Einweihung: Der Zuschauer

Ich habe beim letzten Mal über die Einweihung und über die Selbsterziehung gesprochen. Und ich habe dabei gesagt, dass im Altertum die Schüler auserwählt wurden und dass sich in der heutigen Zeit der Mensch selbst auswählt. Nun ist es so, dass ich meine Videos in der Regel auf ungefähr zwanzig Minuten beschränke, weil ich dieses Medium für längere Ausführungen nicht wirklich geeignet finde. Der Nachteil ist allerdings, dass man dann immer nur sehr wenig sagen kann und dass das, was man sagt, leicht etwas extrem wirkt.
Frei Denken

Nach dem Video vom letzten Mal mit dem Titel „Unabhängiges Urteil“ erhielt ich natürlich Reaktionen. Die stehen nicht nur unter dem Video, sondern ich bekomme ab und zu auch E-Mails mit Reaktionen. Und eine davon wies mich auf die Tatsache hin, dass man, wenn man etwas älter ist und in die eigene Jugend zurückblickt, dann doch eigentlich sagen müsste: In jener Zeit waren die Menschen noch viel abhängiger von dem Urteil, in dem sie erzogen wurden, als in der heutigen Zeit. Wir sind in der Tat viel freier geworden, es zu wagen, etwas zu denken, das zum Beispiel einen revolutionären Charakter hat. Und damit meine ich nicht Revolution im großen Sinn. Sondern Revolution im Sinne dessen, dass man wirklich etwas anderes will als das, was geschieht. Das zu denken ist etwas, das in der modernen Zeit doch eigentlich immer mehr möglich wird, wenn man an die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts denkt.
Die Einweihung: Selbsterziehung!

Das vorige Mal habe ich über die Einweihung gesprochen, und das möchte ich diesmal noch fortsetzen. Darüber ist man natürlich eigentlich nie ausgesprochen. Die Zeit, in der wir leben, ist eine ganz besondere, wenn wir uns auf die Einweihung beziehen, denn wir können in unserer Zeit wirklich selbst entscheiden, ob wir den Weg der Einweihung gehen möchten, und das ist wirklich etwas Besonderes. Denn wir müssen uns vorstellen, wenn wir an alte Zeiten denken, wo es Mysterien gab, wo man eingeweiht werden konnte; da wurden die Schüler wirklich dafür auserwählt, und sie hatten schwere Prüfungen zu bestehen, um auch bleiben zu dürfen. Die Einweihung selbst wurde in der Schule vorbereitet, aber wenn der Schüler oder die Schülerin dann so weit war, dass die Einweihung vollzogen werden konnte, dann wurde das an den Schülern vollzogen.
Unabhängiges Urteil

Ich sitze herrlich in der Herbstsonne zwischen zwei Regenschauern und denke nach über die vergangene Woche, als in den Niederlanden die Wahlen waren. Diese haben eine große Überraschung gebracht, und ja, das führt natürlich dann dazu, dass man sich doch besinnt auf die Frage: wie kann es doch sein, dass ein Ergebnis herauskommt, das so weit von den Umfragen abweicht und das für alle eine so große Überraschung ist? Was ist da eigentlich geschehen, wodurch sich das in kurzer Zeit in der niederländischen Bevölkerung so verändert hat? Und es geht mir dann nicht so sehr um die Frage in diesem speziellen Fall, sondern mehr um eine allgemeine Frage: wie das denn in unserer Zeit überhaupt wirkt.
Die Engel im Lebensleib

Vor einigen Wochen hatte ich begonnen, über ein erstes mögliches Szenario zu sprechen, das wir uns vorstellen könnten, um ein Gegengewicht zu bieten, möglicherweise, gegen alle anderen Szenarien, die es gibt. Und ich habe damals ein Stück aus einem Vortrag von Rudolf Steiner vorgelesen. Er sagt, dass es wirklich an der Zeit ist, dass der Mensch in seiner Zeit, und dann erst recht in der unseren, einsieht, dass die sinnliche Wirklichkeit nicht die ganze Wirklichkeit ist und dass wir uns bewusst werden müssen, dass eine geistige Wirklichkeit, sagen wir einmal, gestaltend der sinnlichen Wirklichkeit zugrunde liegt und dass man diese Wirklichkeit, diese geistige Wirklichkeit, kennenlernen könnte dadurch, dass man die Geisteswissenschaft studiert. Das ist in unserer Zeit von allergrößter Bedeutung, und das sollte also eigentlich das erste Szenario sein: dass man sich eine Welt vorstellt, in der die Menschen jedenfalls in großer Zahl nicht mehr ausschließlich bei dem stehenbleiben, was das Materielle zu bieten hat, sondern auch wirklich durchdrungen sind von der Tatsache, dass es eine geistige Realität gibt.
Die Einweihung

