{"id":7268,"date":"2016-08-17T00:00:00","date_gmt":"2016-08-16T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/bestialitaet\/"},"modified":"2025-04-14T11:47:27","modified_gmt":"2025-04-14T09:47:27","slug":"bestialitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/bestialitaet\/","title":{"rendered":"Bestialit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Nat\u00fcrlich ist es immer m\u00f6glich, das Gegenteil einer Behauptung  auszusprechen \u2013 und dann noch immer die Wahrheit zu sprechen. Wir  k\u00f6nnten sehr gut sagen: Menschen denken \u00fcberhaupt nicht, die Tiere sind  bessere Denker als die Menschen. Man schaue einmal auf die Bienen, welch  ein wunderbar reines Denken sie sichtbar werden lassen, indem sie ihr  Bienen-Wesen tun. Die Handlungen der Tiere zeigen ein kompliziertes  Denken. Aber f\u00fcr sie gibt es nat\u00fcrlich keine M\u00f6glichkeit zu einem freien  Denken. Tiere f\u00fchren das Denken aus, das ihnen als Instinkt gegeben  ist.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/0b84f8047e93ee8884d6f4b7894db609.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es immer m\u00f6glich, das Gegenteil einer Behauptung auszusprechen \u2013 und dann noch immer die Wahrheit zu sprechen. Wir k\u00f6nnten sehr gut sagen: Menschen denken \u00fcberhaupt nicht, die Tiere sind bessere Denker als die Menschen. Man schaue einmal auf die Bienen, welch ein wunderbar reines Denken sie sichtbar werden lassen, indem sie ihr Bienen-Wesen tun. Die Handlungen der Tiere zeigen ein kompliziertes Denken. Aber f\u00fcr sie gibt es nat\u00fcrlich keine M\u00f6glichkeit zu einem freien Denken. Tiere f\u00fchren das Denken aus, das ihnen als Instinkt gegeben ist.<\/p>\n<p>Manchmal wird behauptet, dass Menschen als typischen Instinkt das Denken h\u00e4tten. Der Instinkt w\u00e4re dann sogar das freie Denken, als eine gegebene Tatsache. Wenn dies wahr w\u00e4re, dann w\u00fcrden die Menschen ihr Denken tun, auf dieselbe vollkommene Weise, wie die Biene das Bienen-Sein ausf\u00fchrt. Aber das Denken der Menschen scheint mehr ein Durcheinander zu sein, ein Alles-durcheinander, eher von etwas geleitet, das \u00fcberhaupt keine Regelm\u00e4\u00dfigkeit des Denkens enth\u00e4lt. 1972 brachte der niederl\u00e4ndische Cineast Bert Haanstra einen Film heraus, in dem er dies in ein Bild zu bringen versuchte: <em>,Fressen und gefressen werden\u2019<\/em> (Bij de beesten af). Der Film ist auf YouTube zu sehen, es ist wirklich der M\u00fche wert, ihn anzuschauen, man braucht gar keinen Text dabei. Zuerst sehen wir, wie die tierischen Instinkte im Tierreich wirksam sind. Wir sehen, wie sie leben. Danach wird eine Karikatur dessen gemacht, indem das tierische Verhalten von Menschen und Menschengruppen gezeigt wird. Man k\u00e4me wirklich dazu, das menschliche Wesen als eine Degeneration des Tierreichs zu sehen, nicht als dessen Krone. Durch diesen Film kann man zynisch werden. Tiere zeigen ihre ,g\u00f6ttlichen\u2019 Instinkte auf eine reine Weise, sie entfalten sie, wie sie gemeint sind, und hier gibt es keine Frage der Moralit\u00e4t: sie tun einfach, was sie sind. Der Kontrast zum Menschen ist sehr schmerzlich. Menschen scheinen ihren reinen Menscheninstinkt zu durchbrechen, gerade <em>indem sie denken<\/em> und viele Dinge mit Willen und Gedanken zu tun, die gegen den Instinkt gerichtet sind, sowohl ihren eigenen als auch den des Lebens auf Erden. Sie sind wie Tiere, aber sie erst sind wirklich <em>schlecht<\/em>, weil sie schlau sind und mit dieser Schl\u00e4ue allerlei Methoden bedenken k\u00f6nnen, die das Leben auf Erden vernichten. Und wenn die Menschen wirklich beginnen w\u00fcrden, nach ihren Instinkten zu leben, dann w\u00fcrde es nur noch schlechter und schlechter werden. Die Frage steigt also erneut auf: Was ist ein Mensch?