{"id":9465,"date":"2025-05-30T21:55:09","date_gmt":"2025-05-30T19:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/?p=9465"},"modified":"2025-06-12T21:59:15","modified_gmt":"2025-06-12T19:59:15","slug":"das-gedaechtnis-ist-keine-kartei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/das-gedaechtnis-ist-keine-kartei\/","title":{"rendered":"Das Ged\u00e4chtnis ist keine Kartei"},"content":{"rendered":"<p>Ja, es kommen Reaktionen darauf, dass ich die anthroposophischen Videos auf Deutsch spreche. Und es w\u00e4re nat\u00fcrlich f\u00fcr mich ganz einfach, um auch dies in meiner Muttersprache zu sprechen. Aber Sie m\u00fcssen sich vorstellen, dass wir durch Jahre hindurch viele, viele Seminare und Vortr\u00e4ge gegeben haben in dem deutschsprachigen Raum. Und dass es nat\u00fcrlich auch viele Menschen gibt, die dabei gewesen sind. Und ja, eigentlich in erster Linie spreche ich f\u00fcr diese Menschen. Und da habe ich nat\u00fcrlich damals auch nie auf Niederl\u00e4ndisch sprechen k\u00f6nnen, denn das h\u00e4tten sie nicht verstanden. Denn wenn man live irgendwo ist, gibt es ja keinen Untertitel. Also ich setze durch. Ich mache weiter mit der deutschen Sprache, obwohl es vielleicht nicht immer perfekt ist oder gar nicht perfekt ist. Das soll nicht k\u00fcmmern. Ich versuche es so gut wie m\u00f6glich zu tun.<\/p>\n<p>Und da kommt nat\u00fcrlich dazu, dass die Anthroposophie auch urspr\u00fcnglich in der deutschen Sprache gegeben worden ist. Also das macht es auch doch ganz angenehm, um in dieser Sprache weiterzusprechen. Ich habe das vorige Mal angefangen mit Karma und Reinkarnation. Und am Ende blieb eine Frage, ob es vielleicht so sein k\u00f6nnte, dass auch die Welt ein lebendiges Wesen ist, das ein Ged\u00e4chtnis hat. Und dass es vielleicht so sein k\u00f6nnte, dass durch gewisse Verh\u00e4ltnisse, bestimmte Ereignisse aus der Vergangenheit wiederum, mehr oder weniger, erinnert werden. Das war die Frage. Und in dem Buch Theosophie geht Rudolf Steiner dann mit seiner Gedankenf\u00fchrung weiter, beantwortet diese Frage nicht unmittelbar, sondern geht wieder zur\u00fcck. zu dem menschlichen Ged\u00e4chtnis. Und das ist sehr fruchtbar, auch f\u00fcr uns in unserer Zeit, denn wir haben wirklich ganz falsche, merkw\u00fcrdige Erlebnisse mit Bezug auf was Ged\u00e4chtnis nun eigentlich ist.<\/p>\n<p>Und eigentlich ist der Computer heute f\u00fcr uns das Vorbild. Wir arbeiten damit und wir speichern dasjenige, was wir behalten wollen, das speichern wir in das Ged\u00e4chtnis und wir k\u00f6nnen das dann sp\u00e4ter wieder aufholen. Und das verursacht in uns, dass wir immer mehr und mehr der modernen Psychologie und Wissenschaft glauben, dass es mit dem menschlichen Ged\u00e4chtnis auch so geht. Dass wir also ganz viele Bilder in uns gespeichert haben, mit allerlei Erlebnissen, und dass wir, wenn wir uns das erinnern wollen, dass wir in einem gewissen Sinn in eine Kartei eintauchen und merkw\u00fcrdig klug dann wissen, wo wir sein m\u00fcssen und dann die richtige Karte aus der Kartei hochholen. Das ist dann die Erinnerung. Das ist dasjenige, was wir mit dem Ged\u00e4chtnis eingepr\u00e4gt haben. So f\u00fchlen wir das doch auch.