{"id":9824,"date":"2026-05-05T11:19:42","date_gmt":"2026-05-05T09:19:42","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/?p=9824"},"modified":"2026-05-05T11:19:42","modified_gmt":"2026-05-05T09:19:42","slug":"bruecke-ueber-den-abgrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/bruecke-ueber-den-abgrund\/","title":{"rendered":"Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund"},"content":{"rendered":"<p>Wie bauen wir die Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund zwischen dem sinnlichen Bewusstsein und dem himmlischen Bewusstsein, das ist doch die gro\u00dfe Frage in unserer Zeit und es gibt nat\u00fcrlich sehr viele Str\u00f6mungen, spirituelle Str\u00f6mungen, die sich damit befassen, mit dieser Frage und die Antwort darauf. Und f\u00fcr mich ist es die Anthroposophie, die eigentlich sicherste Antwort darauf gibt. Aber es war bereits Goethe, der die ganze Frage angeschaut hat und in einem M\u00e4rchen erz\u00e4hlt hat.Und dieses M\u00e4rchen hat ein Happy End, das endet gut und das Ende ist wirklich, dass die Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund sich erhoben hat. Und im Anfang des M\u00e4rchens ist es noch so, dass der Mensch wohl von der himmlischen Welt in die irdische steigen kann, aber wenn er einmal in der irdischen Welt mit dem sinnlichen Bewusstsein zu Hause ist, ja dann kann er mit dem Bewusstsein eigentlich nicht ohne weiteres wieder zur\u00fcck im Schlaf, nach dem Tod, aber mit dem irdischen Bewusstsein ist das eine Unm\u00f6glichkeit. Und am Ende des M\u00e4rchens gibt es dann mehr oder weniger ein freier Verkehr zwischen Bewusstsein der irdischen Welt und Bewusstsein der himmlischen Welt.<\/p>\n<p>Das ist doch ein wunderbares Bild. Und es ist eine Art von Prophezeiung f\u00fcr unsere Zeit. Und das hat in der Anthroposophie die M\u00f6glichkeit gezeigt, um diese Br\u00fccke, die sich schon erhoben hat eigentlich, um diese in jedem menschlichen Bewusstsein sich erheben zu lassen. Aber das geht nicht von selbst. Und das ist eigentlich die gro\u00dfe Schwierigkeit, dass wir innerlich nicht wirklich Lust haben, um aktiv zu werden. Wir meinen, dass dasjenige, was die himmlische Welt uns verspricht, dass das in derselben Art sich an uns offenbaren wird, wie es auch die ganze irdische Welt tut. Da brauchen wir nur die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Und das reicht eigentlich. Da muss noch ein bisschen Aktivit\u00e4t dazu kommen, dass wir auch die Zusammenh\u00e4nge durchschauen.<\/p>\n<p>Aber die Welt bietet sich mehr oder weniger von selbst uns an. Nicht so ist das mit der himmlischen Welt. Die zeigt uns nur insoweit, als wir selbst die T\u00e4tigkeit einsetzen, worin sie sich zeigen kann. Und ich glaube, dass das eine gro\u00dfe Schwierigkeit ist f\u00fcr heutige Menschen, um das erstens zu sehen und dann zweitens auch ausf\u00fchren zu wollen. Denn wir sind Kinomenschen geworden. Und auch wenn sie ein Video anschauen, sitzen sie eigentlich im Kino. Und ja, ich will nat\u00fcrlich nicht sagen, dann schalte es jetzt unmittelbar aus, denn dieses Kino gibt dann nat\u00fcrlich doch die M\u00f6glichkeit, dass wir kommunizieren. Aber wenn nicht diese Ausf\u00fchrungen dazu f\u00fchren k\u00f6nnten, dass eine innerliche Aktivit\u00e4t erweckt wird, ja dann w\u00fcrden wir eigentlich mit Videos nur zu diesem Kinobewusstsein beitragen. Rudolf Steiner hat mit seiner Philosophie der Freiheit etwas sehr Gewaltiges uns gegeben.<\/p>\n<p>Und wenn man das nicht nur in sich aufnimmt, sondern auch versucht, das nachzuschaffen, dann wird allm\u00e4hlich deutlich, dass wir als Menschen in unserem Wollen und unserem F\u00fchlen durch Einfl\u00fcsse leben, die wir nicht unmittelbar durchschauen k\u00f6nnen. Unsere Handlungsimpulse, die sind manchmal von uns selbst und wir meinen vielleicht, dass sie immer von uns selbst sind, aber es wirken in diese Gef\u00fchle und Willensimpulse geistige Wesenheiten inspirierend, intuitierend mit. Und wir wissen es nicht.<\/p>\n<p>Wir sind da teilweise frei, aber wir wissen es nicht, aber meistens sind wir da gar nicht frei. Und Rudolf Steiner hat gezeigt, dass das eigentlich, diese Freiheit, nur in dem Denken eine Tatsache ist, weil wir gerade im Denken uns ganz auf uns selbst gestellt haben. Nicht in unseren Gedanken, denn die Gedanken sind nat\u00fcrlich oft doch Folgen von unseren Gef\u00fchlen und unseren W\u00fcnschen und so weiter. Aber das exakte wissenschaftliche Denken, das ist abstrakt geworden. Das hat sich aus der Natur losgel\u00f6st und das hat sich auch aus unseren subjektiven Gef\u00fchlen und Willensimpulsen losgel\u00f6st. Das ist etwas, was ganz auf sich selbst gestellt ist und eigentlich ist es deshalb auch das Toteste, was wir in uns tragen.