Eros

Während der Vorbereitung offenbarte sich das Thema sofort als unaussprechlich. Liebe ist der Sinn der Entwicklung der Erde… Wer könnte das in Worte fassen? Wer könnte Übungen in der Liebe finden? Wie soll man die Liebe verstehen? Der Apostel und Evangelist Johannes sagt: ‘Kinder liebt einander!‘ Aber was bedeutet das?

Chartres – 4

Im Mittelalter blühte die Schule von Chartres auf, wo große Theologen mit der platonischen und pythagoreischen Vorstellung lebten, dass die Vermittlung zwischen Gott und der Welt in der Mathematik liegt, insbesondere in den Prinzipien der Geometrie. Diese werden auch durch das Konzept der Größe bestimmt, das ein arithmetisches Konzept ist, das sich bis in die Geometrie erstreckt. Diese Gelehrten sahen in Gott den ‘Großen Geometer’, der das All nach diesen Prinzipien erschuf – wie wir es auch im platonischen Dialog Timaeus finden können. Das lebte bis ins Mittelalter hinein und diese Lehrer von Chartres haben mehr oder weniger bewiesen, dass die mathematischen Prinzipien nicht die Prinzipien von Luftschlössern sind, sondern dass man mit ihnen eine Kathedrale bauen kann. Es ist bekannt, dass die Kathedrale von Chartres „gefrorene Musik“ ist, denn sie ist ganz nach den musikalischen Intervallen konzipiert, mit dem Grundriss eines Fünfecks, aus dem der goldene Schnitt als Maß genommen wurde, mit dem dann der gesamte Dom ausgearbeitet – und schließlich tatsächlich gebaut wurde, was bewies, dass diese Prinzipien bis zur Verwendung von Stein fest sind!

Chartres – 3

Beim Besuch der Kathedrale haben wir zuerst versucht, das Westportal, das berühmte Königsportal zu erleben. Wenn man dort die Kathedrale betritt, schreitet man durch das Tor des Neuen Jerusalems ein. Wenn wir aber eine Realitäterleben wollen, ist das nicht der richtige Eintritt. Denn der Mensch ist ja noch lange nicht vollkommen genug um eine Ähnlichkeit dar zu stellen mit der apokalyptischen Vollkommenheit.

Chartres – 2

Es ist wunderbar, zu erleben, wie eine spirituelle Lehre, die Teil der Gestaltung der Spiritualität des Abendlandes war, zu einer feststehenden Struktur geworden ist, zu einer Kathedrale. Was in Dantes „Göttliche Komödie“ in poetischen Worten zum Ausdruck kam, ist hier in all seiner wunderbaren pythagoräischen Weisheitder Proportionen in Steingebaut worden. Es ist wegen unserer Dumpfheit des Verstandes, dass wir einfach da rein gehen können, als ob es eine interessante Kirche wäre. Und doch glaubeich, dass jeder, der dort hineingeht, etwas von der Ewigkeit, auch vom Kosmos, vom Wunder des menschlichen Körpers als Mikrokosmos aufnimmt.

Chartres

Am Vorabend des Seminars um und in der Kathedrale von Chartres loderte in der Notre Dame de Paris das Feuer und sie brannte teilweise nieder. Wir waren bereits in Chartres und fühlten mit den französischen und weltweiten Emotionen mit. Die Kathedrale in Chartres, ebenfalls eine Notre Dame, betrauerte ihre Schwester mit zweimal intensivem Läuten der Glocken. In den folgenden Tagen – aber vielleicht war es schon vorher so – gab es immer schwer bewaffnete Soldaten in der Stadt und um die Kathedrale herum. Am weißen Donnerstag, zu Anfang der Abendmesse, standen sie sogar am Eingang und jeder Besucher musste an ihnen vorbei…

