{"id":7304,"date":"2014-08-20T00:00:00","date_gmt":"2014-08-19T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/glaube\/"},"modified":"2025-04-22T14:36:22","modified_gmt":"2025-04-22T12:36:22","slug":"glaube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/glaube\/","title":{"rendered":"Glaube"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Durch die Notwendigkeit, diese Texte selbst auf Englisch zu schreiben,  mache ich interessante Entdeckungen. So haben wir im Niederl\u00e4ndischen \u2013  und auch im Deutschen ist das so \u2013 ein Wort f\u00fcr Glauben. Im Englischen  gibt es daf\u00fcr zwei Worte, und zwar \u201cbelief\u201d und \u201cfaith\u201d. Im Wort  \u201cfaith\u201d, das ein religi\u00f6ses Glauben andeutet, liegt die Bedeutung von  Vertrauen, w\u00e4hrend \u201cbelief\u201d mehr auf eine Annahme von etwas hindeutet,  was nicht bewiesen ist. Man k\u00f6nnte sagen, dass \u201cfaith\u201d mit dem Inhalt  des Denkens nichts zu tun habe, dass es eine Grundhaltung der Seele ist,  w\u00e4hrend \u201cbelief\u201d gerade den gr\u00f6\u00dften Teil des Denkinhalts ausmacht.\nIch  will versuchen, etwas \u00fcber \u201cbelief\u201d, \u00fcber Glaube, zu sagen. Der moderne  Wissenschaftler ist stolz auf seine \u201cevidence based science\u201d, er  braucht keinen Glauben, meint er. Doch in d<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/2b2eaf230dfb01ebd15b7f2a79b625e2.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nDurch die Notwendigkeit, diese Texte selbst auf Englisch zu schreiben, mache ich interessante Entdeckungen. So haben wir im Niederl\u00e4ndischen \u2013 und auch im Deutschen ist das so \u2013 ein Wort f\u00fcr Glauben. Im Englischen gibt es daf\u00fcr zwei Worte, und zwar <em>&#8218;belief&#8216;<\/em> und <em>&#8218;faith&#8216;<\/em>. Im Wort &#8218;faith&#8216;, das ein religi\u00f6ses Glauben andeutet, liegt die Bedeutung von Vertrauen, w\u00e4hrend <em>&#8218;belief&#8216;<\/em> mehr auf eine Annahme von etwas hindeutet, was nicht bewiesen ist. Man k\u00f6nnte sagen, dass <em>&#8218;faith&#8216; <\/em>mit dem Inhalt des Denkens nichts zu tun habe, dass es eine Grundhaltung der Seele ist, w\u00e4hrend &#8218;belief&#8216; gerade den gr\u00f6\u00dften Teil des Denkinhalts ausmacht.<\/p>\n<p>Ich will versuchen, etwas \u00fcber &#8218;belief&#8216;, \u00fcber Glaube, zu sagen. Der moderne Wissenschaftler ist stolz auf seine &#8218;evidence based science&#8216;, er braucht keinen Glauben, meint er. Doch in der Medizin zum Beispiel \u00e4ndert sich die Wahrheit sozusagen jedes Jahr. Als ich eine junge \u00c4rztin war, musste ich ein Literaturstudium bez\u00fcglich der Frage machen: Ist es f\u00f6rderlich oder notwendig, Patienten, die einen Herzinfarkt gehabt haben, mit Antikoagulantien zu behandeln? Ich ging damals in Amsterdam zur Bibliothek, wo man all diese medizinischen Artikel abfragen konnte \u2013 es gab damals noch kein Internet \u2013, und ich fand einen ganzen Stapel medizinischer Zeitschriften mit Forschungsresultaten. Diese bewiesen ganz verschiedene Dinge. Die Frage ist dann: Was soll nun der Arzt dar\u00fcber denken? Soll er nun der einen oder der anderen Untersuchung glauben? Was ist eigentlich dieser Beweis, auf