{"id":7355,"date":"2017-01-25T00:00:00","date_gmt":"2017-01-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/augustinus-und-der-manichaeismus-iii\/"},"modified":"2025-04-14T11:16:55","modified_gmt":"2025-04-14T09:16:55","slug":"augustinus-und-der-manichaeismus-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/augustinus-und-der-manichaeismus-iii\/","title":{"rendered":"Augustinus und der Manich\u00e4ismus III"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>'Dann sehen wir, wie gleichsam mit dem allm\u00e4hlichen Abfluten ab\u00adnimmt die hellseherische Erkenntnis, wie selbst f\u00fcr diejenigen, die noch hellseherische Erkenntnis im alten Stile haben, ein Abfluten der hellseherischen F\u00e4higkeiten eintritt, und wie mit diesem Abfluten auch die M\u00f6glichkeit aufh\u00f6rt, den Christus ganz in seiner wahren Wesenheit zu erkennen. Man erkennt ihn in seiner wahren Wesenheit, wenn man ihn nicht nur in seinem irdischen Wirken, sondern in sei\u00adner ganzen himmlischen Glorie erkennt.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/127fbf5887391d4c17cc4048e9138428.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nAus Rudolf Steiner, &#8218;Okkultes Lesen und okkultes H\u00f6ren&#8216;:<\/p>\n<p>&#8218;Dann sehen wir, wie gleichsam mit dem allm\u00e4hlichen Abfluten ab\u00adnimmt die hellseherische Erkenntnis, wie selbst f\u00fcr diejenigen, die noch hellseherische Erkenntnis im alten Stile haben, ein Abfluten der hellseherischen F\u00e4higkeiten eintritt, und wie mit diesem Abfluten auch die M\u00f6glichkeit aufh\u00f6rt, den Christus ganz in seiner wahren Wesenheit zu erkennen. Man erkennt ihn in seiner wahren Wesenheit, wenn man ihn nicht nur in seinem irdischen Wirken, sondern in sei\u00adner ganzen himmlischen Glorie erkennt.<\/p>\n<p>Immer mehr schwand aber die M\u00f6glichkeit, Christus neben dem irdischen Dasein in seiner Himmelsglorie zu sehen. Wir sehen, da\u00df sie schon abgeschw\u00e4cht erscheint, trotz der hehren Gr\u00f6\u00dfe der Lehre, in dem Begr\u00fcnder des Manich\u00e4ismus. Mani weist auf den Jesus hin, aber es ist nicht ein solcher Hinweis, wie er beim naiven, primitiven, gl\u00e4ubigen Gem\u00fcte angebracht ist. Weil in diesem Geiste, der das Manich\u00e4ertum begr\u00fcndete, noch altes Heilsehen war, ist das aber auch noch nicht darinnen, was wie ein Gegensatz werden kann in bezug auf die Auffassung des Christentums. Der Christus Jesus ist f\u00fcr den Mani ein Wesen, das nicht irdische Leiblichkeit angenommen hat, sondern das in einem Scheinleibe, gleichsam in einem \u00e4therischen Leibe auf der Erde gelebt hat. Es findet ein Ringen mit dem Begreifen der Christus-Erscheinung statt. Warum findet dieses statt? Man findet das Ringen, hinaufzuschauen, gleichsam zu sehen, wie das Wesen des Christus herunterstieg, man hatte aber noch nicht die M\u00f6glichkeit, einzusehen, wie das herabsteigende Wesen wirklich im menschlichen Leibe Wohnung nimmt. Ein Ringen der Seele war erst notwendig, bevor dieses volle Verst\u00e4ndnis m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Wir sehen auch die Lehre der Manich\u00e4er sich ausbreiten von Osten nach Westen, eine Lehre, welche auf der einen Seite noch hinblickt zu dem g\u00f6ttlichen Geiste, der herniedersteigt, hinblickt auf alles dasjenige, was die alte Weltanschauung hatte: das Durchdrungensein der Welt nicht nur mit dem physischen Wesen, das sich dem menschlichen Sinnesdasein bietet, sondern auch mit dem Wesen, das mit dem Ster\u00adnenweben durch das Weltenall zieht. Andererseits