Am Ostermontag starb der Papst. Ich fand es eine interessante Bemerkung von Putin, der sagte: Ich weiß nicht, wie das bei den Katholiken ist, aber bei uns ist es so, dass, wenn jemand an Ostern stirbt, das ein Zeichen ist, dass es ein bedeutendes Leben gewesen ist. Ich musste da an Toon Hermans denken, der am Karfreitag gestorben ist. Das wird zweifellos auch ein Zeichen sein. Ich wollte also dieses Video widmen an, ja ich will nicht sagen den Papst, aber an das, was durch seinen Tod doch auch aufgerufen wird. Denn es ist natürlich doch, wie man es auch betrachtet, der Tod eines Weltführers. Und das gab mir Anlass, mich noch einmal zu besinnen auf: Wie steht man eigentlich dazu, zum Dasein und zur Bedeutung des Papstes.
Wie bekannt, stamme ich aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. In jener Zeit war der katholische Glaube zwar nicht mehr so heftig präsent wie zu Beginn des Jahrhunderts, aber doch noch immer ziemlich mächtig. Und wenn man dann in diese katholische Kirche aufgenommen wird, und darüber hat man natürlich kein Mitspracherecht, denn man wird in eine bestimmte Familie hineingeboren, die treffen die Entscheidung, einen katholisch taufen zu lassen. Und obwohl dann jedenfalls in meinem Leben dem nicht so sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde, ist es doch so, dass man durch die Taufe eine Verbindung mit dieser katholischen Kirche hat. Und wirklich, das fühlt man, wenn die Nachricht kommt: der Papst ist gestorben. Das war doch noch unerwartet, denn wir haben natürlich seine Krankheit miterlebt. Und ich muss sagen, am Ostersonntag habe ich als Arzt wirklich gedacht: Wie ist es möglich, dass die medizinische Versorgung des Papstes dies zulässt, oder vielleicht sogar fördert, dass er dies tut, auch vieles nicht, aber doch noch immer sehr vieles tut, was ein Papst an Ostern tut. Also an sich ist es dann auch nicht verwunderlich, dass das eigentlich nicht mehr ging. Und dass er dann am Ostermontag doch gestorben ist. Und dann stellt sich wieder die Frage: Was ist das eigentlich für ein Institut, diese katholische Kirche? Und insbesondere: Was ist die Bedeutung des Papstes? Ich erinnere mich aus meiner Jugend, dass ich in Familien kam, wo der katholische Glaube viel mehr gepflegt wurde, als ich das gewohnt war. Und wo vom Papst als einer unantastbaren Person an der Spitze der katholischen Kirche gesprochen wurde. Und es wurde sogar gesagt: Glaubst du an den Papst? Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Und ich verstand nicht recht, was damit gemeint war.
Denn ich kann mir schon vorstellen, dass gefragt wird: Glaubst du an Gott? Aber glaubst du an den Papst? Das fand ich doch eine merkwürdige Frage. So klein wie ich war. Und jetzt, wenn ich darauf zurückblicke, dann kommt die Frage auf: Was glauben Katholiken denn eigentlich in Bezug auf den Papst? Und sie haben auch eine gewisse Pflicht, bestimmte Dinge zu glauben, und das ist, dass der Papst das Oberhaupt der katholischen Kirche ist und ein Nachfolger von Petrus, von dem gesagt wurde: Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Wenn man in der Folge dieser Aussage die Kirche leitet, dann ist das natürlich bedeutsam. Daran glauben Katholiken. Ich weiß nicht, ob sie es immer wissen, dass sie daran glauben sollten. Dann gibt es natürlich das schwierige Dogma der Unfehlbarkeit.
Diese Unfehlbarkeit des Papstes, ein Dogma aus dem 19. Jahrhundert, gilt nicht für alles. Es ist nicht so, dass der Papst als bereits völlig heiliger Mensch angesehen werden muss, der nie Fehler macht, aber in Bezug auf den Schutz des Glaubens und der Sitten der Herde, der Gläubigen, ist er als Hirte eingesetzt. Und wir wissen natürlich, dass Thomas von Aquin als ein Kirchenvater betrachtet wird und auch als der große Lehrer der katholischen Kirche. Und es ist dann interessant, zu sehen, was dieser Mensch damals gesagt hat über die Pflicht des Katholiken, das, was der Papst sagt, für wahr zu halten. Nun existierte natürlich damals im dreizehnten Jahrhundert noch kein Dogma der Unfehlbarkeit, und Thomas von Aquin ist darüber sehr deutlich, dass die Wahrheit der eigentliche Führer der Kirche ist und dass der menschliche Verstand in der Lage ist, diese Wahrheit zu erkennen. Und dass, wenn der Gläubige feststellen müsste, dass das, was der Papst verkündet, nicht wahr ist, dann hat der Gläubige laut Thomas von Aquin das Recht, die Pflicht, diese Verkündigung abzulehnen. Das wird dann eigentlich mit dem Dogma der Unfehlbarkeit schwierig. Aber ich denke, dass es doch ziemlich selten ist, dass von diesem Dogma Gebrauch gemacht wird und dass die meisten Verkündigungen und Handlungen des Papstes nicht in diesem Licht zu sehen sind. Aber gut, es ist natürlich schon wichtig, dass ein Katholik doch zum Papst aufschaut, der in gewissem Sinn eine Unfehlbarkeit hat.
