{"id":7255,"date":"2015-09-16T00:00:00","date_gmt":"2015-09-15T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/verstaendnis\/"},"modified":"2025-04-15T12:39:39","modified_gmt":"2025-04-15T10:39:39","slug":"verstaendnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/verstaendnis\/","title":{"rendered":"Verst\u00e4ndnis"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>In der Erkenntnistheorie hat im 20. Jahrhundert eine enorme Umkehr  stattgefunden. Davor hatte es noch immer etwas Vertrauen in das Verm\u00f6gen  des Menschen gegeben, die Wahrheit zu finden. Im 20. Jahrhundert wurde  mit diesem Glauben ganz gebrochen. Der Mensch f\u00fchlt sich von der  Wahrheit getrennt, oder er f\u00fchlt sich als ein Gesch\u00f6pf in einer Welt, in  der Wahrheit \u00fcberhaupt nicht besteht. Nicht jeder ist nat\u00fcrlich ein  Philosoph, also denkt nicht jeder \u00fcber diese Fragen nach. Aber die  Weltgedanken, die Welt des Denkens ist universell, und was gedacht wird,  ist in gewissem Sinne Eigentum von jedem. Wir gehen also zur Schule und  sogar zur Universit\u00e4t \u2013 und uns wird gelehrt, dass Wahrheit nicht  existiert oder dass diese nicht innerhalb des Bereichs des Menschen  liegt. Auch wenn es nicht explizit gesagt wird, lernen wir dies dennoch,  weil es in unserer Weise des Kenntniserwerbs liegt. Die einzige  zeitweilige Wahrheit ist, dass Wissenscha<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/1376141129e5a633a2bf1e271b3203eb.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nIn der Erkenntnistheorie hat im 20. Jahrhundert eine enorme Umkehr stattgefunden. Davor hatte es noch immer etwas Vertrauen in das Verm\u00f6gen des Menschen gegeben, die Wahrheit zu finden. Im 20. Jahrhundert wurde mit diesem Glauben ganz gebrochen. Der Mensch f\u00fchlt sich von der Wahrheit getrennt, oder er f\u00fchlt sich als ein Gesch\u00f6pf in einer Welt, in der Wahrheit \u00fcberhaupt nicht besteht. Nicht jeder ist nat\u00fcrlich ein Philosoph, also denkt nicht jeder \u00fcber diese Fragen nach. Aber die Weltgedanken, die Welt des Denkens ist universell, und was gedacht wird, ist in gewissem Sinne Eigentum von jedem. Wir gehen also zur Schule und sogar zur Universit\u00e4t \u2013 und uns wird gelehrt, dass Wahrheit nicht existiert oder dass diese nicht innerhalb des Bereichs des Menschen liegt. Auch wenn es nicht explizit gesagt wird, lernen wir dies dennoch, weil es in unserer Weise des Kenntniserwerbs liegt. Die einzige zeitweilige Wahrheit ist, dass Wissenschaft durch den Beweis gebildet wird, der auf dem Experiment beruht. \u201eEvidence-based science\u201c nennen wir das. Die Wahrheit ist vor\u00fcbergehend, denn es kann jederzeit der Beweis gefunden werden, dass die Wahrheit, die wir zu haben dachten, doch nicht wahr ist.<\/p>\n<p>Wo solche Wissenschaft, die auf dem Experiment basiert, nicht zu erreichen ist \u2013 zum Beispiel in der Geisteswissenschaft \u2013 w\u00fcrde im Grunde \u00fcberhaupt keine Wahrheit existieren k\u00f6nnen. Wir w\u00fcrden also bestimmten spirituellen Meistern glauben m\u00fcssen \u2013 und das ist etwas sehr anderes als eine auf Beweis basierte Wahrheit. Wie hat diese Umkehr im Verh\u00e4ltnis zur Wahrheit in Gemeinschaften gewirkt, die die Geisteswissenschaft suchen? Nat\u00fcrlich w\u00fcrden wir gern die unmittelbare Antwort geben: sie glauben noch immer, dass die Wahrheit existiert. Und vielleicht sagen sie das auch. Doch in der Tiefe des Bewusstseins, wo die philosophischen Gedanken wirken, ohne klar erkannt zu werden, kam es zum Eindringen eines tiefen Mangels an Vertrauen in die alles durchdringende Wahrheit und an das Verm\u00f6gen des Menschen, die Wahrheit zu erfassen.<\/p>\n<p>In den spirituellen Gemeinschaften kam es zu einer \u201eCommon-Sense\u201c-Philosophie. Zwei wissen mehr als einer. Drei wissen mehr als zwei. Vier wissen mehr als drei &#8230; und so weiter. Wahrheit bekommt ein neues Gesicht, das Gesicht des gegenseitigen Begreifen. Und das klingt gro\u00dfartig, es klingt wie ein Aufruf zu einer Form von Heiligkeit. Nicht mehr ist der Egoismus des Habens der Wahrheit im Ich das Ziel, sondern der Altruismus des Verstehens von allem. Jeder Mensch besitzt einen Teil der Wahrheit, wir alle zusammen haben die ganze Wahrheit \u2013 vielleicht.