{"id":7428,"date":"2018-01-31T00:00:00","date_gmt":"2018-01-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/blog\/geistleib-aetherleib-oder-astralleib-ein-philosophischer-versuch-von-immanuel-hermann-fichte\/"},"modified":"2025-04-10T13:05:14","modified_gmt":"2025-04-10T11:05:14","slug":"geistleib-aetherleib-oder-astralleib-ein-philosophischer-versuch-von-immanuel-hermann-fichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/geistleib-aetherleib-oder-astralleib-ein-philosophischer-versuch-von-immanuel-hermann-fichte\/","title":{"rendered":"Geistleib, \u00c4therleib oder Astralleib&#8230; Ein philosophischer Versuch von Immanuel Hermann Fichte"},"content":{"rendered":"<p><!--\n\n\n<h2>Jener Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff, die man im Menschenleibe aufweist, erkl\u00e4ren so wenig die Mitexistenz einer Seele in ihm, so wenig vollends die Eigenschaft eines Vorstellens in letzterer, dass man jeden solchen Erkl\u00e4rungsversuch mit Recht zu den gr\u00f6ssten T\u00e4uschungen eines vergeblichen menschlichen Bem\u00fchens z\u00e4hlen kann.<u><em><a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">YouTube<\/a><\/em><\/u><\/h2>\n\n\n<a title=\"ouTube\" href=\"https:\/\/youtu.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img alt=\"Mieke Mosmuller\" data-src=\"https:\/\/www.miekemosmuller.com\/uploads\/95c20fe1e4bacc21ced15b24375f4bdf.jpg\" \/><\/a>\n\n--><br \/>\nAus &#8218;Anthropologie&#8216;<\/p>\n<p>\u00a7 118<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p>Jener Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff, die man im Menschenleibe aufweist, erkl\u00e4ren so wenig die Mitexistenz einer Seele in ihm, so wenig vollends die Eigenschaft eines Vorstellens in letzterer, dass man jeden solchen Erkl\u00e4rungsversuch mit Recht zu den gr\u00f6ssten T\u00e4uschungen eines vergeblichen menschlichen Bem\u00fchens z\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p>Zudem sind diese chemischen Elemente das unabl\u00e4ssig Wechselnde: sie treten ein in den Assimilationskreis des Leibes und scheiden wieder aus. Ja nach Verlauf eines bestimmten Zeitraums hat dieser \u00e4ussere Leib, dies Product ihrer Zusammensetzung, so vollst\u00e4ndig sich wieder erneuert, dass auch nicht der kleinste Theil dieses alten zur\u00fcckgeblieben, dass ein v\u00f6llig neuer Leib vorhanden ist.<\/p>\n<p>Dennoch bleibt derselbige Leib w\u00e4hrend der ganzen Dauer unsers Zeitlebens, sowohl im \u00e4ussern Typus als nach dem Grundcharakter seiner innern organischen Constitution, ganz der eine und selbige w\u00e4hrend dieser steten Umbildung seiner Stoffe (vgl. \u00a7. 43, wo wir \u00fcberhaupt auf die Wichtigkeit dieser Thatsache aufmerksam machten). In den Stoffelementen daher kann das wahrhaft Beharrende, jenes einende Formprincip des Leibes nicht gefunden werden, welches sich w\u00e4hrend unsers ganzen Lebens wirksam erweist. Ebenso wenig aber auch in der blossen Combination, &#8218;Mischung&#8216; dieser Elemente; denn es w\u00e4re, wie wir gleichfalls a.a.0. zeigten, ein logischer Widerspruch, aus blosser Combination ein Neues entstehen zu lassen, was in keinem einzelnen Bestandtheile dieser Combination f\u00fcr sich vorhanden ist.<\/p>\n<p>\u00a7 119<br \/>\nSo werden wir auf eine zweite, wesentlich andere Ursache im Leibe hingewiesen. Jenes Beharrende und Einende desselben kann nicht im Bereiche seiner Stoffe liegen, es kann \u00fcberhaupt nichts Stoffliches mehr sein; denn es ist ja das absolut \u00dcberm\u00e4chtige gegen sie, indem es ihre Ungleichartigkeit, sie &#8218;assimilierend&#8216;, zur Harmonie der \u00e4ussern K\u00f6rpererscheinung zusammenzwingt und diese Einheit w\u00e4hrend des ganzen Lebens aufrecht erh\u00e4lt. Daher ist es nur als &#8218;Kraft&#8216; zu denken; als Kraft aber ohne Zweifel an einem realen Substrate befestigt, ohne welches gedacht die &#8218;Kraft&#8216; zu einem idealistischen Undinge herabs\u00e4nke. Nur kann dies Substrat nicht gleichfalls ein Stoff, ein einfaches Element sein; sonst w\u00fcrden wir abermals \u00fcber den alten wohlbekannten Umkreis von Widerspr\u00fcchen nicht hinausgelangen. Wie wir dagegen das Wesen dieses Substrats zu bezeichnen haben, wird am besten erhellen, wenn wir die<br \/>\nBeschaffenheit jener Kraft weiter verfolgen.<\/p>\n<p>Dies Einende, das eigentliche &#8218;Band&#8216; des \u00e4ussern Leibes, welches scbon die Alten als &#8218;dynamis&#8216;, als zusammenhaltende Macht desselben gar wohl kannten, ist ebenso in allen seinen Theilen wirksam gegenw\u00e4rtig, wie es zugleich dadurch, als innerlich Verbindendes, die trennende Bedeutung seiner Raumtheile aufhebt. Wir m\u00fcssen ihm jene &#8218;dynamische Gegenwart&#8216; im Leibe beilegen, welche sich als die erste (allgemeinste) Eigenschaft der Seele uns kundgab (\u00a7. 