{"id":7250,"date":"2016-03-16T00:00:00","date_gmt":"2016-03-15T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/das-wahre-und-das-falsche-bei-aristoteles-metaphysik\/"},"modified":"2025-04-14T12:08:55","modified_gmt":"2025-04-14T10:08:55","slug":"das-wahre-und-das-falsche-bei-aristoteles-metaphysik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/das-wahre-und-das-falsche-bei-aristoteles-metaphysik\/","title":{"rendered":"Das Wahre und das Falsche bei Aristoteles Metaphysik"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Der Begriff des Seienden und des Nichtseienden bestimmt sich nach den  Formen der Kategorien; eine weitere Modifikation des Begriffs f\u00fchrt der  Unterschied von Potentialit\u00e4t und Aktualit\u00e4t herbei, der an den  einzelnen Kategorien oder ihrem Gegenteile auftritt. Die h\u00f6chste und  entscheidendste Bestimmung des Seinsbegriffs aber beruht auf dem  Unterschiede des Wahren und des Falschen. Dieser letztere Unterschied  gilt von den Gegenst\u00e4nden, je nachdem in ihnen eine Verbindung oder  Trennung vollzogen ist. Das Wahre hat der, der das Getrennte als  getrennt und das Verbundene als verbunden denkt; das Falsche ergreift,  wer eben dieses Verh\u00e4ltnis anders auffa\u00dft als es in Wirklichkeit ist. So  entsteht denn die Frage: wann findet sich das vor, was wir wahr oder  falsch nennen, wann nicht? Diese Frage gilt es noch zu beantworten.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/907cad83a95038491006449b34ff426a.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>Der Begriff des Seienden und des Nichtseienden bestimmt sich nach den Formen der Kategorien; eine weitere Modifikation des Begriffs f\u00fchrt der Unterschied von Potentialit\u00e4t und Aktualit\u00e4t herbei, der an den einzelnen Kategorien oder ihrem Gegenteile auftritt. Die h\u00f6chste und entscheidendste Bestimmung des Seinsbegriffs aber beruht auf dem Unterschiede des Wahren und des Falschen. Dieser letztere Unterschied gilt von den Gegenst\u00e4nden, je nachdem in ihnen eine Verbindung oder Trennung vollzogen ist. Das Wahre hat der, der das Getrennte als getrennt und das Verbundene als verbunden denkt; das Falsche ergreift, wer eben dieses Verh\u00e4ltnis anders auffa\u00dft als es in Wirklichkeit ist. So entsteht denn die Frage: wann findet sich das vor, was wir wahr oder falsch nennen, wann nicht? Diese Frage gilt es noch zu beantworten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst also gilt offenbar dies: es ist jemand nicht deshalb in Wahrheit bleich, weil wir meinen, er sei bleich, sondern umgekehrt: weil er bleich ist, ist unsere Aussage wahr, wenn wir das von ihm aussagen. Nun gibt es Gegenst\u00e4nde und Bestimmungen derselben, die immer verbunden sind, so da\u00df ihr Getrenntsein ausgeschlossen ist, und andere, die immer getrennt bleiben, und deren Verbundensein ausgeschlossen ist; anderes wieder l\u00e4\u00dft beide entgegengesetzte Verh\u00e4ltnisse zu. Wenn nun Sein so viel hei\u00dft wie verbunden sein und eins sein, Nichtsein so viel wie nicht verbunden sein, vielmehr in eine Mehrheit auseinandergehen, so kann in bezug auf dasjenige, was beides, das Verbundensein und das Getrenntsein, zul\u00e4\u00dft, eine und dieselbe Ansicht und eine und dieselbe Aussage je nachdem wahr oder falsch sein, und so kann in ihr das eine Mal Wahrheit, das andere Mal ein Irrtum vorliegen. Bei den Gegenst\u00e4nden dagegen, bei denen nur das eine Verhalten m\u00f6glich, das entgegengesetzte ausgeschlossen ist, da tritt der Fall nicht ein, da\u00df eines und dasselbe bald wahr, bald falsch w\u00e4re, sondern da bleibt ewig eines und dasselbe wahr oder falsch.