<\/p>\n<p>In den zur\u00fcckliegenden zwei Jahren meines w\u00f6chentlichen Blogs habe ich versucht, Symptome im Menschen zu finden, die uns Hoffnung und Vertrauen geben k\u00f6nnen, dass der Mensch viel mehr Qualit\u00e4ten in seiner Anlage hat als nur das Verm\u00f6gen zur Vernichtung. Der Mensch hat zugleich eine Anlage, sich \u00fcber seine Instinkte zu erheben und sich auf eine h\u00f6here Ebene zu bringen, wo ein Instinkt gefunden werden kann, zu dem wir nicht verurteilt sind, sondern den wir freimachen, befreien k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen ihn auf ein h\u00f6heres Niveau bringen. Steiner war genial in dem Finden und Beschreiben dieses Weges, und er kn\u00fcpfte auf allen m\u00f6glichen Niveaus an. In seinem Buch \u00fcber Nietzsche formulierte er dieses Prinzip wie folgt:<br \/>\n,Weil der dionysische Geist aus sich selbst alle Antriebe seines Tuns entnimmt und keiner \u00e4u\u00dferen Macht gehorcht, ist er ein freier Geist. Denn ein freier Geist ist derjenige, der nur seiner Natur folgt. Nun ist allerdings in Nietzsches Werken nur die Rede von Instinkten als den Antrieben des freien Geistes. Ich glaube, da\u00df hier Nietzsche mit einem Namen eine Reihe von Antrieben zusammengefa\u00dft hat, die eine mehr ins Einzelne gehende Betrachtung erfordern. Nietzsche nennt Instinkte sowohl die bei den Tieren vorhandenen Triebe zur Ern\u00e4hrung und Selbsterhaltung, wie auch die h\u00f6chsten Antriebe der menschlichen Natur, zum Beispiel den Erkenntnistrieb, den Trieb, nach sittlichen Ma\u00dfst\u00e4ben zu handeln, den Trieb, sich an Kunstwerken zu erg\u00f6tzen und so weiter. Nun sind zwar alle diese Triebe \u00c4u\u00dferungsformen einer und derselben Grundkraft. Aber sie stellen doch verschiedene Stufen in der Entwickelung dieser Kraft dar. Die moralischen Antriebe zum Beispiel sind eine besondere Stufe der Instinkte. Wenn auch zugegeben werden kann, da\u00df sie nur h\u00f6here Formen sinnlicher Instinkte sind, so treten sie doch im Menschen auf eine besondere Art ins Dasein. Dies zeigt sich darin, da\u00df es dem Menschen m\u00f6glich ist, Handlungen zu vollf\u00fchren, die nicht unmittelbar auf sinnliche Instinkte zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, sondern nur auf jene Antriebe, die eben als h\u00f6here Formen des Instinktes zu bezeichnen sind. Der Mensch schafft sich Antriebe seines Handelns, die nicht aus seinen sinnlichen Trieben abzuleiten sind, sondern nur aus dem bewu\u00dften Denken. Er setzt sich individuelle Zwecke vor, aber er setzt sich diese mit Bewu\u00dftsein vor.\u2019<\/p>\n<p>,Ein Mensch, der sich blo\u00df seinen sinnlichen Instinkten \u00fcberl\u00e4\u00dft, handelt wie ein Tier; ein Mensch, der seine sinnlichen Instinkte unter fremde Gedanken stellt, handelt unfrei; erst der Mensch, der sich selbst seine moralischen Ziele schafft, handelt frei. Die moralische Phantasie fehlt in Nietzsches Ausf\u00fchrungen. Wer dessen Gedanken zu Ende denkt, mu\u00df notwendig auf diesen Begriff kommen. Aber andererseits ist es auch eine unbedingte Notwendigkeit, da\u00df dieser Begriff der Nietzscheschen Weltanschauung eingef\u00fcgt wird. Sonst k\u00f6nnte gegen dieselbe immerfort eingewendet werden: Zwar ist der dionysische Mensch kein Knecht des Herkommens oder des ,jenseitigen Willens\u2019, aber er ist ein Knecht seiner eigenen Instinkte.\u2019 (GA 5)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog119.jpg\" alt=\"Bestialit\u00e4t\" \/><br \/>\nBild aus dem Film von Bert Haanstra (1972)<em><strong>Bestialit\u00e4t Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich ist es immer m\u00f6glich, das Gegenteil einer Behauptung auszusprechen \u2013 und dann noch immer die Wahrheit zu sprechen. Wir k\u00f6nnten sehr gut sagen: Menschen denken \u00fcberhaupt nicht, die Tiere sind bessere Denker als die Menschen. Man schaue einmal auf die Bienen, welch ein wunderbar reines Denken sie sichtbar werden lassen, indem sie ihr Bienen-Wesen tun. Die Handlungen der Tiere zeigen ein kompliziertes Denken. Aber f\u00fcr sie gibt es nat\u00fcrlich keine M\u00f6glichkeit zu einem freien Denken. Tiere f\u00fchren das Denken aus, das ihnen als Instinkt gegeben ist.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4549,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7268","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7268"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8048,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7268\/revisions\/8048"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4549"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}