{"id":7130,"date":"2016-01-06T00:00:00","date_gmt":"2016-01-05T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/einfach-gott\/"},"modified":"2025-04-14T12:25:50","modified_gmt":"2025-04-14T10:25:50","slug":"einfach-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/einfach-gott\/","title":{"rendered":"Einfach Gott"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2> Mein erstes Buch \u201eSuche das Licht...\u201c wollte ich zwei M\u00e4nnern geben.  Voriges Mal schrieb ich \u00fcber den gelehrten Arzt; diesmal will ich \u00fcber  die andere Person schreiben. Ich ,begegnete\u2019 ihm zum ersten Mal, als ich  ungef\u00e4hr zehn Jahre alt war, vielleicht sogar fr\u00fcher. Wir verbrachten  jeden Sylvesterabend bei meinen Gro\u00dfeltern, die schon einen Fernseher  hatten. An einem dieser Abende wurde eine Show im Fernsehen gesendet. Es  war eine ,Ein-Mann-Show\u2019, die wir sehr genossen. Es war ein Mann,  begleitet von einem kleinen Orchester, der ein gro\u00dfes Theaterpublikum  w\u00e4hrend einiger Stunden unterhielt \u2013 und wir lachten vom alten in das  neue Jahr. Ich lernte diese Form von Humor lieben, eine Form, die nicht  politisch und auch nicht kritisch war. Es war eine Art tragikomischer  Blick auf den Menschen im Alltagsleben. Der Mann war ein gro\u00dfer  Imitator, aber er imitierte das Leben des Alltags. Er versuchte auch,<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/e2713a52bb071d2761b16ba1b26d08e5.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>Mein erstes Buch \u201eSuche das Licht&#8230;\u201c wollte ich zwei M\u00e4nnern geben. Voriges Mal schrieb ich \u00fcber den gelehrten Arzt; diesmal will ich \u00fcber die andere Person schreiben. Ich ,begegnete\u2019 ihm zum ersten Mal, als ich ungef\u00e4hr zehn Jahre alt war, vielleicht sogar fr\u00fcher. Wir verbrachten jeden Sylvesterabend bei meinen Gro\u00dfeltern, die schon einen Fernseher hatten. An einem dieser Abende wurde eine Show im Fernsehen gesendet. Es war eine ,Ein-Mann-Show\u2019, die wir sehr genossen. Es war ein Mann, begleitet von einem kleinen Orchester, der ein gro\u00dfes Theaterpublikum w\u00e4hrend einiger Stunden unterhielt \u2013 und wir lachten vom alten in das neue Jahr. Ich lernte diese Form von Humor lieben, eine Form, die nicht politisch und auch nicht kritisch war. Es war eine Art tragikomischer Blick auf den Menschen im Alltagsleben. Der Mann war ein gro\u00dfer Imitator, aber er imitierte das Leben des Alltags. Er versuchte auch, seinem Publikum eine bereits verschwindende Lebensfreude, eine Dankbarkeit, leben zu d\u00fcrfen, zu vermitteln. Er tat dies mit einer enormen Energie. Sein Humor war \u00fcberhaupt nicht intellektuell, und trotz seines gewaltigen Erfolges \u2013 die Stra\u00dfen waren leer, wenn er mit einer Theatershow im Fernsehen zu sehen war \u2013 fanden einige Menschen seinen Humor langweilig, gerade wegen dieses einfachen Humors \u2013 den ich meisterhaft fand.<\/p>\n<p>Als wir Studenten waren, gingen wir einmal zu einer seiner Shows in das Theater Carr\u00e9 in Amsterdam. Wir konnten keine teuren Pl\u00e4tze bezahlen, also sa\u00dfen wir ganz oben und sahen nur ein kleines M\u00e4nnchen tief unter uns. Aber eine Art Magie \u00fcberkam das Publikum \u2013 obwohl er diese sorgf\u00e4ltig in der Hand hielt.<\/p>\n<p>Danach verga\u00df ich ihn. Nicht ganz, aber er verschwand in den Hintergrund.<br \/>\nIn den heiligen N\u00e4chten, nach Weihnachten, verbrachten wir die Zeit mit unseren drei Kindern immer in einem ruhigen kleinen H\u00e4uschen. Einmal waren sie etwas unzufrieden, weil solche Vergn\u00fcgungen wie Fernsehen oder anderes Am\u00fcsement fehlten. Wir schalteten das kleine Radio ein, das dort stand. Und im Radio h\u00f6rten wir dann eine Ein-Mann-Show von &#8230; Toon Hermans. Er erz\u00e4hlte eine Geschichte \u00fcber den Stuhl seiner Schwester.<\/p>\n<p>Wir erneuerten unsere Liebe, und die Kinder waren von seinen Geschichten ganz begeistert. Sogar im Radio, ohne ihn zu sehen, faszinierte er und fesselte er die Aufmerksamkeit. Ich erinnerte mich seiner au\u00dfergew\u00f6hnlichen Qualit\u00e4t, einen das Leben, das menschliche Leben auf Erden, empfinden zu lassen.<\/p>\n<p>Ich wollte ihm deshalb ein Exemplar meines ersten Buches geben, ohne eine Reaktion von ihm zu erwarten. Ich wollte es ihm nur zuschicken.<\/p>\n<p>Aber wir konnten nur eine Telefonnummer finden, keine Adresse. Seine Sekret\u00e4rin dachte, dass er es sch\u00f6n finden w\u00fcrde, mir pers\u00f6nlich zu begegnen, dass er wollte, dass ich ihm das Buch selbst br\u00e4chte. Zuerst sollte ich einen Brief schreiben. Dann kam eine Antwort: Ich konnte einen Termin abmachen.