Die Sonnestunde

Das Denken, Fühlen und das Wollen leben nun in völliger Hingabe an den weltenweiten kosmischen Raum, sie haben sich völlig aus sich selbst befreit. In den kommenden Wochen wird sich dies stabilisieren, es bleibt – in verschiedenen Zuständen der Seele – bis zum 24. Juni, dem Johannisfest bestehen. Danach kommt die Metamorphose zum Fest des Herbstbeginns, dem Michaelsfest.
Dich fühlte jetzt ein Gotteswesen

Nun nähern wir uns dem Sommer. Wir gewöhnen uns daran, immer mehr nach außen zu schauen, und wir sehen, wie die Sonne höher und höher steht, wie die Tage länger, wie die Nächte immer kürzer werden. Wir sind nicht daran gewöhnt, zu empfinden, dass wir selbst mit unserem Fühlen mitgehen mit dem Steigen der Sonne, wie unsere Gefühle auch im Raum weit werden. Wir sind daran gewöhnt, uns von der äußeren Welt getrennt zu fühlen.
Verliere dich, um dich zu finden

Nun bricht die Zeit an, in der ich nicht nur mein klares Denken aufgeben muss, sondern zugleich auch meinen eigenen Willen vergessen lernen muss. Was ich tun will, was ich brauche, wonach ich mich sehne – es muss vergessen werden. Nur dann kann die Wärme des allmählich heraufziehenden Sommers meinen Geist und meine Seele erfüllen. Ich kann das immer wieder innerlich üben: Seele und Geist mit der Wärme erfüllen, die ich von der äußerlichen Sommerwärme kenne; nicht nur meine physische Wärme fühlen, sondern zugleich meine spirituelle Wärme. Ich muss lernen, mich im Licht zu verlieren. Wenn ich bei meinem gewöhnlichen Selbst bleibe, kann ich nur das Materielle sehen, die physische Welt. Ich fühle sehr kräftig, dass ich nur dann mein wahres Wesen finden kann, wenn ich bereit bin, mein gewohntes Selbst loszulassen, zu verlieren. Es ist nicht das gewöhnliche Alltagsdenken, das mir dies verkündet, es ist das Ahnen.
Das göttliche Wesen und die menschliche Seele

Obwohl nun das Ahnen an die Stelle des Denkens getreten ist, schwillt die Macht der Sinne noch immer weiter an. Das Schaffen der Götter verstärkt dieses Anschwellen. Dadurch wird die Denkkraft zur Dumpfheit des Traumes abgeschwächt. Das Ahnen wird noch dumpfer, es wird ein Träumen. Aber die Seele kann sich in der Klarheit des profanen Denkens nicht mit dem göttlichen Wesen vereinigen. Jenes muss bescheiden werden und schweigen, wie es dies im Traumessein tut.
Ahnung

Während das Selbst zu einem Abbild der Welt wird, erreicht es gleichsam den äußersten Punkt der Selbstvergessenheit. Indem es an diese Grenze kommt, kommt es zu den Bewusstsein, dass es sich selbst zusammennehmen muss und dass es nicht in das kosmische Licht verfliegen wollen darf. Eine fast unbekannte Eigenschaft des Menschen muss nun an die Stelle der Macht des Denkens treten: das Ahnen. Diese Eigenschaft muss nun diese Macht des Denkens ersetzen, das sich in den Sinnesschein verlieren will.
Das Selbst als Welt und die Welt als Selbst

Wenn ich dies jedoch wahrhaftig fühlen kann, verändert sich meine Wahrnehmung der Welt völlig. Im Wahrnehmen der Offenbarung des Selbst zeigt die Welt dieses Selbst als ein Abbild. Dieses Abbild wird als ein göttliches Urbild gezeigt. Ich werde die Wahrheit des Abbildes des Selbstes gewahr.
Magnificat!
Nun hat die Seele in ihrer Empfindung sich mit dem Licht vereinigt. Es ist das äußerliche Sonnenlicht, das aus Geistestiefen kommt, worin sich das Schaffen der Götter offenbart. Dieses Licht webt im Raum und ist fruchtbar. Man kann das in dem Reichtum der Blüten von allerlei Art wahrnehmen, vor allem den Prunus, den anderen Obstbäumen, dem Flieder.
Die große Sehnsucht
Die Gedankenmacht hat ihre Eigenheit verloren und ich habe mich vom Wahn der Eigenheiten befreit. Nun spricht meine Empfindung, dass ich das Wesen meines Wesens fühlen kann. Die Empfindung kann sich nun mit den Lichtesfluten vereinigen, ich kann mich in diese Prozesse hineinführen lernen: wie ich Empfindung geworden bin und so mein Wesen Wesens fühlen kann. Ich kann spüren lernen, wie Empfindung und strömendes Licht eins werden. Das Licht, das dem Denken gehört, wird so auch Wärme, die der Empfindung gehört. Durch Vereinigung von Licht und Wärme entsteht eine feste Verbindung von Mensch und Welt. Ich kann hineingehen in Licht und Wärme, fühlen wie sie Denken und Fühlen entsprechend sind und so mich und Welt verbinden.
Kontemplation

Nicht nur Gedankenmacht verliert jetzt die Eigenheit, es ist der Mensch, der zum Weltenall spricht, während er sich selbst vergisst, und sich aus der Eigenheiten Fessel befreit. Vergessen ist das Selbst, doch nicht der Ursprung davon in den Geisteswelten. Gerade das ist es, was das wachsende Menschen-Ich jetzt spricht zum Weltenall, dass es darin sein echtes Wesen ergründet. Man kann lernen, sich als Mensch, der in den Geisteswelten wurzelt, zu erleben, und man kann lernen, seine irdischen Eigenheiten zu vergessen.
Die Woche nach Ostern

Im Frühling kommen die Pflanzen wieder aus der Erde hervor, sie scheinen zu ‚wissen’, dass es die richtige Zeit für sie ist, um zu sprießen, und sie scheinen auch zu wissen, wann sie je nach ihrer Art blühen und Frucht tragen müssen. Was ist dieses mysteriöse Phänomen in der Natur – ist es in unserem Verstand, in unserem Geist auch zu finden?