{"id":7410,"date":"2016-06-29T00:00:00","date_gmt":"2016-06-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/ein-buch-lesen\/"},"modified":"2025-04-14T11:53:13","modified_gmt":"2025-04-14T09:53:13","slug":"ein-buch-lesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/ein-buch-lesen\/","title":{"rendered":"Ein Buch lesen"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>B\u00fccher lesen ist eine sehr besondere Besch\u00e4ftigung. Wenn man einen Roman  liest, der interessant ist, dann taucht man unter in die Gedanken und  die Gef\u00fchlswelt eines Anderen, des Autors, der etwas wiederzugeben  versucht von den Personen und Situationen, die beschrieben werden. Wenn  man ein Studienbuch liest, zum Beispiel ein Buch aus der Gesamtausgabe  Rudolf Steiners, dann kann es anf\u00e4nglich etwas m\u00fchsamer sein,  ,hineinzukommen\u2019, aber dann wird man dennoch auch mitgenommen von dem  geweckten Interesse an dem, was da geschrieben steht. Man kann bemerken,  wie dieses Interesse die eigene Art des Lesens vertieft und wie man  allm\u00e4hlich zu einem Erleben des Inhalts kommt, so, wie man bei einem  Roman unmittelbar in das Erleben kommt. Ein Buch hat man in seinen  H\u00e4nden, es ist aus Papier und Karton, es hat eine bestimmte Anzahl von  Seiten, man bl\u00e4ttert diese jedes Mal um \u2013 und schlie\u00dflich hat man es  ausgelesen. Wenn es gut ist<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/2a251a9be54c1c8f0d9890d6af98ee14.jpg\" \/><\/a>\n\n--><\/p>\n<p>B\u00fccher lesen ist eine sehr besondere Besch\u00e4ftigung. Wenn man einen Roman liest, der interessant ist, dann taucht man unter in die Gedanken und die Gef\u00fchlswelt eines Anderen, des Autors, der etwas wiederzugeben versucht von den Personen und Situationen, die beschrieben werden. Wenn man ein Studienbuch liest, zum Beispiel ein Buch aus der Gesamtausgabe Rudolf Steiners, dann kann es anf\u00e4nglich etwas m\u00fchsamer sein, ,hineinzukommen\u2019, aber dann wird man dennoch auch mitgenommen von dem geweckten Interesse an dem, was da geschrieben steht. Man kann bemerken, wie dieses Interesse die eigene Art des Lesens vertieft und wie man allm\u00e4hlich zu einem Erleben des Inhalts kommt, so, wie man bei einem Roman unmittelbar in das Erleben kommt. Ein Buch hat man in seinen H\u00e4nden, es ist aus Papier und Karton, es hat eine bestimmte Anzahl von Seiten, man bl\u00e4ttert diese jedes Mal um \u2013 und schlie\u00dflich hat man es ausgelesen. Wenn es gut ist, ist es schade, dass es zu Ende ist. Wenn es nicht gut ist, dann z\u00e4hlt man die Seiten, die man noch vor sich hat, bis es endlich vorbei ist. Das Buch riecht nach Papier, es f\u00fcgt sich der eigenen Lesearbeit, man kann es lieben oder eine Abneigung dagegen haben. Es ist ein materielles Ding, aber es hat eine die Seele und\/oder den Geist weckende Wirkung, die weit \u00fcber das Ding, \u00fcber das Papier und das Format hinausgeht.