Das Böse in der Bhagavad Gita

Zuerst ziehe ich die Bhagavad Gita zu Rate. Hier liegt das Böse ganz und gar in der menschlichen Seele, im menschlichen Wesen. Und wir bekommen den Eindruck, dass dieses menschliche Wesen zugleich die Möglichkeit hat, sich in die Richtung des Reinen und des Guten zu entwickeln. Im 14. Kapitel wird gesagt:

Das Böse

Im letzten Jahr habe ich in diesen Wochen im Januar über das Böse geschrieben. Nun kommt dieses Thema durch die Fragen eines guten Freundes erneut auf. Wenn wir auf die Ereignisse auf der Weltbühne blicken und versuchen, zu empfinden, was Menschen leiden müssen, die in weniger komfortablen Umständen leben als wir in Europa – trotz aller Probleme, die wir haben, auch hier –, könnte die Frage aufkommen: Warum schuf Gott diese Welt mit allem Elend und Leiden? Wäre es für den allmächtigen Gott nicht möglich gewesen, einen besseren Begriff zu bilden und eine Welt zu schaffen, in der wir uns ohne ein so weit gehendes Leiden entfalten könnten?

Einfach Gott

Mein erstes Buch „Suche das Licht…“ wollte ich zwei Männern geben. Voriges Mal schrieb ich über den gelehrten Arzt; diesmal will ich über die andere Person schreiben. Ich ,begegnete’ ihm zum ersten Mal, als ich ungefähr zehn Jahre alt war, vielleicht sogar früher. Wir verbrachten jeden Sylvesterabend bei meinen Großeltern, die schon einen Fernseher hatten. An einem dieser Abende wurde eine Show im Fernsehen gesendet. Es war eine ,Ein-Mann-Show’, die wir sehr genossen. Es war ein Mann, begleitet von einem kleinen Orchester, der ein großes Theaterpublikum während einiger Stunden unterhielt – und wir lachten vom alten in das neue Jahr. Ich lernte diese Form von Humor lieben, eine Form, die nicht politisch und auch nicht kritisch war. Es war eine Art tragikomischer Blick auf den Menschen im Alltagsleben. Der Mann war ein großer Imitator, aber er imitierte das Leben des Alltags. Er versuchte auch, seinem Publikum eine bereits verschwindende Lebensfreude, eine Dankbarkeit, leben zu dürfen, zu vermitteln. Er tat dies mit einer enormen Energie. Sein Humor war überhaupt nicht intellektuell, und trotz seines gewaltigen Erfolges – die Straßen waren leer, wenn er mit einer Theatershow im Fernsehen zu sehen war – fanden einige Menschen seinen Humor langweilig, gerade wegen dieses einfachen Humors – den ich meisterhaft fand.

Der weise Alte und der Neugeborene

Wir können uns am Ende des Jahres einmal die Frage stellen: Wie erlebe ich dieses Ende des alten Jahres? Das alte Jahr ist verbraucht und kann uns nichts mehr geben – das neue hat noch keine Geschehnisse in sich, es wird uns sehr viel bringen, manche Dinge werden wir friedlich erleiden, andere können wir bewusst in Freiheit selbst schaffen. Aber die Frage ist: Macht es einen Unterschied, ob wir vom 18. zum 19. August gehen, um nur ein Beispiel zu nennen, oder vom 31. Dezember zum 1. Januar?

Der Himmel auf Erden

Während der Adventzeit sind die Zeichen dieser Ankunft schon zu erleben. Aber am Christabend, wenn die Sterne hell am Nachthimmel scheinen, können wir fühlen, gewahrwerden, dass sich der Himmel für uns öffnet, dass der Himmel zu uns kommt, sich mit dem Finsteren vermischt und dieses erleuchtet. Die Seele, mit all ihrem Licht, gebärt den Geist. Sowohl im Inneren, als auch in der äußeren Welt kommt der Himmel auf die Erde. Es ist die beste Zeit, die es gibt, um eine Meditation zu erfüllen, die sich auf diesem mächtigen Anwesendsein des Himmels auf Erden aufbaut.