<\/p>\n<p>Wir meinen, dass dasjenige, was Vorstellung ist und dann Ged\u00e4chtnisvorstellung wird, dass das so wie eine Art von Fotografie irgendwo in uns aufgeschlagen liegt. Wir sind noch in der alten Zeit, dass es noch keine Computer gab, \u00c4rzte gewesen und wir hatten solche Karteien noch mit einem Patientendossier im Papier, nicht auf dem Schirm, aber im Papier und da wurde alles notiert. Und wenn der Patient wieder zur\u00fcckkam, und da konnte man nat\u00fcrlich nicht alles selbst sich erinnern, dann nahm man die Karte oder lie\u00df die Karte sich bringen. Und dann konnte man schauen, was auch wiederum der Fall war. So meint man, dass das menschliche Ged\u00e4chtnis auch funktioniert. Und es ist dann wirklich wunderbar, um eine Reise in der Selbstbeobachtung mit Rudolf Steiner zu machen, der uns dann darauf hinweist, dass wir zuerst mal bewusst werden sollten, dass eine Vorstellung nur so lange da ist, als der Sinneseindruck da ist.<\/p>\n<p>Wenn ich einen Sinneseindruck habe, dann habe ich den nur, wenn ich bei dem Ding bin, das mir den Eindruck gibt. Wenn ich mich umdrehe, habe ich ihn schon nicht mehr. Und die Vorstellung, die ich von dem Eindruck habe, im Moment, dass ich den Eindruck habe, ist auch nur da, solange als ich mit dem Sinnesding zusammen bin. Wenn ich davon gehe, dann ist auch die Vorstellung weg. Und nun ist es so etwas Wunderbares, dass wir als Menschen die F\u00e4higkeit haben, um solche Vorstellungen sp\u00e4ter wieder sich zu erinnern. Und da sagt Rudolf Steiner, wenn man ge\u00fcbt ist in der Selbstbeobachtung, dann kann man verfolgen, dass es gar kein Bewahren der Vorstellungen gibt. sondern dass die Seele mit der Vorstellung etwas tut, wodurch sie sp\u00e4ter neu gebildet werden kann.<\/p>\n<p>Also wir haben nicht in uns eine Kartei mit Fotos, wo wir dann wiederum einen hervorholen k\u00f6nnen, sondern wir schauen nach innen,s o wie wir auch nach au\u00dfen schauen, nur ist das nach innen schauen nicht mit den Sinnen, sondern mit der Seele. Wir schauen nach innen und wir wissen, wo der Eindruck geblieben ist. Und da, wo der Eindruck geblieben ist, bilden wir dann die Vorstellung neu. Also was ist das f\u00fcr ein wunderbares Etwas, wenn man sich diese Lebendigkeit vorstellt, die wir mit dem Erinnern bet\u00e4tigen. Also nicht Dossiers haben wir in uns, wir haben nicht die ganzen Lebensinhalte in uns fertig gespeichert. Sondern wir haben eine M\u00f6glichkeit, um zu einem Zeitpunkt zur\u00fcckzugehen und dort etwas zu tun, wodurch wir imstande sind, die Vorstellungen neu zu bilden.<\/p>\n<p>Es ist immer die Seele, die dabei ist, denn die Seele ist die Tr\u00e4gerin. des Bewusstseins. Und wenn wir also bewusst wahrnehmen, ist die Seele dabei. Wenn wir bewusst erinnern, ist die Seele auch dabei. Nun hat die Seele ein Verh\u00e4ltnis zum Geist. Die Seele ist also eigentlich die Bewahrerin der Vergangenheit. Sie wei\u00df, wo sie sein soll, um diese Vergangenheit wieder in das Bewusstsein wachzurufen, dadurch dass das sich wieder bildet. Und die Seele hat ein Verh\u00e4ltnis zu dem Geist. Im Buch Theosophie beschreibt Rudolf Steiner der Geist als der Instanz, der die Wahrheit, das Sch\u00f6ne und das Gute verwaltet, die Wahrheit kennt, das Sch\u00f6ne bilden kann und das Gute tun kann durch den Geist. Aber der Geist hat auch noch eine andere Seite und da kommt dieses Verh\u00e4ltnis mit der Seele zustande, denn die Seele als Bewahrerin der Vergangenheit liefert eigentlich alle Fr\u00fcchte der Vergangenheit dem Geist. Der Geist bekommt die Fr\u00fcchte der Vergangenheit durch Vermittlung der Seele. Und wir wissen nat\u00fcrlich, dass wir lange nicht alles, was das Leben uns gebracht hat, dass wir das aus der Erinnerung wieder wachrufen k\u00f6nnten. Es ist nat\u00fcrlich sehr viel, was mehr oder weniger f\u00fcr das Bewusstsein verschwunden ist. Und dann kommt wiederum so ein Punkt, dass in der Selbstbeobachtung deutlich wird und was so eine Art von Beseligung gibt, wenn man sich das bewusst wird, n\u00e4mlich, dass eigentlich alles, was die Seele im Leben erlebt und f\u00fcr