{"id":7141,"date":"2018-02-07T00:00:00","date_gmt":"2018-02-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/ueber-die-fortdauer-der-seele-nach-dem-tod\/"},"modified":"2025-04-10T13:03:26","modified_gmt":"2025-04-10T11:03:26","slug":"ueber-die-fortdauer-der-seele-nach-dem-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/ueber-die-fortdauer-der-seele-nach-dem-tod\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Fortdauer der Seele nach dem Tod"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Im Tode und in der K\u00f6rperverwesung vollendet sich nun diese R\u00fcckbildung, in welcher die Gesetze des unorganischen Chemismus volles Recht an den Leib gewinnen und die allgemeinen Weltstoffe wieder selbst\u00e4ndig aus ihm hervortreten lassen, welche h\u00f6chst vor\u00fcbergehend von der organischen Kraft zu ihrem Dienste gezwungen worden waren. Dies zusammengesetzte Gebilde ist v\u00f6llig verschwunden, ohne dass im geringsten das wahrhaft Substantielle an ihm vergangen w\u00e4re, weder die Seelensubstanz, die ihn organisirt hat, noch die Stoffe, aus denen dieser gebildet wurde.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/1164cd39379c2fa01b9a6e0130fd9481.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nEin letzter Einblick in die Gedanken von Immanuel Hermann Fichte.<br \/>\nZitate von Paragraph 133 und 134 aus &#8222;Anthropologie&#8216;.<\/p>\n<p>\u00a7133<\/p>\n<p id=\"mcetoc_1c5lr26o01\">Im Tode und in der K\u00f6rperverwesung vollendet sich nun diese R\u00fcckbildung, in welcher die Gesetze des unorganischen Chemismus volles Recht an den Leib gewinnen und die allgemeinen Weltstoffe wieder selbst\u00e4ndig aus ihm hervortreten lassen, welche h\u00f6chst vor\u00fcbergehend von der organischen Kraft zu ihrem Dienste gezwungen worden waren. Dies zusammengesetzte Gebilde ist v\u00f6llig verschwunden, ohne dass im geringsten das wahrhaft Substantielle an ihm vergangen w\u00e4re, weder die Seelensubstanz, die ihn organisirt hat, noch die Stoffe, aus denen dieser gebildet wurde.<\/p>\n<p>Denn kaum braucht hier noch gefragt zu werden, wie der Mensch an sich selbst sich verhalte &#8211; in diesem Todesvorgange? Dieser bleibt auch nach dem letzten, uns unsichtbaren Akte des Lebensprozesses in seinem Wesen ganz derselbe nach Geist und Organisationskraft, welcher er vorher war. Seine Integrit\u00e4t ist bewahrt; denn er hat durchaus nichts verloren von dem, was sein war und zu seiner Substanz geh\u00f6rte w\u00e4hrend des sichtbaren Lebens. Er kehrt nur im Tode in die unsichtbare Welt zur\u00fcck, oder vielmehr, da er dieselbe nie verlassen hatte, da sie das eigentlich Beharrende in allem Sichtbaren ist, &#8211; er hat nur eine bestimmte Form der Sichtbarkeit abgestreift, bedeutet lediglich, der gew\u00f6hnlichen Sinnesauffassung nicht mehr perceptibel (wahrnehmbar) bleiben, ganz auf gleiche Weise, wie auch das eigentlich Reale, die letzten Gr\u00fcnde der K\u00f6rpererscheinungen den Sinnen imperceptibel (unwahrnehmbar) sind.