{"id":7159,"date":"2017-11-08T00:00:00","date_gmt":"2017-11-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/die-umkehrung-der-erkenntnisposition\/"},"modified":"2025-04-10T13:18:50","modified_gmt":"2025-04-10T11:18:50","slug":"die-umkehrung-der-erkenntnisposition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/die-umkehrung-der-erkenntnisposition\/","title":{"rendered":"Die Umkehrung der Erkenntnisposition"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Dasjenige, was in diesem Aufsatz \u00fcber die atomistischen Begriffe angedeutet wird als eine Umkehrung des Verh\u00e4ltnisses zwischen den sinnlichen Wahrnehmungsobjekten und den Begriffen, finden wir in einem der ersten B\u00fccher von Rudolf Steiner wieder, in 'Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung', GA 2. Ich zitiere hier die Passagen, die sich auf dieser Umkehrung beziehen. Zuerst die Passage \u00fcber die Gedankenwelt, die eine Einheit bildet und die eine Harmonie ist. Dann auch die Passage \u00fcber das Verh\u00e4ltnis des Denkens zur Au\u00dfenwelt, zu den sinnlichen Objekten. In meinem Buch 'Persephone', zusammengestellt aus Vortr\u00e4gen und \u00dcbungen aus dem Sommerseminar im Berner Oberland 2015, habe ich beide Seiten ausf\u00fchrlich besprochen und umgeformt in einen \u00dcbungsweg, damit die Umkehrung der Erkenntnisposition auch eine Best\u00e4ndigkeit bekommen kann.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/14d4002d9185c148d6ff71393e888e73.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p id=\"mcetoc_1bu9brp9r0\">Dasjenige, was in diesem Aufsatz \u00fcber die atomistischen Begriffe angedeutet wird als eine Umkehrung des Verh\u00e4ltnisses zwischen den sinnlichen Wahrnehmungsobjekten und den Begriffen, finden wir in einem der ersten B\u00fccher von Rudolf Steiner wieder, in &#8218;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung&#8216;, GA 2. Ich zitiere hier die Passagen, die sich auf dieser Umkehrung beziehen. Zuerst die Passage \u00fcber die Gedankenwelt, die eine Einheit bildet und die eine Harmonie ist. Dann auch die Passage \u00fcber das Verh\u00e4ltnis des Denkens zur Au\u00dfenwelt, zu den sinnlichen Objekten. In meinem Buch &#8218;Persephone&#8216;, zusammengestellt aus Vortr\u00e4gen und \u00dcbungen aus dem Sommerseminar im Berner Oberland 2015, habe ich beide Seiten ausf\u00fchrlich besprochen und umgeformt in einen \u00dcbungsweg, damit die Umkehrung der Erkenntnisposition auch eine Best\u00e4ndigkeit bekommen kann.<\/p>\n<p>&#8218;Wie erscheint uns unser Denken f\u00fcr sich betrachtet? Es ist eine Vielheit von Gedanken, die in der mannigfachsten Weise miteinander verwoben und organisch verbunden sind. Diese Vielheit macht aber, wenn wir sie nach allen Seiten hinreichend durchdrungen haben, doch wieder nur eine Einheit, eine Harmonie aus. Alle Glieder haben Bezug aufeinander, sie sind f\u00fcreinander da; das eine modifiziert das andere, schr\u00e4nkt es ein und so weiter. Sobald sich unser Geist zwei entsprechende Gedanken vorstellt, merkt er alsogleich, da\u00df sie eigentlich in eins miteinander verflie\u00dfen. Er findet \u00fcberall Zusammengeh\u00f6riges in seinem Gedankenbereiche;\u00a0dieser Begriff schlie\u00dft sich an jenen, ein dritter erl\u00e4utert oder st\u00fctzt einen vierten und so fort. So zum Beispiel finden wir in unserm Bewu\u00dftsein den Gedankeninhalt \u00abOrganismus\u00bb vor; durchmustern wir unsere Vorstellungswelt, so treffen wir auf einen zweiten: \u00abgesetzm\u00e4\u00dfige Entwicklung, Wachstum\u00bb. Sogleich wird klar, da\u00df diese beiden Gedankeninhalte zusammengeh\u00f6ren, da\u00df sie blo\u00df zwei Seiten eines und desselben Dinges vorstellen. So aber ist es mit unserm ganzen Gedankensystem. Alle Einzelgedanken sind Teile eines gro\u00dfen Ganzen, das wir unsere Begriffswelt nennen.