Die Einweihung

In den vorigen Videos über Anthroposophie habe ich versucht, etwas auszuführen über die Drei-und Viergliederung des Menschen, über Karma und Reinkarnation und das letzte Mal über das Herzdenken. Und heute möchte ich versuchen etwas zu sagen über den Einweihungsweg, den Rudolf Steiner uns gewiesen hat. Es ist deutlich, dass er fand, und das wird wohl jeder Eingeweihte finden, dass man zuerst studieren muss. Und das zeigt sich darin, dass in den Büchern über Geisteswissenschaft, zum Beispiel die Bücher Theosophie und auch die Geheimwissenschaft im Umriss, dass Rudolf Steiner darin zuerst Studienmaterial gibt und erst ganz am Ende den Einweihungsweg beschreibt.
Bildschirm-Kinder. Erziehung von Kindern im Alter von 7-14 Jahren

Vor Jahren habe ich ein Büchlein geschrieben über die Erziehung des Kindes, von der Geburt an oder vielleicht sogar schon von der Empfängnis an, bis zum siebten Lebensjahr, bis zum Zahnwechsel. Ich fand bei dem Dichter Novalis einen Satz, der ungefähr zum Ausdruck bringt, was ich in jenem Büchlein sagen wollte, nämlich: Das Kind ist sichtbar gewordene Liebe. Wunderschön! So habe ich jenem Büchlein diesen Titel gegeben. Das ist schon Jahre her, und natürlich ist öfter die Frage gekommen: Kannst du nicht auch etwas schreiben über das Kind in der zweiten Entwicklungsphase, nämlich vom Zahnwechsel bis zur Pubertät? Das habe ich nun versucht, und was ich immer „tue“, wenn ich beginne, einen Text zu schreiben: dann denke ich eigentlich zuerst darüber nach, was ist nun eigentlich der Kern dessen, was ich sagen möchte, von dem ich denke, dass es wichtig ist.
Michael

Michael. Wir leben auf das Fest des Michael hin, am 29. September. Und ich muss sagen, dass ich, bevor ich die Anthroposophie kennenlernte, dieses Fest nicht kannte. Ich habe es vor allem an der Waldorfschule kennengelernt, weil die Kinder dorthin gingen. Und natürlich auch aus dem Werk Rudolf Steiners. Es könnte einem einfallen, dass Rudolf Steiner dieses Fest selbst ins Leben gerufen hat, aber das ist ganz und gar nicht so. Es ist ein sehr bekanntes Fest, das eigentlich in einem sehr weiten Bereich von Religionen gefeiert wird. Und tatsächlich am 29. September.
Herzdenken

Wir haben in der Anthroposophie eine Art von Verwirrung mit Bezug auf das Denken. Das Denken ist in unserer Zeit natürlich ganz abstrakt, und wir können manchmal auch das Gefühl haben, dass es auch herzlos ist. Und das führt dazu, dass wir eine Sehnsucht empfinden, über das Denken hinüberzukommen zu etwas, was wieder mit dem Herzen erfüllt ist. Oder vielleicht ohne es zu bemerken, dass wir nicht darüber hinüberkommen, sondern dass wir zurückrutschen in etwas, was der Vergangenheit gehört. Und das möchte ich heute versuchen, etwas mehr deutlich zu machen. Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, und erkennen tut man mit Hilfe des Denkens. Und das ist, glaube ich, auch etwas, was Anthroposophie nicht so populär macht, dass wir dafür unser Denken stark einsetzen müssen.
Die Engel in der Seele

Ich habe vor einigen Wochen einen Vorschlag gemacht, dass wir als Menschen, die unterschiedliche Auffassungen darüber haben, wie es mit der Welt in Zukunft weitergehen soll und mit der Welt und mit der Menschheit, dass wir als solche Menschen in unseren Gedanken konkret werden sollten. Vielleicht können wir auch aufschreiben, wie wir uns das dann vorstellen würden. Dann bekam ich die Frage, selbst darüber etwas konkreter zu werden, und sofort wusste ich, was das Allerwichtigste aus einer spirituellen Sicht ist. Das Allerwichtigste ist, dass wir Menschen immer mehr und mehr begreifen, dass das, was mit der Welt geschieht, dass die Weltentwicklung und die Entwicklung der Menschheit nicht nur ein physisch sichtbar erlebbares Geschehen ist, sondern dass es auch ein spirituelles Geschehen ist. Und das ist natürlich etwas, was für sehr viele Menschen überhaupt nicht klar ist, aber auch für sehr viele Menschen schon. Und das könnten wir viel stärker ins Bewusstsein bringen, dass wir das, was wir in der Welt geschehen sehen, nicht nur so auffassen, wie es sich uns zunächst sichtbar und hörbar darstellt, sondern dass wir auch versuchen, es aus einem spirituellen Gesichtspunkt zu betrachten. Und dann kann man natürlich sagen: na ja gut, das kann ich überhaupt nicht, denn ich nehme den geistigen Aspekt der Weltgeschehnisse nicht konkret wahr. Nun, das muss man auch nicht, aber was wir sehr wohl tun können, ist, uns in die Geisteswissenschaft zu vertiefen, die es schon gibt. Und das ist die Anthroposophie. Rudolf Steiner hat sich in seiner Zeit sehr viel Mühe gegeben, eine spirituelle Sicht auf das damalige Weltgeschehen zu geben. Und das ist immer noch außerordentlich lehrreich.
Weltenerinnerung

