{"id":9673,"date":"2025-10-08T14:09:16","date_gmt":"2025-10-08T12:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/?p=9673"},"modified":"2025-10-08T14:09:16","modified_gmt":"2025-10-08T12:09:16","slug":"bildschirm-kinder-erziehung-von-kindern-im-alter-von-7-14-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/bildschirm-kinder-erziehung-von-kindern-im-alter-von-7-14-jahren\/","title":{"rendered":"Bildschirm-Kinder. Erziehung von Kindern im Alter von 7-14 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Vor Jahren habe ich ein B\u00fcchlein geschrieben \u00fcber die Erziehung des Kindes, von der Geburt an oder vielleicht sogar schon von der Empf\u00e4ngnis an, bis zum siebten Lebensjahr, bis zum Zahnwechsel. Ich fand bei dem Dichter Novalis einen Satz, der ungef\u00e4hr zum Ausdruck bringt, was ich in jenem B\u00fcchlein sagen wollte, n\u00e4mlich: Das Kind ist sichtbar gewordene Liebe. Wundersch\u00f6n! So habe ich jenem B\u00fcchlein diesen Titel gegeben. Das ist schon Jahre her, und nat\u00fcrlich ist \u00f6fter die Frage gekommen: Kannst du nicht auch etwas schreiben \u00fcber das Kind in der zweiten Entwicklungsphase, n\u00e4mlich vom Zahnwechsel bis zur Pubert\u00e4t? Das habe ich nun versucht, und was ich immer \u201etue\u201c, wenn ich beginne, einen Text zu schreiben: dann denke ich eigentlich zuerst dar\u00fcber nach, was ist nun eigentlich der Kern dessen, was ich sagen m\u00f6chte, von dem ich denke, dass es wichtig ist. Nun ja, wenn man an Kinder denkt, die in die Grundschule gehen, dann sieht man sie gleichsam schon vor sich mit einem iPad, einem Telefon, oder sie sitzen vor dem Fernseher. So kam ich zu einer Art Gesamteindruck des Erziehungsproblems in dieser Zeit; und ich habe also diesmal dem B\u00fcchlein den Titel \u201eBildschirmkinder\u201c gegeben, weil mir scheint, dass das in unserer Zeit die allergr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist.<\/p>\n<p>Wie geht man denn damit um? Und als ich begann, dar\u00fcber nachzudenken und zu meditieren, und nat\u00fcrlich auch in meine Erinnerung schaute \u2013 in die Zeit, als ich selbst kleine Kinder hatte \u2013 da gab es jene Technik noch nicht, aber den Fernseher schon.<\/p>\n<p>Worum geht es eigentlich? Es ist klar \u2013 wenigstens mir ist es klar \u2013, dass man Kinder nicht au\u00dferhalb ihrer Zeit stellen kann.<\/p>\n<p>Am liebsten w\u00fcrde man sie nat\u00fcrlich v\u00f6llig fernhalten von diesen modernen Kommunikationsmitteln, aber das w\u00fcrde bedeuten, dass man sie au\u00dferhalb der Zeit stellt und eigentlich auch au\u00dferhalb des sozialen Zusammenhangs, denn andere Kinder haben diese Dinger ja. Also muss man irgendwie einen Weg finden, um zun\u00e4chst einmal das so lange wie m\u00f6glich hinauszuschieben; aber irgendwann geht das nicht mehr, und dann wird man sich doch dazu bekennen m\u00fcssen, dass man es ansehen muss, dass so ein \u2013 ja, ich finde: ein heiliges Kind, das in die Grundschule geht \u2013 sich innerlich so verderben muss durch das Anschauen jener schrecklichen Bilder, die zum Beispiel in Filmchen und in Spielen den Kindern \u201egeschenkt\u201c werden.<\/p>\n<p>Was kann man tun?<\/p>\n<p>Und was mir dann klar ist \u2013 und das beruht auf der spirituellen Anschauung des Kindes, die ich von Rudolf Steiner gelernt habe \u2013, was also klar ist, ist, dass das Kind mit dem Zahnwechsel eine sehr wichtige Periode abschlie\u00dft, n\u00e4mlich, dass der zweite Leib, den das Kind hat \u2013 also der erste Leib ist das, was man sieht, der physische Leib \u2013, dass aber dieser physische Leib die Form und das Leben von einem zweiten \u201eLeib\u201c hat, den man dann in Anf\u00fchrungszeichen setzen muss, denn man sieht ihn nicht als Leib, aber man kann lernen, ihn in seiner Wirksamkeit zu erleben. Dieser