{"id":7310,"date":"2015-01-21T00:00:00","date_gmt":"2015-01-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/das-boese-und-die-alte-suendenlehre-bei-dante\/"},"modified":"2025-04-22T13:42:05","modified_gmt":"2025-04-22T11:42:05","slug":"das-boese-und-die-alte-suendenlehre-bei-dante","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/das-boese-und-die-alte-suendenlehre-bei-dante\/","title":{"rendered":"Das B\u00f6se und die alte S\u00fcndenlehre bei Dante"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Die Selbsterkenntnis nimmt wunderbare Gestalten an, wenn wir uns in die  alte S\u00fcndenlehre vertiefen. Sie kommt in Dantes Divina Commedia (13.  Jahrhundert) in bildhafter Weise in Erscheinung. Dante hat, gef\u00fchrt vom  Dichter Vergilius, zuerst die H\u00f6lle durchschritten. Dann ersteigt er den  L\u00e4uterungsberg, wo die Menschen ihre S\u00fcnden b\u00fcssen m\u00fcssen,\u00a0 bevor sie  in das himmlische Paradies entlassen werden k\u00f6nnen. Hier, im Purgatorio,  finden wir die sieben Haupts\u00fcnden abgebildet.  Im 17. Gesang im  Fegefeuer empf\u00e4ngt Dante von Vergil die Lehre \u00fcber die Wurzel von Tugend  und S\u00fcnde. Das Wunderbare dieser Lehre ist, dass sowohl die Tugend wie  auch die S\u00fcnde auf die Liebe zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/8210de01e48ca6a0b877b95182b3f832.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>Die Selbsterkenntnis nimmt wunderbare Gestalten an, wenn wir uns in die alte S\u00fcndenlehre vertiefen. Sie kommt in Dantes Divina Commedia (13. Jahrhundert) in bildhafter Weise in Erscheinung. Dante hat, gef\u00fchrt vom Dichter Vergilius, zuerst die H\u00f6lle durchschritten. Dann ersteigt er den L\u00e4uterungsberg, wo die Menschen ihre S\u00fcnden b\u00fcssen m\u00fcssen,\u00a0 bevor sie in das himmlische Paradies entlassen werden k\u00f6nnen. Hier, im Purgatorio, finden wir die sieben Haupts\u00fcnden abgebildet.<\/p>\n<p>Im 17. Gesang im Fegefeuer empf\u00e4ngt Dante von Vergil die Lehre \u00fcber die Wurzel von Tugend und S\u00fcnde. Das Wunderbare dieser Lehre ist, dass sowohl die Tugend wie auch die S\u00fcnde auf die Liebe zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>&#8218;Weder der Sch\u00f6pfer, noch die Sch\u00f6pfung waren je ohne Liebe: sei es nat\u00fcrliche, sei es geistige Liebe. Die nat\u00fcrliche Liebe irrt nie, die geistige jedoch kann in drei Weisen irren: indem sie sich auf das B\u00f6se richtet oder indem sie zu viel oder zu wenig Kraft entfaltet. So lange sie sich auf das h\u00f6chste Gute richtet und in den irdischen G\u00fctern das richtige Mass h\u00e4lt, kann sie nie Ursache eines s\u00fcndigen Genusses sein. Aber wenn sie sich zum B\u00f6sen wendet oder mit mehr oder weniger Eifer, als richtig ist, das Gute sucht, s\u00fcndigt das Gesch\u00f6pf, da es sich gegen seinen Sch\u00f6pfer wendet. Hieraus geht hervor, dass die Liebe notwendig der Samen jeder Tugend wie auch jeder S\u00fcnde sein muss.&#8216;<\/p>\n<p>Nun kommt, weil Liebe nun und nimmermehr<br \/>\nDas eigne Heil mag aus dem Auge lassen,<br \/>\nSich selbst zu hassen, keiner in Gefahr.<br \/>\nUnd weil f\u00fcr sich kein Ding sich l\u00e4sst erfassen,<br \/>\nGetrennt von dem, der aller Ursprung ist,<br \/>\nIst auch kein Herz imstande, Ihn zu hassen.1<\/p>\n<p>Die nat\u00fcrliche Liebe kann nicht irren, da sie sich an die nat\u00fcrlichen Gesetze halten muss. Die anorganische Natur sucht von selbst den richtigen Ort: das Schwere f\u00e4llt hinunter, das Leichte (zum Beispiel das Feuer) steigt auf. Die organische Natur folgt im Pflanzenreich den Gesetzen des Wachsens und Welkens; im Tierreich folgt sie den Instinkten.<\/p>\n<p>In der geistigen Liebe jedoch waltet die Freiheit. Da also liegt die M\u00f6glichkeit, mit der Liebe zu irren.<\/p>\n<p>Der Mensch kann wie gesagt nicht sich selbst hassen, insoweit er derjenige ist, der Liebe ausstrahlt. Deshalb kann er nicht in sich selbst lieben, dass es ihm schlecht geht, sondern nur im Mitmenschen. Drei Abirrungen gibt es hier:<br \/>\nErstens kann es sein, dass der Mensch sich auszeichnen will durch Erniedrigung seines N\u00e4chsten. Solche Menschen sehnen sich nach dem Sturz des Mitmenschen. Diese S\u00fcnde wird Superbia genannt, der Stolz.<br \/>\nZweitens gibt es Menschen, die nicht ertragen k\u00f6nnen, dass es dem N\u00e4chsten gut geht; sie bef\u00fcrchten die Erh\u00f6hung der Macht des Anderen und w\u00fcnschen das Gegenteil. Das ist Invidia, der Neid.<br \/>\nDrittens gibt es die Rachs\u00fcchtigen, die so sehr beleidigt sind durch ein erlittenes Unrecht, dass sie\u00a0 dem N\u00e4chsten gewaltsam \u00fcbel wollen. Diese S\u00fcnde ist Ira, der Zorn.<br \/>\nDiese drei S\u00fcnden beruhen also auf Liebe zum \u00dcbel beim N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>(Auszug aus einem Aufsatz von mir f\u00fcr die schweizerische Zeitschrift &#8218;Gegenwart&#8216; in 2010).<\/p>\n<p>Dante begegnet sieben Haupts\u00fcnden auf dem L\u00e4uterungsberg. Die \u00fcbrigen vier werde ich das n\u00e4chste Mal beschreiben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Domenico_di_Michelino.jpg\" alt=\"Das B\u00f6se und die alte S\u00fcndenlehre bei Dante\" \/><br \/>\n<span class=\"P\">Dante und sein Gedicht. Fresko von Domenico di Michelino in Santa Maria del Fiore (1465).<\/span><em><strong>Das B\u00f6se und die alte S\u00fcndenlehre bei Dante Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Selbsterkenntnis nimmt wunderbare Gestalten an, wenn wir uns in die alte S\u00fcndenlehre vertiefen. Sie kommt in Dantes Divina Commedia (13. Jahrhundert) in bildhafter Weise in Erscheinung. Dante hat, gef\u00fchrt vom Dichter Vergilius, zuerst die H\u00f6lle durchschritten. Dann ersteigt er den L\u00e4uterungsberg, wo die Menschen ihre S\u00fcnden b\u00fcssen m\u00fcssen,\u00a0 bevor sie in das himmlische Paradies entlassen werden k\u00f6nnen. Hier, im Purgatorio, finden wir die sieben Haupts\u00fcnden abgebildet.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4865,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7310","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7310"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8163,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7310\/revisions\/8163"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}