Dann ist natürlich die Frage: Darf man dann Kritik am Papst haben? Oder muss man als Gläubiger eigentlich alles gutheißen, was er tut? Das ist natürlich eigentlich mit dem Vorherigen schon beantwortet. Es geht um die Wahrheit. Nun ist es in unserer Zeit natürlich so, dass die gängige Philosophie festgestellt hat, dass der Mensch nicht in der Lage ist, die Wahrheit zu finden. Also ja, dann würde man sagen, dann ist man froh, dass es einen Papst gibt, der das wohl kann. Aber Sie verstehen schon, da gerät man doch in ein sehr schwieriges Gebiet. Und wenn wir, jedenfalls ist das bei mir so, Menschen sind, die doch eine Neigung zur Freiheit des Urteils haben, dann wird das Akzeptieren einer Autorität auf diesem Gebiet gerade sehr schwierig, dann ist es gerade so, dass man für sich selbst beanspruchen will – das kann ich nicht sagen, aber so etwas –, dass man sich wünscht, dass man bei der Feststellung moralischer Pflichten und religiöser Urteile seinem eigenen Urteil überlassen wird und dass es nicht eine Instanz gibt, die für einen bestimmt, was gut und was böse ist. Andererseits sieht man natürlich, dass es für Menschen nicht so einfach ist, aus sich selbst zu bestimmen, was gut und was böse ist. Aber ich denke dann an Paulus, die Briefe von Paulus, der zu seiner Zeit, als die Menschen doch natürlich noch ganz anders dachten und fühlten, schon sagte, dass das Gesetz die Ursache der Sünde ist. Wenn es kein Gesetz gibt, gibt es auch keine Sünde. Und dass der moralische Maßstab, den der Mensch hat, dass das eigentlich Christus selbst in uns ist. Und dann könnte man es also wirklich nicht mehr gut ertragen, dass es einen religiösen Führer gibt, der es am besten weiß. Aber es ist nun einmal ein Institut, das auf diese Weise geleitet wird, und das will ich eigentlich nur zeigen. Und dann auch mit allem Verständnis, sage ich mal, zeigen, wie das in unserer Zeit schwierig ist und wie man eigentlich von uns Menschen nicht mehr erwarten kann, dass wir die Führung so weit aus der Hand geben. Also dieser Glaube an den Papst, der muss in unserer Zeit doch eine andere Qualität bekommen, wenn man sich überhaupt noch mit einem Papst befassen will.
