Schaue auf die Engel, die Bilder in unserer Seele weben!

In seiner Prophetie über die nahe Zukunft gibt Steiner drei Warnungen in Bezug auf das, was geschehen wird, wenn wir die Arbeit der Engel in unserer Seele verschlafen würden. Das Erste, was er beschrieb, waren die Veränderungen im Gebiet des Willens, wodurch keine Brüderlichkeit, sondern gerade ein Streit zwischen den Menschen aufkommen würde, der eine Mensch gegenüber dem anderen. Keine Liebe, sondern Hass würde dann das führende Prinzip werden.
Bewegung und Emotion

Es ist die ‚Bekehrung‘, über die ich in den Blogs der letzten zwei Wochen schrieb. Nicht eine äußerliche Bewegung ist notwendig; eine innerliche Bewegung brauchen wir, die sich dann als die tiefste christliche Emotion erweisen würde, weil sie den Logos in Seinem wiederauferstandenen Zustand sieht. Der innere Blick auf das Denken muss auf das Denken selbst gerichtet werden. Da, wo das äußere Licht untergeht, geht das innere Licht auf.
Blick auf den Geist

Die Ideen existieren immer in uns, weil wir sie geformt haben, aber das Ding, das wahrgenommen wird und worüber gedacht wird, bleibt außerhalb unseres Denkens. Wenn wir jedoch das Denken selbst wahrnehmen, was dann zugleich bedeutet, dass wir es begreifen, dass wir dessen Idee haben, dann ist das Ding, das wahrgenommen wird und gedacht wird, ganz und gar ein und dasselbe wie unser Geist. Es ist in unserem Geist, es ist unser Geist.
Die Idee der Idee

Aber so wie die schöpferischen Naturkräfte «nach tausendfältigen Pflanzen» noch eine machen, worin « alle übrigen enthalten» sind, so bringen sie auch nach tausendfältigen Ideen noch eine hervor, worin die ganze Ideenwelt enthalten ist. Und diese Idee erfaßt der Mensch, wenn er zu der Anschauung der andern Dinge und Vorgänge auch diejenige des Denkens fügt. Eben weil Goethes Denken stets mit den Gegenständen der Anschauung erfüllt war, weil sein Denken ein Anschauen, sein Anschauen ein Denken war: deshalb konnte er nicht dazu kommen, das Denken selbst zum Gegenstande des Denkens zu machen. Die Idee der Freiheit gewinnt man aber nur durch die Anschauung des Denkens. Den Unterschied zwischen Denken über das Denken und Anschauung des Denkens hat Goethe nicht gemacht. Sonst wäre er zur Einsicht gelangt, daß man gerade im Sinne seiner Weltanschauung es wohl ablehnen könne, über das Denken zu denken, daß man aber doch zu einer Anschauung der Gedankenwelt kommen könne. An dem Zustandekommen aller übrigen Anschauungen ist der Mensch unbeteiligt. In ihm leben die Ideen dieser Anschauungen auf. Diese Ideen würden aber nicht da sein, wenn in ihm nicht die produktive Kraft vorhanden wäre, sie zur Erschei-nung zu bringen. Wenn auch die Ideen der Inhalt dessen sind, was in den Dingen wirkt; zum erscheinenden Dasein kommen sie durch die menschliche Tätigkeit. Die eigene Natur der Ideenwelt kann also der Mensch nur erkennen, wenn er seine Tätigkeit anschaut. Bei jeder anderen Anschauung durchdringt er nur die wirkende Idee; das Ding, in dem gewirkt wird, bleibt als Wahrnehmung außerhalb seines Geistes. In der Anschauung der Idee ist Wirkendes und Bewirktes ganz in seinem Innern enthalten. Er hat den ganzen Prozeß restlos in seinem Innern gegenwärtig. Die Anschauung erscheint nicht mehr von der Idee hervorgebracht; denn die Anschauung ist jetzt selbst Idee. Diese Anschauung des sich selbst Hervorbringenden ist aber die Anschauung der Freiheit. Bei der Beobachtung des Denkens durchschaut der Mensch das Weltgeschehen. Er hat hier nicht nach einer Idee dieses Geschehens zu forschen, denn dieses Geschehen ist die Idee selbst. Die sonst erlebte Einheit von Anschauung und Idee ist hier Erleben der anschaulich gewordenen Geistigkeit der Ideenwelt. Der Mensch, der diese in sich selbst ruhende Tätigkeit anschaut, fühlt die Freiheit. Goethe hat diese Empfindung zwar erlebt, aber nicht in der höchsten Form ausgesprochen. Er übte in seiner Naturbetrachtung eine freie Tätigkeit; aber sie wurde ihm nie gegenständlich. Er hat nie hinter die Kulissen des menschlichen Erkennens geschaut und deshalb die Idee des Weltgeschehens in dessen ureigenster Gestalt, in seiner höchsten Metamorphose nie in sein Bewußtsein aufgenommen. Sobald der Mensch zur Anschauung dieser Metamorphose gelangt, bewegt er sich sicher im Reich der Dinge. Er hat in dem Mittelpunkte seiner Persönlichkeit den wahren Ausgangspunkt für alle Weltbetrachtung gewonnen. Er wird nicht mehr nach unbekannten Gründen, nach außer ihm liegenden Ursachen der Dinge forschen; er weiß, daß das höchste Erlebnis, dessen er fähig ist, in der Selbstbetrachtung der eigenen Wesenheit besteht. Wer ganz durchdrungen ist von den Gefühlen, die dieses Erlebnis hervorruft, der wird die wahrsten Verhältnisse zu den Dingen gewinnen. Bei wem das nicht der Fall ist, der wird die höchste Form des Daseins anderswo suchen, und, da er sie in der Erfahrung nicht finden kann, in einem unbekannten Gebiet der Wirklichkeit vermuten. Seine Betrachtung der Dinge wird etwas Unsicheres bekommen; er wird sich bei der Beantwortung der Fragen, die ihm die Natur stellt, fortwäh-rend auf ein Unerforschliches berufen.‘
Das Besingen der Wahrheit

Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert trat eine Umwandlung dieser alten Vedanta-Philosophie ein. Die Bhagavad Gita wurde nicht nur in der ursprünglichen Form in der westlichen Welt eingeführt, sie kam auch in einer verborgenen Form in den Philosophien von Hegel und Fichte zur Erscheinung. Die Weise, in der in der Bhagavad Gita über die Wahrheit gesprochen wurde, können wir in der idealistischen Philosophie, wo von einer ‚Ur-Idee’ gesprochen wird, und in der ‚Ich-Philosophie’ von Fichte wiederfinden. Die Ur-Idee ist die Idee, die nicht einer der Begriffe ist, die wir denken, sondern es ist die Idee, die der Begriff des Denkens selbst ist, die allumfassende Idee der Idee. Diese ist noch nicht in die vielen Begriffe unterschieden, die wir kennen, sondern trägt alle Begriffe und ihre Verbindungen in sich. Diese allumfassende Idee ist wie der Same im Vergleich zur gewachsenen und blühenden Pflanze.
Das Herz als ein Sinnesorgan

Um die Reinheit oder die Falschheit zu ‚hören’, muss das Herz dazukommen. Dies ist ebenso eine Art Sinnesorgan, es ist das Organ des Gefühlslebens, zusammen mit der Atmung. Allein das Fühlen kann uns auf die Wahrheit weisen, das Herz muss die Wahrheit wahrnehmen. Mit einem reinen Herzen wissen wir, ob etwas wahr ist oder nicht.
Verständnis

In der Erkenntnistheorie hat im 20. Jahrhundert eine enorme Umkehr stattgefunden. Davor hatte es noch immer etwas Vertrauen in das Vermögen des Menschen gegeben, die Wahrheit zu finden. Im 20. Jahrhundert wurde mit diesem Glauben ganz gebrochen. Der Mensch fühlt sich von der Wahrheit getrennt, oder er fühlt sich als ein Geschöpf in einer Welt, in der Wahrheit überhaupt nicht besteht. Nicht jeder ist natürlich ein Philosoph, also denkt nicht jeder über diese Fragen nach. Aber die Weltgedanken, die Welt des Denkens ist universell, und was gedacht wird, ist in gewissem Sinne Eigentum von jedem. Wir gehen also zur Schule und sogar zur Universität – und uns wird gelehrt, dass Wahrheit nicht existiert oder dass diese nicht innerhalb des Bereichs des Menschen liegt. Auch wenn es nicht explizit gesagt wird, lernen wir dies dennoch, weil es in unserer Weise des Kenntniserwerbs liegt. Die einzige zeitweilige Wahrheit ist, dass Wissenschaft durch den Beweis gebildet wird, der auf dem Experiment beruht. „Evidence-based science“ nennen wir das. Die Wahrheit ist vorübergehend, denn es kann jederzeit der Beweis gefunden werden, dass die Wahrheit, die wir zu haben dachten, doch nicht wahr ist.
Liebe zur Schönheit

Zuerst ist es ein beständig seiendes, das weder wird noch vergeht und weder zunimmt noch abnimmt; sodann ist es nicht einerseits schon, andererseits aber hässlich, auch nicht manchmal schön, manchmal nicht, auch nicht in Bezug zu dem schön, zu jenem hässlich, auch nicht hier schön, dort aber hässlich, so dass es für die einen schön wäre, für die anderen aber hässlich. Auch wird sich ihm das Schöne nicht darstellen wie ein Gesichtes oder Hände oder sonst etwas, woran der Körper beteiligt ist, noch auch als Rede oder Erkenntnis, noch überhaupt als etwas, was an einem anderen ist, wie zum Beispiel an einem Einzelwesen oder am Himmel oder an sonst etwas, sondern es selbst an und für sich und ewig von gleicher Gestalt; während alles übrige Schöne irgendwie in der Weise teilhat, dass das andere zwar wird und vergeht, jenes aber weder mehr noch weniger wird, noch etwas erleidet.
Aktives Fühlen

Doch es gibt eine ganze Welt von Gefühlen, die zu der Polarität von Sympathie und Antipathie gehören und die wir studieren können, indem wir sie mystisch zu empfinden lernen. Wir müssen ein Vermögen dafür entwickeln, diese Gefühle zu verstärken, sie zu übertreiben, während wir sie jedoch völlig in der Hand haben. Denn wenn wir versuchen, die Gefühle zu fassen, scheinen sie immer vage zu sein, nicht so wohlumgrenzt wie ein Gedanke. Sind wir aber einmal in einem aktiven Denken wach geworden, das völlig frei von uns selbst ausgeht, dann können wir auch die Gefühle fassen und sie zum Reifen bringen.
Engel oder Teufel

Im Text vom 22. Juli habe ich über das Wirken der Engel in unserem Astralleib zitiert, woraus deutlich wurde, wie sie moralische Ideale in uns aufrufen. Unsere eigene Aufgabe ist es jedoch, diese Impulse lesen zu lernen, um dessen voll bewusst zu sein, klar darüber zu denken, sie zu eigenen Idealen zu machen, die wir in Freiheit verwirklichen können. Freiheit ist nur dann da, wenn wir wissen, was wir denken, fühlen und tun. Was wird geschehen, wenn wir nicht für diese Ideen erwachen wollen, wenn wir weiter schlafen würden und die Engel ihr Werk ohne unser Mitwissen tun lassen würden?