durchdrang das Zusammenketten des menschlichen Schicksals, des menschlichen Le\u00adbens mit diesem kosmischen Leben die Seele des Manich\u00e4ers. Tief wurzelte sich in ihm ein die Frage: Wie ist vereinbar das B\u00f6se, das im Menschenleben waltet, mit der Wirkung des guten Gottes? Tief, tief hineingeschaut in das R\u00e4tsel des B\u00f6sen hat das Manich\u00e4ertum. Aber dieses R\u00e4tsel des B\u00f6sen kann uns doch nur in seiner Tiefe vor das Seelenauge treten, wenn wir es im Zusammenhange mit dem Mysterium von Golgatha aufzufassen in der Lage sind, wenn wir das Mysterium von Golgatha durchdringen mit dem R\u00e4tsel des B\u00f6sen, wie es auch der Manich\u00e4ismus erstrebte.<\/p>\n<p>Und wahrhaftig, gerade diejenigen, welche am tiefsten und inten\u00adsivsten berufen waren, ihre Seelen hinzugeben an das Verst\u00e4ndnis des Mysteriums von Golgatha, sie haben gerungen mit dem, was noch hereinleuchtet in die neueren Zeiten von den \u00dcberresten der alten hellseherischen Erkenntnis. Wir brauchen nur zu denken an einen gro\u00dfen Lehrer des Abendlandes, den heiligen Augustinus. Bevor er sich durchgerungen hatte zu der Erkenntnis des paulinischen Christen\u00adtums, war er hingegeben an die Lehre der Manich\u00e4er. Einen gr\u00f6\u00dferen Eindruck machte es ihm noch, wenn er vernehmen konnte, da\u00df her\u00aduntergestiegen war das g\u00f6ttliche Mittlerwesen aus g\u00f6ttlich-geistigen Sph\u00e4ren von \u00c4on zu \u00c4on. Dieses geistige Schauen \u00fcberleuchtet auch f\u00fcr Augustinus in den ersten Zeiten seines Ringens noch die Erkennt\u00adnis, wie in einem fleischlichen Leibe der Christus auf der Erde Woh\u00adnung genommen hat, und wie sich mit ihm das R\u00e4tsel des B\u00f6sen l\u00f6st. Ergreifend ist es, zu schauen, wie Augustinus mit Faustus, dem be\u00adr\u00fchmten Bischof der Manich\u00e4er, Zwiesprache h\u00e4lt und nur dadurch, da\u00df dieser Bischof nicht den n\u00f6tigen Eindruck auf ihn machen kann, sich wegwendet von dem Manich\u00e4ertum und sich dann zu dem pauli\u00adnischen Christentum hinwendet.&#8216;<\/p>\n<p>In seinem Buch ,Contra Faustum\u2019 schreibt Augustinus wie folgt, und wir k\u00f6nnen deutlich erleben, was Rudolf Steiner meinte:<br \/>\n&#8218;Faustus wendet sich gegen die Inkarnation Gottes aufgrund der verschiedenen Wiedergabe der Evangelisten und weil diese Inkarnation f\u00fcr die Gottheit ungeeignet sei. Augustinus versucht die kritischen und theologischen Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden.<br \/>\n1. Faustus sagt: Glaube ich an die Inkarnation? Was mich betrifft, ist dies dasjenige, wovon ich mich lange Zeit zu \u00fcberzeugen versuchte, n\u00e4mlich dass Gott geboren war; aber die Diskrepanz in der Genealogie von Lukas und Matth\u00e4us verwunderte mich, und ich wusste nicht, welcher ich folgen sollte. Denn ich dachte, dass es geschehen k\u00f6nnte, dass ich, da ich ja nicht allwissend bin, die wahre f\u00fcr die falsche und die falsche f\u00fcr die wahre halten k\u00f6nnte. Verzweifelt, diese Frage nicht l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, nahm ich Markus und Johannes, ebenfalls zwei Autorit\u00e4ten und zugleich Evangelisten. Ich fand den Beginn von Markus und Johannes gut, denn sie sagen nichts \u00fcber David oder Maria oder Josef. Johannes sagt: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott, und er meint Christus. Markus sagt: Das Evangelium von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, als ob er Matth\u00e4us korrigieren will, der ihn den Sohn Davids nennt. Vielleicht ist jedoch der Jesus von Matth\u00e4us ein anderer als der Jesus von Markus. Darum glaube ich nicht an die Geburt von Christus.