Unser Vermögen, zu fühlen, ist nicht von dieser Welt. Selbstverständlich lacht die Wissenschaft über eine solche Aussage, aber in alten Zeiten – und sicher auch wiederum in kommenden Zeiten – wussten wir und werden wir wissen, dass die Gefühle von Menschen komponiert sind aus den Tönen in der kosmischen Harmonie, in der Sphärenharmonie. Johannes Kepler, ein Wissenschaftler in der wachsenden modernen Wissenschaft, hatte noch ein Gefühl für diese Harmonie der Welt, die nicht nur eine mathematische und physische ist, sondern auch eine göttliche kosmische. Er hatte noch eine pythagoräische Weisheit, die es ihm ermöglichte, zu erleben, dass es in der wunderbaren Komposition der Welt die göttlichen Weltgedanken sind, die schaffen. Diese Gedanken sind schaffende Gedanken.
Unsere Gefühle kommen aus einer kosmischen Welt. Wie die Planeten um die Sonne herum wandern, so sind unsere Gefühle gegliedert in sieben Töne, die aus der kosmischen Sphärenharmonie herübertönen. Es ist schwierig, diesen Ursprung zu finden, weil die alltäglichen, persönlichen Gefühle viel stärker sind als diese feinen ätherischen Gefühle – die auch mit den sieben Sphären des Bewusstseins verwandt sind.
Wenn wir es so denken können, muss es eine atmosphärische Musik geben, die tatsächlich unser Gefühlsleben ist. Diese kosmische Musik ist übertönt von einem halb-leiblichen, halb-persönlichen Gefühlsleben. Wenn der Leib gesund ist, können die kosmischen musikalische Töne durch den Leib hindurch tönen. Wenn die Seele gesund ist, formt die kosmische Musik die Gefühle mit. Aber im Leben auf der Erde ist die Musik nie so himmlisch, wie sie es in ihrer reinen Form ist. Wir haben diese reine Musik im Leben vor der Geburt, nach dem vorherigen Tode, gehört. Ein Komponist erinnert sich dieser mehr oder weniger und kann uns diese vorgeburtliche Musik bringen – immer vermischt mit irdischen Tönen.
Aber in unserem Leben ist die Musik immer erfüllt von Dissonanten, die sozialen Probleme verursachen diese, und es ist das Schicksal, dass uns diese Probleme bringt. Nur wenn wir etwas von Freiheit in unserer Seele haben, können wir uns darüber erheben und die Dissonanz wieder in Harmonie überführen. Wenn nicht, dann müssen wir das Schicksal walten lassen und abwarten, ob es weitere Uneinigkeiten oder eine erneute Harmonie bringen wird.
In der Musik sind es gerade die Übergänge von Dissonanz zu Harmonie, die am meisten beeindrucken, die uns am meisten berühren. Hätten wir eine Musik mit nur Harmonie darin, so würden wir diese wahrscheinlich als ziemlich oberflächlich erleben. In der Musik sind es nicht nur die Melodie, der Rhythmus, die Harmonien und Disharmonien, die es zu einem musikalischen Erleben machen. Es sind vor allem die Übergänge zwischen den Tönen, zwischen den Akkorden, zwischen den Stimmungen, zwischen den Tonarten, die bedeutend sind, sie machen die Musik.
Um aber auf Erden kosmische Musik zwischen den Seelen zu machen, ist es notwendig, in der richtigen Art gestimmt zu sein. Sieben mächtige Töne müssen rein gestimmt werden, damit sie rein klingen können, und rein zusammenstimmen können. So entsteht harmonievolle Musik – aber ohne Angst vor Dissonanzen.
Das ist es, was ich meinte, als ich das ‚aktive Fühlen‘ beschrieb. Eine Seele mit von Anfang an falschen Tönen kann ja nie mit anderen Seelen zusammen einen reinen Akkord spielen. Wir müssen lernen, unsere eigenen Töne rein hervorzubringen.

Museum in Tripoli, Apollo spielt die Leier.Das Fühlen als eine musikalische Komposition Von Mieke Mosmuller