<\/p>\n<p>Und sicherlich ist es das Geringste, aber auch das Gewisseste, was man beanspruchen kann, wenn man f\u00fcr das Reale, Beharrliche, welches den Seelenerscheinungen unwiderlegbar zu Grunde liegt, dieselbe unsichtbare Dauer in Anspruch nimmt, welche jedem einfachen chemischen Stoffe zugestanden wird. Auch er ist seiner urspr\u00fcnglichen Natur nach ein Unsichtbares; nur in bestimmte Verbindungen getreten, corporisirt er sich zu besonderen K\u00f6rperph\u00e4nomenen. Aus der Erscheinung des Todes daher auf ein Sterben der Seele zu schlie\u00dfen, w\u00e4re derselbe am Rohsinnlichsten haftende Fehlschluss, wie wenn aus der Aufl\u00f6sung einer bestimmten chemischen K\u00f6rpererscheinung auf Vernichtung der einfachen realen Wesen geschlossen w\u00fcrde, welche nachweislich ihr zu Grunde liegen.<\/p>\n<p>\u00a7134<br \/>\nMit diesem Begriffe der Seelenfortdauer \u00fcberspringen wir daher nicht nur die Erfahrung und greifen in ein unbekanntes Gebiet blo\u00df illusorischer Existenzen hin\u00fcber, sondern wir befinden uns mit ihm gerade mitten in der begreiflichen, dem Denken zug\u00e4nglichen Wirklichkeit. Das Gegenteil davon, ein Aufh\u00f6ren der Seele zu behaupten, w\u00e4re das Naturwidrige, aller Erfahrungsanalogie Widersprechende. Die &#8218;gestorbene&#8216;, d.h. sinnlich unsichtbar gewordene Seele existiert um nichts weniger, unentr\u00fcckt ihren urspr\u00fcnglichen Lebensbedingungen fort, d. h. sie bleibt das Raum und Zeit setzend-erf\u00fcllende Wesen, das sie w\u00e4hrend des Sinnenlebens war, weil sie dies nicht erst geworden ist durch Aufnahme der chemischen Stoffwelt in ihren Assimilationskreis, weil sie es daher auch nicht verlieren kann durch das Fallenlassen derselben. Ihrer Organisationskraft mu\u00df nur ein anderes Verleiblichungsmittel sich darbieten, um auch in neuer leiblicher Wirksamkeit dazustehen, wovon im Folgenden noch ein Wort sich sagen lassen wird.<\/p>\n<p>Hier geben wir indes ausdr\u00fccklich zu, dass wir damit nur eine Seelenfortdauer bewiesen h\u00e4tten welche dem Menschen gemeinsam w\u00e4re in gewissem Sinne mit den Thierseelen, ja eigentlicher noch mit jedem einfach chemischen Stoffe; und wir h\u00e4tten, nach der gew\u00f6hnlichen Vorstellungsweise geurtheilt, daher zu viel, d. h. keineswegs das Rechte bewiesen. Gegen diesen Einwand, wenn er eigentlich als ein solcher betrachtet werden darf, lasst sich Mehrfaches erinnern.<\/p>\n<p>Zuerst und im allgemeinsten ist zu sagen: dass eine Wahrheit, welche durch sich selbst evident ist und um ihrer selbst willen anerkannt werden muss, keineswegs dadurch zweifelhaft gemacht werden kann, dass man, sei es vorerst oder vielleicht auf immer, gewisse Fragen unentschieden lassen muss, welche mit ihrem allgemeinen Princip als weitere Folgerungen zusammenh\u00e4ngen&#8230; &#8218;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog196.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" width=\"283\" height=\"173\" \/><br \/>\nDer Himmel, Francesco Botticini 1446 &#8211; 1498.<em><strong>\u00dcber die Fortdauer der Seele nach dem Tod Von <\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Tode und in der K\u00f6rperverwesung vollendet sich nun diese R\u00fcckbildung, in welcher die Gesetze des unorganischen Chemismus volles Recht an den Leib gewinnen und die allgemeinen Weltstoffe wieder selbst\u00e4ndig aus ihm hervortreten lassen, welche h\u00f6chst vor\u00fcbergehend von der organischen Kraft zu ihrem Dienste gezwungen worden waren. 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