zweite Leib hatte in jener ersten Periode, bis zum Zahnwechsel, vollst\u00e4ndig die Aufgabe, dem physischen Leib die endg\u00fcltige individuelle Form zu geben, also nicht nur aus der Erblichkeit, sondern wirklich aus dem Kind selbst heraus die individuelle Form zu geben und die Lebensprozesse so gesund wie m\u00f6glich in T\u00e4tigkeit zu bringen. Und dieser Prozess ist dann mit dem Zahnwechsel abgeschlossen \u2013 man sieht das ja eigentlich daran, dass die Z\u00e4hne ausfallen. Und wenn man dann wei\u00df, dass ein Teil dieses \u00c4therleibes, dieses Lebensleibes, dieses gestaltend wirkenden Teiles, der in der ersten Phase also v\u00f6llig dem Leib zur Verf\u00fcgung stehen musste, dass dieser nun beim Freiwerden f\u00fcr die individuelle Entwicklung des \u00c4therleibes \u2013 dass ein Teil davon der Entwicklung des Denkens zur Verf\u00fcgung kommt \u2013, ja, dann wird es deutlich, dass diese Entwicklung des Denkens in der Grundschule von allergr\u00f6\u00dfter Bedeutung ist.<\/p>\n<p>Dass man dort nicht Kr\u00e4fte schon nimmt, die in Wahrheit f\u00fcr eine viel sp\u00e4tere Entwicklungsphase bestimmt sind. Und man sieht nat\u00fcrlich jetzt in unserer Zeit \u2013 weil man davon nichts mehr wei\u00df \u2013 die gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnde gegen dieses Prinzip, wenn zum Beispiel Kinder dazu aufgerufen werden, sich eine Meinung zu bilden \u00fcber so etwas wie die Politik zum Beispiel oder die Weltsituation. Das k\u00f6nnen sie zwar, aber das verlangt Kr\u00e4fte, die sie eigentlich noch gar nicht zur Verf\u00fcgung haben. Und ich habe das Gef\u00fchl bekommen: eigentlich ist es so, als wenn man Klavier spielt \u2013 da hat man zwei Systeme.<\/p>\n<p>Oben steht meistens die Melodie, und unten steht die Begleitung. Und es ist nat\u00fcrlich die Absicht, dass man diese zwei Systeme aufeinander abstimmt, dass sie gleichzeitig gespielt werden. Und man bekommt dann das Gef\u00fchl, dass jene obere Linie, die also eigentlich das h\u00f6rbare Melodische ist, heutzutage in eine enorme Beschleunigung gebracht wird, w\u00e4hrend die untere Linie, das Rhythmische, die Begleitung, einfach weitergeht wie es soll. Aber was hat man dann?<\/p>\n<p>Zuerst einmal ist alles nat\u00fcrlich falsch und unverst\u00e4ndlich, aber zweitens bleibt am Ende des Klavierst\u00fccks noch ein ganzes St\u00fcck Begleitung \u00fcbrig, w\u00e4hrend die Melodie l\u00e4ngst fertig ist. Und dieses Gef\u00fchl bekomme ich \u2013 das ist das, was mit den Kindern geschieht. Sie m\u00fcssen sich so schnell entwickeln \u2013 und sie k\u00f6nnen das auch, das ist das gro\u00dfe Problem: sie k\u00f6nnen das auch. Sie m\u00fcssen so schnell vorw\u00e4rts, dass der Organismus, mit dem sie es tun m\u00fcssen, nicht mitmacht. Und wenn er es doch t\u00e4te, dann bek\u00e4me man es mit Krankheit zu tun.<\/p>\n<p>Tatsache ist, dass f\u00fcr das Denken, f\u00fcr die Entwicklung des Denkens, f\u00fcr die Entwicklung des Verstandes jene Lebenskraft zur Verf\u00fcgung kommt, und dass diese also eigentlich entwickelt werden muss. Das ist eigentlich das Thema meines B\u00fcchleins. Denn was man sieht, ist, dass das, was den Kindern in der Schule dargeboten wird \u2013 aber auch zu Hause mit ihren iPads und iPhones und dem Fernseher \u2013 das, was ihnen dargeboten wird, das Gegenbild des \u00c4therischen ist.<\/p>\n<p>Also dasjenige, was man als Lebenskraft, die so unsagbar feinf\u00fchlig und sch\u00f6n, k\u00fcnstlerisch ist \u2013 man braucht nur in die Natur zu schauen, dann sieht man es \u2013: diese Kr\u00e4fte werden materialisiert. Und also, in Wahrheit, verdorben durch all jene h\u00e4sslichen Bilder, die auf dem Bildschirm sichtbar sind \u2013 um noch gar nicht zu sprechen von den Wirkungen, die von der Technik an sich ausgehen.