{"id":7404,"date":"2020-01-29T00:00:00","date_gmt":"2020-01-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/ernst-und-spiel\/"},"modified":"2025-04-08T16:50:46","modified_gmt":"2025-04-08T14:50:46","slug":"ernst-und-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/ernst-und-spiel\/","title":{"rendered":"Ernst und Spiel"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Aber das Leben auf der Erde ist etwas Leidvolles auch. Das kleine Kind bringt uns zwar den Himmel auf Erden, gibt uns jedoch auch viel zu tun. Es ist ja nicht nur lieb und s\u00fc\u00df, es ist auch weinerlich in unangenehmen Stunden, will unsere Aufmerksamkeit haben, wenn wir endlich mal ruhig sitzen, mag das Essen, das wir gekocht haben nicht, h\u00e4lt uns die ganze Nacht wach, usw\u2026 Und wenn es gr\u00f6\u00dfer wird, steckt es die Finger in die Steckdose, balanciert auf der Treppe, wirft den leeren Becher auf den Boden \u2013 oder sogar den vollen\u2026 Es will, was es nicht darf, und tut nicht, was es soll. Es schreit laut im Supermarkt, setzt sich hin und will nicht mehr mitkommen, macht einen zu Schande f\u00fcr die ganze Welt. Ist das das Engelein, f\u00fcr das wir so viel Respekt haben sollten?<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/45c04eb1ea311218715cf8761888b7ae.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>Aber das Leben auf der Erde ist etwas Leidvolles auch. Das kleine Kind bringt uns zwar den Himmel auf Erden, gibt uns jedoch auch viel zu tun. Es ist ja nicht nur lieb und s\u00fc\u00df, es ist auch weinerlich in unangenehmen Stunden, will unsere Aufmerksamkeit haben, wenn wir endlich mal ruhig sitzen, mag das Essen, das wir gekocht haben nicht, h\u00e4lt uns die ganze Nacht wach, usw\u2026 Und wenn es gr\u00f6\u00dfer wird, steckt es die Finger in die Steckdose, balanciert auf der Treppe, wirft den leeren Becher auf den Boden \u2013 oder sogar den vollen\u2026 Es will, was es nicht darf, und tut nicht, was es soll. Es schreit laut im Supermarkt, setzt sich hin und will nicht mehr mitkommen, macht einen zu Schande f\u00fcr die ganze Welt. Ist das das Engelein, f\u00fcr das wir so viel Respekt haben sollten?<\/p>\n<p>Ein Engel muss sich bereit machen, mit den irdischen Herausforderungen umzugehen. Die Festigkeit, die immer Widerstand leistet, muss erlitten werden, und bei diesem Erleiden wird gek\u00e4mpft, das geht nicht anders. K\u00f6nnten wir die Unannehmlichkeiten in diesem Licht sehen, dann w\u00fcrden wir diesen mit Humor entgegentreten. Aber wir sind so ernst wie die Tiere geworden, die lachen auch nie.<\/p>\n<p>Es gibt ein sch\u00f6nes St\u00fcck Text von Heraklit hier\u00fcber, das ich gerade von Rudolf Steiner umschrieben gelesen habe:<\/p>\n<p>\u2018Es ist die Urschuld des Menschen, wenn er am Verg\u00e4nglichen mit seiner Erkenntnis haftet. Er wendet sich damit vom Ewigen ab. Das Leben wird dadurch seine Gefahr. Was ihm geschieht, geschieht ihm vom Leben. Aber dieses Geschehen verliert seinen Stachel, wenn er das Leben nicht mehr unbedingt wertet. Dann wird ihm seine Unschuld wieder zur\u00fcckgegeben. Es geht ihm, wie wenn er in die Kindheit zur\u00fcckkehren k\u00f6nnte, aus dem sogenannten Ernst des Lebens heraus. Was nimmt der Erwachsene alles ernst, womit das Kind spielt. Der Wissende aber wird wie das Kind. \u00abErnste\u00bb Werte verlieren ihren Wert vom Ewigkeitsstandpunkte aus gesehen. Wie ein Spiel erscheint das Leben dann. \u00abDie Ewigkeit\u00bb, sagt deshalb Heraklit, \u00abist ein spielendes Kind, die Herrschaft eines Kindes.\u00bb Worin liegt die Urschuld? Sie liegt darin, da\u00df mit h\u00f6chstem Ernste genommen wird, woran sich dieser Ernst nicht heften sollte. Gott hat sich in die Welt der Dinge ergossen. Wer die Dinge ohne Gott hinnimmt, nimmt sie als \u00abGr\u00e4ber Gottes\u00bb ernst. Er m\u00fc\u00dfte mit ihnen spielen wie ein Kind, aber seinen Ernst dazu verwenden, um aus ihnen das G\u00f6ttliche zu holen, das in ihnen verzaubert schl\u00e4ft.<br \/>\nBrennend, ja versengend wirkt das Anschauen des Ewigen auf das gew\u00f6hnliche W\u00e4hnen \u00fcber die Dinge. Der Geist l\u00f6st die Gedanken der Sinnlichkeit auf; er bringt sie zum Schmelzen. Er ist ein verzehrendes Feuer.\u2019<\/p>\n<p>(Das Christentum als mystische Tatsache, GA 8, S. 43)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog297.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Ernst und Spiel Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aber das Leben auf der Erde ist etwas Leidvolles auch. Das kleine Kind bringt uns zwar den Himmel auf Erden, gibt uns jedoch auch viel zu tun. Es ist ja nicht nur lieb und s\u00fc\u00df, es ist auch weinerlich in unangenehmen Stunden, will unsere Aufmerksamkeit haben, wenn wir endlich mal ruhig sitzen, mag das Essen, das wir gekocht haben nicht, h\u00e4lt uns die ganze Nacht wach, usw\u2026 Und wenn es gr\u00f6\u00dfer wird, steckt es die Finger in die Steckdose, balanciert auf der Treppe, wirft den leeren Becher auf den Boden \u2013 oder sogar den vollen\u2026 Es will, was es nicht darf, und tut nicht, was es soll. Es schreit laut im Supermarkt, setzt sich hin und will nicht mehr mitkommen, macht einen zu Schande f\u00fcr die ganze Welt. 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