{"id":7217,"date":"2020-08-13T00:00:00","date_gmt":"2020-08-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/die-alltaegliche-wahrheit\/"},"modified":"2025-04-07T10:53:56","modified_gmt":"2025-04-07T08:53:56","slug":"die-alltaegliche-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/die-alltaegliche-wahrheit\/","title":{"rendered":"Die allt\u00e4gliche Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p><em class=\"EMPH_BOX\">Der folgende Text ist eine w\u00f6rtliche Transkription des gesprochenen Videotextes.<\/em><br \/>\n<!--\n\n\n<h2>In Wissenschaft und Philosophie mag die Wahrheit eine schwer oder gar unerreichbare Qualit\u00e4t zu sein scheinen; im Alltag spielt sie als Gewissheit eine f\u00fchrende Rolle. K\u00f6nnen wir da nicht mit Wahrhaftigkeit beginnen?<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/Klcsd76Vj-U\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/Klcsd76Vj-U\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/725313d6114814587e7f3a2018adfac0.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>In Wissenschaft und Philosophie mag die Wahrheit eine schwer oder gar unerreichbare Qualit\u00e4t zu sein scheinen; im Alltag spielt sie als Gewissheit eine f\u00fchrende Rolle. K\u00f6nnen wir da nicht mit Wahrhaftigkeit beginnen?<\/p>\n<p>Das vorige Mal habe ich einiges \u00fcber die Wahrheit gesagt, so wie in der Philosophie in der Erkenntnistheorie in der Wissenschaft \u00fcber die Wahrheit gedacht wird in der heutigen Zeit. Aber es gibt nat\u00fcrlich noch eine andere Seite der Wahrheit und das ist die allt\u00e4gliche Seite. Und da ist sie, unsere Wahrheit, eine uns fortw\u00e4hrend begleitende Wesenheit. Und wenn wir von dieser allt\u00e4glichen Wahrheit ausgehen w\u00fcrden, ja dann k\u00f6nnten wir eigentlich nie sagen sie existiert nicht, oder wir k\u00f6nnen sie nicht erreichen, denn wir sind fortw\u00e4hrend mit ihr t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Wenn ich z.B. in meinem Garten einen sch\u00f6nen grossen alten Baum habe, dann ist das eine harte Tatsache. Und wenn ich dann sp\u00e4ter einer Freundin, einem Freund sage, dass in meinem Garten keine B\u00e4ume sind, ja dann habe ich etwas gesagt, was nicht wahr ist. Und wenn ich dann, dieser Freund, wenn der dann zu Besuch kommt, dann kann ich nur hoffen, dass er vergessen hat, was ich gesagt habe, denn sonst wird er sehen, dass ich etwas gesagt habe, was nicht wahr ist und dann m\u00fcsste ich sehr viel tun, um diese Wahrheit dann trotzdem noch wahr zu machen, dann m\u00fcsste ich den Baum umhauen usw..<\/p>\n<p>Also in dem allt\u00e4glichen Leben haben wir mit der Wahrheit fortw\u00e4hrend zu tun. Und es hat einen Philosoph gegeben, der mehr oder weniger als erster seinen Blick auf das Denken gelenkt hat und in diesem Sinn eine erste Erkenntnistheorie geschaffen hat. Und dieser Philosoph, der hat seinen Ausgangspunkt nicht so sehr im Innern genommen, sondern in dem Verh\u00e4ltnis des Menschen mit der \u00e4usseren Welt. Dieser Philosoph ist der Philosoph, der im Mittelalter mit einem Grossbuchstaben Der Philosoph genannt wurde, das ist Aristoteles. Und obwohl seine Texte manchmal recht schwierig zu lesen sind, gibt es auch St\u00fccke Text, wo er so einfach darstellt, dass man das Gef\u00fchl bekommt, man hat einen ganzen Anlauf genommen und rennt dann durch eine ge\u00f6ffnete T\u00fcr hindurch. Aber man muss nat\u00fcrlich verstehen, dass in dieser griechischen Zeit, noch vor Christus, eigentlich zum ersten Mal der menschliche Blick auf das menschliche Denken viel.<\/p>\n<p>Und Aristoteles hat dann die Wahrheit wie folgt formuliert, er hat geschrieben:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn etwas so ist und ich sage, dass es so ist, dann ist das Wahrheit.<\/p>\n<p>Wenn etwas so ist und ich sage, dass es nicht so ist, dann ist das Unwahrheit.&#8220;<\/p>\n<p>Und dann ist er noch nicht fertig, denn dann sagt er noch:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn etwas nicht so ist, und ich sage, dass es nicht so ist, dann ist das Wahrheit.