<\/p>\n<p>Man l\u00f6se diese Schwierigkeiten, wenn man kann, indem man die Erz\u00e4hlungen harmonisiert, und ich bin bereit, nachzugeben. Wie auch immer ist es kaum m\u00f6glich, zu glauben, dass Gott, der Gott der Christen, in der Geb\u00e4rmutter empfangen wurde.<\/p>\n<p>2. Augustinus antwortete: Wenn du das Evangelium sorgf\u00e4ltig gelesen und fragen \u00fcber die Stellen, wo du Widerspruch fandest, gestellt h\u00e4ttest, statt sie \u00fcbereilt zu verurteilen, dann h\u00e4ttest du gesehen, dass das Anerkennen der Autorit\u00e4t der Evangelisten durch so viele gelehrte Menschen auf der ganzen Welt, trotz dieser Diskrepanz, beweist, dass mehr darin liegt, als es auf den ersten Blick scheint. Jeder kann genau wie du sehen, dass die Vorfahren von Christus bei Matth\u00e4us und Lukas verschiedene sind; weil Josef in beiden erscheint, am Ende von Matth\u00e4us und am Anfang von Lukas. Josef, das ist deutlich, kann der Vater von Christus genannt werden, weil er in gewissem Sinne der Mann der Mutter von Christus ist; und so erscheint sein Name als der m\u00e4nnliche Repr\u00e4sentant am Anfang oder Ende der Genealogie. Jeder kann wie du sehen, dass Josef bei Matth\u00e4us den einen Vater und bei Lukas den anderen hat, und so ist es auch mit dem Gro\u00dfvater und mit allen anderen bis zu David. Haben alle f\u00e4higen und gelehrten M\u00e4nner, sichere auch lateinische Schreiber, aber unz\u00e4hlige Griechen, die die Heilige Schrift and\u00e4chtig studiert haben, \u00fcber diesen deutlichen Unterschied hinweggesehen? Nat\u00fcrlich haben sie ihn gesehen. Niemand kann verhindern, dass er es sieht. Aber mit Blick auf die hohe Autorit\u00e4t der Schrift glaubten sie, dass hier denen etwas gegeben werden sollte, die fragten, und denen verweigert, die sich \u00e4rgern; dass hier etwas gefunden werden w\u00fcrde von denen, die suchen, und weggenommen von denen, die kritisch sind; ge\u00f6ffnet werden w\u00fcrde denen die anklopfen und geschlossen vor denen, die widersprechen. Sie fragten, suchten und klopften; sie empfingen, fanden und gingen hinein.<br \/>\n&#8230;&#8216;<br \/>\nHierk \u00f6nnen wir sehen, wie Faustus, der Bischof de Manich\u00e4er, nicht mehr imstande ist, die tiefen Einsichten von Mani zu vertreten, und wie Augustinus mit einer verschwindenden Hellsichtigkeit mit der Frage nach der Inkarnation von Christus zu ringen beginnt. Er gibt eine Lektion in der Art und Weise, wie man mit Widerspr\u00fcchen umgehen muss, wenn man sie nicht verstehen kann. in der Anthroposophie finden wir die L\u00f6sung des R\u00e4tsels der Inkarnation von Christus bis in den Leib \u2013 und m\u00fcssen dann beiden hier in gewisser Weise Recht geben!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog142.jpg\" alt=\"Augustinus und der Manich\u00e4ismus III\" width=\"350\" \/><br \/>\nAurelius Augustinus<em><strong>Augustinus und der Manich\u00e4ismus III Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8218;Dann sehen wir, wie gleichsam mit dem allm\u00e4hlichen Abfluten ab\u00adnimmt die hellseherische Erkenntnis, wie selbst f\u00fcr diejenigen, die noch hellseherische Erkenntnis im alten Stile haben, ein Abfluten der hellseherischen F\u00e4higkeiten eintritt, und wie mit diesem Abfluten auch die M\u00f6glichkeit aufh\u00f6rt, den Christus ganz in seiner wahren Wesenheit zu erkennen. 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