{"id":7153,"date":"2016-06-08T00:00:00","date_gmt":"2016-06-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/eine-reflexion-auf-das-boese\/"},"modified":"2025-04-14T11:55:38","modified_gmt":"2025-04-14T09:55:38","slug":"eine-reflexion-auf-das-boese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/eine-reflexion-auf-das-boese\/","title":{"rendered":"Eine Reflexion auf das B\u00f6se"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>In den zur\u00fcckliegenden Monaten habe ich mehrere religi\u00f6se und  philosophische Gedanken zitiert, wie sie im Verlauf vieler Jahrhunderte  aufgeschrieben worden sind. Wenn wir die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, im selben  Moment alles gleichzeitig zu denken, w\u00fcrden wir wahrscheinlich eine  vollst\u00e4ndige Idee des B\u00f6sen in seinem Wesen haben, und wir w\u00fcrden auch  eine Vorstellung haben, wie die Anschauungen in Bezug auf das B\u00f6se sich  im Lauf der Zeit ver\u00e4ndert haben. Aber wir k\u00f6nnen nur eines nach dem  anderen denken, nicht alles zugleich. Das Ganze, das \u00fcbersichtliche Bild  bleibt ein Geheimnis.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/48547fd22f17b58d877def1d040f4edd.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>In den zur\u00fcckliegenden Monaten habe ich mehrere religi\u00f6se und philosophische Gedanken zitiert, wie sie im Verlauf vieler Jahrhunderte aufgeschrieben worden sind. Wenn wir die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, im selben Moment alles gleichzeitig zu denken, w\u00fcrden wir wahrscheinlich eine vollst\u00e4ndige Idee des B\u00f6sen in seinem Wesen haben, und wir w\u00fcrden auch eine Vorstellung haben, wie die Anschauungen in Bezug auf das B\u00f6se sich im Lauf der Zeit ver\u00e4ndert haben. Aber wir k\u00f6nnen nur eines nach dem anderen denken, nicht alles zugleich. Das Ganze, das \u00fcbersichtliche Bild bleibt ein Geheimnis.<\/p>\n<p>Wenn wir erfahren, wie die Seele eine Vermittlerin zwischen zwei Kr\u00e4ften ist, die um sie k\u00e4mpfen \u2013 eine Kraft, die dazu verf\u00fchrt, die Erde zu verlassen, auf der einen Seite; eine Kraft, mit der Erde zusammen zu wachsen auf der anderen Seite \u2013, dann lernen wir eine andere Form von Vermittlung kennen. Die Seele muss die Balance zwischen den Kr\u00e4ften, die in ihr aufsteigen, und den Kr\u00e4ften, die von au\u00dfen kommen, finden. Wir suchen immer nach der Balance zwischen einem Leben in der sinnlichen Welt und einem Leben im Gedanken- und Gef\u00fchlsleben, im Wunschleben. In dem inneren Leben ist immer jene Kraft da, die uns in Gedanken und Gef\u00fchlen absorbieren will, von der Realit\u00e4t wegtr\u00e4umen lassen will. Das \u00e4u\u00dfere Leben zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, zwingt uns, aus unseren Tr\u00e4umen zu erwachen und den Weg zur\u00fcck zur Realit\u00e4t zu finden \u2013 wie die Sinne uns diese geben. Rudolf Steiner hat diese verf\u00fchrenden Wesen ihren Namen gegeben: das Wegtr\u00e4umen in Gedanken ist ein Wesen: Luzifer; das Scheinen der Sinne ist auch ein Wesen: Ahriman. Alles, was wir erleben, scheint zun\u00e4chst von diesen zwei Welten zu kommen. Wenn jedoch eine perfekte Balance dazwischen best\u00fcnde, w\u00e4re das B\u00f6se nicht m\u00f6glich. Das B\u00f6se ist nicht ein Teil einer Dualit\u00e4t: von Gut und B\u00f6se. Es sind die Gegens\u00e4tze: im Denken absorbiert sein oder im Schein der Sinne, in der Wahrnehmung leben.<\/p>\n<p>Es gibt einen gro\u00dfartiges Textabschnitt, der uns zur Balance f\u00fchrt, er weist uns den Weg dahin, zeigt, was ,Vermitteln\u2019 sein m\u00fcsste. Es ist eine Erl\u00e4uterung einer Szene in Steiners Mysteriendrama. Benedictus ist der spirituelle Lehrer, Capesius ein Student. Steiner sagt in dieser Erl\u00e4uterung:<\/p>\n<p>&#8218;Es sagte zum Beispiel Benedictus zu Capesius: Man kann nun auch dasselbe Walten der Dreiheit, der Polarit\u00e4t oder des Gegensatzes in der Dreiheit, des ma\u00dfvollen Ausgleiches, an anderen Punkten des Daseins finden. Man kann wiederum ein Ding von einem anderen Gesichtspunkt aus ins Auge fassen: das Denken, das innere Vorstellen. Das innere Vorstellen, das Sich-Er\u00acarbeiten der Weltengeheininisse, das ist das eine; das zweite ist das reine Wahrnehmen, sagen wir das blo\u00dfe