{"id":7166,"date":"2020-09-09T00:00:00","date_gmt":"2020-09-08T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/dna-und-die-wirklichkeit\/"},"modified":"2025-04-07T10:47:57","modified_gmt":"2025-04-07T08:47:57","slug":"dna-und-die-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/dna-und-die-wirklichkeit\/","title":{"rendered":"DNA und die Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Da f\u00e4ngt also der Schwindel an. Denn man hat es mit Daten zu tun, die so schwindelerregend gro\u00df sind, dass man sich vorstellen kann, dass erst die Computertechnologie entwickelt werden musste, um mit der DNA-Information vorankommen zu k\u00f6nnen, und das sieht man dann auch, wie weiter die Computertechnologie entwickelt wurde, desto leichter und schneller wurde die DANN sequencing, es ist so \u00e4hnlich. Wo am Anfang die DNA im menschlichen Genom sehr m\u00fchsam entdeckt wurde, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck \u2013 und dann versucht man zu verstehen, wie sie das gemacht haben, denn man kann ja die DNA nicht sehen, man kann nur durch chemische Reaktionen plausibel machen, dass sie da ist \u2013 wie haben sie das gemacht?<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/09b315dbfffad36dec060b92b81b24b2.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>DNA und die Wirklichkeit<\/p>\n<p>Teil 2 des Vortrags in Arnheim am 20. November 2018.<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>Da f\u00e4ngt also der Schwindel an. Denn man hat es mit Daten zu tun, die so schwindelerregend gro\u00df sind, dass man sich vorstellen kann, dass erst die Computertechnologie entwickelt werden musste, um mit der DNA-Information vorankommen zu k\u00f6nnen, und das sieht man dann auch, wie weiter die Computertechnologie entwickelt wurde, desto leichter und schneller wurde die DNA sequencing, es ist so \u00e4hnlich. Wo am Anfang die DNA im menschlichen Genom sehr m\u00fchsam entdeckt wurde, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck \u2013 und dann versucht man zu verstehen, wie sie das gemacht haben, denn man kann ja die DNA nicht sehen, man kann nur durch chemische Reaktionen plausibel machen, dass sie da ist \u2013 wie haben sie das gemacht? Dann stellt sich heraus, dass jedes Mal zuerst ein St\u00fcck DNA denaturiert, d.\u00a0h. aus seiner nat\u00fcrlichen Form herausgenommen wird, dass dann die Helix in zwei Teile gespalten wird, sodass man einsame Basen hat, die nicht mehr gepaart sind. Es besteht die &#8218;chemische Sehnsucht&#8216;, die entsprechende Base zu finden.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Wenn man dann ein anderes St\u00fcck da gegen\u00fcber setzen kann, und man wei\u00df, welches St\u00fcck das ist, wie das ist, und bis zu welchen bestimmten Punkt die Reaktion l\u00e4uft, dann wei\u00df man, bis da wohin die Reaktion lief, stimmte die Folge mit dem \u00fcberein, was ich hatte, mit der Testprobe, die ich hatte. Aber dann hat man nur ein St\u00fcck. Dann muss man das mit allem machen. So ging es sehr langsam, nat\u00fcrlich scheiterte es oft, und mit einem St\u00fcck funktioniert es nicht, man muss eine schwindelerregende Anzahl dieser St\u00fccke haben \u2013 von den gleichen St\u00fccken, also m\u00fcssen sie zuerst geklont werden. <\/span><\/p>\n<p>In der Zwischenzeit ist eine Technik entwickelt worden, die ich nicht wiederholen kann, weil sie ein schwer fassbarer Prozess bleibt. Es gibt unz\u00e4hlige Videos auf YouTube, in denen Menschen behaupten, diese Technik zu zeigen. Aber was man dann sieht, ist nur die Zentrifuge, die Ampullen und die Fl\u00e4schchen mit Fl\u00fcssigkeiten et cetera, und wie man dann der Reihenfolge folgen muss, die man als Laborant oder so \u00e4hnlich zu befolgen hat, welche Schritte man nacheinander ausf\u00fchren muss. Aber nat\u00fcrlich kann man nicht sehen, was sich hinter diesen Schritten verbirgt, und es wird auch nicht gesagt. Und wenn man dann im Wissenschaftlichen, also im Text, sucht, dann werden Abk\u00fcrzungen so sehr verwendet, dass man den Text gar nicht versteht, wenn man nicht anf\u00e4ngt, nach der Bedeutung der Abk\u00fcrzungen zu suchen. Eventuell entscheidet man sich daf\u00fcr. Aber es bedeutet also, dass man nicht wirklich einen Einblick in das bekommt, was genau bei dieser Sequenzierung gemacht wird.