{"id":7570,"date":"2025-03-26T12:10:19","date_gmt":"2025-03-26T10:10:19","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/?p=7570"},"modified":"2025-03-26T12:24:21","modified_gmt":"2025-03-26T10:24:21","slug":"leibliche-dreigliederung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/leibliche-dreigliederung\/","title":{"rendered":"Leibliche Dreigliederung"},"content":{"rendered":"<p>Das vorige Mal habe ich\u00fcber die Dreigliederung des Menschen gesprochen in Leib, Seele und Geist. Und in 1917, das ist viele Jahre sp\u00e4ter, als das Buch Theosophie erschien, 1917 also hat Rudolf Steiner eine Schrift publiziert mit dem Titel <em>Von Seelenr\u00e4tseln<\/em>. Und darin kommt er mit einer, ja eigentlich mehr oder weniger, bahnbrechende Einsicht. Es scheint alles ganz eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu sein, wenn man es einmal weiss. Aber man muss sich vorstellen, dass das damals in dieser Zeit, worin Rudolf Steiner lebte, gar nicht etwas war, was bekannt war. Und auch jetzt eigentlich noch nicht, nur, dass die Anthroposophen es jetzt wissen, weil Rudolf Steiner diese Einsicht gebracht hat. Und so k\u00f6nnte man empfinden, dass es etwas Selbstverst\u00e4ndliches ist.<\/p>\n<p>Dass es nicht so ist, auch f\u00fcr Rudolf Steiner nicht, das wird deutlich bei der Weihnachtstagung in 1923\/1924, als Rudolf Steiner die Anthroposophische Gesellschaft neu gegr\u00fcndet hat und dann Vortr\u00e4ge gehalten hat. Und da sagt er, dass die Dreigliederung, dass er diese menschliche Dreigliederung, dass er diese nach Leib, Seele und Geist erst nach ungef\u00e4hr 30 Jahren Untersuchung wirklich v\u00f6llig durchschaut hat. Also daraus geht schon hervor, dass es nicht eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist. Und wir m\u00fcssen uns bei der Geisteswissenschaft verabschieden. Und wir m\u00fcssen uns bei der Geisteswissenschaft von Rudolf Steiner immer gut bedenken, dass Rudolf Steiner ein Seher war, dass er ein Eingeweihter war, dass er eine andere Art von Erkennen hatte, als es die gew\u00f6hnliche ist.<\/p>\n<p>Bei der gew\u00f6hnlichen Erkenntnis muss man immer mehr oder weniger spekulieren. Man kann nicht unmittelbar bei der Wahrnehmung wissen, wie die Zusammenh\u00e4nge sind. Bei dem schauenden Bewusstsein, so wie Rudolf Steiner das hatte, ist das wohl der Fall. Also man kann zum Beispiel in der Philosophie oder in der Psychologie viel dar\u00fcber nachdenken und untersuchen und auch streiten dar\u00fcber, welche Gliederung die Seele hat. Und wenn man dann bei Rudolf Steiner liest, wie die Gliederung der Seele nun eigentlich ist, da k\u00f6nnte man meinen, dass auch er das durch Nachdenken und logisches Kombinieren gefunden hat. Und da geht man dann ganz falsch, denn das ist absolut nicht der Fall. Man muss sich bei ihm vorstellen, dass er die Zusammenh\u00e4nge unmittelbar geschaut hat. Es ist so etwas, wenn wir in die Natur hineingehen und einen Baum sehen und dann unmittelbar wissen, dass es ein Baum ist und nicht dar\u00fcber nachzudenken brauchen, dass das ein Baum ist. Das ist eine unmittelbare Anschauung. Und so muss man sich die Geist-Anschauung vorstellen, dass die Erkenntnisse nicht durch kombinieren und analysieren zustande kommen, nicht durch Logik, sondern wirklich durch unmittelbare Schauung. Und da kann man nat\u00fcrlich sagen, ja sch\u00f6n, aber dann muss ich also alles was Rudolf Steiner vorgebracht hat, eigentlich