82). Indem es aber zugleich das eigentlich im Stoffwechsel Beharrliche enth\u00e4lt, ist es der wahre, innere, unsichtbare, aber in aller sichtbaren Stofflichkeit gegenw\u00e4rtige Leib. Das Andere, die \u00e4ussere Erscheinung desselben, aus unabl\u00e4ssigem Stoffwechsel gebildet, m\u00f6ge fortan &#8218;K\u00f6rper&#8216; heissen, der, wahrhaft nicht beharrlich und nicht, eins, der blosse Effekt oder das Nachbild jener inneren Leiblichkeit ist, welche ihn in die wechselnde Stoffwelt hineinwirft, gleichwie etwa die magnetische Kraft aus den Theilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten K\u00f6rper bereitet, der aber nach allen Seiten zerst\u00e4ubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.<\/p>\n<p>Auch diese Lehre vom &#8218;innerm&#8216; Leibe, vom &#8218;pneumatischen Organismus&#8216; ist uralt und zu allen Zeiten in den verschiedensten Vorstelllungsweisen ausgebildet worden. In dess hat man sie in der gegenw\u00e4rtigen Wissenschaft mehr gleich einer vielleicht sinnreichen Hypothesen dahingestellt sein lassen, denn als eine streng erwiesene physiologische Thatsache behandelt, zu welcher sie auch erst durch die neuern Forschungen werden konnte. Schon der \u00e4lteste und, wie sich weiter unten zeigen wird, gar nicht widersinnige Volksglaube meinte dies Innerliche, Bleibende im Leibe, wenn er die Menschen als schatten\u00e4hnliche Bilder ihrer Pers\u00f6nlichkeit (eidola, manes, lemures) im Tode fortdauern und zuweilen auch wiedererscheinen liess.<\/p>\n<p>Was Platon halbmythisch von dieser Fortexistenz lehrte, ist bekannt; aber auch Hippokrates erkannte schon im \u00e4ussern Leibe die Gegenwart eines Harmonisierenden (enormon), welches die verschiedenen leiblichen Vorg\u00e4nge beherrscht und ins Ganze leitet. Und bei Aristoteles finden wir schon eine besonnene Erforschung dieses Begriffs. Jede Seele, lehrt er, habe zum unmittelbaren Substrate seiner Wirkung auf den Leib einen Stoff, der ein anderer und vollkommenerer sei als die vier Elemente (aus deren Mischung n\u00e4mlich nach seiner Lehre jeder organische K\u00f6rper zusammengesetzt ist). Er sei der Grund der Lebensw\u00e4rme, wohne im Samen jedes Einzelwesens und sei das Befruchtende desselben; d. h. in ihm liege das Princip der Zeugung wie der Ern\u00e4hrung, welches sonst Aristoteles geradezu als psyche physike zu bezeichnen keinen Anstand nennt. Seinem Ursprung nach aber sei es ein \u00e4therischer Stoff, verwandt dem der Gestirne, der, nach versohiedenen Graden der Reinheit in allen belebten Wesen enthalten, zur h\u00f6chsten Lauterkeit erst im Menschen sich gestaltet. So bildet dies Philosophem wenigstens einen wissenschaftlichen Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr die sp\u00e4tere Lehre vom &#8218;pneumatischen Leibe&#8216; welche sich durch den Neuplatonisnius, die Kabbala und die christliche Mystik<br \/>\nhindurch zu den theosophischen Naturforschern der neuem Epoche fortpflanzte und bis auf die Gegenwart hin ein Ferment f\u00fcr tiefere Forschung blieb.<\/p>\n<p>Dieser Geistleib ist das &#8218;Nephesch&#8216; der Kabbala, der Vermittler des stoffigen Erdleibes mit dem innern geistigen Leben. Paracelsus nennt ihn, sogar aristotelisirend, wenn man will, den &#8217;siderischen&#8216; oder &#8218;Astralleib&#8216; dem irdischen Elementarleib gegen\u00fcber, welchen wir im Tode verlieren, w\u00e4hrend jener das eigentlich Unsterbliche oder unsterblich Machende des Menschen sei. Ja er bezeichnet ihn als den &#8218;Magneten&#8216; des Mikrokosmos um welchen alles im Menschen sich sammelt und<br \/>\nvon welchem alle Wirkungen ausstr\u00f6men.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/miekemosmuller.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Blog195.jpg\" alt=\"Mieke Mosmuller\" width=\"250\" height=\"266\" \/><br \/>\nImmanuel Hermann Fichte<em><strong>Geistleib, \u00c4therleib oder Astralleib&#8230; Ein philosophischer Versuch von Immanuel Hermann Fichte Von Mieke Mosmuller<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jener Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff, die man im Menschenleibe aufweist, erkl\u00e4ren so wenig die Mitexistenz einer Seele in ihm, so wenig vollends die Eigenschaft eines Vorstellens in letzterer, dass man jeden solchen Erkl\u00e4rungsversuch mit Recht zu den gr\u00f6ssten T\u00e4uschungen eines vergeblichen menschlichen Bem\u00fchens z\u00e4hlen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4673,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-7428","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7428"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7428\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7935,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7428\/revisions\/7935"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}