{"id":7338,"date":"2017-08-23T00:00:00","date_gmt":"2017-08-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/die-substanz-des-denkens\/"},"modified":"2025-04-11T12:50:36","modified_gmt":"2025-04-11T10:50:36","slug":"die-substanz-des-denkens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/die-substanz-des-denkens\/","title":{"rendered":"Die Substanz des Denkens"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\"><\/span>Als Grundlage der Geisteswissenschaft sollten wir zur Substanz des Denkens kommen. Die t\u00e4glichen Gedanken, auch die wissenschaftlichen Gedanken, sind nur Bilder - wahr oder nicht, richtig oder falsch. Dies ist das Merkmal des intellektuellen Denkens. Wir brauchen diesen Begriff \u201eDenken\u201c nicht weiter zu unterscheiden. Jeder Gedanke ist ein Bild, und es hat kein Sein. Deshalb ist l\u00fcgen so leicht, weil die L\u00fcgen nicht zu sein scheinen. Man kann denken und sagen, was passt, was uns gut gef\u00e4llt. Das Denken hat keine Substanz, keine \u201aMaterie\u2018, es erzeugt Bilder.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/6fd50dc038c79cafc65163b197662c28.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nAls Grundlage der Geisteswissenschaft sollten wir zur Substanz des Denkens kommen. Die t\u00e4glichen Gedanken, auch die wissenschaftlichen Gedanken, sind nur Bilder &#8211; wahr oder nicht, richtig oder falsch. Dies ist das Merkmal des intellektuellen Denkens. Wir brauchen diesen Begriff \u201eDenken\u201c nicht weiter zu unterscheiden. Jeder Gedanke ist ein Bild, und es hat kein Sein. Deshalb ist l\u00fcgen so leicht, weil die L\u00fcgen nicht zu sein scheinen. Man kann denken und sagen, was passt, was uns gut gef\u00e4llt. Das Denken hat keine Substanz, keine \u201aMaterie\u2018, es erzeugt Bilder.<\/p>\n<p>Wir haben gesehen, dass dieser Mangel an Substanz mit einem Mangel an Willenskraft im Denken zu tun hat. Sogar das intensive und schwierige Denken in der Wissenschaft gibt nur ein winzig bisschen Willen in unseren Gedanken. Sie treiben weg wie Wolken in der Luft. Gedanken, in ihrer besten Form &#8211; in der Wissenschaft &#8211; sind Bilder von Form, von Idee und sie sind gegens\u00e4tzlich zur Substanz, zur Materie. Drau\u00dfen sind die materiellen Dinge; nach innen, in meinen Gedanken, gibt es nur Form. Selbst wenn ich alles was in der Welt ist verstehen k\u00f6nnte, wenn ich das ganze Reich der Form gefunden h\u00e4tte, w\u00fcrde ich etwas vermissen: die Materie. Dies ist die aristotelische Position. Aristoteles konnte keine Br\u00fccke zwischen Form und Materie finden. Er verweist auf diese Br\u00fccke in seinen Schriften \u00fcber Gott, \u00fcber den unbewegten Beweger, \u00fcber die Aktualit\u00e4t. Aber dieser Punkt wurde nicht selbst Substanz.<\/p>\n<p>Und so hatte die Geschichte der Menschheit sich durch viele M\u00f6glichkeiten des Denkens hindurch zu arbeiten, um schlie\u00dflich einen jungen Mann erscheinen zu sehen, in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts, der die L\u00f6sung gefunden hat, eine L\u00f6sung, die nicht mehr ein Bild ist, sondern ein Weltenwunder, ein gro\u00dfer Schritt in der Entwicklung hin zu wahrer Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat die gro\u00dfe Welt dies nicht gesehen, und wo es gesehen wird, wird es stark bek\u00e4mpft. Nur wenige Menschen haben es verstanden, und noch weniger haben die Herausforderung angenommen. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, das zu \u00e4ndern &#8230;<\/p>\n<p>Der junge Mann, Rudolf Steiner, stellte fest, dass Fichte in seiner Philosophie das fehlende Glied gefunden hatte. Er beschrieb das menschliche Ich. Und er sah, dass das Ich durch seinen eigenen Willen aktiv werden kann. Aber er hat nicht klar beschrieben, welche Art von Aktivit\u00e4t das Ich &#8218;wollen&#8216; kann. Steiner hat die Antwort gefunden: Das Ich bringt das Denken in Erscheinung, es setzt das Denken. Es werden nicht die assoziativen Gedanken gemeint, die kommen und gehen, sondern das wahre Denken, womit wir Wissen erlangen. Die \u201aNatur\u2018 des Ich ist das Hervorbringen der Gedanken und Ideen, der Begriffe. So kann also Steiner schreiben:<br \/>\n&#8218;Der Umstand, da\u00df das Ich durch Freiheit sich in T\u00e4tigkeit versetzen kann, macht es ihm m\u00f6glich, aus sich heraus durch Selbstbestimmung die Kategorie des Erkennens zu realisieren, w\u00e4hrend in der \u00fcbrigen Welt die Kategorien sich durch objektive Notwendigkeit mit dem ihnen kor-respondierenden Gegebenen verkn\u00fcpft erweisen. Das Wesen der freien Selbstbestimmung zu untersuchen, wird die Aufgabe einer auf unsere Erkenntnistheorie gest\u00fctzten Ethik und Metaphysik sein. Diese werden auch die Frage zu er\u00f6rtern haben, ob das Ich auch noch andere Ideen au\u00dfer der Erkenntnis zu realisieren vermag. Da\u00df die Realisierung des Erkennens durch Freiheit geschieht, geht aber aus den oben gemachten Anmerkungen bereits klar hervor. Denn wenn das unmittelbar Gegebene und die dazugeh\u00f6rige Form des Denkens durch das Ich im Erkenntnisproze\u00df vereinigt werden, so kann die Vereinigung der sonst immer getrennt im Bewu\u00dftsein verbleibenden zwei Elemente der Wirklichkeit nur durch einen Akt der Freiheit geschehen.&#8216; (GA3)<\/p>\n<p>Aber das war nicht alles. Diese Art von Gedanken-Entfaltung durch Freiheit kann immer noch nur Formen und nicht Substanz bilden. Aber Fichte war der Philosoph, der das R\u00e4tsel der Form und der Materie l\u00f6sen konnte. Das Ich ist nicht nur Form, denn es ist etwas Reales &#8211; obwohl die moderne Philosophie dies bek\u00e4mpft und es im Rahmen von \u201enur ein Bild\u201c sieht. Wir brauchen gar nicht zu glauben, dass das Ich von Anfang an etwas Reales ist, wir k\u00f6nnen den Begriff des Ich formen. Aber daf\u00fcr muss das Ich stark sein, viel st\u00e4rker als es nat\u00fcrlich ist. Und durch dieses St\u00e4rker-Werden, wird es ein wesentlicher Gedanke, die erste Form, die seine Substanz, seine Materie erzeugt. Das ist nicht mehr eine Theorie, es kann beobachtet werden. Und diese Beobachtung geht weiter als alle anderen Beobachtungen in unserem Leben. Ich k\u00f6nnte ein Loblied hierauf singen. Und vielleicht sollte ich es auch mal tun, und die Segnungen, die Gnade des Findens des realen Ich, das seine Form findet und sich selbst als Materie hervorbringt n\u00e4chste Woche hier beschreiben.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/bfb52e51a0846c554f71e1b19d994f58.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" width=\"200\" height=\"330\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Die Substanz des Denkens Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Grundlage der Geisteswissenschaft sollten wir zur Substanz des Denkens kommen. Die t\u00e4glichen Gedanken, auch die wissenschaftlichen Gedanken, sind nur Bilder &#8211; wahr oder nicht, richtig oder falsch. Dies ist das Merkmal des intellektuellen Denkens. Wir brauchen diesen Begriff \u201eDenken\u201c nicht weiter zu unterscheiden. Jeder Gedanke ist ein Bild, und es hat kein Sein. Deshalb ist l\u00fcgen so leicht, weil die L\u00fcgen nicht zu sein scheinen. Man kann denken und sagen, was passt, was uns gut gef\u00e4llt. Das Denken hat keine Substanz, keine \u201aMaterie\u2018, es erzeugt Bilder.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4441,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7338"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7338\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7962,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7338\/revisions\/7962"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}