<\/p>\n<p>Und wenn etwas nicht so ist und ich sage, dass es wohl so ist, dann ist das eine Unwahrheit.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist eine Charakterisierung der allt\u00e4glichen Wahrheit. Aber wenn wir davon ausgehen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden wir diese allt\u00e4gliche Wahrheit doch allm\u00e4hlich ausbreiten k\u00f6nnen zu mehr komplizierten und h\u00f6heren Wahrheiten. Das wird eigentlich nicht so gemacht. Und wenn wir dann \u00fcber die letzte Wahrheit sprechen, ja dann sagen wir, diese Wahrheit k\u00f6nnen wir nicht erreichen, aber allt\u00e4gliche Wahrheiten, damit leben wir fortw\u00e4hrend.<\/p>\n<p>So gibt es auch in der Bibel, ja im Evangelium eine herzergreifende Stelle, wo Petrus, der durch Jahre hindurch J\u00fcnger von Christus war und in seinem Gefolge mitgemacht hat, wo der in der Nacht vor der Kreuzigung leugnet \u00f6ffentlich, dass er Christus kennt. Da hat man so eine Wahrheit, wovon man sagen kann, Petrus muss ja gewusst heben, dass er da etwas sagt, was nicht wahr ist. Und man kann nat\u00fcrlich sagen ja, was sagst du das alles, das wissen wir doch und es braucht doch eigentlich gar nicht mehr gesagt zu werden, das sind tats\u00e4chlich offene T\u00fcren.<\/p>\n<p>Aber wenn wir in unserer Zeit leben und erleben, was alles passiert, dann kommen diese Grundtatsachen doch sehr stark in das Bewusstsein hinein. Und wir haben es erlebt, dass wir in f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten Menschen begegnen, die heute sagen, dass etwas so ist, und die morgen sagen, dass etwas, das gleiche, so nicht ist. Und das kann man sich in der heutigen Zeit einfach leisten, das wird nicht, kaum kritisiert. Es scheint wohl so zu sein, dass morgen alle Menschen vergessen haben, was gestern gesagt wurde. Und das macht uns auch in unserer allt\u00e4glichen Wahrheitsbest\u00e4tigung schwach.<\/p>\n<p>Und deshalb fand ich es doch wichtig, um darauf nochmal aufmerksam zu machen, dass wir Menschen wirklich wohl in einem grossen Bestandteil des Lebens die Wahrheit kennen. Und wenn wir sagen, dass etwas so ist, wenn es nicht so ist, dann nennt man das eine L\u00fcge. Und es ist dann die grosse Frage, ob dasjenige, was wir in der grossen Welt geschehen sehen, ob da die f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten, die manchmal deutlich sagen, dass etwas so ist, w\u00e4hrend es nicht so ist, oder umgekehrt, ob diese Pers\u00f6nlichkeiten dann auch voll bewusst wissen, dass sie l\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ich hatte eine Tante und diese Dame, diese Frau war mit der L\u00fcge in einer eigentlich sch\u00f6nen Weise vertraut, wenn das m\u00f6glich ist. Sie hatte eine Art von ironischer Selbstkritik mit Bezug darauf. Und sie sagte manchmal von jemandem, der l\u00fcgt so gut, dass er selbst glaubt, was er sagt. Und das ist jetzt eine Frage, wenn wir f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten wahrnehmen, die allerlei sagen, wovon man eigentlich wissen kann, dass es nicht wahr ist in aristotelischem Sinn. Wissen die, dass sie l\u00fcgen, oder sind sie das L\u00fcgen so gewohnt, dass sie \u00fcberhaupt selbst glauben, dass es wahr ist, was sie sagen?<\/p>\n<p>Das vorige Mal habe ich die Betrachtung in die Richtung des Gewissens gef\u00fchrt und jetzt will ich auch damit enden, dass ich sage, die erste Stufe des Gewissens w\u00e4re doch eigentlich, dass man in der Klarheit des denkenden Bewusstseins weiss, ob man in aristotelischem Sinn sagt, dass etwas so ist und es ist auch so, oder ob man sagt, dass etwas so ist, und es ist nicht so. Das sollte der Mensch mit dem Gewissen als erste Tatsache doch eigentlich ganz durch und durch bewusst sein.<\/p>\n<p>Bis soweit.<\/p>\n<p><em><strong>Die allt\u00e4gliche Wahrheit Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Wissenschaft und Philosophie mag die Wahrheit eine schwer oder gar unerreichbare Qualit\u00e4t zu sein scheinen; im Alltag spielt sie als Gewissheit eine f\u00fchrende Rolle. 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