<\/p>\n<p>Es ist also eigentlich eine einzige gro\u00dfe Katastrophe. Und was man nun tun kann \u2013 denn man kann dem nicht entgehen, es ist nun einmal so \u2013:was man tun kann, ist zu versuchen, ein Gegengewicht zu schaffen gegen das, dem man nicht entgehen kann. Aber das verlangt nat\u00fcrlich sehr viel Einsatz, und die meisten Eltern haben diesen Einsatz nicht zur Verf\u00fcgung, weil sie beide arbeiten, \u00fcberlastet sind, die Kinder wie eine Art Nebenerscheinung haben \u2013 obwohl sie auch Hauptsache sind.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen es nicht, so viel Zeit und Energie darauf zu verwenden, ein Gleichgewicht zu schaffen. Und wenn sie diese Zeit und Energie doch geben wollen, dann haben sie selbst oft gar keine Lust, jene Dinge zu tun, die wirklich ein Gegengewicht sind. Denn das w\u00fcrde bedeuten, dass man sich vertiefen m\u00fcsste in das, was das \u00c4therische eigentlich ist. Und das w\u00fcrde bedeuten, dass man begreifen m\u00fcsste, dass man in die Natur hinausgehen muss, dass man die Elemente aufsuchen muss \u2013 ich meine: den Strand, das Wasser, die Luft, die Sonne, die Steinchen, die Muscheln, die Pflanzen, die in den D\u00fcnen wachsen oder im Wald, die B\u00e4ume, die Pilze, die N\u00fcsse, alles. Das m\u00fcsste man eigentlich aufsuchen \u2013 und man m\u00fcsste es dann auch nicht einfach nur aufsuchen, sondern man m\u00fcsste auch durchdrungen sein von der Einstellung, dass man dabei ist, das Kind sich erinnern zu lassen, dass dies eigentlich die Welt ist, zu der es gekommen ist. Dass dies das Erden-Dasein ist \u2013 und nicht jene Bilder, die so herrlich ablenkend davon auf den Ger\u00e4ten wirksam sind. Darum geht es in dem B\u00fcchlein gr\u00f6\u00dftenteils.<\/p>\n<p>Ich habe versucht, so einfach wie m\u00f6glich Eindr\u00fccke zu geben, wie man als Eltern die \u00c4therwelt f\u00fcr das Kind aufsuchen kann und sie im Kinderleben wirksam machen kann. Aber au\u00dferdem h\u00e4ngen nat\u00fcrlich allerlei andere Dinge damit zusammen, n\u00e4mlich das Schlafen, Gesundheit und Krankheit, Verhalten, Umgang mit anderen Kindern, und so weiter. Das wird alles auch ber\u00fchrt, aber im Zentrum steht das Bildschirmkind.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass viele Menschen dieses B\u00fcchlein lesen werden, und vor allem, dass sie sich dadurch durchdringen k\u00f6nnen, dass der Mensch nicht nur ein sichtbar physisches Wesen ist, sondern dass beim Kind in der Grundschule jenes ganz feine, k\u00fcnstlerische, sch\u00f6ne, zarte, wirksame Wesensglied f\u00fcr das Denken zur Verf\u00fcgung kommt Und dann m\u00f6chte man doch wirklich sehr gerne auch jenem Denken etwas darbieten, das daran angepasst ist und das auch das richtige Tempo hat. Und allgemein kann man sagen: man kann immer verlangsamen \u2013 dann macht man es nie falsch, denn alles geht zu schnell. Also: Verlangsamen ist immer gut. Aber man muss doch auch nach Gegengewicht suchen.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte hier noch stundenlang weiterreden, aber es ist ein Video, um darauf aufmerksam zu machen, dass das B\u00fcchlein da ist, also schlie\u00dfe ich mein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das \u00c4therische hiermit ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Jahren habe ich ein B\u00fcchlein geschrieben \u00fcber die Erziehung des Kindes, von der Geburt an oder vielleicht sogar schon von der Empf\u00e4ngnis an, bis zum siebten Lebensjahr, bis zum Zahnwechsel. Ich fand bei dem Dichter Novalis einen Satz, der ungef\u00e4hr zum Ausdruck bringt, was ich in jenem B\u00fcchlein sagen wollte, n\u00e4mlich: Das Kind ist sichtbar gewordene Liebe. Wundersch\u00f6n! So habe ich jenem B\u00fcchlein diesen Titel gegeben. 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