Winter

Der Seelenkalender gibt der menschlichen Seele die Möglichkeit, die reinen Gefühle zu empfinden, die zu den Änderungen im Verlauf der Jahreszeiten gehören. Es gibt darin wahrhafte Höhepunkte, wo der Mensch tief die Würde des Menschenwesens und die Großartigkeit des Zusammenlebens mit der Natur auf Erden fühlen kann, ein Zusammenleben auch mit der Welt der Elemente, der Seele, des Geistes – mit der Welt des Kosmos, den Planeten, den Sternen. In dieser Woche, vor der Woche, in der Weihnachten gefeiert wird, erklingt eine Präludium auf das Weihnachts-Ereignis.

Advent

In den Wochensprüchen von Rudolf Steiner finden wir Sprüche für jede Woche des Jahres. Dank ihnen können wir mit den Jahreszeiten mitleben, und wir können lernen, zu fühlen, zu erfahren, wie der Mensch – ich selbst also – ebenso vier Jahreszeiten im Jahr durchlebt. Obwohl der Leib dies nicht zeigt – unsere Blätter fallen nicht im Herbst und kommen im Frühling wieder hervor –, können wir sehr deutlich in unserer Seele als Vermittlerin zwischen Geist und Leib, aber auch zwischen dem lebendigen Menschenwesen und der Natur, die Veränderungen in den Jahreszeiten fühlen. So erleben wir im Frühling und Sommer, wie die Seele sich immer mehr von der Gebundenheit an den Leib löst und sich immer mehr an den Kosmos hingibt, bis sie so weit wie die kosmische Welt ist und so würdig werden kann, ein wahrhaftiges Kleid für den Geist zu werden. Sie kann dann das Geistgeschenk in sich empfangen.

Wie finde ich die Freiheit?

In dieser Beschreibung wird es sehr deutlich, dass wir nicht nur die Möglichkeit haben, über äußere Objekte zu denken, sondern dass wir daneben imstande sind, die Aktivität unseres Denkens noch einmal mit dem Denken zu durchdringen, so als ob unser eigenes aktives Denken ein Objekt ist – obwohl es eine subjektive Aktivität ist, das heißt, ausgehend vom Subjekt. In dem Moment, wo das aktive Denken Objekt wird, das mit dem Denken durchdrungen wird, können wir gewahr werden, wie wir zu einer höheren Daseinsebene erhoben werden, wie der Leib ,vergessen’ wird und sich ein Denken entfaltet, das frei vom Leib ist. Es ist ein mächtiger Strom von befreitem Denken, es gibt ein Gebiet, wo die ,Intuition’ lebt.

Schenkende Tugend

Es scheint eine Moral-freie innerliche Tat zu sein, dieses Erfassen der inneren Aktivität des Denkens durch das Denken. Es scheint eine technische, philosophische Fähigkeit zu sein, die erworben werden kann, wenn man es nur stark genug versucht. Nichts ist jedoch weniger wahr. Uns selbst aus unserem inneren Mittelpunkt zu befreien und einen Platz auf einem Umkreis einzunehmen, der auch noch ständig in Bewegung ist, dies verlangt eine Überwindung der Angst vor dem bewussten Verlassen des Leibes – das ist etwas, was wirklich eine Übereinstimmung mit dem Sterben hat. Natürlich ist es nicht der Tod, der darauf folgt, aber das Gefühl ist schon so – das Verlassen des Gehirns, das uns im Denken, im Bewusstsein ein Halt ist. Es ist der erste Abgrund, der überbrückt werden muss, und wir brauchen Tugenden, um dies zu können.

Das Gelangen zum Geist durch das Denken

Die beiden anderen Bilder, die der Engel im Astralleib webt, haben wir in den vergangenen Wochen versucht zu erleben: Brüderlichkeit für das leibliche Leben, Verständnis für das religiöse Leben, für die Seele. In dieser letzten Tätigkeit ruht bereits der Übergang zum Denken, das die Fähigkeit in sich trägt, zum Geist hinüber zu geleiten, weil es das Geistige im Menschen ist. Durch das Denken können wir die Wirklichkeit des Geistes erreichen. Das ist ein völlig neues Erleben. Es ist nicht eine intellektuelle Beschäftigung mit geistigen Inhalten, nicht nur ein Studium der Geisteswissenschaft. Obwohl dieses Studium notwendig ist, bedeutet dieses Erleben noch nicht ein Erleben der Wirklichkeit des Geistes. Es ist ein sinnlichkeitsfreies Denken – ein Denken, das in Aktivität hervorgebracht wird und das in nur reinen Gedanken lebt – und trotzdem noch kein Erleben des Geistes.