{"id":9846,"date":"2026-07-01T14:11:38","date_gmt":"2026-07-01T12:11:38","guid":{"rendered":"https:\/\/miekemosmuller.com\/?p=9846"},"modified":"2026-07-02T14:14:40","modified_gmt":"2026-07-02T12:14:40","slug":"reine-wahrnemung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/blog\/reine-wahrnemung\/","title":{"rendered":"Reine Wahrnemung"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen habe ich gesprochen \u00fcber die Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund und es gibt immer interessante Kommentare nachher. Ein Kommentar besagte, dass es eigentlich zwei Schwierigkeiten gibt bei der Entwicklung des reinen willensdurchdrungenen Denkens. Das ist einerseits, dass die sinnliche Wahrnehmung doch immer auch pers\u00f6nlich ist, also nicht rein, und dass andererseits unsere Umgebung sehr viele Probleme gibt, dadurch, dass wir immer auf dem Schirm sitzen. So sagt man das auf niederl\u00e4ndisch.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob das auf deutsch auch so gesagt wird, dass man auf seinem Schirm sitzt, aber das bedeutet nat\u00fcrlich, dass man dieses Ding in der Hand hat oder auf dem Computer hinschaut, vielleicht auch noch altmodisch auf dem Fernseher. Aber ganz durchdrungen und umgeben sind wir von allerlei unsichtbaren Entit\u00e4ten, die uns beeinflussen. Das ist nat\u00fcrlich der Fall und darauf m\u00f6chte ich bestimmt noch weiter eingehen.<\/p>\n<p>Aber das erste war die sinnliche Wahrnehmung und die Frage, ja, aber gibt es nicht in Menschen auch die reine Wahrnehmung, also eine sinnliche Wahrnehmung, die nicht durch pers\u00f6nliche Entwicklung mehr oder weniger verwandelt wird oder ge\u00e4ndert wird, gef\u00e4rbt wird und so weiter. Ich m\u00f6chte dazu ein kleines St\u00fcckchen Text vorlesen. Und das hei\u00dft:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eZuerst m\u00fcssen wir feststellen, was Nomen und was Verbum, dann was Verneinung, Bejahung, Aussage und Rede ist.<\/p>\n<p>Es sind also die Laute, zu denen die Stimme gebildet wird, Zeichen der in der Seele hervorgerufenen Vorstellungen. Und die Schrift ist wieder ein Zeichen der Laute.<\/p>\n<p>Und wie nicht alle dieselbe Schrift haben, so sind auch die Laute, nicht bei allen dieselben. Was aber durch beide an erster Stelle angezeigt wird, die einfachen seelischen Vorstellungen, diese sind bei allen Menschen dieselben. Und ebenso sind es die Dinge, deren Abbilder die Vorstellungen sind.<\/p>\n<p>Doch hiervon haben wir, da es eine andere Disziplin angeht, in den B\u00fcchern von der Seele gehandelt. Wie nun aber die Gedanken in der Seele bald auftreten, ohne wahr oder falsch zu sein, bald so, dass sie notwendig eins von beiden sind, so geschieht es auch in der Rede. Denn Falschheit und Wahrheit ist an Verbindung und Trennung der Vorstellungen gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Die Nomina und Verba f\u00fcr sich allein gleichen nun den Gedanken ohne Verbindung und Trennung, wie zum Beispiel das Wort \u201aMensch\u2018 oder \u201awei\u00df\u2018, wenn man sonst nichts hinzusetzt. Hier gibt es noch nicht Irrtum und Wahrheit.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Text kam mir in der Erinnerung, weil hier so ganz deutlich ausgesagt wird, dass die Dinge f\u00fcr alle Menschen gleich sind, so auch die Vorstellungen, die die Abbilder der Dinge sind, dass die in allen Menschen gleich sind.<\/p>\n<p>Es wird erst pers\u00f6nlich gef\u00e4rbt, wenn man nicht bei der reinen Vorstellung bleibt, sondern wenn man dar\u00fcber hinausschie\u00dft und sich einmischt eigentlich mit allerlei Interpretationen. Dieser Text, das haben Sie vielleicht schon geahnt, stammt von \u201edem Philosophen\u201c, wie er im Mittelalter genannt wurde, von Aristoteles und ist das erste Kapitel aus seiner Interpretationslehre. Ich habe vor Jahren einige Male mit Studenten versucht, diesen Text praktisch auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir haben dann versucht, selbst festzustellen, wie wir unsere Vorstellungen haben, wie das Ding zur Vorstellung wird und wie wir dar\u00fcber hinausgehen, dadurch, dass wir allerlei Gef\u00fchle dabei haben und auch Gedanken. Es ist nicht umsonst, dass Aristoteles dann in dem folgenden Text dar\u00fcber spricht, dass ein Wort oder ein Gedanke, wenn er f\u00fcr sich auftritt oder geformt wird, nicht wahr oder falsch sein kann. Die Wahrheit und Falschheit kommt erst zustande, wenn man den Gedanken oder das Wort auf etwas bezieht oder mehrere Gedanken aufeinander bezieht. Aber an sich kann ein Gedanke nicht falsch sein. Und das gilt auch so f\u00fcr die Vorstellungen. Also f\u00fcr mich ist, was Aristoteles hier hervorhebt, und das ist, wie gesagt, der Anfang seiner Interpretationslehre, die dann sehr weit f\u00fchrt, was er hier nach vorne bringt, das zeigt, dass dieser Philosoph bei seinen Untersuchungen gefunden hat, dass die Menschheit in gewissem Sinn doch auch eine Einheit ist, n\u00e4mlich da, wo der Mensch das Ding getreu rein vorstellt.