunsch, zu dem zur\u00fcckzukehren, was das Denken selbst tut, aus dem dieses Denkelement abgeleitet ist, und es ebenso in die Sichtbarkeit zu bringen. Was macht das Denken selbst eigentlich? Diese Eurythmie gibt es noch nicht&#8230;<\/p>\n<p>Mit Hilfe der inneren Entwicklung des gestaltenden Denkens, das zu einem hellseherischen Element der Erkenntnis wird, schaue ich von Zeit zu Zeit darauf, was Ruth und Raphaela in ihrem Projekt \u2018Logos Eurythmie\u2019 entwickeln und durchf\u00fchren. Wir hoffen, auf dem urspr\u00fcnglichen Grund der Eurythmie eine Erneuerung zu finden \u2013 durch dieses Bewusstsein ihres Ursprungs. In meinen fr\u00fcheren B\u00fcchern habe ich dieses Bewusstsein auch als Bewusstsein der Form bezeichnet. Als aus\u00fcbender Musiker muss man die pythagor\u00e4ischen Sph\u00e4ren der Harmonie nicht verstehen um ein guter Musiker zu sein. Ein Eurythmist muss diese innere Entwicklung zum innerlich kraftvollen, gestaltenden Denken nicht durchlaufen haben um ein guter Eurythmist zu sein. Aber je besser und intensiver das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr ist, je n\u00e4her es an das eigene Erleben kommt, desto realer wird der Eurythmist diese Kunstform zeigen k\u00f6nnen, denn in der Eurythmie stellt der K\u00fcnstler das dar, was direkt aus der geistigen Anschauung genommen wurde.<\/p>\n<p><iframe src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3GwgyyELv-0\" width=\"100%\" height=\"380\"><\/iframe><em><strong>Eurythmie Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eurythmie ist eine Kunstform, die in der \u00d6ffentlichkeit kaum bekannt ist. In der Tat ist sie nur denjenigen bekannt, die die Waldorfschule besucht haben, wo sie ein Kunstfach war, das meistens nicht popul\u00e4r war und hier und dort noch immer nicht ist \u2013 und den Anthroposophen, die diese Kunstform mehr oder weniger zu Recht als eine spezifisch anthroposophische betrachten. Heute m\u00f6chte ich den Versuch unternehmen, in nicht allzu vielen Worten zu erkl\u00e4ren, worauf diese Kunstform beruht und wie man sich als Mensch dem Gebiet, aus dem die Eurythmie stammt, ann\u00e4hern kann.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4971,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7104","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7104","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7104"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7104\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7793,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7104\/revisions\/7793"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4971"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}