glauben, weil er es geschaut hat und in der unmittelbaren Anschauung immer sicher gewusst hat, was er schaute. Also ja, da muss derjenige, der das aufnimmt, eigentlich auch direkt glauben, was er sagt. Ja das k\u00f6nnte eine Entartung sein, wenn das geschieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist sicher nicht, was Rudolf Steiner gehofft hat, denn was er gehofft hat das ist, dass wir als Leser mit unserem gew\u00f6hnlichen reinen Verstand, dass wir die Zusammenh\u00e4nge mit einer Art von spiritueller Logik doch durchschauen k\u00f6nnen. Und durch dieses Durchschauen selbst sagen k\u00f6nnen, jawohl, das muss wohl so sein, obwohl ich es nicht schauen kann. Ich kann dasjenige schauen, was er gebracht hat. Und das soll wirklich nicht geglaubt werden. Das muss verstanden werden. Und das kann der menschliche Verstand sehr gut. Und was dabei behilflich ist, das ist, dass wenn man mehr und mehr von Rudolf Steiner aufnimmt, dass man entdeckt, dass die verschiedenen Aussagen, die er getan hat, mit Bezug auf dasselbe, dass das immer stimmt. Dass es also nicht so ist, dass man hier das eine liest und dort etwas ganz dagegen, was man nicht miteinander in Verbindung bringen kann.<\/p>\n<p>Das ist eigentlich nie der Fall. Und weil das nicht der Fall ist, wei\u00df man, dies brauche ich nicht zu glauben. Denn die Zusammenh\u00e4nge sind in sich selbst schl\u00fcssig. Und wenn dann einmal der Augenblick kommt, dass ich etwas lese, wovon ich sage, ja, das kann ich nun eigentlich nicht verstehen, ich glaube, dass er doch manchmal etwas ganz anderes oder sogar etwas ganz Dagegengestelltes gesagt hat, wie muss ich das dann verstehen? Ja, vielleicht kann man als Leser dann so weit kommen, dass man eine Pause nimmt und sagt, gut, ich kann das also jetzt nicht mit dem \u00fcbrigen in \u00dcbereinstimmung bringen, aber das kann ja auch sehr wohl an mir liegen, dass meine Entwicklung noch nicht weit genug ist, um zu sehen, dass das eine und das andere wahr sein kann und wie dann das eine mit dem anderen in Zusammenhang gebracht werden muss.<\/p>\n<p>Ja, ich wei\u00df nat\u00fcrlich, dass das viele Menschen st\u00f6rt, wenn man so etwas sagt. Denn das ist nat\u00fcrlich eine sehr schwierige Frage. Und dann kommt doch wiederum diese Schlange hoch, die sagt, ja, h\u00f6r mal, glauben musst du ja niemanden. Und dies ist doch ein bisschen Glauben, nicht? Wenn man es nicht verstehen kann, dann muss man es glauben. Nein, ich sage nur, man kann sich selbst vielleicht davon \u00fcberzeugen, dass man noch etwas Zeit braucht, bevor man diese scheinbaren Widerspr\u00fcche doch miteinander in Verbindung bringen kann. Und so hat Rudolf Steiner dann in 1917 seine Einsichten offenbart mit Bezug auf die Verbindung der seelischen Dreigliederung mit dem Leib.<\/p>\n<p>Und ja, f\u00fcr mich war das als \u00c4rztin doch eine gewisse Sensation, um das zur Kenntnis zu nehmen, obwohl man, wenn man es einmal gelesen hat, eigentlich sagen muss, ja, das ist so selbstverst\u00e4ndlich. Warum wei\u00df nicht jeder Mensch das? Aber man wei\u00df es nicht. Und es gibt so viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcr sowohl das Seelische, wie auch f\u00fcr das Leibliche und f\u00fcr diejenigen Kr\u00e4fte, die wirksam sind, wenn das Seelische mit dem Leiblichen zusammenh\u00e4ngt. Es gibt so viele M\u00f6glichkeiten, Dinge zu verstehen, die man zuvor nicht verstanden hat, dass eine gro\u00dfe Dankbarkeit \u00fcber einen kommt. Und ich kann mich erinnern, dass ich als \u00c4rztin auf meinem Schreibtisch eine kleine Zeichnung hatte, worin diese Dreigliederung des Leibes mit der seelischen Dreigliederung dabei gezeichnet war, um das jedes Mal wieder jauchzend eigentlich zu erleben, dass wir Menschen so sind.