Hinh\u00f6ren. Es gibt Menschen, welche mehr daraufhin angelegt sind, alles in sich ergr\u00fcbelnd zu \u00fcber-legen. Andere Menschen, die denken nicht gerne, die h\u00f6ren \u00fcberall hin, nehmen alles auf das Hinhorchen, auf die Autorit\u00e4t hin an, und wenn es auch die Autorit\u00e4t der Naturerscheinungen ist, denn es gibt auch eine Dogmatik der \u00e4u\u00dferen Erfahrung, wenn man sich n\u00e4mlich die \u00e4u\u00dferen Naturerscheinungen aufdr\u00e4ngen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Nun konnte leicht Benedictus dem Professor Capesius zeigen: In dem einsamen Denken liegt wiederum die luziferische Verlockung; in dem blo\u00dfen Hinhorchen, in dem blo\u00dfen Wahrnehmen liegt das ahrimanische Element. Man kann aber einen mittleren Zustand ein\u00achalten, sozusagen zwischendurchgehen. Man braucht weder blo\u00df zu verweilen in dem abstrakten, gr\u00fcblerischen Denken, wobei man sich einsiedlerisch in der Seele abschlie\u00dft, noch sich hinzugeben dem blo\u00ac\u00dfen Hinh\u00f6ren und Hinsehen auf das, was die Ohren und Augen wahr\u00acnehmen k\u00f6nnen. Man kann noch ein anderes tun, indem man das, was man denkt, innerlich so lebendig macht, so kraftvoll macht, da\u00df man den eigenen Gedanken wie etwas Lebendiges vor sich hat und in ihn lebendig sich vertieft wie in etwas, was man drau\u00dfen h\u00f6rt und sieht, so da\u00df der eigene Gedanke so konkret wird wie das, was man h\u00f6rt oder sieht. Das ist ein mittlerer Zustand. In dem blo\u00dfen Gedan\u00acken, der dem Gr\u00fcbeln zugrunde liegt, da liegt das Herantreten des Luzifer an den Menschen; in dem blo\u00dfen Hinh\u00f6ren, sei es durch das Wahrnehmen oder sei es durch die Autorit\u00e4t der Menschen, liegt das ahrimanische Element. Wenn man innerlich erkraftet und erweckt die Seele, da\u00df man seinen Gedanken gleichsam h\u00f6rt oder sieht, dann hat man das Meditieren. Das Meditieren ist ein mittlerer Zustand. Es ist weder Denken noch Wahrnehmen. Es ist ein Denken, das so lebendig in der Seele lebt, wie das Wahrnehmen lebendig lebt, und es ist ein Wahrnehmen, das nicht \u00c4u\u00dferes, sondern Gedanken in der Wahr\u00acnehmung hat. Zwischen dem luziferischen Element des Gedankens und dem ahrimanischen Element der Wahrnehmung flie\u00dft hin das Seelenleben im Meditieren als in dem g\u00f6ttlich-geistigen Element, das nur den Fortschritt der Welterscheinungen in sich tr\u00e4gt. Der meditierende Mensch, der in seinen Gedanken so lebt, da\u00df sie lebendig in ihm werden, wie Wahrnehmungen in ihm sind, lebt in dem g\u00f6ttlichen Dahinstr\u00f6men. Rechts hat er den blo\u00dfen Gedanken; links das ahrimanische Element, das blo\u00dfe Hinhorchen; und er schlie\u00dft nicht das eine und das andere aus, sondern wei\u00df, da\u00df er in einer Dreiheit lebt, da\u00df die Zahl das Leben regelt. Und er wei\u00df, da\u00df eine Polarit\u00e4t, ein Gegen\u00acsatz da ist, ein Gegensatz zweier Dinge, zwischen denen sich das Meditieren hinstr\u00f6mend bewegt. Und er wei\u00df auch, da\u00df ma\u00dfvoll das luziferische und das ahrimanische Element hier in dem Meditieren sich das Gleichgewicht halten m\u00fcssen.&#8216;<\/p>\n<p>So lernen wir hier einen neuen Gesichtspunkt in Bezug auf das B\u00f6se kennen, nicht als eine Opposition zum Guten, sondern als eine Abirrung von einem vollkommenen Gleichgewicht, m\u00f6glich auf zweierlei Art.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/blog109.jpg\" alt=\"Eine Reflexion auf das B\u00f6se\" width=\"300\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Eine Reflexion auf das B\u00f6se Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den zur\u00fcckliegenden Monaten habe ich mehrere religi\u00f6se und philosophische Gedanken zitiert, wie sie im Verlauf vieler Jahrhunderte aufgeschrieben worden sind. Wenn wir die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, im selben Moment alles gleichzeitig zu denken, w\u00fcrden wir wahrscheinlich eine vollst\u00e4ndige Idee des B\u00f6sen in seinem Wesen haben, und wir w\u00fcrden auch eine Vorstellung haben, wie die Anschauungen in Bezug auf das B\u00f6se sich im Lauf der Zeit ver\u00e4ndert haben. Aber wir k\u00f6nnen nur eines nach dem anderen denken, nicht alles zugleich. 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