<\/p>\n<p>Wir reisen viel, und wir haben immer ein paar Taschen mit B\u00fcchern bei uns, die wir wirklich brauchen. Das ist ziemlich l\u00e4stig, es nimmt viel Platz ein, und es ist schwer zu tragen. Au\u00dferdem kann man nicht alles mitnehmen, und dann fehlen einem doch immer wieder B\u00fccher, die zuhause geblieben sind. Darum ist es wirklich sehr praktisch, dass es eine andere Art gibt, seine B\u00fccher mitzunehmen. Weil es vor allem um die B\u00fccher von Rudolf Steiner geht, haben wir vor Jahren die Gesamtausgabe auf einer externen Festplatte angeschafft, die auf dem Computer ge\u00f6ffnet werden kann. Sp\u00e4ter war dies schon wieder veraltet, weil es im Internet Seiten gibt, wo man die vollst\u00e4ndige Gesamtausgabe ohne Weiteres finden kann, sogar auf seinem Smartphone. Das ist wirklich eine Hilfe, und wenn es um das Aufsuchen von Fakten geht, die man vergessen hat, ist das ausgezeichnet und praktisch. Ich scheue mich nicht, damit umzugehen. Aber gerade dadurch habe ich das Lesen am Bildschirm sehr gut kennengelernt \u2013 und auch den Unterschied zum Lesen in einem Buch. Ich werde versuchen, es in Worte zu fassen. Viele Menschen verneinen den Unterschied, meinen, dass sie sich selbst als Buchleser mitnehmen k\u00f6nnen, wenn sie am Bildschirm lesen. Ich will dem kr\u00e4ftig widersprechen.<\/p>\n<p>Der Computer ist tats\u00e4chlich eine Rechenmaschine, und man denke nur nicht, dass dies nicht wirksam ist, wenn man am Bildschirm liest, auch wenn da Buchstaben und Worte stehen, wie in einem Buch. Es kommt einem etwas anderes entgegen, als wenn man in einem Buch liest, das still und unver\u00e4nderlich in den H\u00e4nden liegt. Von dem Buch kommen ausschlie\u00dflich die Wirkungen, die aus dem gelesenen Text kommen. Von dem Bildschirm kommt einem eine ganze Welt von Technik und Unternatur entgegen. Die Buchstaben und Worte stehen zwar da, aber sie sind Schein, sie sind weiter von uns entfernt, als man denken w\u00fcrde. Es wirkt weiter und h\u00e4lt einen auf Abstand in Bezug auf die Wirkungen des Textes. Man m\u00fcsste jedes Mal wieder Abstand zu dem Apparat gewinnen m\u00fcssen und den Inhalt meditativ n\u00e4her bringen m\u00fcssen, um denselben Effekt zu haben, den man von selbst beim Lesen eines Buches hat. Das ist eine der schleichenden Wirkungen: das Mitdenken von am Bildschirm gelesenen Text wird deutlich abstrakter.<\/p>\n<p>Eine zweite Wirkung liegt im Wecken von Ungeduld. Der Apparat ist eine treibende Kraft, die die eigene innere Ruhe vertreibt. Man wird ungeduldig und gehetzt, und das Lesen von Text, der eine tiefere Andacht erfordert, geht einem viel zu langsam. Man will ein Schnell-Leser werden \u2013 und wird es auch. Aber man liest auch gelangweilt \u00fcber scheinbar unwichtige Zwischenpassagen hinweg, man lernt eine Art ,Diagonallesen\u2019, auch wenn es nicht wirklich eine diagonale Bewegung ist, die man macht. Die Gefahr ist, dass man die Art des Lesens nicht bemerkt: das Gleichgewicht zwischen Wahrnehmung und Denken verschiebt sich in Richtung eines Verlustes von Wahrnehmung und einer Zunahme pers\u00f6nlichen Denkens. Wir lesen mit Interesse dasjenige, was wir schon als Meinung hatten, und mit wachsender Antipathie das, was neu ist. Nur dr\u00fcber hinweglesen, schnell, schnell. Am Bildschirm kann man nicht in den Text untertauchen, man muss dar\u00fcber hinweggehen, und man lebt mehr in der \u00dcbersicht, an der Oberfl\u00e4che. Nochmals, das kann sehr n\u00fctzlich sein, in bestimmten F\u00e4llen. Aber man weckt eine bestimmte Gewohnheit im Lesen, die einen schwer wieder losl\u00e4sst, wenn man wieder ein Buch in die H\u00e4nde nimmt, das nach einer Vertiefung der Andacht fragt. Man wird merken, dass man immer weniger Lust dazu hat, dass man das zu m\u00fchselig findet, dass es zu langsam geht. Das \u00fcbertr\u00e4gt sich auch auf das Zuh\u00f6ren gegen\u00fcber anderen Menschen. Auch das will man in einer \u00dcbersicht haben, es darf nicht lange dauern, man wird gelangweilt, schweift ab, wird ungeduldig.