<\/p>\n<p>Dies ist einer der Begriffe, die am schwersten zu demaskieren sind. Es basiert auf etwas, was die Menschen sehr gern haben, das wie purer Altruismus klingt. Aber es ist es nicht \u2013 wie kann man das sich und Anderen deutlich machen?<\/p>\n<p>Im sozialen Leben brauchen wir gewiss mehr als alles Andere ein Verst\u00e4ndnis. Wo die Menschen gleichwertig sind, werden wir lernen m\u00fcssen, einander zu versthene, selbst wenn wir Dinge sehen, die wir widerlich finden. Die Pflicht, zu \u201everstehen\u201c, hat mit unserem Gef\u00fchlsleben zu tun. Wir m\u00fcssen lernen, im Gef\u00fchlsleben miteinander eine sch\u00f6ne, harmonievolle Musik zu spielen, auch wenn es unvermeidlich ist, dass es Dissonanzen gibt. Diese brauchen wir sogar, um die Herrlichkeit der Harmonie erleben zu k\u00f6nnen. Insoweit wir f\u00fchlende Personen sind, sind wir gleichwertige Personen, und wir k\u00f6nnen lernen, alles zu verstehen. Vom Gef\u00fchl aus k\u00f6nnen wir sogar fremde und seltsame Meinungen und Urteile begreifen. Wir brauchen sie nicht zu akzeptieren, wir k\u00f6nnen sie verstehen. Religi\u00f6se Ideen, die wir nicht teilen \u2013 wir k\u00f6nnen sie verstehen. Es ist ein horizontales Dasein, in dem wir Gef\u00fchle nehmen und geben, geben und nehmen. Gef\u00fchle k\u00f6nnen immer verstanden werden.<\/p>\n<p>Aber es gibt eine andere Ebene des Findens der Wahrheit, wo Gleichheit nicht der richtige Begriff ist. Dies werde ich in der n\u00e4chsten Woche zu beschreiben versuchen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog72.jpg\" alt=\"Verst\u00e4ndnis\" width=\"300\" \/><br \/>\n<em>&#8218;F\u00fcr eine faire Selektion muss jeder dieselbe Pr\u00fcfung machen: Bitte klettern sie auf diesen Baum.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Weil sicher nicht jeder die Kommentare liest, gebe ich hier einen Link aus einem Kommentar von voriger Woche \u00fcber Musik wieder:<\/p>\n<p>Benjamin Zander: The transformative power of classical music<\/p>\n<p><iframe class=\"VID\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/r9LCwI5iErE\" width=\"590\" height=\"380\"><\/iframe><em><strong>Verst\u00e4ndnis Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Erkenntnistheorie hat im 20. Jahrhundert eine enorme Umkehr stattgefunden. Davor hatte es noch immer etwas Vertrauen in das Verm\u00f6gen des Menschen gegeben, die Wahrheit zu finden. Im 20. Jahrhundert wurde mit diesem Glauben ganz gebrochen. Der Mensch f\u00fchlt sich von der Wahrheit getrennt, oder er f\u00fchlt sich als ein Gesch\u00f6pf in einer Welt, in der Wahrheit \u00fcberhaupt nicht besteht. Nicht jeder ist nat\u00fcrlich ein Philosoph, also denkt nicht jeder \u00fcber diese Fragen nach. Aber die Weltgedanken, die Welt des Denkens ist universell, und was gedacht wird, ist in gewissem Sinne Eigentum von jedem. Wir gehen also zur Schule und sogar zur Universit\u00e4t \u2013 und uns wird gelehrt, dass Wahrheit nicht existiert oder dass diese nicht innerhalb des Bereichs des Menschen liegt. Auch wenn es nicht explizit gesagt wird, lernen wir dies dennoch, weil es in unserer Weise des Kenntniserwerbs liegt. Die einzige zeitweilige Wahrheit ist, dass Wissenschaft durch den Beweis gebildet wird, der auf dem Experiment beruht. \u201eEvidence-based science\u201c nennen wir das. Die Wahrheit ist vor\u00fcbergehend, denn es kann jederzeit der Beweis gefunden werden, dass die Wahrheit, die wir zu haben dachten, doch nicht wahr ist.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4475,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7255","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7255"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8103,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7255\/revisions\/8103"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}