Lebenswillenskraft

Das Licht ist nun so verinnerlicht, dass es vom Geist aus nach außen strahlen kann. In dieser Zeit des Jahres ist das aktive, bewusste Hervorbringen des Denkens wirklich aktuell. Wir fühlen, wie es der Wille ist, der sich im Denken entfaltet, wie der Wille geistig wird. Und mit dieser Lebens-Willenskraft können wir die Welt der Sinne erleuchten. Dadurch kommen rein menschliche schöpferische Kräfte aus dem menschlichen Geistigen, aus den Triebfedern der Seele, und verbinden sich mit den Handlungen, die der Mensch verrichtet, in dem ‚Werk’, das der Mensch schafft.

Umstülpung

Der Spruch in der Woche des Michaelfestes, Nr. 26, ist einer der Wendepunkte in den Wochensprüchen. Hier stülpt sich der Spruch um, was außen war, wird innen, was innen war, wird außen. In dieser dreißigsten Woche wird dies sehr deutlich, wenn wir diesen Spruch mit dem Spruch Nr. 23 vergleichen. Wir müssten sehr präzise untersuchen, was da geschieht. Am Anfang des Septembers wurde unser Blick auf den Beginn des Herbstes in der Natur und die Hingabe des Sommers an uns gerichtet. Nun erreichen wir einen Höhepunkt darin. Im Licht der Seele reifen Früchte des Denkens, und unser Gefühlsleben verwandelt sich in die Sicherheit des Selbstbewusstseins. Was der Herbst mir nun gibt, ist das Erwachen des Geistes und die Ahnung des Seelensommers, der im Winter kommen wird.

Herbstesruhe

Die Erbschaft des Sommers ist, dass wir imstande sind, das Denken für uns selbst zu Licht werden zu lassen, in unserem inneren Leben. Es ist nicht ein passives Empfangen von Gedanken, sondern ein aktives Zum-Vorschein-Bringen, immer wieder, fortwährend, sodass es strahlend wird. Es wird uns deutlich, dass ‚Denken’ bedeutet, dass wir aus dem Kraftquell des Weltengeistes alles, was wir erleben, sinnvoll deuten können. Aber wir müssen das Begreifen aktiv zustande bringen, kräftig, innerlich. Die Begriffe strahlen wie ein inneres Feuer – so, wie die Sonne im Sommer strahlt. Sie werden uns durch den Herbst und den Winter tragen.

Rätsel

Nicht nur zunehmendes Licht und Wärme nehme ich in meinem inneren Leben wahr; ich fühle auch, dass ich Möglichkeiten gewinne, mein Denken stärker und stärker zu machen, so dass es immer fähiger wird, das Lebensrätsel zu erleuchten. Die Rätsel, die mir das Leben gibt, können von dieser Strahlung der Seelensonne gelöst werden. Dadurch fühle ich das Geschenk, das Geheimnis des Lebens lösen zu können, worauf ich schon so lange hoffte, dass ich fürchtete, die Schwingen meiner Sehnsucht würden gelähmt werden…

Herbst

Unser Weg liegt nun in der umgekehrten Richtung. Wir verlieren uns selbst nicht an die Welt, sondern wir finden uns selbst immer mehr in den Tiefen unseres Wesens. Es erwacht eine Selbstanschauung, und wir haben eine sehnende Ahnung, dass einmal eine Zeit kommen wird, wo wir uns selbst finden werden, indem wir uns selbst anschauen.

Michael

Jetzt, wo wir in unseren Leib zurückkehren, nach der Sommerzeit, verbinden wir uns wieder mit der Natur des eigenen Leibes. Wir können die Nähe von Mutter Natur fühlen, denn wir sind ein Teil von ihr, insoweit wir inkarniert sind. Der Wille trägt sie, wird hier gesagt. Wir dürfen uns also nicht vorstellen, dass die Natur die Willenskraft trägt, sondern dass das Willenswesen die Natur trägt – was einen großen Unterschied bedeutet. Und dieser Wille, der ganz und gar nicht materiell ist, soll die Triebfedern des Geistes stählen. Indem diese mächtige Energie in die spirituelle Aktivität hineingebracht wird, entsteht die Selbstsicherheit, und wir werden imstande sein, uns wirklich durch uns selbst in uns selbst zu tragen.

Der Seele Tiefen sollen wachen

Im Frühling und Sommer haben wir uns an das Licht der Welt verloren, wir haben unser Selbst hingegeben, um es wachsen zu lassen, ohne selbst etwas dazu zu tun. Nun haben wir das Selbst wieder empfangen, und es wird jede Woche lichter. Je mehr Finsternis draußen, desto stärker wird das Innere licht. Den Höhepunkt erreicht dies zu Weihnachten. Wenn wir nach draußen sehen, kann dies ein betrübtes Gefühl geben, weil die Tage kürzer werden und der Herbst kommt. Doch dies ist nicht mit der Freude des Lichterwerdens von Raum und Zeit durch das innerlich wachsende Licht zu vergleichen. Der Sommer soll immer mehr in das Innere kommen, während es draußen Winter ist.

Willensfrucht

Jetzt kommt die Zeit der stets zunehmenden Aktivität der Seele. Im Frühling und Sommer mussten wir uns der Welt hingeben, nun gibt die Welt sich uns – aber wir müssen in zunehmendem Maße innerlich aktiv werden. Wir können nicht warten, bis die Kraft des Weltengeistes uns das Selbstbewusstsein bringt. Wir müssen uns erschaffen, indem wir aktiv sind – ohne Sehnsucht nach innerer Ruhe. Nur dann berührt der Weltengeist den Menschengeist und bringt Licht in die Seele, die finster bleiben würde, wenn sie passiv bleiben wollte.

Hingabe des Sommers an mich…

Bereits vom Anfang meiner Beschäftigung mit diesen Sprüchen, seit mehr als dreißig Jahren, hat der Spruch dieser zweiten Woche im September mich tief berührt. Es ist ein Zeichen des Anfangs der Herbstzeiten, wo die Seele aktiv wird und wo in der äußeren Welt der Sinnesschein gedämpft wird. Schleier mischen sich mit dem Sonnenlicht – es ist einer der schönsten Erlebnisse die es gibt… Man fühlt den Aufruf: Gnothi seauton! Oh Mensch, erkenne dich selbst! Das Licht der Welt hat sich zum Inneren der Seele gewendet, der Sommer nimmt ab und der Herbst fängt an, seine Schönheit zu offenbaren. Der Sommer hat an mich sich selber hingegeben! Er lebt in meinem Innern weiter und mit diesem inneren Licht kann ich die Auferstehung des Geistes finden!

Seelenlicht

Jetzt kommt die Zeit, in der das Licht der Welt, worin wir uns im Sommer hingegeben haben, zum Innern des Menschen zurückkehrt. Das Weltenlicht wird Seelenlicht, und wir erleben es immer mehr innerlich. Vom Seelenlicht aus wird es in die Tiefen des Geistes getragen. Wie außerhalb die Früchte reifen, so reifen sie auch im Innern. Aber dort bringen sie keine materiellen Früchte, sondern spirituelle. Aus Weltenselbst reift das Menschenselbst, im Verlauf der Zeit.