{"id":7180,"date":"2014-12-10T00:00:00","date_gmt":"2014-12-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/finden-ohne-zu-suchen\/"},"modified":"2025-04-22T13:49:29","modified_gmt":"2025-04-22T11:49:29","slug":"finden-ohne-zu-suchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/finden-ohne-zu-suchen\/","title":{"rendered":"Finden, ohne zu suchen"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>In der Parzival-Erz\u00e4hlung ist Parzival die Hauptfigur, die die  Personifikation der Aufgabe des modernen Menschen ist. Er ist ein  gesunder Mensch, aber sein Geist ist nicht ganz wach, er hat ein  tr\u00e4umendes Bewusstsein. Am Anfang macht er durch dieses tr\u00e4umerische  Bewusstsein viele Fehler. Der Prozess des Erwachens hat gerade erst  begonnen, als er die Gralsburg betritt. Darum verfolgt er zwar voller  Verwunderung, was da geschieht, doch er schweigt \u2013 obwohl er auserw\u00e4hlt  war, zu fragen...  In Parzivals Suche sehen wir die Notwendigkeit,  den Weg der Mitte zu finden, mitten zwischen den Gegens\u00e4tzen. Von  seiner Natur aus h\u00e4tte er bestimmt sehr viele, zu viele Fragen gestellt.  Durch die Erziehung zum Ritter, hat er gelernt, zu \u00fcberlegen \u2013 und  fragt \u00fcberhaupt nicht. So verfehlt er seine Aufgabe. Er hat keine  Sehnsucht nach dem Gral, er wei\u00df gar nichts davon und hat die Burg  \u00fcberhaupt nicht gesucht. Doch obwoh<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/032f470957225009d0ce23a8c2f66fbd.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nIn der Parzival-Erz\u00e4hlung ist Parzival die Hauptfigur, die die Personifikation der Aufgabe des modernen Menschen ist. Er ist ein gesunder Mensch, aber sein Geist ist nicht ganz wach, er hat ein tr\u00e4umendes Bewusstsein. Am Anfang macht er durch dieses tr\u00e4umerische Bewusstsein viele Fehler. Der Prozess des Erwachens hat gerade erst begonnen, als er die Gralsburg betritt. Darum verfolgt er zwar voller Verwunderung, was da geschieht, doch er schweigt \u2013 obwohl er auserw\u00e4hlt war, zu fragen&#8230;<\/p>\n<p>In Parzivals Suche sehen wir die Notwendigkeit, den Weg der Mitte zu finden, mitten zwischen den Gegens\u00e4tzen. Von seiner Natur aus h\u00e4tte er bestimmt sehr viele, zu viele Fragen gestellt. Durch die Erziehung zum Ritter, hat er gelernt, zu \u00fcberlegen \u2013 und fragt \u00fcberhaupt nicht. So verfehlt er seine Aufgabe. Er hat keine Sehnsucht nach dem Gral, er wei\u00df gar nichts davon und hat die Burg \u00fcberhaupt nicht gesucht. Doch obwohl er nicht sucht, findet er sie dennoch. W\u00e4hrend er nach dem Gral blickt, ist er verwundert, doch nicht gen\u00fcgend, um nach der Bedeutung zu fragen.<\/p>\n<p>Die S\u00fcnde, nicht gefragt zu haben, macht ihn wach. Er wird \u201amindful\u2019, beginnt jedoch zugleich, \u00fcber alles zu zweifeln, sogar \u00fcber die Existenz Gottes. Er muss auf vielen Wegen umherirren, und er w\u00fcrde die Burg gewiss nicht von neuem finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dennoch bleibt sein Verm\u00f6gen, im richtigen Moment auch das Richtige zu tun, ihm erhalten. Er \u00fcberwindet jeden, der ihn bedroht. Es gibt in der Erz\u00e4hlung von Wolfram von Eschenbach eine gro\u00dfartige Stelle, wo erz\u00e4hlt wird, wie Parzival ganz versunken ist in die Anschauung des wei\u00dfen Schnees mit einem Tropfen Blut. Er scheint wie in eine Verzauberung geraten, hat alles um sich herum vergessen, in Gedanken an seine Geliebte versunken. Da geht ein Feind auf ihn los, und man erwartet, dass dieser ihn t\u00f6ten werde, da er so in Gedanken versunken ist. Doch im richtigen Moment wird er kurz \u201awach\u2019, f\u00fchrt einen gut gerichteten Schlag \u2013 und schickt den \u00fcberwundenen Feind zum Schloss von K\u00f6nig Artus&#8230;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen von so einer Erz\u00e4hlung viel lernen. Doch wir m\u00fcssen lernen, durch die Bilder hin auf die wirkliche Bedeutung zu schauen. In Parzival kommt eine rein menschliche Qualit\u00e4t zur Entwicklung, ganz langsam und allm\u00e4hlich. Die Fehler, die er durch seine Unwissenheit beging, werden in die h\u00f6chste menschliche Eigenschaft umgewandelt: das Mitleid. Das Mitleiden wird zu seiner Kraft, zu wissen.<\/p>\n<p>\u201aDurch Mitleid wissend&#8230;\u2019. Dies steht in schrillem Kontrast zu dem Wissen mittels unseres Gehirns oder unseres Verstandes. Damit k\u00f6nnen wir wissen, ohne irgendetwas zu f\u00fchlen \u2013 und wir werden immer Zweifel behalten, ja sogar Zweifel an der menschlichen M\u00f6glichkeit, die Wahrheit zu finden. Mitleid ist keine Gehirnfunktion. Es ist eine fundamentale Konstitution der Seele \u2013 und es ist eine m\u00e4chtige Idee, dass das Herz die M\u00f6glichkeit hat, zu wissen \u2013 ohne irgendwelche Zweifel. Doch es ist zugleich deutlich, dass diese Anlage nicht von Natur aus vollkommen ist. Sie muss entwickelt werden, und das ist nicht einfach. Es verlangt viel Selbst\u00fcberwindung.<\/p>\n<p>Dies alles kann erlebt werden, wenn man die Parzival-Sage liest und versucht, durch die Bilder hindurch zu lesen, was ihre Bedeutung ist. In Parzival sehen wir eine bestimmte Erneuerung die &#8218;geistige instinktive&#8216; Gewohnheit: die instinktive Gewohnheit, durch Mitleid zu wissen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hermann_Hendrich.jpg\" alt=\"Finden, ohne zu suchen\" \/><br \/>\nParzival, Gem\u00e4lde von Hermann Hendrich<br \/>\n<em><strong>Finden, ohne zu suchen Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Parzivals Suche sehen wir die Notwendigkeit, den Weg der Mitte zu finden, mitten zwischen den Gegens\u00e4tzen. Von seiner Natur aus h\u00e4tte er bestimmt sehr viele, zu viele Fragen gestellt. Durch die Erziehung zum Ritter, hat er gelernt, zu \u00fcberlegen \u2013 und fragt \u00fcberhaupt nicht. So verfehlt er seine Aufgabe. Er hat keine Sehnsucht nach dem Gral, er wei\u00df gar nichts davon und hat die Burg \u00fcberhaupt nicht gesucht. Doch obwohl er nicht sucht, findet er sie dennoch. W\u00e4hrend er nach dem Gral blickt, ist er verwundert, doch nicht gen\u00fcgend, um nach der Bedeutung zu fragen.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4877,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7180","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7180"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8171,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7180\/revisions\/8171"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4877"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7180"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}