Mit welchem Sinnesorgan können wir das Denken wahrnehmen? Nicht mit unseren Augen oder Ohren, das ist deutlich genug. Wenn wir versuchen, das Denken zum ersten Mal zu erfassen, ist es Gedanke, was wir sehen: Inhalte. Wir wissen, was wir denken, wenn wir gesunde Menschen sind. Es ist das Bewusstsein, was es möglich macht, dass wir wissen, was wir denken. Oder, um es andersherum zu sagen: Weil wir wissen, was wir denken, sind wir bewusst.
Aber was wir wahrnehmen, ist nicht der Denkprozess, nicht die Aktivität des Denkens. Wenn wir versuchen, das Denken als eine Aktivität zu erfassen, dann brauchen wir ein anderes spezifisches Sinnesorgan, wir könnten es ‚inneren Sinn’ nennen.
Als erstes müssen wir uns erinnern, was wir taten, wir können das Denken nicht sehen, während wir denken. Wir müssen üben, aktiv zu denken und uns dann zu erinnern, was wir genau taten, als wir dachten. Derselbe ‚Sinn’, der es möglich macht, Erinnerungen zu haben, gibt uns die Kraft, uns zu erinnern, wie wir gedacht haben – auch wenn es mehr innere Energie verlangt, dies zu tun. Es braucht Zeit, unser Denken zu wecken. Die Gedanken sind vorbei, wenn wir unseren Blick auf das Denken richten. Aber zu versuchen, den Prozess des Denkens zu fassen, während wir denken, weckt einen neuen Sinn, den ‚inneren Sinn’. Eines ist absolut sicher: der Sinn, der den Akt des Denkens in der Gegenwart wahrnimmt – mehr als in der Erinnerung –, ist auch Denken. Das ‚Auge’, mit dem wir das Denken als eine Aktivität sehen, ist das Denken selbst.
Zweierlei können wir hier sehen lernen. Das erste ist, dass wir selbst jeden Begriff generieren, jede Analyse und Synthese, jede logische Bewegung im Denken. Obwohl ein Gedanke als Inhalt gegeben sein kann – das ist der Fall, wo wir den Inhalt nicht schaffen –, müssen Gedanken gedacht werden, wenn wir wissen wollen, dass wir sie haben. Und wir können nichts denken, was undenkbar ist. Es ist also sicher schockierend, sich an die Erfahrung zu gewöhnen, dass das Denken durch mich ins Leben gebracht wird – und nur durch mich. Nicht die Inhalte, aber die ‚erkennende’ Aktivität.
Die zweite Beobachtung im Denken über das Denken ist, dass wir wirkliche Künstler des Denkens sind, dass wir genau wissen, wie wir es machen müssen – obwohl wir es uns nie klarmachen und auch nie klarmachen würden, wenn wir nicht begonnen hätten, zu versuchen, das Denken mit dem Denken wahrzunehmen.

Phoenix, Aberdeen BestiariumWas ’sehen‘ wir, wenn wir unseren Blick auf unser eigenes Denken richten? Von Mieke Mosmuller



