{"id":7209,"date":"2016-01-13T00:00:00","date_gmt":"2016-01-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/das-boese\/"},"modified":"2025-04-14T12:24:50","modified_gmt":"2025-04-14T10:24:50","slug":"das-boese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/das-boese\/","title":{"rendered":"Das B\u00f6se"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Im letzten Jahr habe ich in diesen Wochen im Januar \u00fcber das B\u00f6se  geschrieben. Nun kommt dieses Thema durch die Fragen eines guten  Freundes erneut auf. Wenn wir auf die Ereignisse auf der Weltb\u00fchne  blicken und versuchen, zu empfinden, was Menschen leiden m\u00fcssen, die in  weniger komfortablen Umst\u00e4nden leben als wir in Europa \u2013 trotz aller  Probleme, die wir haben, auch hier \u2013, k\u00f6nnte die Frage aufkommen: Warum  schuf Gott diese Welt mit allem Elend und Leiden? W\u00e4re es f\u00fcr den  allm\u00e4chtigen Gott nicht m\u00f6glich gewesen, einen besseren Begriff zu  bilden und eine Welt zu schaffen, in der wir uns ohne ein so weit  gehendes Leiden entfalten k\u00f6nnten?<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/540e43ceb958064abf786638f532eca2.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>Im letzten Jahr habe ich in diesen Wochen im Januar \u00fcber das B\u00f6se geschrieben. Nun kommt dieses Thema durch die Fragen eines guten Freundes erneut auf. Wenn wir auf die Ereignisse auf der Weltb\u00fchne blicken und versuchen, zu empfinden, was Menschen leiden m\u00fcssen, die in weniger komfortablen Umst\u00e4nden leben als wir in Europa \u2013 trotz aller Probleme, die wir haben, auch hier \u2013, k\u00f6nnte die Frage aufkommen: Warum schuf Gott diese Welt mit allem Elend und Leiden? W\u00e4re es f\u00fcr den allm\u00e4chtigen Gott nicht m\u00f6glich gewesen, einen besseren Begriff zu bilden und eine Welt zu schaffen, in der wir uns ohne ein so weit gehendes Leiden entfalten k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Ich selbst habe dies immer als eine unzul\u00e4ssige Frage empfunden, denn ich f\u00fchle, dass der menschliche Geist zu klein, zu beschr\u00e4nkt ist, um die g\u00f6ttlichen Gedanken \u00fcberschauen zu k\u00f6nnen. Darum bewundere ich Leibniz wegen seiner Worte \u00fcber die vollkommene Sch\u00f6pfung Gottes:<br \/>\n<em>,Die Weisen und Tugendhaften &#8230; anerkennen n\u00e4mlich, dass wir, wenn wir die Weltordnung hinreichend zu verstehen imstande w\u00e4ren, finden w\u00fcrden, wie sie alle W\u00fcnsche der Weisesten \u00fcbertrifft, und wie es unm\u00f6gich ist, sie besser zu machen, als sie ist.<\/em>\u2019<\/p>\n<p><em>,In der Philosophie ist Leibniz vor allem wegen seines Optimismus bekannt, d.h. seiner Schlussfolgerung, dass unser Universum in gewissem Sinne das bestm\u00f6gliche ist, das Gott geschaffen haben kann, eine Idee, die von anderen, etwa Voltaire, oft verspottet wurde. Leibniz war, zusammen mit Ren\u00e9 Descartes und Baruch Spinoza, einer der drei gro\u00dfen Vertreter des Rationalismus im 17. Jahrhundert. Sein Werk war Vorl\u00e4ufer der modernen Logik und analytischen Philosophie, aber seine Philosophie blickt auch auf die scholastische Tradition zur\u00fcck, in der Schlussfolgerungen nicht durch empirischen Beweis gezogen wurden, sondern indem erste Prinzipien auf vorangehende Definitionen angewandt wurden.\u2019<\/em> (Wikipedia, \u00fcbersetzt).<\/p>\n<p>Man kann sich vorstellen, dass dieser Wissenschaftler und Philosoph zu seiner optimistischen Weltsicht durch seine tiefe Erforschung der Mathematik \u2013 z.B. die Entwicklung der Differential- und Integralrechnung, aber er fand auch die bin\u00e4re Mathematik \u2013 gekommen ist. Jemand, der versucht, die Weltordnung durch seinen exakten Begriff zu begreifen, muss diese Weltordnung wohl g\u00f6ttlich und perfekt finden. Leibniz hatte das Ideal, dass es einmal m\u00f6glich sein w\u00fcrde, zu einem \u00e4hnlich exakten und wahren System des sozialen Lebens zu kommen \u2013 dass diese Welt eine werden k\u00f6nnte, in der alles so absolut wahr und vertrauensw\u00fcrdig w\u00e4re, wie es die mathematische Ordnung ist. Er war sehr an der Scholastik