<\/p>\n<p>Tritt irgendein einzelner Gedanke im Bewu\u00dftsein auf, so ruhe ich nicht eher, bis er mit meinem \u00fcbrigen Denken in Einklang gebracht ist. Ein solcher Sonderbegriff, abseits von meiner \u00fcbrigen geistigen Welt, ist mir ganz und gar unertr\u00e4glich. Ich bin mir eben dessen bewu\u00dft, da\u00df eine innerlich begr\u00fcndete Harmonie aller Gedanken besteht, da\u00df die Gedankenwelt eine einheitliche ist. Deshalb ist uns jede solche Absonderung eine Unnat\u00fcrlichkeit, eine Unwahrheit.<\/p>\n<p>Haben wir uns bis dahin durchgerungen, da\u00df unsere ganze Gedankenwelt den Charakter einer vollkommenen, inneren \u00dcbereinstimmung tr\u00e4gt, dann wird uns durch sie jene Befriedigung, nach der unser Geist verlangt. Dann f\u00fchlen wir uns im Besitze der Wahrheit.<br \/>\nIndem wir die Wahrheit in der durchg\u00e4ngigen Zusammenstimmung aller Begriffe, \u00fcber die wir verf\u00fcgen, sehen, dr\u00e4ngt sich die Frage auf: Ja, hat denn das Denken, abgesehen von aller anschaulichen Wirklichkeit, von der sinnenf\u00e4lligen Erscheinungswelt, auch einen Inhalt? Bleibt nicht die vollst\u00e4ndige Leere, ein reines Phantasma zur\u00fcck, wenn wir allen sinnlichen Inhalt beseitigt denken?&#8216; (GA 2 S. 57)<\/p>\n<p>Die zweite Passage:<br \/>\n&#8218;Kann ich im Angesichte einer mit unverst\u00e4ndlichen Wirklichkeit nicht sogleich mein Denken in Wirksamkeit versetzen, auf da\u00df es eben auch an Ort und Stelle den Begriff entwickle, den ich einem Gegenstande entgegenzuhalten habe? Es ist f\u00fcr mich nur die F\u00e4higkeit erforderlich, einen bestimmten Begriff aus dem Fonds der Gedankenwelt hervorgehen zu lassen. Nicht darum handelt es sich, da\u00df mir ein bestimmtet Gedanke im Laufe meines Lebens schon bewu\u00dft war, sondern darum, da\u00df er sich aus der Welt der mir erreichbaren Gedanken ableiten l\u00e4\u00dft. Das ist ja f\u00fcr seinen Inhalt unwesentlich, wo und wann ich ihn erfasse. Ich entnehme ja alle Bestimmungen des Gedankens aus der Gedankenwelt. Von dem Sinnesobjekte flie\u00dft in diesen Inhalt ja doch nichts ein. Ich erkenne in dem Sinnesobjekt den Gedanken, den ich aus meinem Inneren herausgeholt, nur wieder. Dieses Objekt veranla\u00dft mich zwar, in einem bestimmten Augenblicke gerade diesen Gedankeninhalt aus der Einheit aller m\u00f6glichen Gedanken herauszutreiben, aber es liefert mir keineswegs die Bausteine zu denselben. Die mu\u00df ich aus mir selbst herausholen.<br \/>\nWenn wir unser Denken wirken lassen, bekommt die Wirklichkeit erst wahrhafte Bestimmungen. Sie, die vorher stumm war, redet eine deutliche Sprache.<br \/>\nUnser Denken ist der Dolmetsch, der die Geb\u00e4rden der Erfahrung deutet.<\/p>\n<p>Man ist so gewohnt, die Welt der Begriffe f\u00fcr eine leere, inhaltslose anzusehen, und ihr die Wahrnehmung als das Inhaltsvolle, durch und durch Bestimmte gegen\u00fcberzustellen, da\u00df es f\u00fcr den wahren Sachverhalt schwer sein wird, sich die ihm geb\u00fchrende Stellung zu erringen. <em>Man \u00fcbersieht vollst\u00e4ndig, da\u00df die blo\u00dfe Anschauung das Leerste ist, was sich nur denken l\u00e4\u00dft, und da\u00df sie allen Inhalt erst aus dem Denken erh\u00e4lt. Das einzige Wahre an der Sache ist, da\u00df sie den immer fl\u00fcssigen Gedanken in einer bestimmten Form festh\u00e4lt, ohne da\u00df wir n\u00f6tig haben, zu diesem Festhalten t\u00e4tig mitzuwirken.