{"id":8147,"date":"2025-04-23T10:36:48","date_gmt":"2025-04-23T08:36:48","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/?p=8147"},"modified":"2025-04-25T11:31:49","modified_gmt":"2025-04-25T09:31:49","slug":"das-rosenkreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/das-rosenkreuz\/","title":{"rendered":"Das Rosenkreuz"},"content":{"rendered":"<p>\u2018Schon sieht er dicht sich vor dem stillen Orte, der seinen Geist mit Ruh und Hoffnung f\u00fcllt. Und auf dem Bogen der geschlossenen Pforte erblickt er ein geheimnisvolles Bild. Er steht und sinnt und lispelt leise Worte der Andacht, die in seinem Herzen quillt. Er steht und sinnt. Was hat das zu bedeuten? Die Sonne singt und es verklingt das L\u00e4uten. Das Zeichen sieht er pr\u00e4chtig aufgerichtet, das aller Welt zu Trost und Hoffnung steht, zu dem viel tausend Geister sich verpflichtet, zu dem viel tausend Herzen warm gefleht, das die Gewalt des bittern Tods vernichtet, das in so mancher Siegesfahne weht. Ein Labequell durchdringt die matten Glieder. Er sieht das Kreuz und schl\u00e4gt die Augen nieder. Er f\u00fchlt neu, was dort f\u00fcr Heil entsprungen. Den Glauben f\u00fchlt er einer halben Welt. Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen, wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt. Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen. Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?\u2019<\/p>\n<p>Das ist das ber\u00fchrende Bild. aus Goethes Geheimnisse. Und wir k\u00f6nnen sagen, wenn wir ein Sinnbild f\u00fcr die Anthroposophie suchen, dann k\u00f6nnen wir sagen, das ist das Kreuz mit Rosen zugesellt.<\/p>\n<p>Diese Rosenkreuz ist das Bild der Anthroposophie, weil die Anthroposophie nicht nur Erkenntnis gibt, sondern auch von den, wie soll ich es sagen, Sch\u00fclern fordert, dass sie die Selbsterkenntnis anstreben und dass sie dadurch, dass sie Selbsterkenntnis gewinnen, auch den Trieb in sich sp\u00fcren um sich selbst zu erziehen. Und das Bild daf\u00fcr ist das Rosenkreuz. Ich habe in dem niederl\u00e4ndischen Video dar\u00fcber gesprochen, dass die Natur im Augenblick so unglaublich sch\u00f6n sich anschauen l\u00e4sst. Und das Beeindruckende immer wieder ist, dass die Natur ganz rein, selbstlos sich zeigt und so voll Vertrauen und Hingabe und Ausdauer auch immer wieder f\u00fcr uns erscheint. Und dass da gegen\u00fcber der Mensch erscheint als einerseits nat\u00fcrlich ein entwickelter Geist, aber andererseits sind wir nat\u00fcrlich als Menschen doch auch noch in gewissem Sinn mit wilden Trieben ausgestattet und die leben wir auch aus.<\/p>\n<p>Und das ist in der gro\u00dfen Welt f\u00fcr uns alle, was f\u00fcr den Menschen pers\u00f6nlich das Rosenkreuz bedeuten kann. Die Rosen sind in diesem Rosenkreuz das Bild f\u00fcr die gel\u00e4uterte Seele, f\u00fcr das gel\u00e4uterte Blut. Nicht ein reines Blut mit Bezug auf Rasse oder Volk oder so etwas, aber ein reines Blut, das gel\u00e4utert ist von allen Trieben und Begierden, die zum B\u00f6sen f\u00fchren. Denn der Mensch hat nat\u00fcrlich auch wunderbare Triebe und Begierden in sich, die brauchen wir nicht zu \u00fcberwinden, die geh\u00f6ren bereits zu der Rose. Und so entsteht dann das Bild von dem schwarzholzen Kreuz, das Bild f\u00fcr die Kr\u00e4fte, mit der wir die Selbsterkenntnis vollziehen und auch daraus die Triebe gewinnen, um die eigene Seele zu erziehen, so dass sie nicht mehr diese wilde Triebhaftigkeit in sich hat, wodurch sie zwar viel kann, aber sich auch erniedrigt.<\/p>\n<p>Dass diese Triebe \u00fcberwunden werden und dass wir als Menschen uns dazu bringen, wirklich im Inneren eine Rose zu werden, das ist dann in dem Werk von Rudolf Steiner eine zentrale Meditation geworden, dass dieses Bild von dem Kreuz mit sieben Rosen rund um den Kreuzpunkt. Sieben rote Rosen, so rot wie das Blut, aber so rein wie die Rose. Dieses Bild ist zentrales Meditationsbild in der Anthroposophie geworden und es ist auch eigentlich ein Mittelpunkt f\u00fcr dasjenige, was die Anthroposophie bringen will und auch kann. Und mit Ostern feiern wir eigentlich dieses Rosenkreuz. Zuerst haben wir vor Ostern nat\u00fcrlich wirklich das Leidenskreuz erlebt. Aber das sollte nicht das Einzige sein, was wir mit Ostern erleben, denn es folgt auf das Leiden ja die Auferstehung. Und diese Auferstehung, die k\u00f6nnen wir dann gewahr werden