Das kleine Kind

Ich habe auf verschiedene Weise versucht in Worte zu fassen, was ein Kind wirklich ist und wie man als Erwachsener in der Erziehung damit umgehen sollte. Allerdings hat der Erwachsene normalerweise überhaupt kein Verständnis für die Entwürdigung, die der Mensch im Laufe seines Erwachsenwerdens durchmacht. Als Folge davon sieht er oder sie nicht, wie degeneriert die Erziehung von Kindern ist.
Epiphanie

Für den beschränkten Intellekt ist dies etwas ganz und gar Irrationales, und also muss es wohl zu fantastisch sein, um wahr zu sein. Aber wir könnten doch zumindest einmal versuchen, diesen großen Gedanken ein Mal zu denken. In den alten griechischen Termini könnten wir diese vollkommen kreative Einsicht als makrokosmisch-mikrokosmisches Wesen Logos nennen. Wir könnten unsere Logik dann als einen sehr armen und schematischen Abdruck eines Teils dieses großen Logos auffassen. In diesem Logos würden wir alle Einsichten und alle Begriffe finden können, und jede erlangte Einsicht würde eine Offenbarung des Logos sein. Wir könnten dies dann – ebenfalls in griechischen Worten – Epiphanie nennen. Das ist ein plötzlich realisiertes Begreifen, es kann auch ein wissenschaftlicher Durchbruch sein.
Silvesternacht in Dornach, 1922-1923

‚Dr. Steiner sah man überall, bald war er auf dem Gelände, das er in allen Richtungen durchlief, bald in der Schreinerei, immer mit tief traurig-ernster Miene ohne Aufregung, sich voll bewusst, was mit dieser Arbeit der Menschheit verloren gegangen ist. Dieser Bau war einzigartig und barg in seinen Formen und Bildern die ganze Welt- und Menschheitsentwicklung. Sich in ihm befinden bedeutete für jeden dafür Empfänglichen eine Anregung in den tiefsten Gründen seiner künstlerischen Schaffenskraft.
Eine Weihnachtsgeschichte

Lange, lange her, wussten die Menschen viel mehr als heute… Die Menschen von heute halten sich für sehr klug und sind es auch, aber sie wissen nicht viel. In dieser Zeit, vor langer Zeit, wussten die Menschen zum Beispiel noch, dass man mit Gott verbunden ist und das, was sie wussten, verbreitete sich über die gesamte menschliche Zivilisation…
Musik

Tiefer tauchen wir in die Vorahnung des Weihnachtsmysteriums ein. Die berühmten Komponisten haben in ihren Messen Musik zum Credo komponiert. Ich erinnere mich an meine Berührung als mir bewusst wurde, dass Bach, der ja nicht katholisch war, doch zum Credo ‚Et Credo (in) unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam‘ Musik geschrieben hat. Da geht der wirklich religiöse, nicht-konfessionelle Glaube mit Hilfe der Kunst über alle Dogmatik hinaus… Im Credo finden wir auch den Satz, der auf Weihnachten hinweist: ‚Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine, et homo factus est‘.
Adventszeit

Je mehr unser Verstand zu einem „Computer-Intellekt“ wird, desto schwieriger wird es, Atmosphären wahrzunehmen, die mit den Jahreszeiten und den Jahresfesten zusammenhängen. Dieser Intellekt sorgt dafür, dass die durch die Veränderungen im Jahresverlauf hervorgerufenen Gemütsbewegungen im hellen Tageslicht nicht mehr erlebt werden. Tagsüber gibt es die leuchtenden Farben, nachts die Dunkelheit. So einfach ist das. Und im Sommer ist es lange hell, im Winter wird es früh dunkel. Außerdem eilt der Mensch durch sein Leben, um rechtzeitig für all die Dinge da zu sein, die das Leben ausfüllen.
Denken ohne Gehirn

Es ist für den Menschen möglich, denken zu lernen, ohne das Gehirn zu gebrauchen. Dass dies der Fall ist, ist für denjenigen, der auf diese Weise denkt, ohne Weiteres zu erfahren. Dafür braucht man sich selbst keinen Beweis zu liefern, auch wenn man gerne Beweise fände, mit denen man andere überzeugen könnte… Es ist die größte Entdeckung, die man als Mensch zunächst selbst machen kann. Denn sie liefert den Beweis der Unsterblichkeit des eigenen denkenden Wesens. Von dem Moment an kann die ganze Welt einem zurufen, dass der Mensch nach dem Tod „nicht mehr existiert“; man selbst weiß, dass dies auf ungenügender Selbsterkenntnis beruht. Wer „in Platos Höhle“ eingeschlossen ist, weiß nicht mehr, dass es eine Welt darüber hinaus gibt. Wer aus der Höhle wieder zu entkommen versteht, erfährt die Welt, wie sie in Wirklichkeit ist, doch die Mitgefangenen wollen für gewöhnlich bei der Rückkehr des Befreiten kein Wort über die Realität hören, geschweige denn, von ihm befreit werden…
Die intuitive erlebende Erkenntnis des Ich

In dem Zitat aus Rudolf Steiners Autobiographie von letzter Woche wird unterschieden zwischen Sinneswahrnehmung, bei der man sicher ist in Bezug auf die Existenz, solange man die Wahrnehmung hat, und Ich-Wahrnehmung, die eine Kontinuität ist und deren Erfahrung in der Meditation sogar die Sicherheit geben kann, dass es vor der Geburt da war und nach dem Tod da sein wird.
Leibfreies Erkennen

Lebe ich mich mit meiner Seele in Vorstellungen ein, die an der Sinneswelt gebildet sind, so bin ich im unmittelbaren Erfahren nur imstande, von der Wirklichkeit des Erlebten so lange zu sprechen, als ich sinnlich beobachtend einem Dinge oder Vorgange gegenüber stehe. Der Sinn verbürgt mir die Wahrheit des Beobachteten, solange ich beobachte.
Unternatur

Man kann sich fragen, wie diese Menschheit jemals siegen muss , wenn sie ihre eigene Qualität nicht schätzt und sich ganz einer Qualität hingibt, die sie zwar geschaffen hat, die aber nicht mehr die ihrige ist. Wir sind mit Vernunft und Willen begabt, und dazwischen liegt unser Erleben, unser Gefühl. Erkennt man einmal, dass der an die Sinne gebundene Verstand mit Elektrizität und der persönliche Wille mit Magnetismus zu tun hat, und dass der elektrische Verstand und auch der subjektive magnetische Wille unternatürlich sind, dann weiß man: Ich kann mich nur dann frei davon halten, wenn ich meinen Verstand spiritualisiere und meinen Willen im Ziel entwickle.