Wahrnehmen des Inneren (innere Selbstwahrnehmung)

Darauf wollen wir übergehen zu einer Wahrnehmung unseres innerlichen nicht leiblichen Lebens. Wir nehmen dann nicht unseren Körper wahr, sondern unser Bewußtsein. Oben haben wir gezeigt, wie die sogenannten innerlichen Erfahrungen doch Wahrnehmungen der Außenwelt sind. Wenn wir hier also vom innerlichen Wahrnehmen sprechen, meinen wir immer das rein innerliche Wahrnehmen unseres Bewußtseins. Daß der Mensch dies vermag, daß er seinen Blick auf sein innerliches Erleben wenden kann, ist ein rein menschliches Vermögen. Es ist uns als eine natürliche Möglichkeit gegeben, doch seine Entwicklung hängt mit Übung zusammen. Wenn wir diese Wahrnehmung unseres Bewußtseins üben, wird sie immer exakter und intensiver. Wer diese Sätze liest, müßte eigentlich nicht weiterlesen wollen, bevor er einmal diese Wahrnehmung des Bewußtseins selber versucht hätte. So könnte er, was hier beschrieben wird, selber erfahren. Wer diesen Schritt zur eigenen Aktivität nicht machen will, wird dieses Werk langweilig finden und vielleicht seine eigene Trägheit nicht bemerken.
Die Intuition des Ich

In der Philosophie werden ziemlich viele Gedanken über das ‚Ich’ gebildet. In Wirklichkeit können wir jedoch nichts Wahres darüber sagen, wenn wir unsere Gedanken nicht von der wirklichen Wahrnehmung des eigenen Ich aus bilden. Wie könnte ich je etwas über diesen merkwürdigen kleinen Punkt, der zugleich der Wichtigste in meinem Leben ist, wissen, wenn ich nie versuche, dessen wahres Wesen zu erfahren?
Die Freiheit des Denkens

Wenn wir die Gegenwart so durchstoßen wollen, dass wir bewusst in eine Berührung mit der Wort-Welt des lebendigen Logos kommen, dann müssen wir lernen, in der Einsicht zu leben. Die Einsicht jedoch ist etwas ganz anderes als der abstrakte Begriff. Hier liegt eine große Schwierigkeit. Hier gerade liegt dieses Unvorstellbare, weil der Mensch im gewöhnlichen Begreifen die Augenblicke der Einsicht ganz und gar verschläft, weil sie im Willensgebiet des Denkens liegen, worin der Mensch gewöhnlich nicht wach ist.
Was ist ein Kind?

Wenn wir mit einem Kind spielen oder es versorgen, kann es schwierig sein, diese heiligen Kräfte, die rund um das Kind da sind und es aufbauen, wahrzunehmen. Aber durch die Meditation haben wir die Gelegenheit, die Gnade, imstande zu sein, selbst Imaginationen zu bilden. In der Meditation können wir aufmerksamer und konzentrierter sein, und diese imaginative Aktivität führt zu den wirklichen Kräften in dem wirklichen Kind…
Ave verum corpus – Mensch zwischen Himmel und Erde

Ein Bild für den Leib, der ein richtiges Gleichgewicht zwischen Materie und Geist kennt, einen Leib, der ganz und gar rein ist, einen Leib, wie er wahrhaft menschlich ist, ist in dem bekannten wunderschönen kleinen Musikstück von Mozart, dem ‚Ave verum corpus’, erlebbar. Jeder der drei Tage in Samaya wurde mit dem Singen dieser Musik abgeschlossen, zuerst übend, aber am dritten Tag doch in einem schönen Zusammenklang.
Raum und Zeit

Unsere Sinneserfahrungen, Gedanken und Begriffe basieren auf einem Leben im Raum. Unsere Vorstellungen sind räumlicher Art. Wenn wir auf unsere Uhr schauen, wird auch die Zeit in einer räumlichen Form visualisiert – insofern wir noch ein Ziffernblatt mit den zwölf Stunden haben. Raum ist eine Art Wirklichkeit für uns; Zeit ist viel weniger eine Wirklichkeit. Wir müssen natürlich mit der Zeit leben, es ist ein ziemlich zwingendes Medium, doch wir haben kein deutliches Sinnesorgan dafür wie das Auge für den durchlichteten Raum um uns. Es gibt Menschen mit einem guten Zeitgefühl, andere haben das viel weniger, kommen zum Beispiel immer zu spät. Ob nun Zeit etwas Wirkliches ist oder ob es eine menschliche Erfindung ist, eine erdachte Einteilung, um Tag und Nacht einzuteilen – das ist nicht ohne Weiteres deutlich.
Bedrohte Menschlichkeit

In Bern habe ich am Palmsonntag mittags einen Vortrag mit anschließender Übung über das Thema „bedrohte Menschlichkeit“ gehalten. In der Ankündigung stand die Frage, was die weltweiten Konflikte mit uns zu tun haben und was sie individuell von uns erfordern.
Erkenne dich selbst!

Der menschliche Blick ist fortwährend nach außen gerichtet, und wenn er nach innen schaut, geschieht dies durchgehend, um die eigene Ehre zu betrachten und wenn nötig wiederherzustellen. Man kann das natürlich auch anders formulieren, man kann auch schönere Worte finden. Doch die Selbsterkenntnis ist in jedem Fall für gewöhnlich nicht objektiv. Das heißt, dass man als Mensch sich selbst nicht als Objekt betrachtet, sondern dass man mit seinem Subjekt sein Subjekt betrachtet.
Die Weisheit ist eine Frau

Nicht alle Frauen sind weise, aber die Weisheit ist eine weibliche Gestalt. Als Qualität lebt sie sowohl in Männern als auch in Frauen, wenn sie die Weisheit suchen. Die Weisheit ist da und wartet, bis sie den Menschenverstand in weise Gewissheit umwandeln darf – wenn man sie darum bittet, wenn man sie liebt, wenn man sie sucht.
Frühlingsbasar 2

Das ganze Leben verläuft in Gegensätzen. So auch der Frühlingsbasar. Die Vorbereitungen dafür liefen schon seit November, in Absprache mit der Schule, wo er stattfinden sollte, doch zwei Wochen vor dem eigentlichen Datum kam der Gastgeber – die Rudolf Steiner Schule in Breda – plötzlich auf die Idee, der Basar könne möglicherweise eine Konkurrenz für den zwei oder drei Monate später geplanten Frühlingsmarkt der Schule selbst sein, der ein Pflichtereignis für die Schüler ist. Dies bildete einen ziemlichen Gegenwind in diesem Frühling…