{"id":7213,"date":"2015-05-13T00:00:00","date_gmt":"2015-05-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/die-intuition-des-ich\/"},"modified":"2025-04-15T13:01:18","modified_gmt":"2025-04-15T11:01:18","slug":"die-intuition-des-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/die-intuition-des-ich\/","title":{"rendered":"Die Intuition des Ich"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>In der Philosophie werden ziemlich viele Gedanken \u00fcber das \u201aIch\u2019  gebildet. In Wirklichkeit k\u00f6nnen wir jedoch nichts Wahres dar\u00fcber sagen,  wenn wir unsere Gedanken nicht von der wirklichen Wahrnehmung des  eigenen Ich aus bilden. Wie k\u00f6nnte ich je etwas \u00fcber diesen merkw\u00fcrdigen  kleinen Punkt, der zugleich der Wichtigste in meinem Leben ist, wissen,  wenn ich nie versuche, dessen wahres Wesen zu erfahren?   Wir  k\u00f6nnen sagen: Es ist nur eine Einbildung, dieses Ich. Es existiert nicht  wirklich. Oder wir k\u00f6nnen sagen, dass es in Wirklichkeit die  Wahrnehmung unseres eigenen Leibes ist; dass es das Selbst ist, oder das  wahre Selbst... All diese Worte k\u00f6nnen nicht dieses kleine W\u00f6rtchen aus  nur drei Buchstaben erkl\u00e4ren.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/a0992b16f34ff3ef8f1f68c1b115475b.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>In der Philosophie werden ziemlich viele Gedanken \u00fcber das \u201aIch\u2019 gebildet. In Wirklichkeit k\u00f6nnen wir jedoch nichts Wahres dar\u00fcber sagen, wenn wir unsere Gedanken nicht von der wirklichen Wahrnehmung des eigenen Ich aus bilden. Wie k\u00f6nnte ich je etwas \u00fcber diesen merkw\u00fcrdigen kleinen Punkt, der zugleich der Wichtigste in meinem Leben ist, wissen, wenn ich nie versuche, dessen wahres Wesen zu erfahren?<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen sagen: Es ist nur eine Einbildung, dieses Ich. Es existiert nicht wirklich. Oder wir k\u00f6nnen sagen, dass es in Wirklichkeit die Wahrnehmung unseres eigenen Leibes ist; dass es das Selbst ist, oder das wahre Selbst&#8230; All diese Worte k\u00f6nnen nicht dieses kleine W\u00f6rtchen aus nur drei Buchstaben erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wir wollen eine kleine \u00dcbung machen. Wenn ich mich selbst auffordere, mich als Ich wahrzunehmen, unmittelbar, ohne dar\u00fcber nachzudenken, dann erfahre ich mich gewiss als einen lebenden Leib, selbstst\u00e4ndig lebend, unabh\u00e4ngig von anderen K\u00f6rpern. Als ein gesonderter Leib bin ich einsam, ganz allein.<\/p>\n<p>Ich kann aber versuchen, mich als Ich zu f\u00fchlen. Ich f\u00fchle mich selbst. Es ist kein leibliches Gef\u00fchl, sondern ein wirkliches Gef\u00fchl, wie meine anderen Gef\u00fchle von Freude und Leid. Ich erlebe all diese Gef\u00fchle als zu mir geh\u00f6rend. Ich bin derjenige, der diese Gef\u00fchle hat. In meinem Gef\u00fchl f\u00fchle ich mich als Ich, und Ich bin auch hier allein, einsam. Meine Freude kann ich meinen Freunden nicht so einfach erkl\u00e4ren. Ich kann dar\u00fcber sprechen, aber sie werden wahrscheinlich dennoch nicht genau das f\u00fchlen, was ich f\u00fchle \u2013 meine Freude oder meine Traurigkeit.<\/p>\n<p>In meinen Gedanken erlebe ich auch mich selbst. Ich bin der Mittelpunkt meiner Gedanken, sie steigen irgendwo in mir auf. Sie sind meinen Freunden viel besser zu erkl\u00e4ren, aber dennoch auch niemals ganz. Ich bin hier noch immer allein, in meinen Gedanken. Aber die Einsamkeit ist hier weniger total, weil ich meine Gedanken durch Aussprechen teilen kann, und ich kann dies mit viel mehr Klarheit, als ich meine Gef\u00fchle erkl\u00e4ren kann. Ich kann sogar meine Gef\u00fchle nur dadurch teilen, dass ich sie als Gedanken vermittle.<\/p>\n<p>Habe ich nun das Ich gefunden? Nein, ich fand den Leib, die Gef\u00fchle und die Gedanken, die einen Zusammenhang mit dem Ich haben. Aber das Ich selbst bleibt dennoch hinter diesen drei Erfahrungsfeldern verborgen.