<\/p>\n<p>Das geht eigentlich mehr oder weniger von selbst. Wir k\u00f6nnen gar nicht wissen, was wir wahrnehmen, wenn es nicht zur Vorstellung wird. Und das kann man \u00fcben, man kann das verfolgen, man kann versuchen, \u00dcbungen zu tun, dass man zum Beispiel einen Blumenstrauch oder so etwas wahrnimmt, dann sich daraus zur\u00fcckzieht und zuerst mal versucht, das in der Vorstellung sich zu erinnern.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich nicht die unmittelbare Vorstellung. Das ist schon eine mehr oder weniger verwandelte Vorstellung. Aber so kann man auf die Spur kommen, was Vorstellung eigentlich ist, dadurch, dass wir eine Erinnerungsvorstellung bilden, kurz nachdem wir angeschaut haben.<\/p>\n<p>Und so k\u00f6nnen wir so weit kommen, dass wir, w\u00e4hrend wir in der sinnlichen Wahrnehmung t\u00e4tig sind, gewisserma\u00dfen ein innerliches Auge darauf lenken, dass unmittelbar auch Vorstellung da ist. Die bilden wir nicht bewusst, die Vorstellung ist eine unmittelbare Folge oder ein zugleich auftretendes Etwas, was mit der sinnlichen Wahrnehmung verbunden ist. Und wenn wir das pr\u00fcfen, dann kommen wir schon so weit, dass wir anerkennen k\u00f6nnen, dass dasjenige, was Aristoteles hier am Anfang seiner Interpretationslehre hervorhebt, dass das wirklich so ist.<\/p>\n<p>Erst wenn wir zu interpretieren anfangen, und das tun wir meistens unmittelbar, so unmittelbar, dass die mehr oder weniger organische, reine Vorstellung nicht zu unterscheiden ist von der interpretierte Vorstellung, wenn wir zu interpretieren anfangen, ja dann hat man es wirklich zu tun mit pers\u00f6nlich gewordener sinnlicher Wahrnehmung. So wie es eine M\u00f6glichkeit gibt, um ein Denken zu finden in sich selbst, das nicht pers\u00f6nlich ist, und das auch nicht durch die sinnliche Wahrnehmung ber\u00fchrt ist, so ist es auch m\u00f6glich, um die sinnliche Wahrnehmung als eine reine menschliche T\u00e4tigkeit aufzufinden und damit zusammenh\u00e4ngend unmittelbar auch die reine Vorstellung. Und ich finde es einen wunderbaren Gedanken, dass wenn wir in diesem Feld vielleicht ab und zu leben k\u00f6nnen, in der reinen sinnlichen Wahrnehmung und Vorstellung, dass wir uns dann in einem menschlichen Feld befinden, wo das Allgemeinmenschliche wirksam ist, da gibt es keine Meinungsunterschiedenheit oder Urteilskampf oder so etwas, denn die Dinge sind so wie sie sind und sie zeigen sich so wie sie sind und nur weil wir die unmittelbare Vorstellung \u00fcberspringen, meinen wir, dass die Vorstellung pers\u00f6nlich gef\u00e4rbt ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also lass das ein Friedensaufruf sein, dass wir in uns selbst, im allt\u00e4glichen Leben, ohne spirituelle Entwicklung, eine sinnliche Wahrnehmung finden k\u00f6nnen und reine damit zusammenh\u00e4ngende Vorstellungen, die f\u00fcr alle Menschen gleich sind. Das wollte ich heute erz\u00e4hlen und das n\u00e4chste Mal werde ich dann auf die schwere Aufgabe eingehen, die uns gestellt ist, das Spirituelle zu unterscheiden von dem Elektromagnetismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen habe ich gesprochen \u00fcber die Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund und es gibt immer interessante Kommentare nachher. Ein Kommentar besagte, dass es eigentlich zwei Schwierigkeiten gibt bei der Entwicklung des reinen willensdurchdrungenen Denkens. Das ist einerseits, dass die sinnliche Wahrnehmung doch immer auch pers\u00f6nlich ist, also nicht rein, und dass andererseits unsere Umgebung sehr viele Probleme gibt, dadurch, dass wir immer auf dem Schirm sitzen. So sagt man das auf niederl\u00e4ndisch.<\/p>\n<p>Dit sprookje heeft een happy end, dat eindigt goed en het einde is werkelijk, dat de brug over de afgrond zich opgericht heeft. In het begin van het sprookje is het nog zo, dat de mens wel vanuit de hemelse wereld in de aardse kan afdalen, maar wanneer hij eenmaal in de aardse wereld met het zintuiglijke bewustzijn thuis is, ja dan kan hij met het bewustzijn eigenlijk niet zonder meer weer terug, in de slaap, na de dood, maar met het aardse bewustzijn is dat een onmogelijkheid. Aan het einde van het sprookje is er dan min of meer een vrij verkeer tussen bewustzijn van de aardse wereld en bewustzijn van de hemelse wereld.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":9857,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-9846","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9846","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9846"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9846\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9863,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9846\/revisions\/9863"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9857"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/miekemosmuller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}