In den vorigen Videos über Anthroposophie habe ich versucht, etwas auszuführen über die Drei-und Viergliederung des Menschen, über Karma und Reinkarnation und das letzte Mal über das Herzdenken. Und heute möchte ich versuchen etwas zu sagen über den Einweihungsweg, den Rudolf Steiner uns gewiesen hat. Es ist deutlich, dass er fand, und das wird wohl jeder Eingeweihte finden, dass man zuerst studieren muss. Und das zeigt sich darin, dass in den Büchern über Geisteswissenschaft, zum Beispiel die Bücher Theosophie und auch die Geheimwissenschaft im Umriss, dass Rudolf Steiner darin zuerst Studienmaterial gibt und erst ganz am Ende den Einweihungsweg beschreibt.
Bildschirm-Kinder. Erziehung von Kindern im Alter von 7-14 Jahren

Vor Jahren habe ich ein Büchlein geschrieben über die Erziehung des Kindes, von der Geburt an oder vielleicht sogar schon von der Empfängnis an, bis zum siebten Lebensjahr, bis zum Zahnwechsel. Ich fand bei dem Dichter Novalis einen Satz, der ungefähr zum Ausdruck bringt, was ich in jenem Büchlein sagen wollte, nämlich: Das Kind ist sichtbar gewordene Liebe. Wunderschön! So habe ich jenem Büchlein diesen Titel gegeben. Das ist schon Jahre her, und natürlich ist öfter die Frage gekommen: Kannst du nicht auch etwas schreiben über das Kind in der zweiten Entwicklungsphase, nämlich vom Zahnwechsel bis zur Pubertät? Das habe ich nun versucht, und was ich immer „tue“, wenn ich beginne, einen Text zu schreiben: dann denke ich eigentlich zuerst darüber nach, was ist nun eigentlich der Kern dessen, was ich sagen möchte, von dem ich denke, dass es wichtig ist.
Michael

Michael. Wir leben auf das Fest des Michael hin, am 29. September. Und ich muss sagen, dass ich, bevor ich die Anthroposophie kennenlernte, dieses Fest nicht kannte. Ich habe es vor allem an der Waldorfschule kennengelernt, weil die Kinder dorthin gingen. Und natürlich auch aus dem Werk Rudolf Steiners. Es könnte einem einfallen, dass Rudolf Steiner dieses Fest selbst ins Leben gerufen hat, aber das ist ganz und gar nicht so. Es ist ein sehr bekanntes Fest, das eigentlich in einem sehr weiten Bereich von Religionen gefeiert wird. Und tatsächlich am 29. September.
Herzdenken

Wir haben in der Anthroposophie eine Art von Verwirrung mit Bezug auf das Denken. Das Denken ist in unserer Zeit natürlich ganz abstrakt, und wir können manchmal auch das Gefühl haben, dass es auch herzlos ist. Und das führt dazu, dass wir eine Sehnsucht empfinden, über das Denken hinüberzukommen zu etwas, was wieder mit dem Herzen erfüllt ist. Oder vielleicht ohne es zu bemerken, dass wir nicht darüber hinüberkommen, sondern dass wir zurückrutschen in etwas, was der Vergangenheit gehört. Und das möchte ich heute versuchen, etwas mehr deutlich zu machen. Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, und erkennen tut man mit Hilfe des Denkens. Und das ist, glaube ich, auch etwas, was Anthroposophie nicht so populär macht, dass wir dafür unser Denken stark einsetzen müssen.
Die Engel in der Seele

Ich habe vor einigen Wochen einen Vorschlag gemacht, dass wir als Menschen, die unterschiedliche Auffassungen darüber haben, wie es mit der Welt in Zukunft weitergehen soll und mit der Welt und mit der Menschheit, dass wir als solche Menschen in unseren Gedanken konkret werden sollten. Vielleicht können wir auch aufschreiben, wie wir uns das dann vorstellen würden. Dann bekam ich die Frage, selbst darüber etwas konkreter zu werden, und sofort wusste ich, was das Allerwichtigste aus einer spirituellen Sicht ist. Das Allerwichtigste ist, dass wir Menschen immer mehr und mehr begreifen, dass das, was mit der Welt geschieht, dass die Weltentwicklung und die Entwicklung der Menschheit nicht nur ein physisch sichtbar erlebbares Geschehen ist, sondern dass es auch ein spirituelles Geschehen ist. Und das ist natürlich etwas, was für sehr viele Menschen überhaupt nicht klar ist, aber auch für sehr viele Menschen schon. Und das könnten wir viel stärker ins Bewusstsein bringen, dass wir das, was wir in der Welt geschehen sehen, nicht nur so auffassen, wie es sich uns zunächst sichtbar und hörbar darstellt, sondern dass wir auch versuchen, es aus einem spirituellen Gesichtspunkt zu betrachten. Und dann kann man natürlich sagen: na ja gut, das kann ich überhaupt nicht, denn ich nehme den geistigen Aspekt der Weltgeschehnisse nicht konkret wahr. Nun, das muss man auch nicht, aber was wir sehr wohl tun können, ist, uns in die Geisteswissenschaft zu vertiefen, die es schon gibt. Und das ist die Anthroposophie. Rudolf Steiner hat sich in seiner Zeit sehr viel Mühe gegeben, eine spirituelle Sicht auf das damalige Weltgeschehen zu geben. Und das ist immer noch außerordentlich lehrreich.