{"id":7226,"date":"2018-03-14T00:00:00","date_gmt":"2018-03-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/die-burg-des-fischerkoenigs-2018\/"},"modified":"2025-04-10T12:53:06","modified_gmt":"2025-04-10T10:53:06","slug":"die-burg-des-fischerkoenigs-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/die-burg-des-fischerkoenigs-2018\/","title":{"rendered":"Die Burg des Fischerk\u00f6nigs 2018"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Das Bild von Platos H\u00f6hle findet im Mittelalter (12. Jahrhundert) in der Parzival-Sage eine neue Gestalt. Erz\u00e4hlt wird von einer Burg, \u2018unnahbar unseren Schritten\u2019. Es gibt zwei ber\u00fchmte Versionen dieser Sage, eine deutsche von Wolfram von Eschenbach und eine \u00e4ltere franz\u00f6sische von Chrestien de Troyes. Die Geschichte nach Wolfram von Eschenbach ist poetisch geschrieben und, obwohl es ein mystisches Gedicht ist, voll reichen Humors; es ist eine vollst\u00e4ndige Erz\u00e4hlung. Die Erz\u00e4hlung nach Chrestien de Troyes ist als Geschichte geschrieben und l\u00e4sst die mystische Seite st\u00e4rker erleben; die Geschichte hat kein befriedigendes Ende.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/bfd1347fdcda37b1720a0639bb2446b3.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nDas Bild von Platos H\u00f6hle findet im Mittelalter (12. Jahrhundert) in der Parzival-Sage eine neue Gestalt. Erz\u00e4hlt wird von einer Burg, \u2018unnahbar unseren Schritten\u2019. Es gibt zwei ber\u00fchmte Versionen dieser Sage, eine deutsche von Wolfram von Eschenbach und eine \u00e4ltere franz\u00f6sische von Chrestien de Troyes. Die Geschichte nach Wolfram von Eschenbach ist poetisch geschrieben und, obwohl es ein mystisches Gedicht ist, voll reichen Humors; es ist eine vollst\u00e4ndige Erz\u00e4hlung. Die Erz\u00e4hlung nach Chrestien de Troyes ist als Geschichte geschrieben und l\u00e4sst die mystische Seite st\u00e4rker erleben; die Geschichte hat kein befriedigendes Ende.<\/p>\n<p>Die Burg ist ein Bild f\u00fcr die H\u00f6hle, in der der \u2018verwundete Mensch\u2019 bleibt, es scheint eine Imagination des menschlichen Sch\u00e4dels zu sein. Darin wohnt der Fischerk\u00f6nig, le roi pecheur, dieser verwundete Mensch, und sein Vater, der von der Hostie lebt. Darin findet man das Bild f\u00fcr den menschlichen Gegensatz: der verwundete Mensch und der reine Mensch. Parzival kommt w\u00e4hrend seiner Reisen versehentlich zu der Burg, der man sich nicht zu n\u00e4hern vermag. Er hat den Weg nicht gesucht, die Burg nicht gesucht, sondern findet sie. Er wird eingeladen, an dem Mahl teilzunehmen. Er sieht ein Gefolge hereinkommen, eine sch\u00f6ne Jungfrau tr\u00e4gt eine goldene, mit Edelsteinen besetzte Schale, \u2018einen Gral\u2019. Darin liegt eine Hostie f\u00fcr den alten Vater, den man nicht sieht. Auch eine blutende Lanze wird in dem Gefolge getragen.<\/p>\n<p>Parzival schaut dies alles, ohne es zu verstehen, an und fragt nicht nach der Bedeutung. Er hat gelernt, dass es unh\u00f6flich ist zu fragen. Fr\u00fcher war er ein unbesonnener J\u00fcngling ohne Kenntnis jedweder Regeln, wodurch er eine Dummheit nach der anderen beging. Nun jedoch ist er, durch seinen Lehrer Gurnemanz, wohlerzogen, und er fragt nicht. Am n\u00e4chsten Morgen ist die Burg verlassen; die R\u00e4ume, in denen er das wundersame Geschehen angeschaut hatte, sind fest verschlossen, die Zugbr\u00fccke ist niedergelassen, doch es ist niemand da, um Abschied von ihm zu nehmen. Allm\u00e4hlich kommt er dahinter, dass er einen gro\u00dfen Fehler begangen hat, indem er so schweigsam gewesen war und nicht gefragt hatte&#8230;<\/p>\n<p>Indem das Leben tags\u00fcber einerseits in Begierde weckenden Sinneseindr\u00fccken und Gedankeng\u00e4ngen und andererseits im Haben und Stillen von Hunger und Durst verl\u00e4uft, ist der eigentliche denkende Mensch, der geistige Mensch, von der Begierde verwundet. Parallel dazu verl\u00e4uft ein reines Geschehen, bei dem das Reinste aus den Sinneseindr\u00fccken und das Reinste aus der Nahrung eine Substanz bilden, die allein den reinen und heiligen Menschen ern\u00e4hren kann. Dies sind Bilder f\u00fcr den abstrakt denkenden Menschen, der von dem wahren geistigen Dasein abgeschlossen ist, und f\u00fcr denjenigen Menschen, der er zu werden vermag. Doch um den verwundeten K\u00f6nig zu heilen, muss Parzival kommen und die richtige Frage stellen \u2013 er kommt, und stellt keine Frage&#8230;<\/p>\n<p>\u2018Der Junker, der diese Nacht neu dorthin gekommen war, sah dieses Wunder, jedoch enthielt er sich der Frage, wie dieses geschah; denn er war eingedenk der Warnung dessen, der ihn zum Ritter schlug, der ihn lehrte und unterwies, er solle sich h\u00fcten, zu viel zu reden. Er f\u00fcrchtet daher, wenn er danach fragte, w\u00fcrde man es ihm als Schande auslegen; deshalb fragte er nicht.\u2019 (Perceval ou le conte du Graal, Chrestien de Troyes).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Perceval.jpg\" alt=\"Die Burg des Fischerk\u00f6nigs\" \/><br \/>\nEine Szene aus dem \u201cPerceval\u201d von Chr\u00e9tien de Troyes: Parzival empf\u00e4ngt aus den H\u00e4nden des Fischerk\u00f6nigs ein Schwert.<em><strong>Die Burg des Fischerk\u00f6nigs 2018 Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Burg ist ein Bild f\u00fcr die H\u00f6hle, in der der \u2018verwundete Mensch\u2019 bleibt, es scheint eine Imagination des menschlichen Sch\u00e4dels zu sein. Darin wohnt der Fischerk\u00f6nig, le roi pecheur, dieser verwundete Mensch, und sein Vater, der von der Hostie lebt. Darin findet man das Bild f\u00fcr den menschlichen Gegensatz: der verwundete Mensch und der reine Mensch. Parzival kommt w\u00e4hrend seiner Reisen versehentlich zu der Burg, der man sich nicht zu n\u00e4hern vermag. Er hat den Weg nicht gesucht, die Burg nicht gesucht, sondern findet sie. Er wird eingeladen, an dem Mahl teilzunehmen. Er sieht ein Gefolge hereinkommen, eine sch\u00f6ne Jungfrau tr\u00e4gt eine goldene, mit Edelsteinen besetzte Schale, \u2018einen Gral\u2019. Darin liegt eine Hostie f\u00fcr den alten Vater, den man nicht sieht. 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