dem die Wissenschaft basiert? Nat\u00fcrlich gibt es letztlich einen Konsens dar\u00fcber, was am schwersten wiegt und was man dann als &#8218;wahr&#8216; annehmen m\u00fcsse, aber es ist in Wirklichkeit dennoch Glaube und kein Wissen. Denn der exakte wissenschaftliche Beweis f\u00fcr das eine oder das andere fehlt. Man m\u00fcsste sich als Wissenschaftler, wenn man das Tun in der Wissenschaft betrachtet, also realisieren, dass ein gro\u00dfer Teil des eigenen Wissens trotz allem auf Glauben beruht.<\/p>\n<p>So ist es auch mit einem Ph\u00e4nomen wie der <em>&#8218;Big-Bang-Theorie&#8216;<\/em>. Diese wird von Vielen als wissenschaftlich bewiesen betrachtet und an den Anfang der Evolution gestellt. Aber es ist klar: Es ist eine Theorie, und eine Theorie ist noch kein Beweis. Wenn wir wirklich ehrlich sind, m\u00fcssen wir sagen, dass derjenige, der diesen <em>&#8218;Big Bang&#8216;<\/em> als eine feststehende Tatsache annimmt, in Wirklichkeit einen Glauben hat. Man kann nat\u00fcrlich einwenden, dass dieses Ph\u00e4nomen wissenschaftlich bewiesen sei oder zumindest sehr wahrscheinlich gemacht wurde. Darauf antworte ich: Ich finde dies nicht, und das geht auch aus der Tatsache hervor, dass es eine Theorie ist. Das Thema ist viel zu kompliziert, um sicher sein zu k\u00f6nnen, dass alle Schlussfolgerungen in richtiger Weise gezogen worden sind. Es war schlie\u00dflich niemand dabei, als der &#8218;Big Bang&#8216; stattgefunden hat \u2013 wenn er stattgefunden hat. Es gab keine &#8218;Wahrnehmer&#8216;, die berichten k\u00f6nnen, dass es wirklich so geschehen ist. Es sind Schlussfolgerungen auf Schlussfolgerungen, obwohl diese aufgrund von seri\u00f6sen Berechnungen und Statistiken gezogen wurden. Aber ich m\u00f6chte vorschlagen, dass die Menschen, die davon \u00fcberzeugt sind, dass am Beginn der Evolution ein &#8218;Big Bang&#8216; steht, sich selbst ehrlich als Menschen mit einem Glauben betrachten.<\/p>\n<p>In dieser Weise m\u00fcsste man sich jedesmal, wenn man meint, dass man von irgendetwas \u00fcberzeugt ist, mit Hilfe dieses &#8218;zweiten sapiens&#8216; fragen: Beruht diese \u00dcberzeugung auf wirklicher Einsicht in das Ph\u00e4nomen, oder beruht sie doch auf dem, was wir <strong><em>&#8218;Glauben&#8216;<\/em><\/strong> nennen. Nat\u00fcrlich hat jeder das Recht, bestimmte Dinge zu haben, an die er glaubt, aber wir m\u00fcssten Selbsterkenntnis entwickeln, damit wir den Unterschied zwischen dem Annehmen von Tatsachen durch Einsicht in das Ph\u00e4nomen oder aber durch einen Glauben sehen k\u00f6nnen. Es gibt nun einmal Dinge, die nicht mit Sicherheit gewusst werden k\u00f6nnen. Es gibt auch viele Dinge, die wir sehr wohl sicher wissen. In einem solchen Fall haben wir gleichsam einen Glauben, der auf einem sicheren Wissen beruht. Wir m\u00fcssten lernen, zwischen diesen verschiedenen Prozessen des Annehmens von Wahrheit zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Wir brauchen die weise Weisheit, die &#8217;sapiente sapientia&#8216;, um diesen Unterschied zu machen. Dann k\u00f6nnen wir zwischen wahrer Information und unsicherer Information unterscheiden. Bei der Bildung der \u00f6ffentlichen Meinung ist das sehr wichtig. Was k\u00f6nnen wir glauben und was m\u00fcssen wir jedes Mal wieder zur Diskussion stellen?