{"id":7225,"date":"2018-02-14T00:00:00","date_gmt":"2018-02-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/eine-vergessene-stroemung-im-schweizerischen-geistesleben\/"},"modified":"2025-04-10T13:01:44","modified_gmt":"2025-04-10T11:01:44","slug":"eine-vergessene-stroemung-im-schweizerischen-geistesleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/eine-vergessene-stroemung-im-schweizerischen-geistesleben\/","title":{"rendered":"Eine vergessene Str\u00f6mung im Schweizerischen Geistesleben"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Rund 35 Jahre her liegt meine st\u00fcrmische Begegnung mit der Anthroposophie. Es ereignete sich in einer Nacht. Mein Mann war ausgegangen zu einer Entbindung (wir waren damals Haus\u00e4rzte und ich war zuhause, und beantwortete das Telefon). Wir hatten einige B\u00fccher von Rudolf Steiner gekauft, in der Hoffnung bei ihm eine Erkl\u00e4rung zu finden, dass hom\u00f6opathisch verd\u00fcnnte Mittel wirksam sind - was wir durch Verwendung davon in der Praxis entdeckt hatten.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/d8316322a93ee3915c4f07536cec52a6.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p id=\"mcetoc_1c65r0j9i0\">Rund 35 Jahre her liegt meine st\u00fcrmische Begegnung mit der Anthroposophie. Es ereignete sich in einer Nacht. Mein Mann war ausgegangen zu einer Entbindung (wir waren damals Haus\u00e4rzte und ich war zuhause, und beantwortete das Telefon). Wir hatten einige B\u00fccher von Rudolf Steiner gekauft, in der Hoffnung bei ihm eine Erkl\u00e4rung zu finden, dass hom\u00f6opathisch verd\u00fcnnte Mittel wirksam sind &#8211; was wir durch Verwendung davon in der Praxis entdeckt hatten.<\/p>\n<p>Das Buch, das ich an jenem Abend zum Lesen w\u00e4hlte war die Theosophie, in einer holl\u00e4ndischen \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Ich war verwundert, best\u00fcrzt. Ich las die ganze Nacht, bis es keine weiteren Zeilen mehr gab. Von dieser Nacht an lasen wir beide weiter, immer weiter, aus Hunger und Durst nach Spiritualit\u00e4t &#8211; von der wir zuvor keine Ahnung hatten. Nach einem Jahr oder so entdeckten wir auch die philosophischen Werke und die sp\u00e4teren B\u00fccher \u00fcber das Denken, wie zum Beispiel &#8218;Vom Menschenr\u00e4tsel&#8216;. Inzwischen hatte ich mich daran gewohnt, die B\u00fccher auf Deutsch zu lesen. In meiner eigenen Seele trat eine \u00c4nderung ein, ich begann die Bewegung des Denkens gewahr zu werden, das Erleben des Denkens wurde immer mehr m\u00f6glich. Nicht nur der Inhalt wurde Erlebnis, sondern auch der Prozess des Denkens. Ich fand in den B\u00fcchern von Rudolf Steiner eine gro\u00dfartige Quelle von Erkl\u00e4rungen und Anregungen, und es konnte geschehen, dass nur ein Satz mich so frappierte, das ich ihn durch Jahre hindurch, wegen der Potenz der inneren Entwicklung darin, in mir festhielt und pflegte. Sp\u00e4ter, als ich mein erstes Buch schrieb, verwendete ich solche S\u00e4tze. In dem Buch &#8218;Vom Menschenr\u00e4tsel&#8216; war es vor allem der Teil \u00fcber Ignaz Paul Vitalis Troxler, ein schweizerischer Arzt und Philosoph, der mich positiv ersch\u00fctterte. Hippokrates scheint gesagt zu haben: Wer Arzt ist und Philosoph, ist gott\u00e4hnlich. So etwas f\u00fchlte ich in den Worten \u00fcber Troxler. Die Beschreibung seiner Erkenntnistheorie durch Rudolf Steiner war f\u00fcr mich eine Offenbarung, ich lebte durch Jahre hindurch mit einem Satz daraus, und lebe noch immer damit. Ich werde diesen Abschnitt zitieren und den Satz hervorheben.