<\/em> Wenn der eine, der ein reiches Seelenleben hat, tausend Dinge sieht, die f\u00fcr den geistig Armen eine Null sind, so beweist das sonnenklar, da\u00df der Inhalt der Wirklichkeit nur das Spiegelbild des Inhaltes unseres Geistes ist und da\u00df wir von au\u00dfen nur die leere Form empfangen. Freilich m\u00fcssen wir die Kraft in uns haben, uns als die Erzeuger dieses Inhaltes zu erkennen, sonst sehen wir ewig nur das Spiegelbild, nie unseren Geist, der sich spiegelt. Auch der sich in einem faktischen Spiegel sieht, mu\u00df sich ja selbst als Pers\u00f6nlichkeit erkennen, um sich im Bilde wieder zu erkennen.<\/p>\n<p>Alle Sinnenwahrnehmung l\u00f6st sich, was das Wesen betrifft, zuletzt in ideellen Inhalt auf Dann erst erscheint sie uns als durchsichtig und klar. Die Wissenschaften sind vielfach von dem Bewu\u00dftsein dieser Wahrheit nicht einmal ber\u00fchrt. Man h\u00e4lt die Gedankenbestimmung f\u00fcr Merkmale der Gegenst\u00e4nde, wie Farbe, Geruch usw. So glaubt man, die Bestimmung sei eine Eigenschaft aller K\u00f6rper, da\u00df sie in dem Zustande der Bewegung oder Ruhe, in dem sie sich befinden, so lange verharren, bis ein \u00e4u\u00dferer Einflu\u00df denselben \u00e4ndert. In dieser Form figuriert das Gesetz vom Beharrungsverm\u00f6gen in der Naturlehre. Der wahre Tatbestand ist aber ein ganz anderer. In meinem Begriffssystem besteht der Gedanke K\u00f6rper in vielen Modifikationen. Die eine ist der Gedanke eines Dinges, das sich aus sich selbst heraus in Ruhe oder Bewegung setzen kann, eine andere der Begriff eines K\u00f6rpers, der nur infolge \u00e4u\u00dferen Einflusses seinen Zustand ver\u00e4ndert. Letztere K\u00f6rper bezeichne ich als unorganische. Tritt mir dann ein bestimmter K\u00f6rper entgegen, der mir in der Wahrnehmung meine obige Begriffsbestimmung widerspiegelt, so bezeichne ich ihn als unorganisch und verbinde mit ihm alle Bestimmungen, die aus dem Begriffe des unorganischen K\u00f6rpers folgen.<\/p>\n<p><em>Die \u00dcberzeugung sollte alle Wissenschaften durchdringen, da\u00df ihr Inhalt lediglich Gedankeninhalt ist und da\u00df sie mit der Wahrnehmung in keiner anderen Verbindung stehen, als da\u00df sie im Wahrnehmungsobjekte eine besondere Form des Begriffes sehen.&#8216;<\/em> (GA 2, S. 66 ff; Hervorhebungen MM).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog183.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" width=\"200\" \/><br \/>\nDer junge Rudolf Steiner<em><strong>Die Umkehrung der Erkenntnisposition Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dasjenige, was in diesem Aufsatz \u00fcber die atomistischen Begriffe angedeutet wird als eine Umkehrung des Verh\u00e4ltnisses zwischen den sinnlichen Wahrnehmungsobjekten und den Begriffen, finden wir in einem der ersten B\u00fccher von Rudolf Steiner wieder, in &#8218;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung&#8216;, GA 2. Ich zitiere hier die Passagen, die sich auf dieser Umkehrung beziehen. Zuerst die Passage \u00fcber die Gedankenwelt, die eine Einheit bildet und die eine Harmonie ist. Dann auch die Passage \u00fcber das Verh\u00e4ltnis des Denkens zur Au\u00dfenwelt, zu den sinnlichen Objekten. In meinem Buch &#8218;Persephone&#8216;, zusammengestellt aus Vortr\u00e4gen und \u00dcbungen aus dem Sommerseminar im Berner Oberland 2015, habe ich beide Seiten ausf\u00fchrlich besprochen und umgeformt in einen \u00dcbungsweg, damit die Umkehrung der Erkenntnisposition auch eine Best\u00e4ndigkeit bekommen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4649,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7159","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7159"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7949,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7159\/revisions\/7949"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}