<\/p>\n<p>Ich will gewiss nicht sagen, dass das Lesen am Bildschirm unterlassen werden soll. Es ist sehr n\u00fctzlich, es zu tun \u2013 aber man achte einmal auf die typischen Ver\u00e4nderungen in der Art, wie man sich mit einem Text befasst. Rudolf Steiner beschreibt so etwas f\u00fcr die Schreibmaschine. Er fand ebenfalls nicht, dass der Apparat abgeschafft werden m\u00fcsse, er setzte sich selbst dahinter. Aber er beschreibt, wie er abends imaginativ wahrnahm, wie die tippenden Finger, die Schl\u00e4ge auf die Tasten, wie harte Schl\u00e4ge auf das Herz einwirkten. Auch das ist nicht ein Grund, damit aufzuh\u00f6ren, wohl aber ein Hinweis, dass man andere Ma\u00dfnahmen hinzunehmen muss, um gesund zu bleiben.<\/p>\n<p>In unserer Zeit der Intelligenz-Technik m\u00fcssen wir der Tatsache in die Augen sehen, dass es eine notwendige Entwicklung ist, die hohe Anforderungen an uns stellt und die, wenn wir diesen Anforderungen nicht folgen, einen Anschlag auf unsere h\u00f6chste menschliche M\u00f6glichkeit bedeuten: die Intelligenz. Durch eine \u00dcbergabe der Intelligenz in die H\u00e4nde Ahrimans wird diese abstrakt, kalt und herzlos. Durch ein Verst\u00e4rken der menschlichen Qualit\u00e4t des Denkens wird die Intelligenz konkret, warm und herzverbunden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog112.jpg\" alt=\"Ein Buch lesen\" width=\"350\" \/><br \/>\nDas Buch<em><strong>Ein Buch lesen Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher lesen ist eine sehr besondere Besch\u00e4ftigung. Wenn man einen Roman liest, der interessant ist, dann taucht man unter in die Gedanken und die Gef\u00fchlswelt eines Anderen, des Autors, der etwas wiederzugeben versucht von den Personen und Situationen, die beschrieben werden. Wenn man ein Studienbuch liest, zum Beispiel ein Buch aus der Gesamtausgabe Rudolf Steiners, dann kann es anf\u00e4nglich etwas m\u00fchsamer sein, ,hineinzukommen\u2019, aber dann wird man dennoch auch mitgenommen von dem geweckten Interesse an dem, was da geschrieben steht. Man kann bemerken, wie dieses Interesse die eigene Art des Lesens vertieft und wie man allm\u00e4hlich zu einem Erleben des Inhalts kommt, so, wie man bei einem Roman unmittelbar in das Erleben kommt. Ein Buch hat man in seinen H\u00e4nden, es ist aus Papier und Karton, es hat eine bestimmte Anzahl von Seiten, man bl\u00e4ttert diese jedes Mal um \u2013 und schlie\u00dflich hat man es ausgelesen. Wenn es gut ist, ist es schade, dass es zu Ende ist. Wenn es nicht gut ist, dann z\u00e4hlt man die Seiten, die man noch vor sich hat, bis es endlich vorbei ist. Das Buch riecht nach Papier, es f\u00fcgt sich der eigenen Lesearbeit, man kann es lieben oder eine Abneigung dagegen haben. 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