<\/p>\n<p>Aber gerade deshalb gibt es dort die Freiheit. Und wir m\u00fcssen uns bewusst werden, wir sollten uns bewusst werden, dass in dieses Freiheitselement, das Denken, das das Ungeistigste ist, was wir haben, weil es sich ganz aus der geistigen Welt befreit hat, aber zugleich auch das Geistigste ist, weil es in der T\u00e4tigkeit des Denkens geistig ist, dass wir also in diesem Denken das Element finden sollten, das uns mit der geistigen Welt wieder verbinden kann. Wir sind frei darin, wir k\u00f6nnen ganz genau durchschauen, was wir denken und tun im Denken, solange als es nicht nur Gedanken sind, sondern wirklich bewusst hergestellte, in einer wissenschaftlichen Art geformte Gedanken, dass wir da in diesem Denken die M\u00f6glichkeit haben, uns ganz bewusst mit der geistigen Welt zu verbinden, aber wir sollten bemerken, dass in dem Inhalt des Denkens die Welt gestorben ist und dass es da \u00fcberhaupt nicht mehr etwas Geistiges geben kann, weil das Leben gewichen ist. Und deshalb ist es in der spirituellen Welt so, dass man sich nicht mit dem Denken besch\u00e4ftigen will. Aber es ist zugleich dasjenige Gebiet, das direkt aus der geistigen Welt genommen worden ist und dass, wenn wir die T\u00e4tigkeit des Denkens, unser Denken als T\u00e4tigkeit entdecken, zugleich diese Br\u00fccke wird. Also die Kunst ist eigentlich, dass wir im Totesten in unserem Menschensein das Leben zur\u00fcckfinden, dadurch, dass wir in T\u00e4tigkeit kommen. Und dann so in T\u00e4tigkeit kommen, dass wir nicht f\u00fcr uns hintr\u00e4umen, sondern dass wir Schritt f\u00fcr Schritt willenserf\u00fcllt vorgehen. Und wenn wir das tun und wir haben die T\u00e4tigkeit des Denkens erlebt, dann k\u00f6nnen wir in diesem Erleben auch das Gef\u00fchl wiederfinden. Es gibt in der Philosophie der Freiheit einen Satz, worin Rudolf Steiner sagt, dass derjenige am weitesten vorgeschritten ist, der mit seinem Gef\u00fchl am h\u00f6chsten in das Denken hinreichen kann.<\/p>\n<p>Das ist etwas, wor\u00fcber man meditieren m\u00f6chte, was das zu bedeuten hat, denn er meint nat\u00fcrlich nicht, dass wir mit unsere subjektiven Gef\u00fchle in das Geistige hineinreichen sollen, sondern dass wir dasjenige, was wir als t\u00e4tige Ideenwirksamkeit in uns schaffen, dass wir das mit dem Gef\u00fchl erleben k\u00f6nnen. Und da kommt man wirklich in eine innerliche T\u00e4tigkeit hinein, die man zuvor nicht gekannt hat, die einem etwas schenkt, was mit einer Art von innerlicher Seligkeit gleichkommt. Und zugleicher Zeit wei\u00df man auch, dass dasjenige, was man in seinem Leben als tote Denkinhalte gesammelt hat, dass diese ganz an seinem Leib gebunden sind und dass die also mit dem Tod mitsterben werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Lebens sind sie schon tot, aber man hat sie wenigstens noch. Man kann sie in das Bewusstsein haben. Aber wenn man gestorben ist, dann kann man versichert davon sein, dass alles, was Gedankeninhalt gewesen ist, dass das mit dem Leib abf\u00e4llt. Auch die spirituellen Gedanken, wenn sie nicht in das t\u00e4tige Denken hinaufgehoben worden sind. Das ist die Br\u00fccke. Und wir haben eine so tiefe, umfassende Sehnsucht danach, dass wir auch w\u00e4hrend des irdischen Lebens hin und her \u00fcber eine Br\u00fccke zur geistigen Welt wandern k\u00f6nnen und dann auch wieder zur\u00fcckkommen k\u00f6nnen. Das ist eine Sehnsucht, die mit unserer Zeit mit uns mitgeboren wird. Und das M\u00e4rchen von Goethe ist davon ein Bild. Und diese M\u00f6glichkeit gibt es, aber nicht im Inhalt, nicht im Gef\u00fchl, nicht in der Willenst\u00e4tigkeit, solange als diese nicht von dem exakten Denken impulsiert ist.<\/p>\n<p>Die Br\u00fccke soll zuerst sich erheben durch die Anschauung der T\u00e4tigkeit unseres Denkens. Das wird unsere Br\u00fccke sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bauen wir die Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund zwischen dem sinnlichen Bewusstsein und dem himmlischen Bewusstsein, das ist doch die gro\u00dfe Frage in unserer Zeit und es gibt nat\u00fcrlich sehr viele Str\u00f6mungen, spirituelle Str\u00f6mungen, die sich damit befassen, mit dieser Frage und die Antwort darauf. Und f\u00fcr mich ist es die Anthroposophie, die eigentlich sicherste Antwort darauf gibt. Aber es war bereits Goethe, der die ganze Frage angeschaut hat und in einem M\u00e4rchen erz\u00e4hlt hat.Und dieses M\u00e4rchen hat ein Happy End, das endet gut und das Ende ist wirklich, dass die Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund sich erhoben hat. 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