Glück. Erwägungen

Ja, ich war eine Zeit lang nicht präsent, hatte sehr viel Arbeit mit verschiedenen Seminaren und außerdem eine Reise nach Chartres, aber darüber hinaus habe ich auch wieder einmal ein Büchlein geschrieben. Ich selbst habe es noch nicht, aber es ist bereits erschienen. Ich habe es noch nicht, weil ich nicht in den Niederlanden bin, daher kann ich es nicht zeigen, aber es wird wohl auf dem Bildschirm eingeblendet werden. Und ich wollte eine Vorstellung dieses Büchleins machen. Es ist ein Büchlein über das Glück, und als ich begann, es zu schreiben, habe ich gesagt, beziehungsweise geschrieben: Ja, es sind bereits so viele Bücher über das Glück geschrieben worden, dass man sich fragen kann, worauf man sich eigentlich einlässt, wenn man noch einmal ein Büchlein mit diesem Titel schreibt. Und dennoch bin ich der Meinung, dass ich darüber noch etwas Besonderes schreiben kann, und ich hoffe, dass mir das auch gelungen ist.

Als ich darüber nachdachte, was Glück eigentlich ist, merkt man schnell, dass es sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt und dass das Wort Glück auch sehr unterschiedliche Bedeutungen hat. Ich denke, wir verwenden es am häufigsten im Sinne des Gegenteils von Pech. Ich habe Glück gehabt, glücklicherweise ist es gut gegangen – eine Form des Zufalls, die einem in positiver Weise widerfährt; das wird oft als Glück bezeichnet.

Als ich mit dem Schreiben begann, war ich gerade damit beschäftigt, eine Reise mit einer Gruppe nach Chartres vorzubereiten, und dafür las ich das Buch des großen Alanus ab Insulis aus dem zwölften Jahrhundert. Dieses Buch heißt „Die Erschaffung des himmlischen Menschen“, und darin werden eigentlich alle Eigenschaften behandelt, die ein Mensch haben kann. Und dann muss irgendwann auch ein Verhältnis zur Glücksgöttin gefunden werden. Interessant ist dabei, dass diese Glücksgöttin eigentlich mehr oder weniger als Fortuna beschrieben wird, als ein Glück also, wie wir es im Allgemeinen meinen, wenn wir sagen: Ich habe Glück gehabt. Einige Zeilen aus dieser Beschreibung der Glücksgöttin habe ich in das Büchlein aufgenommen, aber das ist eigentlich nicht das, worüber ich geschrieben habe. Ich habe versucht, eine Art aufsteigende Linie zu verfolgen, ausgehend vom grundlegendsten Glück – dem Besitz eines gesunden und möglichst auch schönen Körpers – über viele Stufen hin zur geistigen Seligkeit. Und es ist interessant, in der Geschichte nachzuschauen, was Schriftsteller über das Glück gesagt haben, denn das ist sehr unterschiedlich. Einige derjenigen, die ich am Anfang angeführt habe, möchte ich hier gern zitieren. So sagt Jean-Paul Sartre: Der Mensch ist nichts anderes als das, was er aus sich macht.

Immanuel Kant: Der Begriff der Glückseligkeit ist ein so unbestimmter Begriff, dass, obwohl jeder Mensch wünscht, sie zu erreichen, er doch niemals bestimmt und mit sich selbst übereinstimmend sagen kann, was er eigentlich wünscht und will. Typisch Kant.

Dann gibt es einen zeitgenössischen spanischen Priester, der ein Büchlein über die Stille-Meditation geschrieben hat, und der sagt:

„Am Ende meiner letzten intensiven Meditationsretreats, die ich einmal im Monat einen ganzen Tag lang durchführe, ging ich in den Bergen spazieren. Und für kurze Zeit, vielleicht eine Stunde lang, erlebte ich ein außergewöhnlich tiefes Glücksgefühl. Alles schien schöner, strahlender, und ich hatte das schwer zu erklärende Gefühl, dass nicht ich mich in diesen Bergen befand, sondern dass sie, die Berge, mich waren. Die Dämmerung brach herein und der Himmel war bewölkt, aber für mich erschien er in vollkommener Schönheit.“