Im Anfang des Kapitels Wiederverkörperung und Karma in dem Buch Theosophie von Rudolf Steiner hat er für uns die Frage gegeben, ob es nicht so sein könnte, dass die große Welt auch ein Erinnerungsvermögen hat, so wie wir das im Kleinen auch haben. Wenn wir etwas wahrnehmen oder etwas erleben, alle Ereignisse des Lebens, die prägen sich der Erinnerung ein und wir sind dazu imstande, in gewissen Schranken, wir sind dazu imstande, diese Vorstellungen wieder neu zu bilden aus der Erinnerung. Und Rudolf Steiner stellt dann die Frage, ob die Welt nicht auch eine Erinnerung hat und dass diese Welt sich daran erinnert, was wir der Welt getan haben, ob das positiv oder negativ ist, alles, was wir der Welt tun, könnte vielleicht von der Welt erinnert werden. Das ist natürlich unmittelbar ein Unsinn, wenn man die Welt nur materiell anschaut, dann kann das gar nicht. So eine Frage gilt nur für Menschen, die den Sinn haben dafür, sich mit dem seelisch-geistigen der Welt zu beschäftigen. Also, uns wird die Frage gestellt. Und jetzt, am Ende des Kapitels, kommt diese Frage zurück. Man hat beim Lesen des Kapitels schon oft das Gefühl, kommt diese Frage noch zu einer Antwort?
Der Rattenfänger

Nun habe ich das letzte Mal über ein erstes Szenario gesprochen und ein Stück aus einem Vortrag von Rudolf Steiner vorgelesen, worin er betont, dass, wenn die Menschen die äußeren Ereignisse rein äußerlich verfolgen und auch mit dem Verstand äußerlich kombinieren, es kein Ende geben wird an dem Chaos und den Kriegen in der Welt. Und dass es notwendig ist, dass die Menschheit, wir, so weit kommen, dass wir eine Fähigkeit entwickeln, nicht nur bei dem stehen zu bleiben, was die Sinne und der Verstand uns zu bieten haben, sondern dass wir ein Vermögen entwickeln, das Geistige darin gewahr zu werden. Nun ist das natürlich etwas – ich nehme an, dass die meisten Menschen, die diese Videos anschauen, anhören, das geistige Aspekt wohl schon angenommen haben, dass es nicht ein Glauben, sondern ein Wissen gibt, dass man in einer Welt lebt und dass man als Mensch ein Mensch ist, der nicht so ist, wie die Sinne und der Verstand allein es zeigen, sondern dass es eine geistige Realität gibt, die sich darin offenbart.
Die Anlage als Zeugnis der Individualität

In dem vorigen Video habe ich versucht, anhand von Rudolf Steiners Theosophie anzugeben, wie die Seele als Mittelglied zwischen Leib und Geist nach unten, zu dem Leib, als Empfindungsseele den astralen Leib durchsetzt, durchdringt und wie von oben das Geistige in Form des Geistselbst die Bewusstseinsseele durchstrahlt mit dem Wahren und Guten und das Schöne ist dann eine Folge. Rudolf Steiner führt dann die Gedankengänge weiter und es bleibt natürlich noch eine Frage: wenn wir so im Leben stehen und wir haben unseren eigenen Menschsein und wir haben auch das Menschsein von anderen, wie unterscheiden wir dann zwischen bestimmten Anlagen, die jemand hat, die aus der erblichen Anlage kommen und den rein geistigen Anlagen? Und in dem nächsten Textteil führt Rudolf Steiner das aus.
Ein erstes Szenario

Gedanken haben keine Kraft, sagte ich das letzte Mal. Und ich habe versucht, das zu nuancieren, indem ich sagte, dass sie wohl Kraft haben können. Und ich finde es sehr schön, dass es darauf so differenzierte Reaktionen gibt, nicht nur auf YouTube, sondern auch in Form von E-Mails, das gibt den Mut, dieses Thema weiter zu verfolgen. Eine der Fragen war: Gibt es nicht einen Text, den wir gemeinsam machen oder lesen könnten, durch den wir gemeinsam in die Richtung eines positiven Szenarios kommen, nicht ein Kriegsszenario, sondern ein positives Weltszenario. Und ich weiß sofort, welches Zitat aus dem Werk von Rudolf Steiner ich dafür nehmen möchte. Und das habe ich dann auch genommen. Das werde ich gleich vorlesen. Aber vorher möchte ich noch etwas anderes sagen, was natürlich damit zu tun hat. Und zwar, dass es von Bedeutung wäre, dass wir als Menschen uns viel mehr besinnen auf den, ich sage mal, geistigen Teil in uns. Wir unterscheiden uns vom Tier.
Die Seele

Es scheint, dass ich jedes Mal erklären muss, warum ich als Holländerin Deutsch rede. Ja, das kann ich natürlich nicht jedes Mal tun. Und ich weiß nur zu gut, dass ich eine Holländerin bin, die Deutsch versucht zu sprechen. Aber ich mache es weiter so, weil ich viele Deutsch-sprechende Freunde habe, die im Verlauf der Jahre mehr oder weniger mit mir mit auf den Weg gegangen sind. Und wenn ich wirklich über Anthroposophie spreche, wie ich das in diesen Videos mache, dann spreche ich Deutsch. Und ganz schlecht ist es natürlich auch nicht, mein Deutsch. Wir machen weiter mit den Ausführungen von Rudolf Steiner in seinem Buch Theosophie über Reinkarnation und Karma.