<\/p>\n<p>Und ja, ich kann das nat\u00fcrlich nacherz\u00e4hlen, aber ich m\u00f6chte es lieber vorlesen, was Rudolf Steiner in diesem Buch <em>Von Seelenr\u00e4tsel<\/em>, also das erste Mal, dar\u00fcber ver\u00f6ffentlicht hat. Er sagt dann: Man muss bei einer derartigen Betrachtung von der Gliederung in Vorstellen, F\u00fchlen und Wollen ausgehen, nicht so, wie es in seiner Zeit wohl gemacht wurde, zum Beispiel von Franz von Brentano in Vorstellen, Urteilen und Erscheinungen des Liebens und Hassens, so nicht, nein, Vorstellen, Denken, F\u00fchlen und Wollen. Fasst man nun zusammen alles dasjenige Seelische, das als Vorstellen erlebt wird, und sucht man nach den leiblichen Vorg\u00e4ngen, mit denen dieses Seelische in Beziehung zu setzen ist, so findet man den entsprechenden Zusammenhang, indem man dabei in weitgehendem Ma\u00dfe den Ergebnissen der gegenw\u00e4rtigen physiologischen Psychologie sich anschlie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>Hier ist also nicht eine gro\u00dfe Differenz zwischen demjenigen, was Rudolf Steiner findet, mit seinem Geistes-Schau, und demjenigen, was die Wissenschaft findet. N\u00e4mlich die k\u00f6rperlichen Gegenst\u00fccke zum Seelischen des Vorstellens hat man in den Vorg\u00e4ngen des Nervensystems mit ihrem Auslaufen in die Sinnesorgane einerseits und in die leibliche Innenorganisation andererseits zu sehen. So sehr man vom anthroposophischen Gesichtspunkt aus manches wird anders zu denken haben als die gegenw\u00e4rtige Wissenschaft tut, eine Grundlage vorz\u00fcglicher Art ist in dieser Wissenschaft vorhanden. (Das mit Bezug auf Denken.) Aber nicht so steht es, wenn man die leiblichen Gegenst\u00fccke f\u00fcr das F\u00fchlen und Wollen bestimmen will. In Bezug darauf muss man sich innerhalb der Ergebnisse gegenw\u00e4rtiger Physiologie erst den richtigen Weg bahnen. Ist man auf denselben gelangt, so findet man, dass man, wie das Vorstellen zur Nervent\u00e4tigkeit, so das F\u00fchlen in Beziehung bringen muss zu demjenigen Lebensrhythmus, der in der Atmungst\u00e4tigkeit seine Mitte hat und mit ihr zusammenh\u00e4ngt. \u2026<\/p>\n<p>Und bez\u00fcglich des Wollens findet man, dass dieses sich in \u00e4hnlicher Art st\u00fctzt auf Stoffwechselvorg\u00e4nge. Wieder muss da in Betracht gezogen werden, was alles an Verzweigungen und Ausl\u00e4ufern der Stoffwechselvorg\u00e4nge in der Atmung und der Nervent\u00e4tigkeit betrifft.<\/p>\n<p>Also, was sagt Rudolf Steiner hier? Vorstellen und Denken tats\u00e4chlich in Bezug zu dem Nervensinnessystem. Aber das F\u00fchlen, das in der heutigen Wissenschaft noch immer auch mit dem Nervensystem in Verbindung gesehen wird, das F\u00fchlen muss man nicht mit dem Nervensystem in Verbindung sehen, sondern mit dem Atmungsrhythmus. Und er gibt dann auch ein Beispiel, wie man, wenn man zum Beispiel Musik h\u00f6rt und da Gef\u00fchle hat, dass dann die Atmung mehr oder weniger mittut und ver\u00e4ndert. Also, Atmung hat mit dem F\u00fchlen zu tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wenn man darauf achtet, dann kann man das auch eigentlich wohl aus \u00e4u\u00dferlich