<br \/>\n&#8218;Einer derjenigen Geister, von denen heute kaum gesprochen wird, ist Ignaz Paul Vitalis Troxler. Aus der Reihe seiner zahlreichen Schriften seien hier nur genannt seine 1835 erschienenen \u00abVorlesungen \u00fcber Philosophie\u00bb. Durch sie spricht sich eine Pers\u00f6nlichkeit aus, die durchaus ein Bewu\u00dftsein davon hat, wie der Mensch, der sich blo\u00df seiner Sinne und des mit den Beobachtungen der Sinne rechnenden Verstandes bedient, nur einen Teil der Welt erkennen kann. Auch Troxler f\u00fchlt sich wie Immanuel Hermann Fichte mit dem Denken in einer \u00fcbersinnlichen Welt drinnenstehend. Aber er empfindet auch, wie der Mensch, wenn er sich der Kraft entr\u00fcckt, die ihn an die Sinne bindet, nicht nur sich vor eine Welt stellen kann, die im Hegelschen Sinne erdacht ist, sondern wie er durch diese Entr\u00fcckung in seinem inneren Wesen das Aufbl\u00fchen von rein geistigen Erkenntnismitteln erlebt, durch die er eine geistige Welt geistig schaut, wie die Sinne die Sinnenwelt sinnlich schauen. Von einem \u00ab\u00fcbergeistigen Sinn\u00bb spricht Troxler. Und man kann sich auf folgende Art eine Vorstellung von dem bilden, was er damit meint. Der Mensch beobachtet die Dinge der Welt durch seine Sinne. Dadurch erh\u00e4lt er sinnliche Bilder von den Dingen. Er denkt dann \u00fcber diese Bilder nach. Dadurch erschlie\u00dfen sich ihm Gedanken, die nicht mehr das Sinnlich-Bildhafte in sich tragen. Der Mensch f\u00fcgt also durch die Kraft seines Geistes zu den Sinnesbildern die \u00fcbersinnlichen Gedanken hinzu. Erlebt er sich nun in der Wesenheit, die in ihm denkt, so da\u00df er \u00fcber das blo\u00dfe Denken zu geistigem Erleben aufsteigt, dann ergreift ihn von diesem Erleben aus eine innere rein geistige Kraft des Verbildlichens. Er schaut dann eine Welt in Bildern, die \u00fcbersinnlich erlebter Wirklichkeit als Offenbarung dienen kann. Diese Bilder sind nicht von den Sinnen empfangen; aber sie sind lebensvoll wie die Sinnesbilder; sie sind nicht Ergebnisse einer Tr\u00e4umerei, sondern die von der Seele bildhaft festgehaltenen Erlebnisse in der \u00fcbersinnlichen Welt.&#8216;<\/p>\n<p>Die Anregung ist: Nicht nur zu denken \u00fcber Sinneswahrnehmungen, sondern das Denken zu erleben, in der Wesenheit, die denkt &#8211; das bin ich ja selbst auf einer h\u00f6heren Ebene. Dann wird dieses Erleben zu einem \u00fcbersinnlichen Erleben und eine imaginative Kraft dadurch, dass dieses Erleben die Seele ergreift, und an der Stelle des intellektuellen Denkens kommt.<\/p>\n<p>In unserer modernen Internet-Zeit ist es m\u00f6glich geworden, die urspr\u00fcnglichen Texte von Troxler online zu finden. Ich will mehr Texte von Steiner \u00fcber Troxler und von Troxler selbst zitieren, in den kommenden Wochen.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog197.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" width=\"264\" height=\"335\" \/><br \/>\nIgnaz Paul Vitalis Troxler, geboren am 17. August 1780 in\u00a0Berom\u00fcnster, Schweiz; Gestorben am 6. M\u00e4rz 1866,\u00a0Aarau, Schweiz.<em><strong>Eine vergessene Str\u00f6mung im Schweizerischen Geistesleben Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 35 Jahre her liegt meine st\u00fcrmische Begegnung mit der Anthroposophie. Es ereignete sich in einer Nacht. Mein Mann war ausgegangen zu einer Entbindung (wir waren damals Haus\u00e4rzte und ich war zuhause, und beantwortete das Telefon). 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