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft dann aber Sein oder Nichtsein, Wahr- oder Falschsein bei denjenigen Objekten, bei denen von Verbindung und Trennung \u00fcberhaupt nicht die Rede ist? Da wird doch nicht das eine von dem anderen ausgesagt, so da\u00df das Sein g\u00e4lte, wenn Verbindung, das Nichtsein, wenn Trennung gegeben w\u00e4re, wie beim Holz, das wei\u00df, oder bei der Diagonale, die inkommensurabel ist. Da wird also auch das Wahre und Falsche nicht in gleichem Sinne vorhanden sein wie bei jenen Dingen, und wie das Wahre hier nicht dieselbe Bedeutung hat, so auch nicht das Sein. Sondern hier gibt es Wahres und Falsches nur als ein blo\u00dfes Treffen und Benennen des Wahren \u2013 benennen und aussagen ist nicht dasselbe \u2013 und ein Nichtwissen und Nichttreffen desselben. Denn \u00fcber das Was, den Gegenstand der Aussage, t\u00e4uscht man sich nicht oder doch nur in uneigentlichem Sinne. Das gleiche gilt auch von den Objekten, die keinen Inbegriff von Bestimmungen bilden; auch \u00fcber sie t\u00e4uscht man sich nicht. Sie sind ganz und gar aktuell und nicht potentiell; denn sonst w\u00fcrden sie entstehen und vergehen. Das Seiende selbst aber entsteht und vergeht nicht; es m\u00fc\u00dfte doch immer etwas sein, woraus es entst\u00fcnde. Also, was schlechthinniges und aktuelles Sein ist, dar\u00fcber t\u00e4uscht man sich nicht; man kann es nur entweder im Gedanken erfassen oder nicht erfassen. Was man in Betracht dieser Dinge fragt, ist ihr Wesen, nicht ob sie von dieser Beschaffenheit sind oder nicht. Das Sein aber als das Wahrsein und das Nichtsein als das Falschsein ist in einem Falle, wo Gegenstand und Bestimmung in der Aussage verbunden sind wie in der Wirklichkeit, wahr, und wenn die in der Wirklichkeit vorhandene Verbindung verneint wird, falsch. Wahrheit und Falschheit in diesem Sinne ist also da vorhanden, wo die Wirklichkeit in der Verbindung oder Trennung von Gegenstand und Bestimmung besteht. Besteht die Wirklichkeit nicht in dieser Verbindung und Trennung, so hat Wahrheit und Falschheit eine andere Bedeutung. Wahrheit besteht dann darin, da\u00df man die Objekte als solche einfach denkt, und da gibt es nicht Irrtum noch T\u00e4uschung, sondern nur ein blo\u00dfes Nichtkennen. Dieses Nichtkennen darf man indessen nicht so auffassen, wie man von Blindheit spricht; der Blindheit w\u00fcrde es erst dann entsprechen, wenn einer \u00fcberhaupt kein Denkverm\u00f6gen bes\u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p>Es leuchtet ferner ein, da\u00df bei dem, was unbewegt ist, sofern man es als solches erfa\u00dft, auch \u00fcber das Wann eine T\u00e4uschung ausgeschlossen ist. So z.B. wird man, wenn man davon ausgeht, da\u00df das Dreieck sich nicht ver\u00e4ndert, nicht auf die Meinung kommen, da\u00df es die Winkelsumme gleich 2 Rechten das eine Mal habe, das andere Mal nicht habe; denn das hie\u00dfe, es ver\u00e4ndere sich. Dagegen kann man von dem Unbewegten wohl die Meinung haben, da\u00df eine Bestimmung dem einen Gegenstande zukomme, dem anderen innerhalb derselben Gattung nicht, z.B., da\u00df eine gerade Zahl niemals eine Primzahl sei, oder auch, da\u00df es eine gerade Zahl gebe, die eine Primzahl sei, andere, die es nicht seien. In bezug auf das aber, was der Zahl nach einzig ist, ist auch nicht einmal dies m\u00f6glich. Denn da ist die Annahme ausgeschlossen, da\u00df das eine die Bestimmung habe, die das andere nicht habe; da wird man also das Wahre oder das Falsche erfassen als das ewig sich gleichbleibende Verhalten desselben Objekts.&#8216;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog98.jpg\" alt=\"Das Wahre und das Falsche bei Aristoteles Metaphysik\" \/><br \/>\nCherubim, Wesen der Wahrheit, nach einer Beschreibung von Ezechi\u00ebl. Ikon.<em><strong>Das Wahre und das Falsche bei Aristoteles Metaphysik Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff des Seienden und des Nichtseienden bestimmt sich nach den Formen der Kategorien; eine weitere Modifikation des Begriffs f\u00fchrt der Unterschied von Potentialit\u00e4t und Aktualit\u00e4t herbei, der an den einzelnen Kategorien oder ihrem Gegenteile auftritt. Die h\u00f6chste und entscheidendste Bestimmung des Seinsbegriffs aber beruht auf dem Unterschiede des Wahren und des Falschen. Dieser letztere Unterschied gilt von den Gegenst\u00e4nden, je nachdem in ihnen eine Verbindung oder Trennung vollzogen ist. Das Wahre hat der, der das Getrennte als getrennt und das Verbundene als verbunden denkt; das Falsche ergreift, wer eben dieses Verh\u00e4ltnis anders auffa\u00dft als es in Wirklichkeit ist. So entsteht denn die Frage: wann findet sich das vor, was wir wahr oder falsch nennen, wann nicht? 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