{"id":7387,"date":"2014-08-27T00:00:00","date_gmt":"2014-08-26T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/intellektuelle-bescheidenheit\/"},"modified":"2025-04-22T14:35:06","modified_gmt":"2025-04-22T12:35:06","slug":"intellektuelle-bescheidenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/intellektuelle-bescheidenheit\/","title":{"rendered":"Intellektuelle Bescheidenheit"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2> 'Ich bin unwissend geboren worden und habe nur eine kurze Zeit gehabt, um hier und da etwas daran zu \u00e4ndern.'  (Richard Feynman)  Man  kann sich vorstellen, dass ein Wissenschaftler wie Richard Feynman  diese Bescheidenheit bez\u00fcglich der menschlcihen M\u00f6glichkeiten, etwas zu  wissen, entwickelt hat, weil er ehrlich erfahren hat, wie wenig sein  Wissen w\u00e4hrend eines ganzen Lebens zugenommen hat. Bei ihm haben die  Ehrfurcht und das Mysterium, die er in Bezug auf die Gro\u00dfartigkeit der  Natur immer mehr empfand, nicht zu einem Glauben an Gott gef\u00fchrt. Im  Gegenteil, es machte ihm diesen Glauben sehr schwer oder sogar  unm\u00f6glich. Man kann das sehr gut verstehen. Das Sammeln von Wissen in  der Physik macht die Kluft zwischen dem menschlichen Verm\u00f6gen zu  verstehen und der wirklichen Struktur der Natur tiefer und breiter,  statt eine Br\u00fccke zu schlagen.   Andere Wissenschaftler, die diese  Ehrfurcht und dieses Mysterium<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/bc41da8bed86d184162b9bb451188fe0.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\n<em>&#8218;Ich bin unwissend geboren worden und habe nur eine kurze Zeit gehabt, um hier und da etwas daran zu \u00e4ndern.&#8216;<\/em> (Richard Feynman)<\/p>\n<p>Man kann sich vorstellen, dass ein Wissenschaftler wie Richard Feynman diese <strong><em>Bescheidenheit<\/em><\/strong> bez\u00fcglich der menschlcihen M\u00f6glichkeiten, etwas zu wissen, entwickelt hat, weil er ehrlich erfahren hat, wie wenig sein Wissen w\u00e4hrend eines ganzen Lebens zugenommen hat. Bei ihm haben die Ehrfurcht und das Mysterium, die er in Bezug auf die Gro\u00dfartigkeit der Natur immer mehr empfand, nicht zu einem Glauben an Gott gef\u00fchrt. Im Gegenteil, es machte ihm diesen Glauben sehr schwer oder sogar unm\u00f6glich. Man kann das sehr gut verstehen. Das Sammeln von Wissen in der Physik macht die Kluft zwischen dem menschlichen Verm\u00f6gen zu verstehen und der wirklichen Struktur der Natur tiefer und breiter, statt eine Br\u00fccke zu schlagen.<\/p>\n<p>Andere Wissenschaftler, die diese Ehrfurcht und dieses Mysterium auch erfahren haben, haben jedoch einen anderen Weg gew\u00e4hlt (z.B. Fritjof Capra, der das bekannte Buch &#8218;Das Tao der Physik&#8216; schrieb). Sie empfanden gerade mehr und mehr, dass die Natur ein Beispiel des Denkens Gottes sein m\u00fcsse, gerade wegen dieser ehrfurchterweckenden Kompliziertheit.<\/p>\n<p>Der Arzt kann ein solches Bewusstsein auch haben. Konfrontiert mit dem Mysterium des menschlichen lebenden Leibes empfindet er sein Unverm\u00f6gen, Wissen \u00fcber diesen lebenden Leib zu erwerben. Die Wissenschaft gibt einige Informationen in Bezug auf den toten K\u00f6rper und auf Momente im Leben, wie z.B. Laborwerte, R\u00f6ntgen-Untersuchungen und die Scans, die Momentaufnahmen sind. Der Arzt jedoch sehnt sich nach Informationen \u00fcber das Dynamische, \u00fcber das Leben der physischen Prozesse. Die wissenschaftlichen Resultate erwecken die Ehrfurcht und das Mysterium in Bezug auf den menschlichen Leib, und der Arzt sagt: Es ist ein so wunderbar gebauter Organismus, dass ich nicht mehr an die simple Vorstellung von Gott glauben kann! Oder er kann sagen: Dieses Mysterium ist es gerade, wodurch ich den Glauben an Gott gefunden habe!