Ich tue das eigentlich nicht, aber noch einmal, wenn man katholisch getauft ist und ein Papst stirbt, dann fühlt man etwas dabei. Dann ist natürlich die Frage, was ist eigentlich die äußere Macht des Papstes? Wir haben natürlich die merkwürdige Situation, dass es den allerkleinsten Staat der Welt gibt, und das ist der Vatikan. Und das ist das Städtchen, der Staat, dessen Haupt oder Führer der Papst ist. Aber es gibt auch eine Verwaltung dieses Staates, und die trägt den Namen Heiliger Stuhl. Und der Heilige Stuhl ist in Wirklichkeit dann der juristische und diplomatische Arm dieses Staates. Und ich habe das noch einmal nachgeschlagen. Das bedeutet unter anderem, dass es einen ständigen Beobachter bei den Vereinten Nationen gibt. Als Vertreter des Heiligen Stuhls. Keine Entscheidungsbefugnis, kein Stimmrecht, aber doch eine beobachtende Funktion. Und dann muss man sich vorstellen, dass dieser Heilige Stuhl nicht nur die politische, juristische, diplomatische Führung des Vatikans ist, sondern dass er das auch für die katholische Kirche ist. Und die katholische Kirche hat natürlich sehr viele Mitglieder. Ich sah ein Foto in der Zeitung von einem Besuch des Papstes vor einigen Jahren in Korea. Unglaublich, was man da sieht. Das war ein Luftbild. Da sieht man wirklich alle Straßen und Plätze überfüllt mit Menschen. Und dann ist wohl klar, dass die Macht der katholischen Kirche noch immer sehr groß ist. Auch wenn sie im Westen natürlich abnimmt. Das sind die Entdeckungen, sage ich mal, die man macht, wenn man denkt, ja, ich muss mich doch noch einmal mit dem Phänomen Papst beschäftigen. Denn wir bekommen natürlich wieder einen neuen Papst. Und ich glaube nicht, dass man leichtfertig sagen kann, ach, das ist eine schwindende Macht, und darum müssen wir uns nicht weiter kümmern. Ich glaube, dass es noch immer eine große Macht ist, und ich glaube, dass wir das doch auch in der Zeit von Corona gesehen haben. Und auch in der Zeit danach, als von einem angestrebten Reset die Rede war, dass der jetzt verstorbene Papst dahinterstand. Und das war nicht bedeutungslos. Das hat auf mich den Eindruck gemacht, dass das durchaus eine wichtige Unterstützung für die Politik war. Und in diesem Sinne ist es wirklich nicht unwichtig, wer nun der Nachfolger wird, was seine Signatur ist. Der soeben verstorbene Papst Franziskus war ein Jesuit, und von Jesuiten wissen wir, dass sie hoch gebildet sind, dass sie ein enormes Gebäude an Wissen mit sich tragen, das sie auch vertreten. Und als dieser Papst begann und seinen Namen bekannt gab, hatte ich da etwas Mühe mit. Erstens ist der Name Franziskus natürlich nicht nur Franz von Assisi, sondern wir haben auch Franz Xaver, der mit dem Jesuitenorden zu tun hat. Der Papst hat sehr deutlich gesagt, dass das nicht seine Wahl war, sondern Franz von Assisi. Und dass es das Armutsideal war, was ihn dazu brachte, diesen Namen zu wählen. Und was mein unangenehmes Gefühl dabei war, das ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Franz von Assisi jemals das Amt des Papstes angenommen hätte. Dafür war sein Armutsideal zu, ja, aufrichtig, wie soll ich sagen, vollständig. Sein Armutsideal erstreckte sich nämlich auch auf die Armut des Geistes. Bücher waren für Franz von Assisi nicht von Bedeutung. Es war eine Gefühls- und Willensmystik, die von der Armut durchdrungen war, kann man sagen. Und dann kommt ein Würdenträger in der katholischen Kirche. Der wird gewählt, Papst zu werden. Und der nimmt diesen Namen an. Und ich sage über die Toten nichts als Gutes.
Ich denke, dass dieser Papst sehr viel getan hat, um seinem Namen gerecht zu werden, dass er das auch wirklich ernst genommen hat, aber mir fehlt eigentlich das Verständnis für den echten Franz von Assisi. Nun ist der Papst gestorben, und am Samstag wird er beerdigt. Das ist natürlich ein Weltereignis, und ich fand deshalb, dass ich dieses Video doch dem widmen wollte, auch in der Hoffnung, dass viele Menschen, die hier zuschauen, sich selbst auch einmal fragen: Jeder weiß, was und wer der Papst ist. Aber was ist nun eigentlich die Bedeutung dieses Hirten der katholischen Herde?
Als ich noch sehr jung war, begegnete mir in einem Büchlein, einem Roman, ein Spruch auf Englisch. Es war ein niederländisches Büchlein, und dieser Spruch stand auf Englisch. Für mich war das ein Spruch, der Halt gab, so wie mir später die Anthroposophie Halt gab. Ich wusste nicht, von wem dieser Spruch war, das stand da auch nicht. Später habe ich bei Rudolf Steiner gefunden, und ich kann das nicht mehr wiederfinden, dass dieser Spruch ursprünglich von Franz von Assisi stammt:
„Lord, grant me the serenity, to accept the things I cannot change. The courage to change the things I can. And the wisdom to know the difference.“




Een reactie
Dear Frau Dr Mosmuller
1. Do you understand why Franz Brentano was against papal infallibility?
2. Do you still claim to observe your actual thinking which Rudolf Steiner disputes is possible?
3. If I correctly remember, you objected to Renatus Ziegler and Michael Muschalle as fake Anthroposophists – what is your judgment of both today?