<\/p>\n<p>Es gibt jetzt eine &#8222;N\u00e4chste-Generation-Sequenzierung&#8220;, die nicht mehr die Methode von Sanger ist. Das ist eine viel aufwendigere Methode, die das Klonen verwendet, wobei DNA-Bibliotheken verwendet werden, in denen eine bestimmte DNA-Sequenz aufgezeichnet wird, sodass sie gespeichert wird. Von dort aus kann man seine Proben nehmen, seine Testproben, und das wird dann verwendet, um neues Material zu bestimmen, und wie die Reihenfolge ist. Ein Beispiel aus der Literatur:<\/p>\n<p>\u201e<em>Next Generation Sequencing (NGS), massiv parallele oder tiefe Sequenzierung sind verwandte Begriffe, die eine DNA-Sequenziertechnologie beschreiben, die die Genomforschung revolutioniert hat. Mit NGS kann ein ganzes menschliches Genom innerhalb eines einzigen Tages sequenziert werden. Im Gegensatz dazu ben\u00f6tigte die fr\u00fchere Sequenziertechnologie von Sanger, die zur Entschl\u00fcsselung des menschlichen Genoms eingesetzt wurde, mehr als ein Jahrzehnt, um den endg\u00fcltigen Entwurf zu liefern. Obwohl die NGS in der Genomforschung die konventionelle Sanger-Sequenzierung weitgehend abgel\u00f6st hat, ist sie noch nicht in die klinische Routinepraxis umgesetzt worden. Ziel dieses Artikels ist es, die potenziellen Anwendungen von NGS in der P\u00e4diatrie zu untersuchen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es gibt eine Reihe von verschiedenen NGS-Plattformen, die unterschiedliche Sequenziertechnologien verwenden, deren detaillierte Er\u00f6rterung den Rahmen dieses Artikels sprengen w\u00fcrde. Alle NGS-Plattformen f\u00fchren jedoch die Sequenzierung von Millionen kleiner DNA-Fragmente parallel durch. Mithilfe bioinformatischer Analysen werden diese Fragmente zusammengef\u00fcgt, indem die einzelnen Lesevorg\u00e4nge auf das menschliche Referenzgenom abgebildet werden. Jede der drei Milliarden Basen im menschlichen Genom ist mehrfach sequenziert, was eine hohe Tiefe erm\u00f6glicht, um genaue Daten und einen Einblick in unerwartete DNA-Variationen zu liefern. NGS kann zur Sequenzierung ganzer Genome verwendet oder auf bestimmte Interessengebiete beschr\u00e4nkt werden, einschlie\u00dflich aller 22 000 kodierenden Gene (ein ganzes Exom) oder einer kleinen Anzahl einzelner Gene.\u201c<\/em>(https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3841808\/)<\/p>\n<p>Es scheint alles sehr verl\u00e4sslich zu sein, und das wird es vielleicht auch sein, ich will mich dazu nicht \u00e4u\u00dfern, aber was einem auff\u00e4llt, wenn man es studiert, ist, dass eine Art Maske davor bleibt, und dass man tats\u00e4chlich mit Selbstverst\u00e4ndlichkeiten konfrontiert wird, in denen man, wenn man es wirklich durchdenken will, stecken bleibt, weil man nicht weitergehen kann. Man w\u00fcrde es also gerne bis zum Ende durchdenken, aber man kann es nicht, weil eine Maske kommt und man schaut sie an. Und dann kann man sagen: Nimm sie ab, aber ich finde keinen Ort, an dem sie abgezogen ist. Es wird als eine absolute Gewissheit vorgebracht, und wenn man anf\u00e4ngt, es ein wenig zu verstehen, dann sieht man, dass es auch eine Menge Wahrscheinlichkeitsrechnung gibt.<\/p>\n<p>Ich wiederhole das immer wieder: Das ist nicht so transparent, wie wenn man die sichtbare Natur oder Anatomie mit dem blo\u00dfen Auge studiert. Wenn man es so macht, wie es einem im menschlichen K\u00f6rper erscheint, sieht man, dass man es mit einem Problem zu tun hat. Wenn man n\u00e4mlich eine Leiche in einem Anatomie-Schneideraum sieht, wei\u00df und sieht man deutlich, dass die Leiche gestorben ist, sodass man wei\u00df, dass man nicht ganz in den Griff bekommt, wie sie im Leben aussieht und wie sie w\u00e4hrend der Operation aussieht. Dann wei\u00df man, dass man am lebenden K\u00f6rper so etwas nicht schneiden kann, wie man am toten K\u00f6rper so etwas schneidet. Man muss seine Grenzen sehr gut kennen. Es ist also klar: Die bekannte Anatomie stammt aus der Erforschung des toten K\u00f6rpers, der lebende K\u00f6rper ist in der Form derselbe, aber in der Funktion nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht. Eine solche klare Unterscheidung m\u00f6chte man auch bei der DNA-Forschung erleben: Was ist Modell, was ist lebendige Wirklichkeit?