<\/p>\n<p>Ich spreche also noch nicht \u00fcber religi\u00f6sen Glauben. Ich versuche, ein Bewusstsein zu wecken, dass in der &#8218;evidence based science&#8216; die Kraft des Glaubens stark beansprucht wird, dass es aber so nicht gesehen wird.<\/p>\n<p>Ein Kennzeichen des Glaubens ist, dass Nicht-Glauben auch Glaube ist. Man glaubt, dass etwas nicht wahr ist, aber die Kraft des Glaubens ist nat\u00fcrlich dieselbe wie die in Menschen, die glauben, dass dieselbe Tatsache doch wahr ist. Jemand, der den &#8218;Big Bang&#8216; als bewiesene Wahrheit annimmt, glaubt daran, und jemand, der nicht daran glaubt, hat ebenfalls einen Glaluben.<br \/>\nWenn jemand sagt, dass er nicht an Gott glaubt, dann sagt er, dass er einen Glauben hat. Denn das Nicht-Existieren von Gott ist wirklich nicht bewiesen.<\/p>\n<p>Ein brilliantes Beispiel eines Wissenschaftlers, der ehrlich nicht an Gott glauben konnte, ist Richard Feynman. Ein Ausspruch von ihm ist: Wissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit der Experten.&#8216;<\/p>\n<p>Richard Feynman (11.5.1918 \u2013 15.2.1988) war ein amerikanischer theoretischer Physiker und war namentlich auf dem Gebiet der Quantenelektrodynamik (QED) sehr einflussreich. 1965 erhielt er den Nobelpreis f\u00fcr Physik. Er war auch als Tresorknacker, Nachtclubgast, Zeichner, Bongospieler und Kenner der Maya-Kultur bekannt. Weithin bekannt wurde er kurz vor seinem Tod w\u00e4hrend der \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rungen nach dem Ungl\u00fcck der Raumf\u00e4hre Challenger. Nicht zuletzt war er als Didaktiker ber\u00fchmt.<\/p>\n<p>&#8218;Wissenschaftliche Gesichtspunkte enden in Fr\u00f6mmigkeit und Mysterium, verlieren sich in Unsicherheit, sie scheinen aber so tief und beeindruckend zu sein, dass die Theorie, dass alles arrangiert wurde als B\u00fchne worauf Gott den Kampf um das Gute und B\u00f6se im Menschen anschauen kann, ziemlich unzureichend ist.&#8216;<\/p>\n<p><a class=\"IMAGE\" title=\"Glaube\" href=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/images\/Raimundus_Lullus.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Raimundus_Lullus_SMALL.jpg\" alt=\"Glaube\" \/><\/a><br \/>\n<span class=\"P\">Raimundus Lullus<\/span><em><strong>Glaube Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Weise m\u00fcsste man sich jedesmal, wenn man meint, dass man von irgendetwas \u00fcberzeugt ist, mit Hilfe dieses &#8218;zweiten sapiens&#8216; fragen: Beruht diese \u00dcberzeugung auf wirklicher Einsicht in das Ph\u00e4nomen, oder beruht sie doch auf dem, was wir &#8218;Glauben&#8216; nennen. Nat\u00fcrlich hat jeder das Recht, bestimmte Dinge zu haben, an die er glaubt, aber wir m\u00fcssten Selbsterkenntnis entwickeln, damit wir den Unterschied zwischen dem Annehmen von Tatsachen durch Einsicht in das Ph\u00e4nomen oder aber durch einen Glauben sehen k\u00f6nnen. Es gibt nun einmal Dinge, die nicht mit Sicherheit gewusst werden k\u00f6nnen. Es gibt auch viele Dinge, die wir sehr wohl sicher wissen. In einem solchen Fall haben wir gleichsam einen Glauben, der auf einem sicheren Wissen beruht. 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