die Ewigkeit bewahrt, obwohl wir es vergessen, liefert F\u00e4higkeiten. Und das naheliegende Beispiel ist nat\u00fcrlich das schreiben Lernen. Wenn wir bedenken, was wir alles gemacht haben in der Schule, um schreiben zu lernen, was da alles f\u00fcr Ereignisse und Erlebnisse gewesen sind beim zuerst Schreiben von A und dann Erleben. dass das m\u00f6glich ist, dass man einen Klang aufschreiben kann, dass dann Worte geschrieben und gelesen werden k\u00f6nnen und dann S\u00e4tze und dann ganze B\u00fccher. Das Erlernen von dieser F\u00e4higkeit ist die Frucht. Und alles, was geschehen musste, um diese Frucht ernten zu k\u00f6nnen, das kann vergessen werden. Aber die Seele gibt dem Geist in dieser Art unz\u00e4hlige Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>Und wenn man das meditativ aufnimmt und sich darin etwas l\u00e4nger vertieft, dann kann man doch nicht anders als erkennen, dass das so ist. Das Beispiel von Schreiben ist doch deutlich genug, dass wir die Umst\u00e4nde vergessen, aber die F\u00e4higkeit, die wir behalten, da k\u00f6nnte man noch sagen, ja, ob das dann mit dem Geist etwas zu tun hat, ob das in die Ewigkeit hineingeht, diese F\u00e4higkeit, wenn man wirklich die Reinkarnation ernst nimmt. Da m\u00fcsste man sagen, wenn man wieder zur\u00fcckkommt auf der Erde, da m\u00fcsste man also wieder schreiben k\u00f6nnen, ohne es zu lernen, aber so ist es nat\u00fcrlich nicht. Auch dieses Schreibenlernen ist wiederum eine Teilf\u00e4higkeit, die dazu f\u00fchrt, dass der Geist eine viel gr\u00f6\u00dfere F\u00e4higkeit sich erwerbt als nur das Schreiben. So ist es auch mit der Musik.<\/p>\n<p>So ist es mit allem, was wir lernen, das brauchen nicht immer ganz gro\u00dfe, wichtige Sachen zu sein. Wenn man das Kochen erlernt, das ist nat\u00fcrlich eigentlich auch eine gro\u00dfe, wichtige Sache, aber wenn man das lernt, dann darf man sich auch da zuschauen und was wird nicht aus allen kleinen Erfahrungen, die man da macht, die kleinen F\u00e4higkeiten, die man erlernt, f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere F\u00e4higkeit, dass man eine Mahlzeit bereiten kann. Und so sitzt das ganze Leben ineinander. Und wenn man sich das meditativ vorh\u00e4lt, ja dann. wird der Mensch schon etwas anderes als eine Kartei mit Erinnerungsbildern, die man wohl oder nicht zum Vorschein holen kann. Also das ist der zweite Abschnitt in diesen Erw\u00e4gungen mit Bezug auf Karma und Reinkarnation. Der erste Abschnitt f\u00fchrte zur Frage, k\u00f6nnte es nicht sein, dass die Welt auch ein lebendiges Wesen mit Ged\u00e4chtnis und Erinnerung ist. Der zweite Abschnitt f\u00fchrt uns tiefer in die Prozesse von Ged\u00e4chtnis, Erinnerung und man k\u00f6nnte sagen, das Erlernen von F\u00e4higkeiten hinein. Und wir sind dann nat\u00fcrlich sehr gespannt, wie das weitergeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, es kommen Reaktionen darauf, dass ich die anthroposophischen Videos auf Deutsch spreche. Und es w\u00e4re nat\u00fcrlich f\u00fcr mich ganz einfach, um auch dies in meiner Muttersprache zu sprechen. Aber Sie m\u00fcssen sich vorstellen, dass wir durch Jahre hindurch viele, viele Seminare und Vortr\u00e4ge gegeben haben in dem deutschsprachigen Raum. Und dass es nat\u00fcrlich auch viele Menschen gibt, die dabei gewesen sind. Und ja, eigentlich in erster Linie spreche ich f\u00fcr diese Menschen. Und da habe ich nat\u00fcrlich damals auch nie auf Niederl\u00e4ndisch sprechen k\u00f6nnen, denn das h\u00e4tten sie nicht verstanden. Denn wenn man live irgendwo ist, gibt es ja keinen Untertitel. 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