Die Ur-Frage und die Ur-Antwort

‚Wir haben die erste Frage gefunden, die Frage, womit die Philosophie beginnt. Und die Antwort auf diese Frage haben wir nicht abstrakt und bezweifelbar gefunden, sondern als eine unentrinnbare Tatsache, gegründet auf Erfahrung im innerlichen über-subjektiven und über-objektiven Denken.

Der Phönix aus der Asche

Der Mensch, der diesen Punkt in seinem Bewusstsein tatsächlich gefunden hat – also nicht nur als Vorstellung –, bringt dasjenige ans Licht, was sonst alles Übrige beleuchtet, aber selbst immer im Dunkeln bleibt. Wenn das Licht des Denkens sich selbst bescheint, wird es aus der Finsternis, wo es immer als Schein erlebt wird, erlöst und wird zu einer neuen wahrnehmbaren Substanz, die immateriell ist, also nicht mit den Leibessinnen greifbar, jedoch sehr wohl tastbar mit dem Sinnesorgan, das das Ich ist. Das Denken als Metamorphose des Ich wird zum Sein.

Bestialität

Natürlich ist es immer möglich, das Gegenteil einer Behauptung auszusprechen – und dann noch immer die Wahrheit zu sprechen. Wir könnten sehr gut sagen: Menschen denken überhaupt nicht, die Tiere sind bessere Denker als die Menschen. Man schaue einmal auf die Bienen, welch ein wunderbar reines Denken sie sichtbar werden lassen, indem sie ihr Bienen-Wesen tun. Die Handlungen der Tiere zeigen ein kompliziertes Denken. Aber für sie gibt es natürlich keine Möglichkeit zu einem freien Denken. Tiere führen das Denken aus, das ihnen als Instinkt gegeben ist.

Frei werden – Teil 2

Denken ist eine rein menschliche Eigenschaft. Das Bewusstsein ist mit Gedanken gefüllt, sie gehen immer weiter, weiter, weiter, sie machen uns glücklich, sie bringen Stress, sie machen uns traurig. In der Nacht gehen sie weiter, obwohl unser Bewusstsein dessen schwindet. Nur in Träumen nehmen wir wahr, dass sie noch immer da sind, obwohl si sich in mehr oder weniger fantastischen Bildern zeigen. In dem Moment des Erwachens geht der Strom der Gedanken weiter, aber sie heften sich an die Sinneswahrnehmungen – sie werden dadurch zusammengehalten, konzentrieren sich.

Frei werden…

‚Die Menschen haben das Denken sich allmählich überhaupt abgewöhnt und denken nur noch mit den Gedanken derjenigen, die sie als Autoritäten haben. Die Menschen müssen wiederum selber denken, müssen wiederum anfangen, jeder einzelne, selber zu denken, sonst werden sie, gerade wenn sie nichts wissen von der geistigen Welt, von ihr fortwährend beeinflußt, aber in schlechtem Sinne. ‚

Warum sollten wir ein reines, selbstständiges Denken entwickeln?

Aristoteles denken wir nicht mit, weil wir den Inhalt brauchen. Wir denken seine Gedanken mit, weil wir dadurch eine Denkfähigkeit kennen lernen, die aus dem Altertum kommt, die aber die Menschheit noch immer nicht selbstständig entwickelt hat. Warum sollten wir ein solches Denken entwickeln?