<\/p>\n<p>Ich begegnete ihm in seinem pr\u00e4chtigen Haus in der N\u00e4he von Zeist. Er war \u00fcber siebzig, aber noch aktiv. Das erste, was mir auffiel, war, dass er ein gro\u00dfgewachsener Mann war \u2013 auf der B\u00fchne schien er nicht gro\u00df. Und dass er ziemlich ernst war, \u00fcberhaupt nicht witzig. Er war mehr an meinem Beruf als \u00c4rztin interessiert als an meinem Schreiben. Ich gab ihm das Buch.<\/p>\n<p>Nachdem ich sein Haus verlassen hatte, f\u00fchlte ich mich, als ob ich mein Wesen in Raum und Zeit verlassen h\u00e4tte, als ob diese Kategorien \u00fcberhaupt nicht wichtig waren. Etwas, was viel gr\u00f6\u00dfer ist als Raum und Zeit, schien um diesen Mann herum anwesend zu sein.<\/p>\n<p>Aber er war \u2013 und ist das noch immer, nach seinem Tod im Jahr 2000 \u2013 eine Art Besitz seines Images, seines Publikums, seiner Kinder. Ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass dieser Besuch bei ihm eine Folge haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doch nach einer Woche rief er mich an und lud mich und meinen Mann zum Mittagessen ein. Als wir zu ihm kamen, stand mein Buch wie eine Troph\u00e4e auf dem Tisch. ,Als wir das vorige Mal miteinander sprachen, hatte ich keine Vorstellung davon, dass ich mit einer so gelehrten Person sprach\u201c, sagte er \u2013 und ich achtete immer darauf, seine Worte nicht zu ernst zu nehmen.<br \/>\nAber er stellte mir eine wichtige Frage: ,Ich w\u00fcnschte, du w\u00fcrdest um die Ecke wohnen\u2019, sagte er, ,dann k\u00f6nnte ich ab und zu zu dir kommen und dir von meiner Sicht in Bezug auf Gott erz\u00e4hlen, von meinem Glauben an Gott. Ich kann dar\u00fcber nicht schreiben, ich kann zwar kleine Gedichte verfassen, aber ich kann nicht dar\u00fcber schreiben. Aber du w\u00fcrdest das sicher k\u00f6nnen&#8230;\u2019<br \/>\nUnd so sa\u00dfen wir zusammen beim Mittagessen und sprachen danach miteinander, manchmal jede Woche, dann wiederum jeden Monat, dann wieder jede Woche, w\u00e4hrend einer Zeit von drei Jahren. Ich schrieb das Buch, er gab ihm den Titel: Gewoon God (Einfach Gott). Nach der Ver\u00f6ffentlichung machten wir mit den Gespr\u00e4chen weiter, bis zu seinem Tod im Jahr 2000.<\/p>\n<p>Er h\u00e4tte ein buddhistischer Meister sein k\u00f6nnen, obwohl er katholisch war. Einer seiner christlichen Fragen war: Warum steht in der Bibel nirgendwo, dass Jesus auch lachte?<br \/>\nEr wurde 1916 geboren, also ist in diesem Jahr 2016 sein hundertster Geburtstag. Es wird wohl viel Publicity um ihn geben. Aber ich lernte ihn als einen ernsten, philosophischen Menschen kennen, der viel von der Tragik des Menschenwesens, vom Drama des Menschen wusste, und er lebte mit diesem Wissen, indem er es in Humor verwandelte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog88.jpg\" alt=\"Einfach Gott\" \/><br \/>\nToon Hermans<em><strong>Einfach Gott Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein erstes Buch \u201eSuche das Licht&#8230;\u201c wollte ich zwei M\u00e4nnern geben. Voriges Mal schrieb ich \u00fcber den gelehrten Arzt; diesmal will ich \u00fcber die andere Person schreiben. Ich ,begegnete\u2019 ihm zum ersten Mal, als ich ungef\u00e4hr zehn Jahre alt war, vielleicht sogar fr\u00fcher. Wir verbrachten jeden Sylvesterabend bei meinen Gro\u00dfeltern, die schon einen Fernseher hatten. An einem dieser Abende wurde eine Show im Fernsehen gesendet. Es war eine ,Ein-Mann-Show\u2019, die wir sehr genossen. Es war ein Mann, begleitet von einem kleinen Orchester, der ein gro\u00dfes Theaterpublikum w\u00e4hrend einiger Stunden unterhielt \u2013 und wir lachten vom alten in das neue Jahr. Ich lernte diese Form von Humor lieben, eine Form, die nicht politisch und auch nicht kritisch war. Es war eine Art tragikomischer Blick auf den Menschen im Alltagsleben. Der Mann war ein gro\u00dfer Imitator, aber er imitierte das Leben des Alltags. Er versuchte auch, seinem Publikum eine bereits verschwindende Lebensfreude, eine Dankbarkeit, leben zu d\u00fcrfen, zu vermitteln. Er tat dies mit einer enormen Energie. Sein Humor war \u00fcberhaupt nicht intellektuell, und trotz seines gewaltigen Erfolges \u2013 die Stra\u00dfen waren leer, wenn er mit einer Theatershow im Fernsehen zu sehen war \u2013 fanden einige Menschen seinen Humor langweilig, gerade wegen dieses einfachen Humors \u2013 den ich meisterhaft fand.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4501,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7130","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7130"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7130\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8085,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7130\/revisions\/8085"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7130"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7130"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}