darin, dass wir die Kraft bekommen durch die Auferstehung, um dieses rote Blut in roten Rosensaft zu verwandeln. Und man k\u00f6nnte sich vorstellen, dass es irgendwann einmal eine Zeit geben wird, dass die Menschheit ein Rosenkreuz sein wird. Dass nicht mehr die Kriege das t\u00e4gliche Brot f\u00fcr uns bilden, sondern dass es etwas ganz anderes sein wird, wof\u00fcr wir dann leben werden. Ich gebe zu, es l\u00e4sst sich im Augenblick schwer vorstellen. Aber wenn wir uns nicht Vorstellungen bilden, \u00fcber die Zukunft, dann kann unsere Zukunft auch nicht wahr werden. Es ist ja bekannt, dass in der Welt, worin wir leben, doch viel mit Szenarien, Szenarios gearbeitet wird. Dass man sich vorstellt, was in Zukunft alles geschehen kann und wie wir als Menschheit das zuvor bedenken k\u00f6nnen und auch L\u00f6sungen bedenken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber diese M\u00f6glichkeit haben wir Menschen nat\u00fcrlich auch, wenn wir uns Vorstellungen bilden \u00fcber wie irgendwann einmal eine Zeit kommen k\u00f6nnte, worin wir Menschen nicht mehr so leben wie wir das jetzt tun, sondern wo wir als Menschheit ein ganzes Rosenkreuz geworden sind. Mich hat das Gedicht \u00bbDie Geheimnisse\u00ab &#8211; im Anfang schon steht dieses St\u00fcckchen, was ich vorgelesen habe &#8211; sehr, sehr ber\u00fchrt. Und das Bild, das da geschildert wird, dass der Mann bei einer Pforte kommt, wo er ruhen m\u00f6chte nach einer langen Wanderung, dass er da das Kreuz sieht, aber nicht nur das blo\u00dfe Kreuz. Das Kreuz ist umschlungen mit Rosen. Was f\u00fcr eine wunderbare Osterbotschaft ist das, dass irgendwann einmal f\u00fcr uns eine Zeit kommen kann, dass das Kreuz nicht mehr so sehr mit dem Tod zu tun hat, sondern mit der lebendig wachsenden reinen Rose als Bild f\u00fcr die reine, k\u00fcnstlerische, erkenntnisf\u00e4hige, menschliche Seele.<\/p>\n<p>Und es gibt ein Gedicht, damit will ich dann schlie\u00dfen, das hat Rudolf Steiner vortragen lassen und ich kann das nat\u00fcrlich so nicht. Aber ich werde auch nicht das ganze Gedicht vortragen, ich werde nur das Ende davon vortragen. Und das ist ein Gedicht von Anastasius Gr\u00fcn, worin er f\u00fcnfmal ein Osterfest auf Golgatha beschreibt, nach dem Mysterium von Golgatha. Und man sieht dann durch die Geschichte hindurch, was alles sich ereignet. Aber das f\u00fcnfte Bild ist in einer fernen Zukunft geschildert. Und das ist auch wiederum so ber\u00fchrend, dass ich das jetzt zitieren m\u00f6chte. Denn die Anthroposophie ist sehr, sehr ber\u00fchrend. Und sie bietet uns dasjenige, was unsere Seele so braucht. Gef\u00fchle, die in die Zukunft hineinwachsen k\u00f6nnen und eine neue Menschheit sch\u00f6pfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u2018Einst wieder sich es begab, dass, als er pfl\u00fcgte, der Ackersmann wie an ein Felsst\u00fcck stie\u00df. Und als sein Spaten rings die H\u00fcll entf\u00fcgte, ein wundersam Gebild aus Stein sich wies. Er ruft herbei, die Nachbarn in der Runde, sie sehen sich\u2019s an, jedoch sie kennen es nicht. Uralter weiser Greis, du gibst wohl Kunde, der Greis besieht es, jedoch erkennt es nicht. Ob sie es auch kennen nicht, doch steht es voll Segen aufrecht in ihrer Brust in ewigem Reiz. Es bl\u00fcht sein Same rings auf allen Wegen, denn was sie nimmer kannten, war ein Kreuz. Sie sahen den Kampf nicht und sein blutig Zeichen. Sie sehen den Sieg allein und seinen Kranz. Sie sahen den Sturm nicht mit den Wetterstreichen. Sie sehen nur seines Regenboges Glanz. Das Kreuz von Stein, sie stellen es auf im Garten, ein r\u00e4tselhaft ehrw\u00fcrdig Altertum. Daran Rosen rings und Blumen aller Arten empor sich ranken, kletternd um und um. So steht das Kreuz inmitten Glanz und F\u00fclle auf Golgatha. glorreich, bedeutungsschwer, verdeckt ist es ganz von seiner Rosenh\u00fclle, l\u00e4ngst sieht vor Rosen man das Kreuz nicht mehr.\u2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2018Schon sieht er dicht sich vor dem stillen Orte, der seinen Geist mit Ruh und Hoffnung f\u00fcllt. Und auf dem Bogen der geschlossenen Pforte erblickt er ein geheimnisvolles Bild. Er steht und sinnt und lispelt leise Worte der Andacht, die in seinem Herzen quillt. Er steht und sinnt. Was hat das zu bedeuten? Die Sonne singt und es verklingt das L\u00e4uten. 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