<\/p>\n<p>Wie man hier\u00fcber auch denkt und f\u00fchlt, man kommt an eine Grenze des Wissens. Man erf\u00e4hrt, wie wenig der Mensch wirklich wissen kann und wie es Grenzen f\u00fcr unsere M\u00f6glichkeiten, Wissen zu erwerben, zu geben scheint. Genau hier finden wir den Punkt, der uns dazu bringen m\u00fcsste umzukehren. Wenn man in der Weisheit nicht mehr weiter wachsen kann, wenn das Erleben der Grenzen, die nicht \u00fcberschritten werden k\u00f6nnen, sehr stark wird, dann wird der Mensch zum &#8218;Homo sapiens sapiens&#8216;. Das erste &#8217;sapiens&#8216; hat seine Grenzen gezeigt und das zweite wurde geboren.<br \/>\nIn dem Augenblick, wo man die Grenzen f\u00fchlt, steigt die Frage auf: Was bin ich nun wirklich als menschliches Wesen, was habe ich eigentlich f\u00fcr M\u00f6glichkeiten des Wissens, wie wei\u00df ich in der Wissenschaft? Blicken wir nach au\u00dfen, sehen wir eine objektive Welt, die uns eine Ganzheit voller R\u00e4tsel serviert. Blicke ich dann mit dem inneren Auge auf mich selbst, dann ist das R\u00e4tsel ganz und gar nicht gel\u00f6st. Das R\u00e4tsel, das ich da wahrnehme, erscheint ebenso unaufl\u00f6slich wie die R\u00e4tsel in der Welt.<\/p>\n<p>Aber es gibt einen Punkt, auf den wir im inneren Leben blicken k\u00f6nnen, wo es kein R\u00e4tsel gibt, kein einziges. Und dies ist unser Verm\u00f6gen, R\u00e4tsel aufzugeben und zu l\u00f6sen, Fragen zu stellen und Antworten zu geben. W\u00e4re dieses Verm\u00f6gen auch ein R\u00e4tsel, dann g\u00e4be es keinerlei M\u00f6glichkeit, auch nur irgendetwas zu wissen. In diesem Punkt finden wir schlie\u00dflich das zweite &#8217;sapiens&#8216;, es ist das Bewusstwerden, dass es einen kleinen Punkt im Universum gibt, den wir absolut sicher kennen, und das ist das Verm\u00f6gen, Selbsterkenntnis im Denken zu erwerben.<\/p>\n<p><a class=\"IMAGE\" title=\"Intellektuelle Bescheidenheit\" href=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/images\/Ouroboros.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ouroboros_SMALL.jpg\" alt=\"Intellektuelle Bescheidenheit\" \/><\/a><br \/>\n<span class=\"P\">Der Ouroboros (&#8218;Schwanzverzehrer&#8216;) symbolisiert die Kontinuit\u00e4t des Lebens, die Unsterblichkeit, das Ganze des Daseins und die Ganzheit oder Einheit des Alls. Es ist die Erneuerung des Denkens durch das Denken des Denkens, es ist die Weisheit des Weiseseins, es ist die &#8218;Anschauung des Denkens&#8216;.<\/span><em><strong>Intellektuelle Bescheidenheit Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann sich vorstellen, dass ein Wissenschaftler wie Richard Feynman diese Bescheidenheit bez\u00fcglich der menschlcihen M\u00f6glichkeiten, etwas zu wissen, entwickelt hat, weil er ehrlich erfahren hat, wie wenig sein Wissen w\u00e4hrend eines ganzen Lebens zugenommen hat. Bei ihm haben die Ehrfurcht und das Mysterium, die er in Bezug auf die Gro\u00dfartigkeit der Natur immer mehr empfand, nicht zu einem Glauben an Gott gef\u00fchrt. Im Gegenteil, es machte ihm diesen Glauben sehr schwer oder sogar unm\u00f6glich. Man kann das sehr gut verstehen. Das Sammeln von Wissen in der Physik macht die Kluft zwischen dem menschlichen Verm\u00f6gen zu verstehen und der wirklichen Struktur der Natur tiefer und breiter, statt eine Br\u00fccke zu schlagen.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4903,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7387","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7387"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8190,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7387\/revisions\/8190"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}