<\/p>\n<p>Ich habe einmal einen Vortrag \u00fcber ein \u00e4hnliches Thema gehalten, das war die Kernenergie. Dort ist der Atomkern tats\u00e4chlich so dargestellt, als ob man ihn mit blo\u00dfem Auge sehen k\u00f6nnte und nirgendwo h\u00f6rt man, dass es sich tats\u00e4chlich um ein Arbeitsmodell handelt. Bis ein Autor irgendwann in einem Schulbuch f\u00fcr Sekundarsch\u00fcler einfach sagt: <em>\u201eWir haben es noch nie gesehen, es ist ein Arbeitsmodell\u201c. <\/em><\/p>\n<p>Das kann man als selbstverst\u00e4ndlich voraussetzen bei der DNA. Das erinnert mich an den Vergleich in der antiken griechischen Philosophie, wo Platon die Definition des Menschen gibt: Er hat zwei Beine und keine Federn. Am n\u00e4chsten Tag kam ein Student mit einem gerupften Huhn und sagte: Das ist also der Mensch! Es ist also diese Art von Gewissheit: Man hat eine Reihe von Dingen, die klar sind, aber es gibt eine ganze Welt um diese herum, die man nicht sieht, von der man keine Ahnung hat. Man kann nicht sagen, dass es nicht wahr ist. Nat\u00fcrlich ist es wahr: Der Mensch geht auf zwei Beinen und hat keine Federn. Aber es gibt noch mehr \u00fcber den Menschen zu sagen, und dann wird man immer wieder erleben, dass er zu eng gefasst ist durch eine solche Definition. Den Menschen kann man nicht definieren.<span style=\"font-size: 11pt;\">Die damit verbundenen Implikationen und die Gesamtheit des Bildes zur DNA, das wir bekommen, das scheint mir eher ein Modell zu sein als die Wahrheit. Und tats\u00e4chlich befindet man sich dann in einer Situation, auf die Kant als Philosoph in seiner &#8222;Kritik der reinen Vernunft&#8220; hinweist, n\u00e4mlich dass man mit etwas konfrontiert wird, das zwar da ist, dessen Wirksamkeit oder Sinn oder Wesen oder Zusammenhang dieses Etwas mit anderen Dingen man nur durch Vorstellungen bilden kann. Denn man kann nicht zur Realit\u00e4t der DNA kommen. Das m\u00fcssen wir ber\u00fccksichtigen, dass wir es mit so etwas zu tun haben. Man kann nicht immer sagen: \u201eEs wird von der Wissenschaft best\u00e4tigt\u2026\u201c, \u201edie Forschung hat gezeigt\u2026\u201c Das ist eine Zauberformel. Wenn man das h\u00f6rt, dann muss man das glauben, denn die Forschung hat gezeigt, dass\u2026 Ich m\u00f6chte vorschlagen, das als sehr begrenzt zu sehen und die Realit\u00e4t, in der sich diese Begrenzung befindet, als etwas viel und viel Gr\u00f6\u00dferes und auch als etwas viel Gro\u00dfartigeres zu vermuten.<\/span><\/p>\n<p>N\u00e4chstes Mal weiter&#8230;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/images\/Blog329.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" \/><\/p>\n<p><em><strong>DNA und die Wirklichkeit Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da f\u00e4ngt also der Schwindel an. Denn man hat es mit Daten zu tun, die so schwindelerregend gro\u00df sind, dass man sich vorstellen kann, dass erst die Computertechnologie entwickelt werden musste, um mit der DNA-Information vorankommen zu k\u00f6nnen, und das sieht man dann auch, wie weiter die Computertechnologie entwickelt wurde, desto leichter und schneller wurde die DNA sequencing, es ist so \u00e4hnlich. Wo am Anfang die DNA im menschlichen Genom sehr m\u00fchsam entdeckt wurde, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck \u2013 und dann versucht man zu verstehen, wie sie das gemacht haben, denn man kann ja die DNA nicht sehen, man kann nur durch chemische Reaktionen plausibel machen, dass sie da ist \u2013 wie haben sie das gemacht? Dann stellt sich heraus, dass jedes Mal zuerst ein St\u00fcck DNA denaturiert, d.\u00a0h. aus seiner nat\u00fcrlichen Form herausgenommen wird, dass dann die Helix in zwei Teile gespalten wird, sodass man einsame Basen hat, die nicht mehr gepaart sind. Es besteht die &#8218;chemische Sehnsucht&#8216;, die entsprechende Base zu finden.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4389,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7166","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7166"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7743,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7166\/revisions\/7743"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}