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch eine vierte M\u00f6glichkeit, das Ich zu finden. Dies ist der Fall, wenn ich nicht nur Gedanken habe, sondern wenn ich sie aktiv selbst denke. Ich lasse meine Gedanken jetzt nicht kommen oder gehen, sondern ich entfalte sie mit Willenskraft, sie entfalten sich aus dem Ich selbst heraus, weil das Ich sie entfalten will. Ich will die Gedanken entfalten. Meine Gedanken kommen jetzt nicht zuf\u00e4llig auf, das Ich wird selbst Gedanke, weil ich genau das denke, was ich denken will \u2013 nicht mehr und nicht weniger.<\/p>\n<p>Ich will einmal \u00fcber ein Dreieck denken. Was genau ist ein Dreieck? Ich denke drei Seiten, drei Strecken, die eine geschlossene Figur bilden. Ich kann bedenken, dass zwei dieser Strecken nie einen Winkel von 180 Grad bilden k\u00f6nnen \u2013 dann ist es kein Dreieck. Keiner der Winkel kann 180 Grad betragen. Ich kann also bedenken, dass ein Dreieck durch die durch drei Punkte gehenden Geraden gebildet wird, die nicht in einer geraden Linie liegen.<\/p>\n<p>Hier sind wir in der Position, dass das Ich teilweise ganz aus sich heraus aktiv denkt, teilweise Gedanken empf\u00e4ngt, indem es denkt, sucht und fragt. Insoweit ich selbst denke, ist das Ich aktiv und k\u00f6nnte sich selbst wahrnehmen \u2013 w\u00e4re es nicht so, dass es sich selbst doch wieder vergisst, indem es im Inhalt der Gedanken verschwindet.<br \/>\nIch k\u00f6nnte mich selbst in voller Reinheit finden, wenn ich meine Denkaktivit\u00e4t gewahr werden w\u00fcrde, anstatt den Inhalt meiner Gedanken.<\/p>\n<p>Versuchen wir es also erneut. Ich wei\u00df nun exakt, wie ich das Dreieck denken muss, ich kann es nun mit dem vollen Willenseinsatz des Ich tun. Ich metamorphosiere mich selbst in die Gedanken, und ich werde die metamorphosierende Kraft gewahr, nicht die Gedanken. Ich erlebe die Aktivit\u00e4t meines Ich, ich erlebe mein Ich.<\/p>\n<p>Dies ist die Intuition des Ich. Hier bin ich Ich in der reinsten Form. Doch ich bin nicht mehr einsam, ich habe ein anderes Wesen in seiner F\u00fclle gefunden: das Wesen des Dreiecks.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DiagramEuler.jpg\" alt=\"Die Intuition des Ich\" \/><br \/>\nEulers Diagram aller m\u00f6glichen Dreiecke (Wikipedia)<\/p>\n<div id=\"_mcePaste\" class=\"mcePaste\" style=\"position: absolute; left: -10000px; top: 393px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;\"><span style=\"color: #222222; font-family: arial, sans-serif; font-size: 12.8000001907349px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; letter-spacing: normal; line-height: normal; orphans: auto; text-align: start; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 1; word-spacing: 0px; display: inline !important; float: none; background-color: #ffffff;\">Verordnung<span class=\"Apple-converted-space\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<p><em><strong>Die Intuition des Ich Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Philosophie werden ziemlich viele Gedanken \u00fcber das \u201aIch\u2019 gebildet. In Wirklichkeit k\u00f6nnen wir jedoch nichts Wahres dar\u00fcber sagen, wenn wir unsere Gedanken nicht von der wirklichen Wahrnehmung des eigenen Ich aus bilden. Wie k\u00f6nnte ich je etwas \u00fcber diesen merkw\u00fcrdigen kleinen Punkt, der zugleich der Wichtigste in meinem Leben ist, wissen, wenn ich nie versuche, dessen wahres Wesen zu erfahren?<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4857,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7213","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7213"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8120,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7213\/revisions\/8120"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4857"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}