Schöpfung aus dem Nichts

“Rudolf Steiner beschreibt diese Schöpfung aus dem Nichts so, dass eigentlich alles, was ich durch logisches Denken erkenne und was über die notwendige Erkenntnis hinausgeht, eine Schöpfung aus dem Nichts ist. Er gibt das Beispiel, dass etwas gestohlen wurde und man eine Ahnung hat, wer der Dieb ist. Man kann ganz im Gegebenen bleiben, aber man kann sich auch Gedanken darüber bilden, wie sich alles ereignet hat, und das geht über die Notwendigkeit hinaus, das braucht man nicht zu tun. Es gibt in der Literatur natürlich schöne Beispiele. Vielleicht kennen Sie Sherlock Holmes, ein Privatdetektiv in der englischen Literatur (Sir Arthur Conan Doyle), der vorzüglich das Denken einsetzt, um Verbrechen zu lösen. Er geht immer über das Notwendige hinaus. Die Polizei arbeitet ganz in alledem, was man sogelernt hat und was jeweils die Notwendigkeit ist, aber er hat ein freies Denken und geht mit seinem Denken darüber hinaus und findet in diesem ‚darüber hinaus‘ dann die Lösung. Man kann sagen, das sei doch banale Literatur, aber das ist es gar nicht; es ist sehr lehrreich, das mitzuerleben, den Kontrast zwischen jemandem, der in den Dingen drin ist und denkt, und jemandem, der heraustritt und dann aus einer Überschau heraus Dinge denkt, die gar nicht so üblich sind.”

Kernkraft und Christusbewusstsein

Ein gutes Beispiel ist die Kirche mit dem Priester und den Gläubigen in der radioaktiv verseuchten Gegend von Tschernobyl. Dieses Gebiet wäre 20.000 Jahre lang unbewohnbar, solange sollte es dauern, bis die radioaktive Strahlung dort auf harmlose Werte abgesunken ist. Inzwischen hat sich jedoch in Tschernobyl, mitten im Gefahrenbereich, eine Glaubensgemeinschaft niedergelassen, in der Menschen dank ihres festen Glaubens und des Vertrauens in den Erlöser an den Folgen von Krankheit und Alter und nicht an den Folgen von Strahlenschäden sterben.

Abendländische Karma-Erkenntnis

‘Ich habe schon einmal erwähnt: ein christlicher Weiser, der zu parallelisieren wäre mit dem buddhistischen Weisen, würde anders zu dem König Milinda gesprochen haben. Der buddhistische Weise sagte zu dem König: Betrachte dir den Wagen! Räder, Deichsel und so weiter, das sind die Teile des Wagens, und über diese Teile hinaus ist «Wagen» nur Name und Form. Du hast nichts Reales gegeben in dem Wagen mit dem Namen Wagen; sondern wenn du zum Realen gehen willst, mußt du die Teile nennen. — Der christliche Weise würde über denselben Fall in folgender Art gesprochen haben: O weiser König Milinda, du bist zu Wagen gekommen. Sieh dir an den Wagen: du kannst an dem Wagen nur sehen die Räder, die Deichsel, den Wagen- kasten und so weiter. Aber ich frage dich einmal: Kannst du mit den bloßen Rädern hierher fahren?, kannst du mit der bloßen Deichsel hierher fahren?, kannst du mit dem bloßen Sitz hierher fahren? und so weiter. Du kannst also auf allen Teilen nicht hierher fahren! Sofern sie Teile sind, machen sie den Wagen; aber auf den Teilen kannst du nicht hierherkommen. Wenn aber die Teile zusammen den Wagen

Alte und neue Mystik

In der alten Mystik hatte der Mystiker noch die Fähigkeit, von einer totalen Ruhe in der Seele und einer Abstoßung von allen äußeren Eindrücken (Unannehmlichkeit, die Eindrücke aus der Umgebung nicht annehmend) zu einemaus den Kräften des physischen Körpers Aufsteigender mystischen Wahrnehmungen zu gelangen.  In unserer Zeit ist dies nicht mehr der richtige Weg und auch nicht mehr möglich.  Der Körper gibt die gute geistige Welt nicht mehr in mystischen Erfahrungen.  Diese müssen nun auf der Grundlage wissenschaftlichen Denkens gefunden werden, indem man dieses erkennend anschauen lernt.

Die Weisheit lebt im Licht

Es gibt Menschen, die so sehr in ihre – assoziativen oder suchenden – Gedanken versunken sind, dass sie sozusagen nicht bemerken würden, wenn direkt neben ihnen ein Tumult irgendeiner Art ausbrechen würde. Ähnliches muss in der Meditation bewusst verfolgt werden, aber im aktiven reinen Denken, bei dem das ganze Leben des Fühlens und aller Wiilensinitiative Schritt für Schritt hingegeben wird. Die Umgebung, einschließlich des eigenen Körpers, wird nicht mehr wahrnehmbar.