Über die Weisheit

Damit wären die geläufigen Ansichten über die Weisheit und ihre Vertreter bezeichnet und aufgezählt. Was nun das erste betrifft, so muß notwendigerweise die Eigenschaft, ein Wissen von allem zu haben, dem am meisten zukommen, der die Kenntnis des Allgemeinen besitzt. Denn dieser weiß damit zugleich in gewissem Sinne alles, was unter dem Allgemeinen befasst ist. Dieses, das am meisten Allgemeine, möchte aber auch zugleich das sein, was den Menschen so ziemlich am schwersten zu erkennen ist, denn es liegt von dem sinnlichen Bewußtsein am weitesten ab. Die strengste Form ferner haben die Erkenntnisse, die sich am unmittelbarsten auf die ersten Prinzipien beziehen. Denn begrifflich strenger sind diejenigen, die aus einfacheren Prinzipien abfließen, als diejenigen, die allerlei Hilfsanschauungen heranziehen; so die Arithmetik gegenüber der Geometrie. Aber auch zur Unterweisung anderer geeigneter ist diejenige Weisheit, die die Gründe ins Auge faßt; denn diejenigen bieten wirkliche Belehrung, die von jeglichem die Gründe anzugeben wissen. Daß aber Wissen und Verständnis ihren Wert in sich selbst haben, das ist am meisten bei derjenigen Weisheit der Fall, deren Gegenstand der am meisten erkennbare ist. Denn wer das Wissen um des Wissens willen begehrt, der wird die Weisheit vorziehen, die es im höchsten Sinne ist, und das ist die Weisheit von dem Gegenstande, der am meisten erkennbar ist; am meisten erkennbar aber sind die obersten Prinzipien und Gründe. Denn vermittelst ihrer und auf Grund derselben erkennt man das andere, nicht aber erkennt man sie vermittelst dessen, was unter ihnen steht. Die oberste Herrscherin aber unter den Wissenschaften und in höherem Sinne zum Herrschen berechtigt als die dienende, ist diejenige, die erkennt, zu welchem Zwecke, jegliches zu geschehen hat. Dies aber ist in jedem einzelnen Falle das Gute und in der Welt als Ganzem das absolute Gut.

Die technische Revolution

In früheren Blogtexten habe ich Rudolf Steiner in Bezug auf das Wirken der Engel in unserer Seele zitiert. Am 18. Mai zitierte ich ihn, um die guten Wirkungen zu zeigen, am 19. August 2015 gab ich ein Zitat über den ersten Effekt, der entstehen wird, wenn wir die Offenbarungen der Engel in unserer Seele nicht zu Bewusstsein bringen. Am 28. Oktober 2015 zitierte ich über den zweiten Effekt.

Ein Buch lesen

Bücher lesen ist eine sehr besondere Beschäftigung. Wenn man einen Roman liest, der interessant ist, dann taucht man unter in die Gedanken und die Gefühlswelt eines Anderen, des Autors, der etwas wiederzugeben versucht von den Personen und Situationen, die beschrieben werden. Wenn man ein Studienbuch liest, zum Beispiel ein Buch aus der Gesamtausgabe Rudolf Steiners, dann kann es anfänglich etwas mühsamer sein, ,hineinzukommen’, aber dann wird man dennoch auch mitgenommen von dem geweckten Interesse an dem, was da geschrieben steht. Man kann bemerken, wie dieses Interesse die eigene Art des Lesens vertieft und wie man allmählich zu einem Erleben des Inhalts kommt, so, wie man bei einem Roman unmittelbar in das Erleben kommt. Ein Buch hat man in seinen Händen, es ist aus Papier und Karton, es hat eine bestimmte Anzahl von Seiten, man blättert diese jedes Mal um – und schließlich hat man es ausgelesen. Wenn es gut ist, ist es schade, dass es zu Ende ist. Wenn es nicht gut ist, dann zählt man die Seiten, die man noch vor sich hat, bis es endlich vorbei ist. Das Buch riecht nach Papier, es fügt sich der eigenen Lesearbeit, man kann es lieben oder eine Abneigung dagegen haben. Es ist ein materielles Ding, aber es hat eine die Seele und/oder den Geist weckende Wirkung, die weit über das Ding, über das Papier und das Format hinausgeht.

Homo sapiens und das Smartphone

Die philosophischen Reflexionen dieses Blogs begannen mit Reflexionen über den Menschen. Wenn wir dem Gedanken der Evolutionstheorie folgen wollen, finden wir einen Menschen, der Wissen von seiner Welt und von sich selbst haben kann. Insoweit er weiß, dass er ein menschliches Wesen ist, können wir ihn Homo sapiens nennen; insoweit er die Möglichkeit hat, sich selbst zu erkennen, kann er Homo sapiens sapiens genannt werden.