Besprechung des Aufsatzes von ‚Einzig mögliche Kritik der atomistischen Begriffe‘ von Rudolf Steiner aus 1882. Teil 2.

Im folgenden Teil des Aufsatzes ‚Einzig mögliche Kritik der atomistischen Begriffe‘ von Rudolf Steiner, wird das Prinzip der Erkenntnis, auf Erfahrung basierend, noch einmal klar formuliert. In diesem Aufsatz des sehr jungen Rudolf Steiners ist die wunderbare musikalische Komposition bereits da. Er präludiert auf dem ersten Thema – welches diese Umkehrung der Position im Erkennen ist, setzend, dass die sinnlich wahrnehmbaren Objekte eine Form der im Innern anwesenden Begriffe sind, dass die letzteren also das Fundament bilden, und die ersteren eine andere Form davon sind, die wohl aber für das Erkennen notwendig sind – und kommt dann zu einer Wiederholung der präludierenden Töne, mündend in eine erste großartige Ausführung des Themas, das die Erlösung des vollkommenen Verstehens davon bringt.
Die Umkehrung der Erkenntnisposition

Dasjenige, was in diesem Aufsatz über die atomistischen Begriffe angedeutet wird als eine Umkehrung des Verhältnisses zwischen den sinnlichen Wahrnehmungsobjekten und den Begriffen, finden wir in einem der ersten Bücher von Rudolf Steiner wieder, in ‚Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung‘, GA 2. Ich zitiere hier die Passagen, die sich auf dieser Umkehrung beziehen. Zuerst die Passage über die Gedankenwelt, die eine Einheit bildet und die eine Harmonie ist. Dann auch die Passage über das Verhältnis des Denkens zur Außenwelt, zu den sinnlichen Objekten. In meinem Buch ‚Persephone‘, zusammengestellt aus Vorträgen und Übungen aus dem Sommerseminar im Berner Oberland 2015, habe ich beide Seiten ausführlich besprochen und umgeformt in einen Übungsweg, damit die Umkehrung der Erkenntnisposition auch eine Beständigkeit bekommen kann.
Besprechung des Aufsatzes von ‚Einzig mögliche Kritik der atomistischen Begriffe‘ von Rudolf Steiner aus 1882

Steiner führt dann eine vollkommene Umkehrung der Verhältnisse vor. Er geht zurück zu dem ursprünglichen Wirklichkeitserlebnis der Begriffe, die er als eine Welt der auf sich selbst beruhenden, in sich selbst sich tragenden und auch einander tragenden Gesetzmäßigkeiten sieht, und er sieht in der Sinneswirklichkeit nur eine andere Form des Begriffs. In mir trage ich den Begriff ‚Baum‘, zwar geweckt durch die Sinneswahrnehmung; Sehe ich wiederum einen Baum in der Wirklichkeit, dann zeigt mir dieser eine spezielle Wirklichkeitsform des allgemeinen Begriffs.
Einzig mögliche Kritik der atomistischen Begriffe

In Antwerpen haben wir einen ganzen Tag diesem frühen Artikel von Rudolf Steiner geweiht. In den kommenden Wochen werde ich etwas von demjenigen, was wir erarbeitet haben, beschreiben. Zuerst ein Zitat:
Das Herz als ein Sinnesorgan

Um die Reinheit oder die Falschheit zu ‚hören’, muss das Herz dazukommen. Dies ist ebenso eine Art Sinnesorgan, es ist das Organ des Gefühlslebens, zusammen mit der Atmung. Allein das Fühlen kann uns auf die Wahrheit weisen, das Herz muss die Wahrheit wahrnehmen. Mit einem reinen Herzen wissen wir, ob etwas wahr ist oder nicht.
Das Fühlen als eine musikalische Komposition

In der Musik sind es gerade die Übergänge von Dissonanz zu Harmonie, die am meisten beeindrucken, die uns am meisten berühren. Hätten wir eine Musik mit nur Harmonie darin, so würden wir diese wahrscheinlich als ziemlich oberflächlich erleben. In der Musik sind es nicht nur die Melodie, der Rhythmus, die Harmonien und Disharmonien, die es zu einem musikalischen Erleben machen. Es sind vor allem die Übergänge zwischen den Tönen, zwischen den Akkorden, zwischen den Stimmungen, zwischen den Tonarten, die bedeutend sind, sie machen die Musik.
Das Gespräch II

Es ist klar, dass sie die Hauptrolle bei der Gestaltung der Meinungen spielen. Man könnte sagen – mit einem gewissen Recht -, dass unsere Meinungen Gefühle sind, die sich zu Gedanken kristallisiert haben. Nicht ganz natürlich, denn der Inhalt der Meinungen wird aus einer allgemeinen Welt des Denkens genommen wird. Aber die Komposition der Meinung ist weitgehend von Emotionen geleitet. Nur dort, wo Weisheit die Form der Gefühlswelt ist, kann es reine, gesunde, wahre Meinungen geben.
Das Gespräch

Ein wunderbarer Blick auf den Egoismus ist in der Arbeit von Rudolf Steiner gegeben. Es ist eine Ansicht, die ich voll umarmen kann, und die Lösung ist noch schöner: Ein Weg, den meistens unsichtbaren starren Egoismus zu überwinden …
Der Graf von Saint Germain

Eine weitere große Möglichkeit dieses spirituellen Meisters ist, dass alles, was er geben kann, entwickelt werden kann, während wir im vollen Arbeitsleben sind. Wir müssen uns nicht in ein Kloster zurückziehen, oder Mitglied einer okkulten Bruder- (Schwestern)schaft werden. Inmitten des Lebens kann dieser Weg verfolgt werden und alles, was wir entwickeln, wird dem Leben auf der Erde als Früchte zurückgegeben. Wenn wir über die Entwicklung des aktiven Denkens nachdenken – wie ich es in den vergangenen Wochen getan habe -, könnte es scheinen, dass der Weg nur für Weltfremde geeignet ist. Aber nichts könnte weniger wahr sein. Die Kraft des spirituell entwickelten Denkens wird zu einer Willenskraft, um in Schwierigkeiten durchzuhalten und alles der Welt zu geben, was man hat, immer mehr und mehr mit der Welt vertraut und ein Fremder des eigenen täglichen Selbst zu werden…
Eine Hymne in Prosa

Nach sieben Jahren des Erlebens der Kraft, die das spendet, fing ich an darüber zu schreiben. Jetzt, 24 Jahre später, schreibe ich noch immer darüber. Ein Gleichgewicht zwischen innen und außen wurde gefunden und findet sich noch immer mehr, es treibt Wellen, die sich immer weiter verbreiten, Kreise, die auch wiederum in sich selbst zurückfinden.