Dann ein Schriftsteller aus der Antike, Epikur:

„Wenn wir sagen, dass die Lust das Ziel ist, meinen wir nicht die Vergnügungen der Ausschweifung, sondern die Freiheit von Schmerz im Körper und von Unruhe in der Seele.“

Und so habe ich versucht, auf meinem Weg zur geistigen Seligkeit eine Reihe interessanter Aussagen zu sammeln, die, so wie ich sie erlebe, unmittelbar mit innerer Aktivität zusammenhängt. Ich glaube nicht, dass der Mensch hinsichtlich seines Glücks vollständig vom Schicksal abhängig ist.

Teilweise natürlich schon. Auch das Innere ist mit durch das Schicksal bestimmt. Ich meine, der eine Mensch hat eine positiv gestimmte Seele, und der andere lebt eigentlich ständig in Schwermut und Negativität. Dieser wird es schwerer haben, durch die innere Aktivität darüber hinauszukommen als jene positive Seele, die ohnehin schon so froh ist. Aber man kann dennoch sagen: Es gibt etwas im Menschen, das innerhalb seiner eigenen Reichweite liegt, wobei man nicht vom Schicksal abhängig ist, ob man nun froh oder traurig gestimmt ist. Ein schwermütiger Mensch hat vielleicht sogar noch mehr Chancen, diese eigene Aktivität zu finden, weil in der Schwermut doch eine gewisse Tiefe liegt, die notwendig ist, um die innere Aktivität zu beginnen und auch durchzuhalten.

Wenn das natürliche Glück groß ist, hat man nicht viel Antrieb, nach einem Weg aus der Tiefe zu suchen. Und so bin ich in diesem Büchlein schließlich bei dem angekommen, was für mich letztlich immer die große Rettung der Menschenseele ist, nämlich die Möglichkeit, durch eigene innere Aktivität in der Seele so stark zu werden, dass man sich über die Gegebenheiten des Schicksals erheben kann – natürlich nicht immer, aber doch in vielen Augenblicken.

Also auch dann, wenn das Leben überhaupt nicht glücklich ist, wenn viel Leid vorhanden ist, wenn vieles erlebt werden muss, was niederdrückt, gibt es dennoch in der Seele einen Ort, zu dem man gelangen kann und an dem man sich aus dieser bedrückenden Stimmung erheben, aufrichten kann. Das ist letztlich der Punkt, den ich in diesem Büchlein selbstverständlich mit Nachdruck beschrieben habe. Und ich habe dabei auch beschrieben, dass man dann gewissermaßen seine Stütze bei einem tatsächlich vorhandenen geistigen Wesen gefunden hat. Es wird wahrscheinlich auch ohne dass ich diesen Namen ausspreche deutlich sein, welches Wesen ich damit meine.

Ich hoffe, dass dieses Büchlein für sehr viele Menschen wiederum eine Stütze sein kann, um in unserer Zeit, die so viel Negativität mit sich bringt, eine Quelle zu finden, die im Grunde jeder Mensch erschließen kann – und diese Quelle sprudelt vor Glück.

Das wünsche ich jedem von Herzen.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wer ist Mieke Mosmuller?

Mieke Mosmuller ist Ärztin, Schriftstellerin und Philosophin. Sie schreibt über aktuelle Themen, die ihren philosophisch-spirituellen Entwicklungsweg berühren, den sie 1983 begann….

Neueste Artikel

Als ich darüber nachdachte, was Glück eigentlich ist, merkt man schnell, dass es sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt und dass das Wort Glück...
Wie bauen wir die Brücke über den Abgrund zwischen dem sinnlichen Bewusstsein und dem himmlischen Bewusstsein, das ist doch die große Frage in unserer Zeit...
Ja, wenn man in dieser Welt lebt, dann sieht man doch wirklich, dass ein immer chaotischeres Bild entsteht, eine Art wahnsinnige Unwahrheit, die sich nicht...

Mieke Mosmuller folgen

Freunde Mieke Mosmuller
Aktuelles Video

Nächstes Seminar