best\u00e4tigen, dass man zum Beispiel, wenn man Angst hat, viel schneller atmet. Und wenn man ruhig ist, dass die Atmung auch ganz ruhig wird. So gibt es auch \u00e4u\u00dferlich nat\u00fcrlich M\u00f6glichkeiten, um das zu best\u00e4tigen, was Rudolf Steiner hier vorbringt. Viel schwieriger ist nat\u00fcrlich, um zu best\u00e4tigen, dass das Wollen auf Stoffwechselvorg\u00e4nge beruht. Das ist nat\u00fcrlich nicht so einfach, um das innerlich oder \u00e4u\u00dferlich nachzuvollziehen, wenn man das schauende Bewusstsein nicht hat. Aber wir bekommen dann nat\u00fcrlich doch ein wunderbares Bild, wenn wir die menschliche Gestalt vor Augen haben, und wir stellen uns das Sinnes-Nerven-System mit seinen Ausl\u00e4ufern vor und wissen dann, das ist der leibliche Teil, der mit dem Vorstellen, Wahrnehmen, Denken zusammenh\u00e4ngt. Und wir bedenken dann die Brust. Hier spricht Rudolf Steiner \u00fcber die Atmung, aber es gibt nat\u00fcrlich auch noch das Herz. Und jeder Mensch wei\u00df, dass das Herz mit dem F\u00fchlen zusammenh\u00e4ngt, in einer anderen Art als die Atmung. Also die Mitte, unsere Brust, ist der leibliche Teil, der mit dem F\u00fchlen zusammenh\u00e4ngt. Und wenn wir dann zum Bauch absteigen und auch die Glieder dabei mit einbeziehen, dann haben wir den leiblichen Teil, worauf das Wollen beruht. Der Leib hat also eine Dreigliederung, die ganz mit der seelischen Dreigliederung \u00fcbereinstimmt, wobei \u00b0Rudolf Steiner immer mit Nachdruck darauf hinweist, dass man diese Dinge nicht Schwarz-Wei\u00df scheiden muss, weil nat\u00fcrlich immer Stoffwechsel-Vorg\u00e4nge auch bis in das Nervensystem wirksam sind. Stoffwechsel-Vorg\u00e4nge auch bis in die Atmung wirksam sind, dass Nervenprozesse bis in die Atmung und den Stoffwechsel wirksam sind und dass die Atmung selbstverst\u00e4ndlich auch im ganzen Leib wirksam ist.<\/p>\n<p>Also das geht in einer wunderbar harmonischen Weise, wenn man gesund ist, wirkt das ineinander, spielt ineinander, wie eine Symphonie denke ich. Und so k\u00f6nnen wir uns also die menschliche Wesenheit jetzt vorstellen dreigliedrig, Leib, Seele, Geist &#8211; Sinnes-Nervensystem und Atmung, Herz und Stoffwechsel, Glieder. Und die Dreigliederung kann man dann noch weiter zur\u00fcckfinden, wenn wir uns weiter vertiefen darin, dass die Seele selbst eine dreigegliederte Wesenheit ist, wie ich sagte, Denken, F\u00fchlen und Wollen. Und wir k\u00f6nnen versuchen, diese Dreigliederung der Seele kennenzulernen als drei gesonderte geistig-seelische Welten, die wir dann vielleicht ein n\u00e4chstes Mal weiter kennenlernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das vorige Mal habe ich\u00fcber die Dreigliederung des Menschen gesprochen in Leib, Seele und Geist. Und in 1917, das ist viele Jahre sp\u00e4ter, als das Buch Theosophie erschien, 1917 also hat Rudolf Steiner eine Schrift publiziert mit dem Titel Von Seelenr\u00e4tseln. Und darin kommt er mit einer, ja eigentlich mehr oder weniger, bahnbrechende Einsicht. Es scheint alles ganz eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu sein, wenn man es einmal weiss. Aber man muss sich vorstellen, dass das damals in dieser Zeit, worin Rudolf Steiner lebte, gar nicht etwas war, was bekannt war. Und auch jetzt eigentlich noch nicht, nur, dass die Anthroposophen es jetzt wissen, weil Rudolf Steiner diese Einsicht gebracht hat. 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