interessiert und auch an der <em>,Ars magna\u2019<\/em> des spanischen Dominikanerm\u00f6nches Ramon Lull (Raimundus Lullus). Er entwickelte ein gro\u00dfartiges System f\u00fcr ein Denken in richtiger Weise, sodass die Studenten lernen konnten, so wahr zu denken, wie es menschlicherseits m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Der Zugang zur Weltordnung, den Ramon Lull und Leibniz haben, ist eine v\u00f6llig andere Art, auf die Welt zu schauen, als es in unserer Zeit \u00fcblich ist. Wir betrachten die Welt mit unseren Sinnen, sehen sie durch die enorme Information, die wir \u00fcber die Medien erhalten. Diese Denker jedoch hatten ein unersch\u00fctterliches Vertrauen in die Vernunft, dass diese etwas wirklich G\u00f6ttliches ist und dass sie dem Menschen gegeben wird als ein Instrument, um die Weltordnung zu entdecken \u2013 auch in ihren b\u00f6sen Aspekten \u2013 und um eine Art und Weise zu finden, eine Welt von Menschen zu bilden, die in diese Weltordnung passt \u2013 nicht durch eine blinde Hingabe, sondern durch ein immer perfekteres Entfalten der Vernunft. Eine Vernunft, die sich nicht aus der au\u00dferhalb des Menschen herrschenden Weltordnung entfernt, sondern die beide vereinigt, indem sie erkennt, dass sie aus derselben Quelle geboren wurden.<\/p>\n<p><em>,Die Theodizee (Leibniz) versucht, die scheinbaren Unvollkommenheiten der Welt zu rechtfertigen, indem sie behauptet, dass sie die optimale aller m\u00f6glichen Welten ist. Es muss die bestm\u00f6gliche und die bestausbalancierte Welt sein, weil sie von einem allm\u00e4chtigen und allwissenden Gott gemacht ist, der sich nicht entscheiden w\u00fcrde, eine unvollkommene Welt zu machen, wenn ihm eine bessere bekannt w\u00e4re oder ihre Existenz m\u00f6glich w\u00e4re. In Wirklichkeit m\u00fcssen M\u00e4ngel, die in dieser Welt bestehen, in jeder m\u00f6glichen Welt existieren, denn sonst h\u00e4tte Gott sich entschieden, jene Welt zu schaffen, die diese M\u00e4ngel nicht h\u00e4tte.\u2019<\/em> (Wikipedia, \u00fcbersetzt)<\/p>\n<p>Ich will nicht ein Anh\u00e4nger von Leibniz sein, ich will nur zeigen, dass es Denker gibt, die der Weltordnung vertrauen, nicht aus lauter Glauben, sondern aus Einsicht in diese. Die rationalen Aspekte seines Denkens gehen meiner Einsicht nach zu weit (etwa das Gesetz von der Kontinuit\u00e4t in der Natur: Natura non saltum facit, Die Natur macht keine Spr\u00fcnge; aber auch die Behauptung, dass Gegens\u00e4tze nicht im selben Moment wahr sein k\u00f6nnen, scheint nicht in \u00dcbereinstimmung mit einem spirituellen Denken, einer spirituellen Vernunft zu stehen). Doch zugleich ist es etwas sehr Besonderes, \u00fcber diesen absoluten Glauben an die menschliche Vernunft nachzudenken.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Gottfried_Wilhelm_von_Leibniz.jpg\" alt=\"Das B\u00f6se\" width=\"209\" height=\"244\" \/><br \/>\nGottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716)<em><strong>Das B\u00f6se Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten Jahr habe ich in diesen Wochen im Januar \u00fcber das B\u00f6se geschrieben. Nun kommt dieses Thema durch die Fragen eines guten Freundes erneut auf. Wenn wir auf die Ereignisse auf der Weltb\u00fchne blicken und versuchen, zu empfinden, was Menschen leiden m\u00fcssen, die in weniger komfortablen Umst\u00e4nden leben als wir in Europa \u2013 trotz aller Probleme, die wir haben, auch hier \u2013, k\u00f6nnte die Frage aufkommen: Warum schuf Gott diese Welt mit allem Elend und Leiden? W\u00e4re es f\u00fcr den allm\u00e4chtigen Gott nicht m\u00f6glich gewesen, einen besseren Begriff zu bilden und eine Welt zu schaffen, in der wir uns ohne ein so weit gehendes Leiden entfalten k\u00f6nnten?<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4875,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7209","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7209"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8083,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7209\/revisions\/8083"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4875"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}